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| 1. | Einleitung |
Nobelpreis, Auszeichnung für außerordentliche Leistungen auf wissenschaftlichen Gebieten sowie der Literatur und der Friedenspolitik, gestiftet von dem schwedischen Industriellen Alfred Nobel. Der Nobelpreis gilt als die höchste Anerkennung in der Welt der Wissenschaften, der Kultur und der Politik und wird alljährlich am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters, verliehen.
| 2. | Geschichte und Grundsätze |
Als Erfinder des Sprengstoffs Dynamit musste Nobel miterleben, dass seine Entdeckung nicht nur den technischen Fortschritt, sondern auch die Kriegsführung beflügelte. Als „Wiedergutmachung” verfügte er 1895 testamentarisch, nach seinem Tod den größten Teil seines Vermögens einem Fonds zufließen zu lassen. Aus dessen Erträgen sollten alljährlich Preisgelder in gleichen Teilen an fünf Personen verteilt werden, die „während des verflossenen Jahres den größten Beitrag für das Wohlergehen der Menschheit geleistet haben”. Als Felder, auf denen die jeweils bedeutendsten Beiträge gewürdigt werden sollten, bestimmte Nobel die naturwissenschaftlichen Disziplinen Physik, Chemie und Physiologie oder Medizin sowie die Literatur. Mit einer weiteren Auszeichnung, dem Friedensnobelpreis, sollten Personen oder gesellschaftliche Institutionen geehrt werden, die sich in hervorragender Weise um den Weltfrieden verdient gemacht haben. Nobel legte fest, dass sich bis zu drei Personen einen Preis teilen können, benannte die Gremien, die die Preisgewinner ermitteln sollten, und bestimmte im Testament, bei der Auswahl „darf die Nationalität der Kandidaten keine Rolle spielen, sondern der Würdigste soll den Preis empfangen”.
Die ersten Nobelpreise wurden am 10. Dezember 1901 vergeben, dem fünften Todestag von Nobel.
1968 ergänzte die Schwedische Reichsbank anlässlich ihres Jubiläums zum 300-jährigen Bestehen die fünf traditionellen Preise um einen weiteren für das Gebiet der Ökonomie. Dieser „Preis für Wirtschaftswissenschaften im Gedenken an Alfred Nobel” wurde erstmals 1969 vergeben. Das Preisgeld, mit dem die Bank diese Auszeichnung dotiert, ist ebenso hoch wie das für die anderen Preise.
| 3. | Die Nobelstiftung und die Nobelkomitees |
Zur Verwaltung des Fonds und zur Organisation der Preisverleihung wurde 1900 die Nobelstiftung gegründet. Sie wird von einem sechsköpfigen Aufsichtsrat kontrolliert, dessen Mitglieder für zwei Jahre amtieren und schwedische oder norwegische Staatsbürger sein müssen. Einer der Aufsichtsräte wird von der schwedischen Regierung benannt, die anderen von den vier Institutionen, die Nobel in seinem Testament mit der Auswahl der Preisträger betraut hat: In Stockholm ist die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften zuständig für die Preise für Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaften, das Karolinska-Institut für den Preis aus dem Gebiet Physiologie oder Medizin und die Schwedische Akademie für den Literaturnobelpreis. In Oslo widmet sich den Belangen des Friedensnobelpreises ein fünfköpfiges Nobelkomitee, das vom Storting, dem norwegischen Parlament gewählt wurde. Über entsprechende Nobelpreisgremien verfügen auch die drei wissenschaftlichen Einrichtungen in Schweden.
| 4. | Das Auswahlverfahren |
Die weltweite Anerkennung des Nobelpreises beruht wesentlich auf dem aufwendigen und sorgfältigen Verfahren bei der Auswahl der Preisträger. Ein Jahr vor der Entscheidung laden die vier Preiskomitees ausgewählte Persönlichkeiten und Institutionen zur Nominierung preiswürdiger Kandidaten ein. Dieses Vorschlagsrecht erhalten ausgewiesene Fachleute in den jeweiligen Disziplinen, unter ihnen auch die früheren Nobelpreisträger, insgesamt mehrere tausend Personen für jeden Preis, aber auch Forschungsinstitute und wissenschaftliche Akademien. Für den Friedensnobelpreis können auch Mitglieder von Regierungen, internationalen Gerichten und internationalen Organisationen Kandidaten nominieren. Sich selbst für den Preis vorzuschlagen, ist ausgeschlossen. Die Nominierungen müssen bis zum 31. Januar bei den Nobelkomitees eintreffen. Nach Prüfung der Vorschläge, in der Regel mit Hilfe von Experten, treffen die Komitees ihre letzten Entscheidungen im Oktober und geben anschließend sofort die Namen der Gewinner bekannt. Das ganze Verfahren ist streng vertraulich: Informationen darüber, wer zur Nominierung eingeladen wurde, über welche Kandidaten die Kommissionen zu entscheiden haben und wie diese sich ihre Meinung bildeten, unterliegen einer Geheimhaltungsfrist von 50 Jahren.
Wenn in einem Jahr kein würdiger Preisträger gefunden wird oder es die Weltlage nicht erlaubt, frei zu kommunizieren und sich über den Fortschritt der Wissenschaften zu informieren – wie während der Weltkriege –, wird der Preis nicht vergeben. Aber er muss wenigstens einmal alle fünf Jahre vergeben werden. Wird ein Preis nicht vergeben oder nicht akzeptiert, verbleibt das Preisgeld im Fonds.
| 5. | Der Preis |
Der Preis besteht aus einer Goldmedaille, einer Urkunde und einem Preisgeld, dessen Höhe sich nach dem jährlichen Ertrag des von der Nobelstiftung verwalteten Fonds-Kapitals richtet. Die Dotierung stieg von 150 000 Schwedischen Kronen im Jahr 1901 auf über 10 Millionen Schwedische Kronen (1,1 Millionen Euro).
| 6. | Die Preisvergabe |
Die Preise werden jedes Jahr nach feststehendem Ritual am 10. Dezember eines jeden Jahres, dem Todestag von Nobel, vergeben. Die Gewinner (Laureaten) von fünf Preisen – für Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur und Wirtschaftswissenschaften – empfangen ihn in Stockholm aus der Hand des schwedischen Königs. Den Friedensnobelpreis übergibt in der Regel der norwegische König in Oslo.
| 7. | Der Friedensnobelpreis |
Für die Vergabe des Friedensnobelpreises legte der Stifter Alfred Nobel in seinem Testament von 1885 fest, der Preis gebühre „demjenigen oder derjenigen, der oder die am meisten oder besten gewirkt hat für die Verbrüderung der Völker und für die Abschaffung oder Verminderung der stehenden Heere sowie für die Bildung und Ausrichtung von Friedenskongressen”.
Vermutlich, um zu verhindern, dass außenpolitische Interessen Schwedens die Auswahl der Preisträger beeinflussen könnten, betraute der Schwede Nobel das norwegische Parlament mit der Verleihung des Preises. Zur damaligen Zeit genoss Norwegen lediglich innere Autonomie, während es die Außenpolitik der schwedischen Vormacht überlassen musste. Das Parlament delegiert die Auswahl der Preisträger an fünf von ihm ausgewählte Persönlichkeiten, die das Nobelkomitee bilden, sechs Jahre amtieren und in der Ausübung dieses Amtes vollkommen unabhängig sind.
In der mehr als 100-jährigen Geschichte des Friedensnobelpreises haben sich mehrere Begründungszusammenhänge herauskristallisiert, nach denen das Nobelkomitee die Laureaten auswählt. Zu ihnen zählen:
Die Entscheidungen des Nobelkomitees trafen in der Weltöffentlichkeit häufig auf ebenso starke Zustimmung wie auf heftige Ablehnung. Stark umstritten war schon die Auszeichnung des amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt 1906 für seinen Beitrag zur Beendigung des Russisch-Japanischen Krieges 1905, denn ansonsten hatte er sich kaum als friedfertig erwiesen, wenn es um die Durchsetzung amerikanischer Interessen ging. Für die Beilegung von kriegerischen Konflikten wurden des Öfteren Persönlichkeiten ausgezeichnet, die auch an deren Entstehung oder Austragung nicht unbeteiligt waren. Zu ihnen gehörten im Zusammenhang mit dem Vietnamkrieg 1973 Le Duc Tho (der den Preis nicht annahm) und Henry Kissinger (der ihn 1975 zurückgab) sowie 1994 im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt Jasir Arafat, Shimon Peres und Itzhak Rabin.
Besonders heikel ist die Vergabe des Friedensnobelpreises an politische Dissidenten in autoritären Regimen. Dem in einem Konzentrationslager inhaftierten Deutschen Carl von Ossietzky wurde aufgrund starken Drucks seitens der deutschen auf die norwegische Regierung erst ein Jahr später der für 1935 zugedachte Preis zugesprochen. Daraufhin wurde Ossietzky die Reise nach Oslo zur Entgegennahme des Preises untersagt, und Hitler verbot allen Staatsbürgern des Deutschen Reiches „für alle Zukunft” die Annahme eines Nobelpreises. Auch die sowjetische Führung betrachtete die Auszeichnung des Regimekritikers Andrej Sacharow als politische Provokation (1975), ließ jedoch seine Frau Jelena Bonner den Preis in Oslo entgegennehmen. (Ähnliche Konflikte hatte es schon 1958 und 1970 um die Verleihung des Literaturnobelpreises an Boris Pasternak bzw. Aleksandr Solschenizyn gegeben.) 1991 wurde die Anführerin der Demokratiebewegung in Myanmar, Aung San Suu Kyi, deren Partei ein Jahr zuvor die vom Regime nicht anerkannten Parlamentswahlen gewonnen hatte, mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Auf dessen persönliche Entgegennahme verzichtete sie jedoch, um nicht ausgebürgert zu werden.
| 8. | Nobelpreisträger |
| 1. | Mehrfache Preisträger |
Auch die mehrfache Auszeichnung derselben Person ist möglich: Zweimal ausgezeichnet wurden bisher eine Wissenschaftlerin und drei ihrer männlichen Kollegen: Die französische Forscherin Marie Curie erhielt, als erste mit dem Nobelpreis geehrte Frau überhaupt, 1903 den Preis für Physik (zusammen mit ihrem Mann Pierre) und 1911 den für Chemie. Der US-Amerikaner Linus Pauling ist Preisträger von 1954 (Chemie) und 1962 (Friedensnobelpreis für sein Engagement gegen Atomwaffentests), sein Landsmann John Bardeen erhielt 1956 und 1972 den Preis für Physik; 1958 und 1980 nahm der der britische Biochemiker Frederick Sanger den Chemiepreis entgegen.
Häufiger wurden internationale Organisationen mit dem Friedensnobelpreis mehrmals ausgezeichnet: das Internationale Komitee vom Roten Kreuz 1917, 1944 und 1963; dessen Gründer, der Schweizer Henri Dunant, empfing 1901 als Erster den Preis (zusammen mit dem französischen Pazifisten Frédéric Passy). Das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) erhielt 1954 und 1981 den Friedensnobelpreis. Seine Vorgängerorganisation im Völkerbund, das Internationale Nansenamt für Flüchtlinge, wurde 1938 mit diesem Preis ausgezeichnet, sein Leiter Fridtjof Nansen 1922.
| 2. | Nobelpreisträger aus Deutschland |
Der Stifter Alfred Nobel verfügte testamentarisch, dass beim Auswahlverfahren für den Preis die nationale Zugehörigkeit eines Nominierten keine Rolle spielen darf, sondern allein dessen Beitrag zum Wohlergehen der Menschheit zählt. Gleichwohl werden nach jeder Preisverleihungsrunde im Oktober eines jeden Jahres Listen aufgestellt, aus denen sich eine Rangfolge der Nationen nach Anzahl der von ihnen hervorgebrachten Nobelpreisträger ergibt.
Bei der Auflistung der deutschen Preisträger wurde nicht nur die (in manchen Fällen wechselnde) Staatsangehörigkeit oder der Geburtsort berücksichtigt, sondern eher der biografische Schwerpunkt.
| 2.1. | Friedensnobelpreis |
Gustav Stresemann (1926), Ludwig Quidde (1927), Carl von Ossietzky (1935), Albert Schweitzer (1952), Willy Brandt (1971).
| 2.2. | Nobelpreis für Literatur |
Theodor Mommsen (1902), Rudolf Eucken (1908), Paul Heyse (1910), Gerhart Hauptmann (1912), Thomas Mann (1929), Nelly Sachs (1966), Heinrich Böll (1972), Günter Grass (1999).
| 2.3. | Nobelpreis für Chemie |
Hermann Emil Fischer (1902), Adolf von Baeyer (1905), Eduard Buchner (1907), Wilhelm Ostwald (1909), Otto Wallach (1910), Richard Willstätter (1915), Fritz Haber (1918), Walther Nernst (1920), Richard Adolf Zsigmondy (1925), Heinrich Wieland (1927), Adolf Otto Reinhold Windaus (1928), Hans Fischer (1930), Friedrich Bergius (1931), Carl Bosch (1931), Richard Kuhn (1938), Adolf Butenandt (1939), Otto Hahn (1944), Otto Diels (1950), Kurt Alder (1950), Hermann Staudinger (1953), Karl Ziegler (1963), Manfred Eigen (1967), Ernst Otto Fischer (1973), Georg Wittig (1979), Johann Deisenhofer (1988), Robert Huber (1988), Hartmut Michel (1988), Gerhard Ertl (2007).
| 2.4. | Nobelpreis für Physik |
Wilhelm Conrad Röntgen (1901), Philipp Lenard (1905), Ferdinand Braun (1909), Wilhelm Wien (1911), Max von Laue (1914), Max Planck (1918), Johannes Stark (1919), Albert Einstein (1921), James Franck (1925), Gustav Hertz (1925), Werner Heisenberg (1932), Max Born (1954), Walther Bothe (1954), Rudolf Mößbauer (1961), J. Hans D. Jensen und Maria Goeppert-Mayer (1963), Klaus von Klitzing (1985), Gerd Binnig (1986), Ernst Ruska (1986), Johannes Georg Bednorz (1987), Wolfgang Paul (1989), Horst L. Störmer (1998), Herbert Kroemer (2000), Wolfgang Ketterle (2001), Theodor Hänsch (2005), Peter Grünberg (2007).
| 2.5. | Nobelpreis für Physiologie oder Medizin |
Emil von Behring (1901), Robert Koch (1905), Paul Ehrlich (1908), Albrecht Kossel (1910), Otto Meyerhof (1922), Otto H. Warburg (1931), Hans Spemann (1935), Gerhard Domagk (1939), Werner Forßmann (1956), Feodor Lynen (1964), Georges J. F. Köhler (1984), Erwin Neher (1991), Bert Sakmann (1991), Christiane Nüsslein-Volhard (1995), Günter Blobel (1999).
| 2.6. | Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften |
Reinhard Selten (1994).