| Keltische Sprachen | Artikelansicht | ||||
| Klicken Sie im Menü Datei auf Drucken, um die Informationen zu drucken. | |||||
| 4. | Walisisch |
Walisisch, das von seinen Sprechern Cymraeg oder Cymric (von Cymru: Wales) genannt wird, gehört zu den lebendigsten der keltischen Sprachen. Walisisch wird in Wales (wo die Mehrheit ihrer Sprecher auch Englisch spricht) und in einigen Gemeinden der Vereinigten Staaten und Argentiniens gesprochen, wo sich 1865 circa 150 Waliser in Patagonien niederließen. Organisationen wie die Society for the Welsh Language (Gesellschaft für die walisische Sprache) haben die Sprache vor dem Aussterben bewahrt und arbeiten daran, ihr neben dem Englischen einen offiziellen Status zu verleihen. Einige Schulen in Wales verwenden Walisisch als Unterrichtssprache. Darüber hinaus gibt es einige Fernseh- und Radiosendungen, die in dieser Sprache ausgestrahlt werden.
Wie das Bretonische entledigte sich auch das Walisische der Kasusendungen bei Substantiven. Verben weisen hingegen differenzierte Flexionsformen auf. Der Konsonantenwechsel spielt wie in allen keltischen Sprachen eine große Rolle. Die walisische Rechtschreibung ist phonemisch und gibt die jeweils geforderte Aussprache eindeutig wieder. In den meisten Fällen werden Sprecher des Walisischen wissen, wie ein Wort auszusprechen ist, auch wenn sie es nie zuvor gesehen haben. Der Buchstabe w kann allerdings sowohl einen Konsonanten als auch einen Vokal repräsentieren, das y steht für zwei verschiedene Vokale. Der Konsonant f entspricht dem deutschen v (wie „Violine”, nicht „Vater”), ff dem f, dd dem weichen englischen th, wie es in then ausgesprochen wird, und th dem aspirierten englischen th, wie es in thin gesprochen wird. Sämtliche Versuche, die Aussprache des ll zu beschreiben, scheitern. Es handelt sich um einen stimmlosen frikativen (reibenden) Laterallaut (ausströmende Luft entweicht auf beiden Seiten der Zunge). Walisische Worte werden auf der vorletzten Silbe betont und weisen eine charakteristische Intonation auf.
In der Sprachwissenschaft wird das Walisische in drei Perioden untergliedert: Altwalisisch (800-1100), Mittelwalisisch (1100-1500) und Neuwalisisch (ab 1500). Altwalisisch lebt nur noch in einigen Wörtern und Namen und in einigen Verszeilen fort. Das Walisische hat in all diesen Perioden Worte aus dem Lateinischen, Angelsächsischen, Normannischen und vor allem dem Englischen entliehen, weist aber immer noch einen umfangreichen Wortschatz keltischen Ursprungs auf. In Wales lassen sich 40 Dialekte identifizieren. Das Standardwalisisch hat sowohl eine nördliche als auch eine südliche Variante.