Hugenotten
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Hugenotten
2. Die Hugenottenkriege

Die Ausbreitung des Protestantismus löste unter den Katholiken Frankreichs Beunruhigung und Hass aus. Die konfessionelle Auseinandersetzung wurde noch durch die Rivalität zwischen den Häusern Valois, damals das Königshaus, und Guise verschärft. Katharina von Medici, die Witwe Heinrichs II., die für ihren Sohn König Karl IX. die Regentschaft führte, verbündete sich von Zeit zu Zeit aus politischen Gründen mit den Hugenotten, meistens jedoch bekämpfte sie sie. Die Hugenotten kämpften für die freie Ausübung ihres Glaubens und die Anerkennung ihrer politischen und bürgerlichen Rechte, der König versuchte, sie zu unterdrücken. Schließlich kam es zum offenen Bürgerkrieg; zwischen 1562 und 1598 tobten zwischen den Katholiken und den Protestanten Frankreichs acht Kriege, die so genannten Hugenottenkriege (1562/63, 1567/68, 1568-1570, 1572/73, 1574-1576, 1576/77, 1579/80 und 1585-1598).

Führer der Hugenotten zu Beginn des Konflikts waren Louis I. de Bourbon, Prinz von Condé, und der französische Admiral Gaspard de Coligny; sie wurden von Heinrich von Navarra, dem späteren König Heinrich IV. von Frankreich, abgelöst. Führer der Katholiken waren Henri I. de Lorraine, 3. Herzog von Guise, Katharina von Medici und König Heinrich III. Beide Seiten bedienten sich von Zeit zu Zeit der Hilfe aus dem Ausland: Die Hugenotten erhielten Unterstützung aus England, dem Reich und der Schweiz, die Katholiken aus Spanien. Die Friedensverträge am Ende eines jeden Krieges gewährten den Hugenotten gewöhnlich ein gewisses Maß an religiöser und politischer Duldung. Da diese Verträge vom König und anderen einflussreichen Kräften jedoch vielfach ignoriert oder einfach außer Kraft gesetzt wurden, lebten die Kämpfe immer wieder auf. Der erste Hugenottenkrieg brach nach dem Blutbad von Vassy (1. März 1562) aus, das der Herzog François I. von Guise, der Vater von Henri I. de Lorraine, unter den Hugenotten angerichtet hatte, und endete mit dem Edikt von Amboise, das den Hugenotten eine gewisse Freiheit in der Religionsausübung garantierte. Nach dem dritten Krieg wurden den Hugenotten im Edikt von Saint-Germain (1570) zusätzlich noch einige Sicherheitsplätze, d. h. Orte, wo sie ihren Kultus frei und ungestört ausüben konnten, gewährt; und Katharina von Medici und Karl IX. unterhielten zeitweise gute Beziehungen zu den Hugenotten und ihrem Führer Coligny. In der Nacht zum 24. August 1572 wurden auf Anordnung Katharinas und mit Zustimmung Karls in der berüchtigten Bartholomäusnacht Tausende Hugenotten in Paris, wo sich ihre Anführer aus Anlass der Hochzeit von Heinrich von Navarra mit der Schwester des Königs versammelt hatten, und auf dem Land ermordet. Coligny wurde ergriffen und vom Herzog Henri von Guise getötet.

Die beiden nächsten Kriege brachten keine militärische Entscheidung, dafür aber eine Bestätigung der politischen und religiösen Forderungen der Hugenotten. In Reaktion auf die „Sonderstellung” der Hugenotten sowie gegen die berechtigten Ansprüche des Hugenotten Heinrich von Navarra auf den französischen Thron schlossen sich die französischen Katholiken unter der Führung des Herzogs Henri von Guise zur Heiligen Liga zusammen und erwirkten von König Heinrich III., dem Nachfolger Karls IX., die Rücknahme aller den Hugenotten zugestandenen Rechte im Edikt von Nemours (1585). Im achten Hugenottenkrieg, dem „Krieg der drei Heinriche” (Heinrich III., Heinrich von Navarra und Henri von Guise), standen sich die Hugenotten unter Heinrich von Navarra und die Liga unter Henri de Guise gegenüber. Die Hugenotten konnten den Katholiken 1587 bei Coutras eine schwere Niederlage zufügen. 1588 ließ Heinrich III., dem die Liga und die Familie Guise zu mächtig wurden, Henri von Guise ermorden und verbündete sich mit den Hugenotten, um das von der Liga besetzte Paris zu erobern. 1589 wurde Heinrich III. ermordet, Heinrich von Navarra übernahm als Heinrich IV. die Nachfolge. Zunächst führte er den Kampf gegen die Liga weiter; 1593 aber konvertierte er zum Katholizismus, um in Frankreich als König allgemeine Anerkennung zu finden, und 1598 garantierte er den Hugenotten im Edikt von Nantes Gewissensfreiheit, die Bürgerrechte, örtlich begrenzte freie Religionsausübung und etwa 100 Sicherheitsplätze.