Japan
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Japan
6. Wirtschaft

Vor dem 2. Weltkrieg lag die japanische Wirtschaft in den Händen einiger weniger wohlhabender Familien, die als Zaibatsu bezeichnet wurden. Die bedeutendsten dieser Familien waren die Mitsui, Iwasaki (sie agierten unter dem heute noch bestehenden Firmennamen Mitsubishi), Sumitomo und Yasuda. Diese Familien kontrollierten den größten Teil der Kohle-, Eisen-, Zellstoff- und Aluminiumindustrie. In den Jahren 1945 und 1946 wurde das Familieneigentum dieser riesigen Gesellschaften während der alliierten Besatzung aufgelöst. Die Firmen blieben jedoch intakt und haben seitdem eine noch größere Wirtschaftsmacht gewonnen, denn die Geschäftsbereiche wurden auch auf die Sektoren Schiffbau, Banken und andere Industrien ausgedehnt.

Besonders in den achtziger Jahren ist die japanische Wirtschaft enorm expandiert. Das industrielle Hauptaugenmerk Japans hat sich dabei von der Leichtindustrie auf die Schwerindustrie, die chemische und die Elektronikindustrie verlagert, die zusammen etwa zwei Drittel des jährlichen Gesamtexports produzieren. Ebenfalls bedeutend sind die japanische Automobilindustrie sowie der Schiffbau.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 4 368 Milliarden US-Dollar (2006), woraus sich ein BIP pro Kopf von 34 193,60 US-Dollar ergibt (Dienstleistungen 68,1 Prozent, Industrie 30,2 Prozent, Landwirtschaft 1,7 Prozent). 66 Prozent der Erwerbstätigen sind im Dienstleistungssektor beschäftigt, 28 Prozent in der Industrie und 4 Prozent in der Landwirtschaft. Die Inflationsrate liegt bei -0,90 Prozent (2006), die Wachstumsrate bei 2,20 Prozent (2006).

Von 1987 bis 1991 boomte Japans Wirtschaft, das Land galt als der Motor der weltwirtschaftlichen Konjunkturentwicklung. Etwa 1991/92 setzte jedoch eine Rezession ein, die Mitte der neunziger Jahre leicht abgeschwächt werden konnte, aber schließlich 1997 in den schwersten Konjunktureinbruch seit der Ölpreiskrise (1974/75) mündete. Durch die so genannte Asienkrise wurde Japans Wirtschaft zusätzlich belastet.

1. Landwirtschaft

Die Anbaugebiete Japans sind relativ sind klein. Dafür weist Japan einen der höchsten Ernteerträge pro bewirtschaftetem Land in der Welt auf. Etwa 70 Prozent des eigenen Nahrungsmittelbedarfs werden im Land erzeugt. Der Anteil der ländlichen Bevölkerung ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen; dennoch hat sich die Bedeutung der Landwirtschaft nicht verändert. Etwa 40 Prozent der Landwirtschaftsfläche werden für den Reisanbau verwendet, der über ein Drittel der Gesamternte beträgt. Reis bildet nach wie vor den Grundstock der japanischen Ernährung; Änderungen in den Ernährungsgewohnheiten und die Entwicklung besserer Anbauverfahren haben jedoch zu einer unübersehbaren Überproduktion geführt. Weizen, Gerste und Sojabohnen zählen ebenfalls zu den wichtigsten Ernteerzeugnissen. Weitere Anbauprodukte sind Kartoffeln, Zuckerrüben, Zuckerrohr, Rettich, Kohl, Süßkartoffeln, Chinakohl, Zwiebeln, Tomaten und Gurken sowie Mandarinen und andere Zitrusfrüchte, Melonen, Äpfel und außerdem Tabak. Von großer Bedeutung ist der Anbau von Tee, der vorwiegend für den innerjapanischen Gebrauch produziert wird.

Da die Landfläche für die Bewirtschaftung begrenzt und entsprechend wertvoll ist, steht für die Viehzucht nur wenig Fläche zur Verfügung. Dennoch werden etwa 9 620 000 Schweine, 4 391 000 Rinder und 306 000 000 Stück Geflügel gehalten. Die landwirtschaftlich genutzten Gebiete sind in kleinere Gehöfte aufgeteilt, wovon 70 Prozent nur etwa einen Hektar Fläche oder noch weniger umfassen. Die meisten Bauern sind zumindest zeitweise auch noch in der Industrie beschäftigt. Das Land wird intensiv genutzt, und der größte Teil der Höfe ist mit Elektrizität und modernsten Geräten ausgestattet. Ernten sind durch den Einsatz von Kunstdünger und verbesserte Anbauverfahren zwei- oder dreimal jährlich möglich, obwohl dies die Böden stark beansprucht. Insgesamt zählt die japanische Landwirtschaft zu den effektivsten der Welt.

2. Forstwirtschaft und Fischerei

Etwa 65,8 Prozent der Gesamtfläche Japans sind bewaldet; davon nehmen die Nadelholzbestände etwa zwei Fünftel ein. Ungefähr zwei Drittel der Waldgebiete sind in Privatbesitz. Obwohl Japan bei der Gewinnung von Nutzhölzern zu den ersten Nationen der Welt zählt, zwingt der ständig wachsende Bedarf im Inland auch zum Import von großen Holzmengen.

Fisch ist ein Grundnahrungsmittel in Japan und lässt sich in seiner Bedeutung beinahe mit dem Reis vergleichen. Daher gehört der Fischfang und die Fischverarbeitung zu einem der wichtigsten Wirtschaftsbereiche im Land. Beliefert wird sowohl das Inland als auch das Ausland. Die japanische Fischereiflotte gehört zu den größten der Welt. Die Fischereiindustrie lässt sich in drei Kategorien unterteilen: die Binnen-, die Küsten- und die Hochseefischerei. Die Binnenfischerei wird mit Booten mittlerer Größe durchgeführt und sorgt für einen wesentlichen Anteil am gesamten Fang, der sich auf etwa ein Viertel der Gesamtproduktion beläuft. Die Hochseefischerei wird mit großen Fangschiffen vorgenommen, die in den Fischgründen der internationalen Gewässer tätig sind. In diesem Bereich wird ebenfalls ungefähr ein Viertel des Gesamtertrags erbracht. Die Küstenfischerei, von kleineren Booten mit Hilfe von Netzen oder mittels Zuchttechniken betrieben, erbringt die Hälfte des gesamten japanischen Fischfangs; die Erträge sind allerdings insbesondere wegen der Verschmutzung der Küstengewässer rückläufig. Zu den am häufigsten gefangenen Meerestieren zählen Sardinen, Thunfische, Seehechte, Lachse, Pollack, Makrelen, Eidechsenfische, Meerbrassen, Krabben, Garnelen, Tintenfische, Venusmuscheln und Austern. Daneben zählt Japan zu den wenigen noch aktiven Walfangnationen der Welt. Außerdem werden große Mengen an Tang und anderen Meeresalgen geerntet, die auch als Nahrungsmittel dienen.

3. Bergbau

Japan verfügt zwar über eine Vielzahl an mineralischen Bodenschätzen, jedoch reichen die Abbaumengen kaum zur Deckung des inländischen Bedarfs aus. Daher muss das Land zahlreiche Rohstoffe – vor allem Erdöl zur Energieversorgung – importieren. In Japan werden in kleinen Mengen Kohle, Kupfer-, Blei-, Zink- und Eisenerz sowie Quarz und Kalkstein gefördert.

4. Industrie

Nachdem die japanische Industrie durch die Angriffe im 2. Weltkrieg schweren Schaden erlitten hatte, erfolgte in der Zeit des Wiederaufbaus eine komplette Modernisierung der Produktionsanlagen, weshalb Japan schon damals über einen modernen Grundstock bei den Industrieanlagen verfügte – ein mitentscheidender Faktor für den folgenden Wirtschaftsboom. Beim Wiederaufbau wurde vor allem der chemischen und petrochemischen Industrie und dem Maschinenbau Vorrang eingeräumt. Mitte der fünfziger Jahre hatte die industrielle Produktion das Vorkriegsniveau bereits überholt; die jährlichen Zuwachsraten im Produktionssektor betrugen in der Zeit zwischen 1965 und 1980 etwa 9,5 Prozent und in der Periode von 1980 bis 1988 immer noch beachtliche 6,7 Prozent. Bis Mitte der neunziger Jahre war Japan zur führenden Schiffbaunation in der Welt aufgestiegen und zählte auch in den Bereichen der Produktion elektrischer und elektronischer Geräte – darunter vor allem Uhren, Videorecorder, Fernsehgeräte, Kameras, Mikrowellengeräte, Kühlschränke, Faxgeräte, Computer und Kopiergeräte – sowie in der Stahlverarbeitung und Automobilherstellung zu den führenden Ländern. Unterstützt durch den starken Yen konnten japanische Gesellschaften zunehmend in Industrieanlagen im Ausland investieren.

Mitte der neunziger Jahre zählte Japan außerdem zu den führenden Produzenten chemischer Grundstoffe. Auch in der Textilindustrie rangiert Japan an vorderster Stelle und nimmt bei der Herstellung von synthetischen Fasern weltweit den dritten Platz ein. Seide und Baumwolle nahmen in dieser Periode jedoch an wirtschaftlicher Bedeutung ab.

5. Währung und Bankwesen

Die 1882 gegründete Bank of Japan ist die Zentralbank und fungiert als Steuerregulierungs-Instrument für die Regierung; daneben gibt sie als einzige Institution die Währung aus. Das Herz des Bank- und Finanzwesens bilden weitere 85 Handelsbanken. Die Tokyoter Börse zählt zu den zentralen Finanzmärkten der Welt. Währungseinheit ist der Yen, der aus 100 Sen besteht. Vor allem im Zuge der Konjunktur- und der so genannten Asienkrise kam es gegen Ende des 20. Jahrhunderts zu einer ganzen Serie von Insolvenzen im Finanzwesen. Besonders im Bereich Bankwesen mussten einige Unternehmen 1997 Konkurs anmelden.

6. Außenhandel

Vor dem 2. Weltkrieg lag Japan im Welthandel an fünfter Stelle. 1939 beliefen sich die japanischen Exporte auf 928 Millionen US-Dollar und die Importe auf 757 Millionen US-Dollar. Die meisten Exporte gingen an Länder, die der Kontrolle des japanischen Kaiserreiches unterstanden, z. B. die Mandschurei und die besetzten Gebiete in China. Der Außenhandel mit anderen Ländern, etwa den Vereinigten Staaten und Großbritannien, war damals gering. Die Handelsbilanz mit den Vereinigten Staaten war zu jener Zeit negativ, die Importe lagen um 70 Millionen US-Dollar höher als die Exporte in die USA.

Obwohl die Wirtschaft in den vergangenen Jahren stagnierte, ist die Handelsbilanz deutlich positiv. Japan belegt den dritten Platz unter den Exportnationen. Die im Land produzierten Waren wurden zu 90 Prozent für den Export hergestellt. Der Import von Rohöl und Erdölerzeugnissen nimmt 13 Prozent des Gesamtimports ein. Weitere wichtige Importgüter sind Maschinen und Ausrüstungen, Nahrungsmittel und Tiere, Grundstoffe für die Produktion (wie Textilstoffe, Eisen und Stahl, chemische Produkte) sowie Rohmaterialien (z. B. Holz). Bis 1993 waren Reisimporte verboten, aber die karge Ernte in den Jahren 1993 bis 1994 zwang Japan zu Reisimporten in Höhe von einer Million Tonnen aus Thailand, Australien und den Vereinigten Staaten. Die Abschlüsse der Uruguay-Runde im Jahr 1993 und die Gespräche der GATT-Runde erwirkten eine teilweise Zurücknahme der Importbeschränkungen.

Die asiatischen Länder liefern 42 Prozent der japanischen Importe und übernehmen 33 Prozent der japanischen Exporte. Zu den führenden Handelspartnern Japans im asiatischen Raum zählen Südkorea, China (mit Hongkong), Indonesien, Singapur sowie Saudi-Arabien. Aus Ländern der Europäischen Union – insbesondere Deutschland, Frankreich und Großbritannien – kommen 13 Prozent der japanischen Importe, während dorthin 17 Prozent der japanischen Exporte geliefert werden. Die Vereinigten Staaten übernehmen 28 Prozent der japanischen Exporte und liefern 22 Prozent der Importe. Weitere wichtige Handelspartner für Japan sind Australien, Kanada und Russland.

7. Gewerkschaften

Nach dem 2. Weltkrieg wuchs die Anzahl der Mitglieder in den japanischen Gewerkschaften sprunghaft an. 1946 wiesen die 12 000 verschiedenen Gewerkschaften insgesamt 3,7 Millionen Mitglieder auf. Bis Ende der siebziger Jahre hatte sich die Anzahl der Gewerkschaften auf 70 000 erhöht, deren Mitgliederzahl mehr als 12,5 Millionen und damit 30 Prozent der gesamten beschäftigten Bevölkerung beträgt. 1987 schlossen sich die wichtigsten Gewerkschaftsverbände aus der Privatindustrie zu einem Dachverband zusammen, der die Bezeichnung „Nationale Föderation der Gewerkschaften in der Privatindustrie” trägt und auch als Rengo bekannt ist.

8. Verkehrswesen

Japan verfügt über eine gut ausgebaute Infrastruktur, obwohl die ausgeprägte Topographie die verkehrstechnische Erschließung des Landes stark erschweren. Die wichtigsten Eisenbahnstrecken wurden 1907 verstaatlicht, 1987 reorganisiert und in den privaten Besitz zurückgeführt. Mit dem Bau des berühmten Hochgeschwindigkeitszuges Shinkansen wurde Anfang der sechziger Jahre begonnen; er verbindet die Stadtregionen Osaka und Tokyo miteinander, wurde 1964 in Betrieb genommen und ist tägliches Beförderungsmittel vieler Menschen zwischen Arbeit und Wohnstätte. Später wurden die Hochgeschwindigkeitstrassen auf eine Gesamtlänge von nunmehr 7 000 Kilometer ausgebaut. Das japanische Straßennetz ist zu zwei Dritteln asphaltiert.

Die japanische Handelsflotte zählt zu den größten der Welt und umfasst 6 519 Schiffe (2007), die ein Fassungsvermögen von 12 787 968 Bruttoregistertonnen Fracht aufbringen. Die ersten japanischen Fluggesellschaften wurden 1951 gegründet; die Fluglinien verbinden Tokyo und Osaka vor allem mit Europa, den Vereinigten Staaten, Kanada, Mexiko, dem Mittleren Osten und Südostasien. Japan Air Lines (JAL, seit 1987 in privater Hand) und Japan Asia Airways sind die größten Fluggesellschaften und bieten vor allem internationale Flüge an; die All Nippon Airways, bisher vor allem für die Inlandsflüge zuständig, hat ihre internationalen Aktivitäten in den letzten Jahren ausgeweitet.

9. Tourismus

Jährlich besuchen etwa 7,33 Millionen Auslandsgäste Japan, während umgekehrt etwa zwölf Millionen Japaner nach Übersee reisen. Die jährlichen Einnahmen aus dem Tourismus belaufen sich insgesamt auf umgerechnet 3,4 Milliarden US-Dollar.

10. Energie

Im Bereich der Stromproduktion gehört Japan zu den führenden Nationen der Welt. 2003 wurden 63,7 Prozent der Elektrizität mit Hilfe von Wärmekraftwerken erzeugt (insbesondere durch Verbrennung von Erdöl oder Kohle). Die Stromerzeugung durch Wasserkraft ist in Japan ausgesprochen weit entwickelt und liefert immerhin 10,2 Prozent der Stromproduktion; erwähnenswert ist ebenfalls die Nutzung geothermischer Quellen.

Da die Energiegewinnung aus Erdöl oder Kohle für Japan sehr kostenintensiv ist – Japan muss Erdöl importieren – deckt das Land 23,3 Prozent seines Strombedarfs durch Kernenergie. Ein weiterer Ausbau dieses Potentials ist geplant. Gegenwärtig sind 55 Kernreaktoren in Betrieb.