Japan
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Japan
2. Land

Die Inseln Japans sind die Gipfel einer riesigen Bergkette, die einst zum asiatischen Kontinent gehörte und die sich während des Känozoikums vom asiatischen Festland zu lösen begann. Die lange und schmale Hauptinsel Honshu misst an ihrer breitesten Stelle 241 Kilometer. Die japanische Küste ist im Verhältnis zur Fläche der Inseln ausgesprochen lang und weist mit ihren vielen Buchten und Meeresarmen eine Gesamtlänge von 29 751 Kilometern auf. Die Westküste von Kyushu am Ostchinesischen Meer bildet den unregelmäßigsten Teil der japanischen Küstenlinie. Einige schiffbare Meeresarme befinden sich an der Ostküste nördlich von Tokyo, aber im Süden der Bucht von Tokyo liegen die für die Schifffahrt günstigsten Buchten und natürlichen Häfen Japans. Zwischen Honshu, Shikoku und Kyushu liegt die so genannte Inlandsee mit vielen kleineren Inseln. Sie ist mit dem Pazifischen Ozean und über drei schmale Wasserstraßen, die nur selten von den Stürmen der offenen See erreicht werden, auch mit dem Japanischen Meer verbunden. Die Westküste der japanischen Inseln am beinahe gezeitenlosen Japanischen Meer verläuft relativ geradlinig und misst ungefähr 4 830 Kilometer; die einzigen größeren Einbuchtungen in der Küstenlinie sind die Buchten von Wakasa und Toyama auf der Insel Honshu.

Japan ist ein sehr gebirgiges Land; die zahlreichen hohen Bergketten werden von tief eingeschnittenen Tälern getrennt. In einigen Regionen sind ausgedehnte Ebenen entwickelt. Wegen des stark und kleinflächig wechselnden Reliefs sowie des oft flachgründigen, felsigen Bodens werden lediglich 12,9 Prozent (2005) der Landesfläche landwirtschaftlich genutzt.

1. Physische Geographie

Die japanischen Gebirge prägen die topographische Gestalt des Landes in besonderer Weise. Die Bergzüge erstrecken sich von Norden nach Süden bzw. Nordosten nach Südwesten über die gesamte Inselgruppe, wobei die zentrale Gebirgskette sich häufig in kleinere Nebengebirge verzweigt oder von niedrigeren Gebirgen flankiert wird. Die Berge erstrecken sich dabei häufig bis zur Küste und bilden dort Buchten.

Der Norden der Insel Hokkaido wird von einem vulkanischen Gebirge eingenommen, das sich von den Kurilen her erstreckt. Dieses Gebirge verzweigt sich an der Uchiurabucht im Südwesten Hokkaidos in zwei Ketten, die auf der Nachbarinsel Honshu als zwei parallel verlaufende Gebirge ihre Fortsetzung finden. Die niedrigere Gebirgskette verläuft im Nordosten von Nord nach Süd und trennt das Tal des Flusses Kitakami vom Pazifischen Ozean. Das Hauptgebirge durchzieht Honshu von Norden her in Richtung Südwesten. In den zentralen Teilen der Insel trifft es auf andere, quer zur Hauptrichtung verlaufende Gebirgsketten; in den Tälern dieses Gebiets verläuft der Fluss Shinano. Diese höchste Gebirgsregion Japans nimmt einen Großteil Honshus ein und erstreckt sich etwa bis zur Einschnürung der Insel auf der Höhe von Nagoya. Hier befindet sich auch der höchste Gipfel Japans, der 3 776 Meter hohe Fujisan, ein großer Vulkankegel in der Nähe von Yokohama, der wegen seiner Form und seiner außergewöhnlichen Schönheit zu den beliebtesten Motiven japanischer Kunst zählt. Einer der Nebenzweige dieses zentralen Massivs wird wegen seiner landschaftlichen Prägnanz als Japanische Alpen (Hidaka Sanmyaku) bezeichnet; er befindet sich östlich der Stadt Toyama und hat im Yariga mit 3 180 Metern seinen höchsten Punkt. Weiter südlich ragt eine andere Gipfelreihe auf, deren höchster Berg der Shirane (3 192 Meter) ist.

Nordöstlich des Fujisan dehnt sich die größte Ebene des Landes aus; in ihr liegen einige der größten Städte Japans, wie z. B. Tokyo und Yokohama. Ein weiteres Tiefland erstreckt sich an der schmalsten Stelle der Insel Honshu, es reicht vom Biwasee im Westen bis zur Bucht von Nagoya im Osten. Nach Süden schließt die Osaka-Ebene mit den Städten Kobe, Kyoto und Osaka an.

Auch die Inseln Shikoku und Kyushu sind von verschiedenen Gebirgen durchzogen, obwohl die Gipfel hier weniger hoch sind. So misst etwa auf Shikoku der Ishizuchi als höchster Berg der Insel 1 981 Meter. Die japanischen Berge sind häufig vulkanischer Natur. Insgesamt sind etwa 200 Vulkane bekannt, von denen etwa 50 aktiv sind. In den Vulkanregionen finden sich zahlreiche Thermalquellen sowie Gebiete mit vulkanischen Gasemissionen.

Da Japan im Bereich der Ränder zweier Kontinentalplatten – der Eurasiatischen und der Pazifischen – liegt, kommen sowohl Erdbeben als auch Vulkanausbrüche häufig vor. Beobachtungen haben ergeben, dass seismische Beben von geringer Stärke etwa dreimal pro Tag auftreten. Anhand geologischer Untersuchungen wurde festgestellt, dass sich die Westküste der japanischen Inseln vermutlich aufgrund dieser ständigen Belastung senkt, während sich die Pazifikküste hebt. An der Ostküste erstrecken sich die Erdbeben meist über große Flächen und werden häufig von Flutwellen, so genannten Tsunamis, mit verheerenden Folgen für die Küstenzonen begleitet. Diese Tsunamis gehen von untermeerischen Beben aus, deren Herd oft weit vor der Küste liegt. Ein Bebenherd scheint dabei in der Nähe der Ostküste von Honshu zu liegen, wo sich in acht Kilometer Tiefe ein riesiger Krater befindet. Das schwerste Erdbeben in der japanischen Geschichte fand 1923 statt; sein Zentrum lag in der Sagamibucht. Bei diesem Beben wurden die Städte Tokyo und Yokohama schwer beschädigt, und es kamen dabei einschließlich der Nachbeben 150 000 Menschen ums Leben. Bei dem schweren Erdbeben von 1995 wurden 5 000 Menschen getötet. Es erreichte die Stärke 7 auf der Richterskala und führte vor allem im Hafen der Stadt Kobe zu enormen Schäden. Ähnlich heftige Erdstöße wurden bei dem Beben vom Oktober 2000 registriert, dessen Epizentrum nahe Yonago lag. Dieses Erdbeben im Südwesten Japans forderte jedoch keine Todesopfer.

2. Flüsse und Seen

Obwohl Japan reich an Fließgewässern ist, existieren im Landesinneren keine schiffbaren Ströme. Die größeren japanischen Flüsse haben je nach Jahreszeit eine sehr unterschiedliche Wasserführung. Im Frühling bzw. zur Regenzeit kommt es zu Überschwemmungen, während einige Flüsse in den trockenen Perioden austrocknen können. Dieser periodische Wechsel erfolgt in zum Teil kurzen Abständen, so dass lediglich extrem flache Boote auf den Flüssen fahren können. Der längste Fluss Japans ist der Shinano auf Honshu mit einer Länge von 367 Kilometern; weitere große Flüsse auf Honshu sind Tone, Kitakami, Tenryu und Mongami. Zu den wichtigen Flüssen auf Hokkaido zählen der zweitgrößte Fluss Japans, der Ishikari, sowie der Teshio und der Tokachi. Der Yoshino ist der längste Fluss auf Shikoku.

Viele japanische Seen sind wegen ihrer malerischen Lage bekannt. Einige liegen in Flusstälern, aber bei der Mehrzahl handelt es sich um Bergseen. Die Seengebiete sind beliebte Erholungszentren. Der größte See Japans ist der Biwasee auf Honshu, der sich über eine Fläche von 670 Quadratkilometern erstreckt.

3. Klima

Aufgrund der großen Nord-Süd-Ausdehnung und des gebirgigen Charakters des Landes ist das Klima in Japan sehr uneinheitlich. Die jährlichen Durchschnittstemperaturen reichen von 5 °C in Nemuro (Hokkaido) bis 16 °C auf Okinawa. Kurze Sommer und lange, kalte Winter kennzeichnen das Klima auf Hokkaido und im nördlichen Teil von Honshu. Die strenge Kälte im Winter wird größtenteils durch die aus Sibirien wehenden Nordwestwinde und den kalten Oyashio verursacht, einer aus dem Beringmeer kommenden Meeresströmung. Nach Süden werden die Winter durch den Einfluss des warmen Kuroshio-Stromes gemäßigter. In Shikoku, Kyushu und im südlichen Honshu sind die Sommer heiß und feucht, die klimatischen Bedingungen nehmen subtropische Züge an; die Winter sind hier bei geringen Schneefällen mild.

Japan liegt im Einflussbereich der Monsunwinde, weshalb im Sommer vor allem an den pazifischen Küstengebieten hohe Niederschläge verzeichnet werden. Die mittleren Jahresniederschläge nehmen von Norden nach Süden zu; sie reichen von etwa 1 000 Millimetern auf Hokkaido bis rund 4 000 Millimeter in den Bergen des zentralen Honshu. Von Juni bis Oktober ziehen häufig tropische Zyklone, die in diesen Regionen als Taifune bezeichnet werden, über das Land hinweg. Sie können vor allem in den Küstengebieten große Schäden verursachen.

4. Flora

Die große Vielfalt und Üppigkeit der japanischen Pflanzenwelt ist überwiegend auf die Wärme und Feuchtigkeit im Sommer und die gebietsweise milden Winter zurückzuführen. Ein weiterer Grund ist der Anteil Japans an mehreren Klimazonen aufgrund der großen Längsausdehnung des Gebiets. Mehr als 17 000 Pflanzenarten sind in Japan heimisch. Viele davon werden auch in zahlreichen anderen Ländern als Zierpflanzen kultiviert, darunter Zierkirschen, Zieräpfel, Chrysanthemen (die japanischen Nationalblumen) und Pfingstrosen. Besonders beliebt ist die Zeit der früh blühenden Pflaumen- und Kirschbäume, die den Frühling einläutet. Im April sind die japanischen Hügel mit Rhododendren und Azaleen in leuchtenden Farben übersät. Im August erscheinen die Blüten der Lotosblumen, und im November blühen Chrysanthemen. Weitere erwähnenswerte Wildpflanzen sind Primeln, Glockenblumen, Gladiolen und Lilien. Charakteristisch sind die ausgedehnten, oft waldartigen Bambushaine.

Unter den Bäumen sind besonders die Nadelbäume häufig. Eine der bekanntesten Arten ist die japanische Sicheltanne, die Höhen bis 45 Meter erreicht. Ebenfalls heimisch sind hier Lärchen, Fichten und zahlreiche Kiefern-Arten. In Kyushu, Shikoku und im südlichen Honshu finden sich auch subtropische Bäume wie Kampfer- und Banyanbaum. Hier werden außerdem Teesträucher angebaut. Im zentralen und nördlichen Honshu entspricht die Baumvegetation derjenigen der gemäßigten Klimazone; hier gedeihen Buchen, Weiden, Kastanien und viele Nadelbäume. Maulbeerbäume werden in großem Umfang zur Seidenraupenzucht angebaut, ebenfalls die Lackbäume, die den Grundstoff für die berühmten japanischen (und chinesischen) Lackkunstarbeiten liefern.

In Hokkaido ist die Vegetation eher borealer Natur und ähnelt derjenigen Südsibiriens. Fichten, Lärchen und bestimmte Kiefern zählen hier zu den häufigsten Bäumen, teilweise finden sich aber auch Erlen, Pappeln und Buchen. Die häufigsten in Japan angebauten Obstsorten sind Pfirsiche, Mandarinen, Birnen und Orangen. In Japan wird eine einzigartige Form der Landschaftsgärtnerei betrieben (siehe Gartengestaltung): In den dortigen Gärten finden sich häufig Miniaturreproduktionen natürlicher japanischer Landschaften. Eine weitere typische Kunst ist die Bonsai-Kultur, bei der durch sorgfältiges Zuschneiden und spezielle Pflanz- und Pflegemethoden Miniaturausgaben von Bäumen entstehen, die der charakteristischen Wuchsform entsprechen.

5. Fauna

Da Japan zur paläarktischen Faunenregion gehört, ist es von vielen Arten besiedelt, die auch in Mitteleuropa vorkommen. Hier leben u. a. 140 Säugetierarten und 450 Vogelarten. Der Wolf wurde ausgerottet, die Verbreitung des Braunbären ist auf Schutzgebiete beschränkt. Auf der Insel Honshu lebt die Affenart mit der nördlichsten Verbreitung: der Rotgesichtsmakak, der im Winter gern in heißen Quellen badet. Rotfüchse gibt es in ganz Japan, zudem leben hier Dachs, Fischotter, Hermelin, Mauswiesel, Sibirisches Feuerwiesel und der unserem Seehund nahe verwandte Largha-Seehund. Zu den Paarhufern gehören Wildschwein, Sikahirsch und der Goral (eine Ziegenantilope). Kleinsäuger sind u. a. durch Schneehase, Sibirisches Streifenhörnchen, Eichhörnchen, Flughörnchen sowie Zwerg- und Waldmaus repräsentiert.

Die Greifvogelfauna umfasst u. a. Seeadler, Fischadler, Mäusebussard, Graugesichtsbussard, Schwarzmilan, Sperber, Habicht, Wanderfalke und Turmfalke. An Gewässern leben Reiher (Grau-, Silber- und Seidenreiher), Kormoran, Kleiner Löffler und die Chinesendommel. Zu den in Japan beheimateten Hühnervögeln gehört die Japanische Wachtel. Aufgrund der langen Küstenlinien ist die Seevogelfauna mit Möwen, Enten und Watvögeln sehr artenreich. Zu den Singvögeln gehören die auch in Mitteleuropa weit verbreiteten Arten Feldsperling, Eichelhäher, Tannenhäher, Rauch- und Mehlschwalbe, Schwanzmeise und Kleiber. Ein bemerkenswerter Lurch ist der in Bergbächen lebende Riesensalamander, der über eine Länge von über einem Meter erreichen kann. Die Küstengewässer Japans bieten vielen Fischen wie Kabeljau, Thunfischen, Lachsen und Kugelfischen (die als Fugu gegessen werden) Lebensraum.