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3. Das Alte Testament

Der Begriff Altes Testament leitet sich vom lateinischen Wort für Bund bzw. Abkommen her. Er wurde seit der Zeit des Paulus verwendet und festigte sich von hier her im frühen Christentum, das in zahlreichen Schriften zwischen dem Alten und dem Neuen Bund unterschieden wissen wollte. Unter dem Alten Bund verstand man jene alttestamentliche Übereinkunft, die Gott mit dem Volk Israel geschlossen haben soll. Den Neuen Bund bezeichnete die in den Evangelien grundlegende Idee einer Erlösung der Menschheit durch den Opfertod Jesu am Kreuz (siehe Bund). Zeugnis hiervon gibt der Hebräerbrief 8, 7-13, der Jesu Rede erläutert: „Wäre nämlich jener erste Bund ohne Tadel, so würde man nicht einen zweiten an seine Stelle zu setzen suchen ... Indem er von einem neuen Bund spricht, hat er den ersten für veraltet erklärt.” Da die Urkirche jedoch an die Kontinuität von Geschichte und göttlichem Handeln – also an einen direkten Eingriff der Gottesmacht in historische Vorgänge – glaubte, nahm sie in die Bibel die schriftlichen Zeugnisse sowohl des Alten als auch des Neuen Bundes auf.

1. Gattungen

Vom literarischen Standpunkt aus gesehen ist das Alte Testament eine Anthologie, d. h. eine Sammlung vieler verschiedener Texte, die unter einem Themenschwerpunkt (hier: die den jüdischen Glauben betreffenden Quellen) mit aufgenommen wurden. Zu den hier verwendeten literarischen Gattungen gehören Erzählungen und Gedichte ebenso wie Prophezeiungsdichtung, Gesetzestexte und apokalyptische Visionsprosa. Bestimmte literarische Formen wie z. B. Briefe, die im Neuen Testament eine sehr große Rolle spielen und einen ganzen Abschnitt der Sammlung bestimmen, sind im Alten Testament als eigene Sparte gänzlich ausgespart. Die meisten Bücher der Propheten des Alten Testaments enthalten neben Prophezeiungen auch Erzählungen und Gedichte.

1.1. Erzählungen und Berichte

Viele alttestamentliche Bücher basieren auf historischen Fakten, vermischen diese allerdings mit religiösen Aspekten. Dieses Verfahren dient der Absicht, die Vorstellung eines göttlichen Wirkens in der Geschichte an Hand von bestimmten herausragenden Ereignissen zu illustrieren. Beispiele hierfür sind die in den deuteronomischen Schriften enthaltenen geschichtlichen Erzählungen (Deuteronomium bis zu 2. Könige), das Tetrateuch (Buch Genesis bis Numeri) und die mit historischen Fakten durchsetzten Schriften der Chronisten (1. und 2. Buch der Chronik, Esra und Nehemia). Die Geschichte der Thronfolge Davids (2. Samuel 9-20; 1. Könige 1-2) entspricht am ehesten unserem heutigen Verständnis von Geschichtsschreibung, auch wenn hier immer wieder theologische Aspekte eine Rolle spielen. Der Verfasser hat die geschichtlichen Ereignisse und Figuren mit einem relativen Anspruch auf Genauigkeit und Faktentreue festgehalten und den Ablauf des Geschehens unter Berücksichtigung menschlicher Beweggründe psychologisch interpretiert.

Andere Bücher, die Erzählungen in dem oben genannten Sinn enthalten, sind Ruth, Jona und Esther. Vermutlich sind diese Bücher aus Volksmärchen und Legenden hervorgegangen, die, zunächst mündlich überliefert, dann schriftlich fixiert, letztlich im religiösen Sinn umgedeutet wurden. Mehrere Geschichten mit didaktisch-moralischem Impuls sind in den deuteronomischen Schriften und in den Apokryphen enthalten; darunter befinden sich Tobias, Judith, Susanna sowie Bel und der Drache. Wie diese, so besteht auch das Buch Genesis aus einer Vielzahl von Einzelerzählungen, von denen die meisten ursprünglich unabhängig voneinander erzählt und weitergetragen worden sind. Die Geschichten der Patriarchen in Genesis 11-50 haben ihren Ursprung in Legenden und Sagen, wobei Letztere zur Gruppe der Familiensagas zu rechnen sind. Viele von diesen sind ätiologisch, d. h. sie erklären einen Ort, eine Praxis oder den Ursprung eines Namens zur Erläuterung von Ursächlichkeiten.

1.2. Lyrik

Zu den poetischen Büchern des Alten Testaments zählen die Psalmen, das Buch Hiob, die Sprüche, Prediger (oder Buch Kohelet), das Hohelied, die deuterokanonischen Bücher und die Apokryphen (darunter Jesus Sirach und das Gebet des Manasse). Diese hebräische Dichtung verfügt über zwei grundlegende rhetorische Figuren, die sie charakterisieren. Ein Merkmal etwa besteht in der Verwendung des so genannten Parallelismus membrorum (lateinisch: Parallelismus der Glieder), bei dem die Aussagen, die in einer Zeile gemacht werden, in einer weiteren Zeile in den gleichen oder ähnlichen Worten bekräftigt erscheinen, wie z. B. im Psalm 6, 1: „Ach Herr, strafe mich nicht in Deinem Zorn, und züchtige mich nicht in Deinem Grimm.” Das andere wichtige Merkmal hebräischer Dichtung ist ein charakteristischer Rhythmus, ein metrisches Maß, das durch die Anzahl der Betonungen in jeder Zeile bestimmt wird. Eines der verwendeten Versmaße ist der so genannte qina oder Klagegesang, bei dem die erste Zeile drei Hebungen oder akzentuierte Silben aufweist und die zweite Zeile zwei. Die lyrische (gesungene) Dichtung stellt eine der frühesten Formen der Gottesverehrung dar: Die meisten, wenn auch nicht alle dieser Lieder sind in dem Buch der Psalmen enthalten. Viele sind Hymnen bzw. Loblieder zu Ehren Gottes und preisen seine Größe, Allmacht und Gerechtigkeit.

Die Weisheitsdichtung des Alten Testaments umfasst poetische Sammlungen von Sinnsprüchen und kurzen Gedichten, wie sie auch im Buch der Sprüche enthalten sind. Längere Werke dieser Gattung sind das Buch Hiob, das von der schweren Prüfung der Titelfigur durch Jahwe berichtet, die Sprüche Salomos und Jesus Sirach. Zu den Kurztexten dieser Abschnitte gehören Spruchlehren, religiös-moralische Merkverse (Das Buch der Sprichwörter) und Ermahnungen in Glaubensfragen, die im Allgemeinen nicht über zwei Zeilen lang sind. Sprüche 1-9 etwa enthält eine Sammlung von Gedichten über das Wesen der Weisheit (Das Buch der Weisheit); im Gegensatz dazu ist das Buch Hiob, eines der Meisterwerke der Weltliteratur und vermutlich eines der ältesten Bücher der Bibel, eine lange dichterische Komposition in Form eines Dialogs der Hauptfigur mit seinen Freunden und Gott, dessen Rahmenhandlung eine Volkslegende bildet. Die Themen der weisen Sprüche reichen von praktischen Ratschlägen zur guten (d. h. richtigen) und erfolgreichen Lebensführung bis hin zu Gedanken über die Beziehung zwischen dem Pfad der Weisen und dem Gehorsam gegenüber dem Gesetz Gottes. Außerdem enthalten sie praktische Anweisungen für die Ehe und ein Loblied auf die perfekte Hausfrau.

1.3. Propheten

Die prophetischen Bücher des Alten Testaments versammeln zum Großteil drei verschiedene literarische Formen, und zwar Erzählungen, Gebete und prophetische Reden. Die Erzählungen sind meistens Geschichten oder Berichte von Handlungen oder Voraussagen, die textintern entweder dem auftretenden Propheten selbst zugeschrieben oder von einer anderen Person in der Rückschau der 3. Person Singular erzählt werden. Die prophetischen Bücher berichten von visionären Traumbildern (etwa Die Vision vom Neuen Israel; Ezechiel 40, 1 bis 48, 35) und den herausragenden Taten der Propheten; daneben enthalten sie Erzählungen von historisch belegbaren Ereignissen und kommentieren die Erscheinungen und Handlungen der Weisen. Das Buch Jona, eher ein Lehrstück denn eine Prophetenschrift, ist eigentlich eine in der Er-Form erzählte Geschichte über den Propheten und enthält nur eine einzige Zeile, in der dieser sich direkt an den Leser wendet (Jona 3, 4). Die Gebete enthalten Hymnen und Bittschriften wie die Klagelieder des Jeremia (Jeremia 15, 10-21).

Die häufigste literarische Form der prophetischen Bücher ist die Rede, da der Kern des prophetischen Wirkens in der Verkündung von jenem Wort Gottes besteht, das sich auf die unmittelbar bevorstehende Zukunft bezieht. Damit ist immer auch die Warnung zur Umkehr verbunden. Die bekanntesten solcher Reden sind die Prophezeiungen von Bestrafung oder Errettung (so Die Errettung Israels im Buch Obadja 17-21). Beide dieser Formen werden, wie die meisten prophetischen Reden, von Formeln wie z. B. „So spricht der Herr” begleitet, die die Worte als direkte Offenbarung Jahwes kennzeichnen. Die Prophezeiungen der Errettung stellen den bevorstehenden Eingriff Gottes zur Erlösung des Volkes Israel in Aussicht. Andere Reden sind Prophezeiungen gegen fremde Völker, Klagereden, in denen die Sünden der Menschheit gebrandmarkt werden, und Mahnungen oder Warnungen. Siehe Prophetie.

1.4. Gesetzestexte

Gesetzestexte bestimmen einen Großteil der hebräischen Bibel: Deshalb werden die ersten fünf Bücher der Heiligen Schrift im Judentum als Thora (Gesetz) bezeichnet. Im frühen Christentum dann setzte sich dieser Begriff zur Benennung des gesamten Schriftbestands des Alten Testaments mitsamt der in der hebräischen Fassung nicht verzeichneten Passagen durch. Rechtsschriften sind vor allem in den Büchern Exodus, Leviticus und Numeri enthalten. Das 5. Buch Mose wurde von seinen griechischen Übersetzern Deuteronomium (zweites Gesetz) genannt, weil es neben den Taten des Mose nochmals die Weisungen Jahwes schildert. Ursache hierfür ist wohl eine der zentralen Stellen dieses Buches: Nach der biblischen Überlieferung nämlich wurde dem Volk Israel der Wille Gottes durch Moses verkündet, der auf dem Berg Sinai den Bund zwischen beiden besiegelte; dabei sollen ihm jene später aus Wut über den Götzendienst seines Volkes zertrümmerten Tafeln überreicht worden sein, auf denen die Zehn Gebote festgehalten waren. Infolgedessen stehen alle Gesetze, außer denen des Deuteronomiums, in Exodus 20 bis Numeri 10, da an dieser Stelle die Ereignisse auf dem Berg Sinai berichtet werden.

Bei den hebräischen Gesetzen unterscheiden die jüdischen Gelehrten zwischen zwei Haupttypen. Es sind dies die apodiktischen und die kasuistischen Vorschriften. Dabei wird das apodiktische, also unumstößliche Gesetz vor allem – aber nicht ausschließlich – durch die Zehn Gebote repräsentiert (Exodus 20, 1-21; 34, 14-26; Deuteronomium 5, 6-21). Bei diesen Weisungen, die meist in Sammlungen von fünf oder mehr zusammengefasst sind, handelt es sich um kurze und eindeutige Befehle, die festhalten, welches Verhalten sich der alttestamentliche Gott von den Gläubigen erwünscht. Sie sind entweder bejahend (Gebote im Sinn eines „Du sollst”) oder verneinend (Verbote im Sinn eines „Du sollst nicht”). Die kasuistischen, also auf spezifische Einzelfälle zugeschnittenen Gesetze bestehen aus je zwei aufeinander basierenden Teilen. Dabei wird im ersten Teil eine Bedingung bzw. Voraussetzung ausgesprochen, die die Übertretung formuliert (so etwa in Exodus 22, 1: „Wenn jemand ein Rind oder ein Schaf stiehlt und es schlachtet oder verkauft”); im zweiten Teil dann folgen die rechtlichen Konsequenzen (”so soll er fünf Rinder für ein Rind wiedergeben und vier Schafe für ein Schaf”). Die kasuistischen Gesetze entsprechen in ihrer Form – und häufig auch in ihrem Inhalt – den Gesetzen des Kodex des babylonischen Königs Hammurabi. Aber auch zu anderen in der Antike gültigen Gesetzeskodizes besteht eine gewisse Affinität.

1.5. Apokalyptische Schriften

Die Apokalypse als eigenständige Gattung innerhalb der prophetischen Texte entstand in Israel in der Zeit nach dem Babylonischen Exil der Israeliten, also in den Jahren zwischen 586 und 538 v. Chr. Eine Apokalypse oder Offenbarung enthält Voraussagen über zukünftige Ereignisse. Dabei werden düstere Symbole und eine von Endzeitstimmung geprägte Bildersprache verwendet, die ihrerseits wiederum erklärt und gedeutet werden müssen. Die Verfasser der apokalyptischen Schriften gaben sich zumeist auch gesellschaftskritisch; im Allgemeinen zeigt sich hier die Einschätzung eines Autors, der seine eigene Epoche als eine Zeit begreift, in der sich die Mächte des Bösen vereinen, um in einen endgültigen Kampf mit Gott zu treten; nach diesem Kampf, in dem Gott siegen wird, so prophezeien die Schriften, kann unter der neu erstarkten Herrschaft Gottes ein neues Zeitalter (oftmals das Tausendjährige Reich) beginnen.

Daniel ist das einzige apokalyptische Buch des Alten Testaments, wobei die erste Hälfte (Kapitel 1-6) eigentlich eine Reihung verschiedener Legenden und Träume vorstellt, darunter Nebukadnezars Traum vom stolzen Baum (Daniel 3, 31 bis 4, 34) und Das Gastmahl Belschazars (Daniel 5, 1 bis 6, 1). Teile anderer Bücher der Propheten ähneln in vielerlei Hinsicht der Gattung der Apokalypse, darunter Jesaja 24-27, Sacharja 9-14 und einige Teile Ezechiels (so etwa Die Zerstörung der Stadt, Ezechiel 24, 15-27). In den Apokryphen (2. Esra) gibt es ebenfalls Passagen, die zur apokalyptischen Dichtung gerechnet werden können. In der jüdischen Literatur der letzten beiden Jahrhunderte v. Chr. und des 1. Jahrhunderts n. Chr. entstanden außerdem zahlreiche andere apokalyptische Werke, die jedoch nicht in den Kanon aufgenommen worden sind. Zu diesen gehören z. B. die so genannten Henochbücher, in denen die Söhne des Lichtes gegen die Söhne der Finsternis anzutreten haben, sowie die so genannte Apokalypse des Moses. Siehe Apokryphen des Alten Testaments.

2. Entstehungsgeschichte

Die Bücher des Alten Testaments sind keineswegs alle zur selben Zeit und am selben Ort entstanden. Vielmehr sind sie das Produkt des israelitischen Glaubens und der israelitischen Gesamtkultur, die sich über einen Zeitraum von etwa tausend Jahren immer wieder gewandelt hat. Man geht deshalb davon aus, dass fast alle Bücher einen langen Prozess der verändernden Überlieferung und ergänzenden Entwicklung durchliefen, bevor sie schließlich zur Sammlung der hebräischen Bibel zusammengefasst und kanonisiert wurden. Viele der heute vorliegenden literarischen Werke waren wohl zunächst mündliche Überlieferungen wie z. B. die meisten Geschichten des Buches Genesis. Die prophetischen Reden wurden ebenfalls zunächst mündlich tradiert, während die Psalmen im Rahmen des Gottesdienstes als Lieder zur Begleitung der Zeremonie Verwendung fanden. Auch nach der Niederschrift und Fixierung des Bestands im Alten Testament existierte eine mündliche Überlieferung parallel zur schriftlichen über mehrere Jahrhunderte weiter, die vermutlich immer wieder auch auf den Textbestand der hebräischen Bibel zurückwirkte.

2.1. Der Pentateuch

In der jüdischen und christlichen Überlieferung galt Moses als Verfasser des Pentateuchs, der ersten fünf Bücher des Alten Testaments. Diese Vorstellung leitete sich teils aus hebräischen Quellen ab, die eine Autorenschaft nahe legten. Bereits im Mittelalter jedoch stellten jüdische Gelehrte und Exegeten die mit Moses identifizierte Verfasserschaft in Frage: Berichtet doch das Deuteronomium, das letzte Buch des Pentateuchs, von dessen Tod. Aufgrund der zahlreichen Unstimmigkeiten in den diversen Abschriften sind moderne Bibelwissenschaftler außerdem zu der Erkenntnis gelangt, dass sich der (oder die) Verfasser des Pentateuchs auf unterschiedliche Quellen stützten, die wiederum von verschiedenen Autoren – und aus unterschiedlichen Epochen – stammten. Tatsächlich enthält das Buch zwei unterschiedliche Bezeichnungen für Gott, zwei unterschiedliche Schöpfungsberichte, zwei (wenn auch zusammenhängende) Geschichten der Sintflut und zwei Versionen der ägyptischen Plagen.

Diese Quellen des Pentateuchs unterschieden sich offenbar deutlich in Wortschatz, Stil und theologischem Standpunkt, ein weiteres Indiz für unterschiedliche Verfasser. Manche der ältesten schriftlichen Elemente sind Teile von dichterischen Schriften, so etwa Moses’ Lobgesang (Exodus 15); manche der göttlichen Weisungen ist diversen alten Gesetzeskodizes entnommen, die oftmals nicht miteinander vereinbar waren. Eine neuere Theorie der Bibelforschung zu diesem Thema geht davon aus, dass die einzelnen Geschichten des Pentateuchs unter Oberbegriffen gesammelt wurden, die verschiedene Texte unter mehreren großen Themenkreisen zu versammeln suchten und in ihrer Urform etwa 1100 v. Chr. vorlagen. Zu diesen Themenkreisen gehörten offenbar die Verheißung an die Patriarchen, der Exodus, die Wanderung durch die Wüste, die Geschehnisse am Berg Sinai und die Landnahme des Volkes Israel. Nach 1100 v. Chr. wurden die derart nebeneinanderstehenden Texte ihrem Inhalt nach offenbar vermischt.

2.2. Deuteronomium

Seit einigen Jahren betrachtet die Bibelforschung die Bücher des Deuteronomiums, gemeinsam mit den Büchern Josua, Richter, dem 1. und 2. Buch Samuel sowie dem 1. und 2. Buch der Könige als einen einheitlichen Bericht, der die Geschichte des Volkes Israel von der Zeit seiner Führung durch Moses (13. Jahrhundert v. Chr.) bis zum Babylonischen Exil (die Periode vom Fall Jerusalems 586 v. Chr. bis zum Wiederaufbau eines neuen jüdischen Staates in Palästina nach 538 v. Chr.) erfasst. Dieser Komplex wird auch als deuteronomische Geschichtserzählung bezeichnet. Aufgrund der letzten Ereignisse, von denen er berichtet, und wegen zahlreicher anderer Hinweise gehen Wissenschaftler inzwischen davon aus, dass er um 560 v. Chr., also während des Exils, geschrieben wurde. Es ist jedoch ebenfalls möglich, dass sich die heute bekannte Fassung auf eine Version stützt, die bereits zu einem früheren Zeitpunkt verfasst worden ist.

2.3. Die poetischen Bücher

Sowohl die kultische als auch die weise Dichtung des Alten Testaments ist nur schwer zu datieren oder bestimmten Autoren zuzuordnen, vor allem, weil beide Textkomplexe nur wenige historische Angaben enthalten. Als Verfasser der Psalmen hat die Forschung den israelitischen König David zu identifizieren gesucht, der der Überlieferung nach ein Sänger und Komponist gewesen sein soll und dementsprechend auch Literatur verfasst haben muss. Tatsächlich nennen 70 der 150 Psalmen die Person Davids als Autor oder können mit seinem Leben in Verbindung gebracht werden. Dass die Sprüche und andere Bücher Salomo zugeschrieben wurden, rührt von dem Umstand her, dass diesem König eine sprichwörtliche Weisheit eigen gewesen sein soll (noch heute hat sich diese Vorstellung in der Rede vom salomonischen Urteil bewahrt). Sie enthält insofern einen historisch richtigen Kern, als Salomo die Weisheitsliteratur seiner Zeit förderte und sich um einen gerechten Führungsstil bemühte. Das Buch der Psalmen wurde zum Hymnen- und Gebetbuch von Israels zweitem Tempel, aber viele Lieder sind älter als dieser. Sie enthalten Motive, Themen und Ausdrücke, die Israel von den Kanaanitern übernommen hatte, die nach Auskunft des Alten Testaments vor diesen das Gebiet beherrscht haben sollen.

2.4. Die prophetischen Bücher

Offenbar wurden nur wenige der prophetischen Bücher tatsächlich von jenen Personen geschrieben, nach denen man sie später benannte. Vermutlich hielten Anhänger oder Jünger der weisen Männer deren Äußerungen aus der Erinnerung heraus für die Nachwelt fest. Zunächst separat gesammelt, kamen später Überarbeitungen und Erweiterungen der Bücher hinzu. So erhielt etwa das Buch Amos um 755 v. Chr., also während des Babylonischen Exils, ein neues, die Gegebenheiten als vorläufig deklarierendes optimistischeres Ende (Amos 9, 11-15: „An jenem Tag richte ich die zerfallene Hütte Davids wieder auf / und bessre ihre Risse aus, ich richte ihre Trümmer auf / und stelle alles wieder her / wie in den Tagen der Vorzeit”). Das Buch Jesaja behandelt Jahrhunderte israelitischer Geschichte und berichtet von den Aktivitäten mehrerer Propheten; einzig Jesaja 1-39 stammt wohl zum größten Teil vom Propheten selbst, der 742-700 v. Chr. gelebt haben soll. Lediglich die Kapitel 40-55 wurden von einem unbekannten Propheten während der Verbannung geschrieben, der deshalb auch der zweite Jesaja genannt wird (539 v. Chr.); die Kapitel 56-66 schließlich gelten als Schöpfung des so genannten dritten Jesaja; hinter dieser fiktiven Maske wiederum verbergen sich verschiedene Schreiber der Zeit nach dem Babylonischen Exil, die wohl kaum im Autorenkollektiv geschrieben haben, deren Texte sich aber in den Übertragungen vermischten.

3. Der Kanon

Die hebräische Bibel und die christlichen Versionen des Alten Testaments wurden zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten kanonisiert; jedoch kann die Entwicklung der christlichen Kanons lediglich im Hinblick auf die Kanonisierung der hebräischen Bibel in seiner Gänze richtig beurteilt werden, da sie zum Teil in Abgrenzung, zum Teil in Anlehnung an diese passierte.

3.1. Der hebräische Kanon

Die Vorstellung von einem heiligen Buch geht in Israel bis ins Jahr 621 v. Chr. zurück. Während der Reform von Josia, dem damaligen König von Juda, entdeckte der Hohepriester Hilkija im Zuge der Restauration des dortigen Tempels das Gesetzbuch, wie es im 2. Buch der Könige beschrieben wird: „Damals teilte der Hohepriester Hilkija dem Staatsschreiber Schafan mit: Ich habe im Haus des Herrn das Gesetzbuch gefunden” (2. Könige 22, 8). Der Überlieferung zufolge zerriss der König, nachdem ihm der Text vorgelesen worden war, seine Kleider, da seine Vorfahren dem Wortlaut des Buches nicht gehorchten. Bei dieser Gesetzesrolle handelte es sich vermutlich um den zentralen Teil des heutigen Deuteronomiums, das innerhalb der jüdischen Glaubenswelt eine große Autorität besaß. Noch mehr Achtung zollte man jenem Text, den Esra, der hebräische Priester und Schriftgelehrte, der Gemeinde gegen Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. von einer eigens hierzu errichteten hölzernen Kanzel herab vorlas: „Das ganze Volk versammelte sich geschlossen auf dem Platz vor dem Wassertor und bat den Schriftgelehrten Esra, das Buch mit dem Gesetz des Mose zu holen, das der Herr den Israeliten vorgeschrieben hat” (Nehemia 8, 1).

Zunächst wurde die Thora in der Zeit zwischen dem Babylonischen Exil (538 v. Chr.) und der Abspaltung der Samariter von den Juden zu einem Teil der Heiligen Schrift, vermutlich um 300 v. Chr. Die Samariter erkannten nur die Thora als Heilige Schrift an. Die zweite Stufe war die Kanonisierung der Nebiim (Propheten). Wie die Überschriften der prophetischen Bücher belegen, wurden die schriftlich festgehaltenen Worte der Propheten als Wort Gottes betrachtet, das dieser ihnen direkt eingegeben haben soll. Der zweite Teil des hebräischen Kanons wurde wohl gegen Ende des 3. Jahrhunderts kurz vor dem Jahr 200 v. Chr. abgeschlossen.

Als das Buch Jesus Sirach verfasst wurde (ca. 180 v. Chr.), hatte sich bereits die Idee einer dreiteiligen Bibel herausgebildet, wobei der Inhalt des dritten Teiles, die Ketubim (Schriften), in der jüdischen Religion bis nach dem Fall Jerusalems an die Römer im Jahr 70 n. Chr. umstritten blieb. Gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. hatten die Rabbiner in Palästina schließlich das allgemein verbindliche Verzeichnis des alttestamentlichen Inhalts festgelegt.

3.2. Der christliche Kanon

Der zweite Kanon, der zur katholischen Version des Alten Testaments wurde, bestand zunächst aus einer Übersetzung der früheren hebräischen Bücher ins Griechische. Der Prozess dieser Kanonisierung begann im 3. Jahrhundert v. Chr. außerhalb Palästinas, weil jüdische Gemeinden in Ägypten und anderswo die Heilige Schrift in der Sprache ihrer Kultur benötigten. Die zusätzlichen Bücher dieser Bibel, u. a. Ergänzungen zu älteren Büchern, entstanden zum größten Teil in den jüdischen Gemeinden außerhalb Palästinas selbst. Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr., als die frühesten christlichen Schriften gesammelt und verbreitet wurden, existierten bereits zwei Versionen der jüdischen Heiligen Schrift: die hebräische Bibel und das griechische Alte Testament (Septuaginta).

Als Martin Luther die Bibel ins Deutsche übersetzte, entdeckte er, was auch andere, insbesondere Hieronymus, schon gewusst hatten: dass nämlich das Alte Testament ursprünglich in hebräischer Sprache geschrieben worden war und die Urfassung offenbar von nachfolgenden Kopisten erweitert wurde. Daraufhin entfernte er aus seinem Alten Testament all jene Bücher, die nicht in der jüdischen Bibel vertreten waren, und nannte sie Apokryphen. Dieser Schritt war ein Versuch, zum möglichst ersten und damit ursprünglichsten Text und Kanon zurückzukehren und so der von Luther bekämpften Autorität der Kirche, die sich auf das päpstliche Unfehlbarkeitsdogma stützte, die Autorität einer älteren Bibelversion entgegenzusetzen. Siehe Apokryphen; Apokryphen des Neuen Testaments.

4. Übersetzungen

Alle modernen Übersetzer der Bibel legen den ältesten verfügbaren Text zugrunde, da dieser dem Original am nähesten kommt. Es existieren jedoch keine Originale oder originale Abschriften; stattdessen enthalten die Hunderte von verschiedenen Manuskripten zahlreiche alternative Versionen, die von fehlerhaftem Kopieren oder unterschiedlicher theologischer Auslegung herrühren.

4.1. Masoretische Texte

Die wichtigsten und im Allgemeinen zuverlässigsten hebräischen Schriften sind die Texte der Masoreten, jüdischer Schriftgelehrter, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, die Bibel in ihrer Urfassung originalgetreu, also wortwörtlich, abzuschreiben und weiterzugeben (siehe Masora). Diese Gelehrten, die von den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt bis ins Mittelalter hinein wirkten, versahen die Texte auch mit Satzzeichen und Vokalen (das hebräische Original enthält nur Konsonanten); Anmerkungen verzeichneten sie am Rand ihrer Kopien. Die hebräische Standardbibel, die heute verwendet wird, ist eine Reproduktion eines 1088 geschriebenen masoretischen Textes. Die Handschrift steht in der Sammlung der Öffentlichen Bibliothek von Sankt Petersburg. Ein anderes masoretisches Manuskript, der so genannte Aleppo-Kodex aus der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts n. Chr., bildet die Grundlage für eine Neuveröffentlichung des Textes, die zur Zeit an der Hebräischen Universität Israel vorbereitet wird. Der Aleppo-Kodex ist das älteste Manuskript der gesamten hebräischen Bibel.

Es sind allerdings auch noch ältere hebräische Manuskripte vorhanden, darunter masoretische Überlieferungen und andere Passagen einzelner Bücher. Im 19. Jahrhundert wurden im genizah (dem Lagerraum für Manuskripte) der Synagoge von Kairo Texte entdeckt, die sogar noch aus dem 6. Jahrhundert stammen. Zahlreiche Schriftrollen und Fragmente, viele noch aus der Zeit vor Christi Geburt, wurden nach 1947 durch Zufall in einer Höhle am Toten Meer gefunden (siehe Qumran-Rollen). Obwohl viele der wichtigsten Manuskripte relativ spät entstanden sind, bewahren vor allem die masoretischen Texte eine Tradition, deren Ursprung mindestens hundert Jahre vor der christlichen Zeitrechnung liegt.

4.2. Die Septuaginta und andere griechische Versionen

Die wertvollsten Versionen der hebräischen Bibel sind die Übersetzungen ins Griechische. Es handelt sich um ursprünglich komplette Abschriften der christlichen Bibel, die bis ins 4. und 5. Jahrhundert zurückdatiert werden können. Die wichtigsten Manuskripte sind der Codex Vaticanus, der in der Bibliothek des Vatikans gelagert wird und den Text am Rand erstmals durch Zahlen in Abschnitte teilt (eine Arbeit, die später von Eusebius von Cäsarea und endgültig durch die Kapiteleinteilung von Erzbischof Stephen Langton im modernen Sinn vervollkommnet wurde), der Codex Sinaiticus und der Codex Alexandrinus; Letztere befinden sich im Besitz des Britischen Museums.

Die wichtigste griechische Version ist die so genannte Septuaginta (griechisch: siebzig). Sie verdankt ihren Namen der Legende, dass die Thora im 3. Jahrhundert v. Chr. von 72 Gelehrten übersetzt worden sein soll. Diese Legende enthält vermutlich einige historische Fakten: Die erste griechische Übersetzung enthielt nur die Thora, und sie entstand in Alexandria im 3. Jahrhundert v. Chr. Später wurden auch die restlichen Bücher der hebräischen Bibel übersetzt, allerdings von anderen Schriftgelehrten und unter unterschiedlicher theologischer Perspektive. Je mehr die Septuaginta vom Christentum übernommen wurde, desto geringer wurde ihre Rolle im Judentum. Während sie dort im Zug der Kanonisierung im 1. Jahrhundert n. Chr. gänzlich verschwand (ihre Benutzung wurde verboten), blieb sie in der frühchristlichen Kirche durch Übersetzungen ins Lateinische erhalten.

Es entstanden noch zahlreiche weitere griechische Übersetzungen der hebräischen Bibel; die meisten von ihnen existieren jedoch nur noch in Fragmenten oder in Zitaten der Kirchenväter und anderer. Zu diesen Übersetzungen zählen beispielsweise die Versionen von Aquila, Symmachus, Theodotion und Lucian. Im 3. Jahrhundert untersuchte der christliche Theologe Origenes die Probleme, die im Zusammenhang mit diesen unterschiedlichen Versionen bei der Auslegung der Heiligen Schrift auftraten, und fertigte eine so genannte Hexapla an: Dabei handelt es sich um eine synoptische Gegenüberstellung des hebräischen Textes, der Umschrift des hebräischen Textes ins Griechische, der Versionen von Aquila und Symmachus, der Septuaginta und der Version des Theodotion, die in sechs parallelen Spalten nebeneinanderstehen.

4.3. Peschitta, Vetus Latina, Vulgata und Targums

Andere Versionen des Alten Testaments sind z. B. die Peschitta, oder Vetus Syra, die möglicherweise bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. begonnen wurde, die altlateinische Version Vetus Latina, die nicht aus dem Hebräischen, sondern im 2. Jahrhundert auf der Grundlage der Septuaginta übersetzt wurde, und die so genannte Vulgata, die von Hieronymus Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. vom Hebräischen ins Lateinische besorgte Übersetzung des Alten Testaments (sein Versuch einer Etablierung blieb erfolglos und wurde erst von Martin Luther für die protestantischen Kirchen wieder aufgegriffen und vollendet). Ebenfalls als Übersetzungen gelten die aramäischen Targums. Als das Aramäische die hebräische Sprache allmählich als Alltagssprache ersetzte, bedingte dies auch die Notwendigkeit von Übersetzungen der hebräischen Bibel. Siehe Targum.

5. Geschichte im Alten Testament

Die Geschichte Israels wird im Alten Testament in eine Reihe von zentralen Ereignissen und Perioden geordnet: Dazu gehört zunächst der Auszug der Israeliten aus Ägypten (der so genannte Exodus, einschließlich der Geschichten von den Patriarchen bis zur Eroberung Kanaans); darauf folgten Darstellungen aus der Zeit der Monarchie, des Babylonischen Exils, der Rückkehr nach Palästina und der Wiedereinsetzung der alten religiösen Institutionen.

Um die Historizität der im Alten Testament vorgefundenen Faktenlage auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen, ist es notwendig, andere Quellen heranzuziehen. Diese Quellen, die Aufschluss über die geschichtliche Entwicklung geben könnten, beschäftigen sich jedoch vor allem mit der theologischen Bedeutung der Vergangenheit. Außerdem sind die meisten Dokumente oft erst Jahrhunderte nach den Geschehnissen entstanden, die sie beschreiben. Eine nennenswerte Anzahl schriftlicher Beweise gibt es erst seit der Zeit der Monarchie, die mit der Salbung Sauls zum ersten König von Israel im 11. Jahrhundert v. Chr. begann. (siehe biblische Archäologie; Exegese).

Wie bei den anderen kleinen Völkern des östlichen Mittelmeerraumes hing das Schicksal Israels von den Großmächten Ägypten, Assyrien und Babylonien ab; die kleinen Nationen konnten nur dann ein unabhängiges Leben führen, wenn sich die Lage in den Herrscherländern selbst derart verschlechterte, dass sie ihre Vormachtstellung einbüßten, oder wenn die Kleinreiche in Kriegen untereinander die Oberhand gewinnen konnten.

5.1. Frühzeit und Entwicklung Israels

Eine Fülle von Informationen zur Geschichte des Nahen Ostens ist bereits seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. erhalten geblieben, aber eine detaillierte Geschichte Israels kann nur etwa seit der Zeit König Davids (1000-961 v. Chr.) rekonstruiert werden. Die Erzählungen von den Patriarchen in Genesis z. B. waren überhaupt nicht als geschichtliche Dokumente angelegt. Archäologische Beweisstücke haben jedoch gezeigt, dass hier das Leben in der späten Bronzezeit widergespiegelt wird. Die Geschichten belegen auch, dass die Vorfahren der Bewohner Israels Halbnomaden gewesen sein müssen. Darüber hinaus geben sie Auskunft über die religiösen Gebräuche und Praktiken dieser Zeit.

Eine Analyse der biblischen Berichte und eine umsichtige Verwendung des archäologischen Materials ergaben, dass der Auszug aus Ägypten in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts v. Chr. stattgefunden haben muss. Der Weg des Zuges selbst ist jedoch weitgehend unbekannt.

Josua 1-12 und Richter 1-2 enthalten zwei verschiedene Versionen der Ankunft des Volkes Israel im gelobten Land Kanaan. Die zusammenfassenden Äußerungen im Bericht Josuas berichten von einer Eroberung durch die Israeliten unter der Führung von Josua; dem widerspricht das Buch der Richter 1-2 und andere Überlieferungen, die die Annahme nahe legen, dass einzelne Stämme allmählich in das Land einwanderten und dass es Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte gedauert haben muss, bis sich die Israeliten in Kanaan endgültig angesiedelt hatten.

5.2. Die Monarchie

Israelitische Monarchen kamen während des 11. Jahrhunderts v. Chr. zur Macht, gerade zu jener Zeit, als das Land von inneren Kämpfen zerrissen war und zugleich von außen bedroht wurde. Die monarchistische Regierungsform setzte sich wegen der äußeren Bedrohung durch die militärisch überlegenen Philister durch, die fünf Städte in der Küstenebene besetzt hatten. Saul vereinte die Stämme und schuf eine Königsherrschaft, wurde aber zusammen mit seinem Sohn Jonathan in einer Schlacht gegen die Philister getötet. Daraufhin wurde David König, zunächst nur im Süden, dann über das gesamte Volk. Erst David machte der Bedrohung durch die Philister ein Ende und errichtete ein Großreich, dessen Einflussnahme sich von Syrien bis zur Grenze Ägyptens erstreckte. Während seiner Regierungszeit wurde Israel zu einem reichen Land. Davids Nachfolger war sein Sohn Salomo, der einen Hof nach dem Vorbild anderer orientalischer Könige einrichtete. Er baute einen Palast und einen großen Tempel in Jerusalem, wobei er verschwenderisch mit den Ressourcen des Landes umging.

5.2.1. Die Königreiche von Israel und Juda

Nach dem Tod Salomos rebellierten die Stämme des Nordens gegen die Herrschaft seines Sohn Rehabeam. Die zwei Nationen, Israel im Norden und Juda im Süden, wurden nie wieder vereint und bekämpften sich fortan. In Juda herrschte weiterhin das Haus David, bis die Babylonier das Land eroberten (597 und 586 v. Chr.); in Israel regierten währenddessen mehrere Könige und Dynastien. Die Zeit der geteilten Monarchie war von der wiederholten äußeren Bedrohung durch die Assyrer, die Aramäer und die Babylonier gekennzeichnet. 722 bis 721 v. Chr. mussten sich Israel und seine Hauptstadt Samaria der assyrischen Armee ergeben. Die Israeliten wurden verschleppt, und Fremde siedelten sich auf ihrem Gebiet an. Juda seinerseits hatte zweimal unter den Demütigungen der Babylonier zu leiden: bei der Eroberung Jerusalems 597 und während seiner Zerstörung 586 v. Chr. (siehe Babylonisches Exil).

5.3. Die Zeit nach der Verbannung

538 v. Chr., als der persische König Cyrus das Perserreich errichtete, wurde das Volk Israel aus der Verbannung entlassen. In der Zeit nach der Verbannung richtete es unter der Führung der Propheten Esra und Nehemia die alten Institutionen wieder ein und baute den Tempel wieder auf. Juda unterstand als Provinz fortan dem Perserreich, und das Volk genoss eine relative Autonomie, vor allem in religiösen Angelegenheiten.

Zu einem bestimmten Zeitpunkt der israelitischen Geschichte nach der Verbannung wurde die Geschichte Israels zur Geschichte des Judentums. In der Frühphase des Christentums hatte das Volk bereits den Aufstieg des hellenistischen Reiches (333 v. Chr.), die Revolution der Makkabäer (168-165 v. Chr.) und ihre Herrschaft und die Errichtung der römischen Herrschaft in Palästina (63 v. Chr.) überlebt. Der gescheiterte Aufstand 70 n. Chr., bei dem Jerusalem zerstört wurde, bewirkte eine radikale Veränderung der Lebensumstände.