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Abwertung
1. Einleitung

Abwertung, in der Volkswirtschaft die offizielle Senkung des Wechselkurses, zu dem eine Währung gegen eine andere auf den internationalen Geldmärkten eingetauscht wird. Eine Regierung kann die Landeswährung abwerten, wenn in der Zahlungsbilanz des Landes ein anhaltendes Ungleichgewicht besteht. Dadurch wird die internationale Akzeptanz der Währung als gesetzliches Zahlungsmittel geschwächt.

Wenn ein Land einen festen Wechselkurs gegenüber anderen wichtigen Fremdwährungen gewahrt hat, wird durch eine Abwertung der Wert einer Währung gesenkt. Wird der Wechselkurs flexibel ermittelt – d. h., der Wert der Währung wird durch die Marktkräfte bestimmt und nicht von oben festgesetzt – so bezeichnet man das Nachgeben des Währungswertes, das daraus resultiert, als Kursverfall.

2. Gründe

Der Wert einer Landeswährung auf dem freien Markt hängt vom Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage ab. Wird mehr Währung nachgefragt als angeboten, so ergibt sich für dieses Land ein Überschuss in der Zahlungsbilanz. Dagegen entsteht ein Defizit in der Zahlungsbilanz, wenn die angebotene Währungsmenge die Nachfrage übersteigt.

Die Nachfrage nach einer Landeswährung wird von mehreren Faktoren und deren Wechselwirkung bestimmt. Die Höhe der Exporte des entsprechenden Landes, die inländischen Investitionen sowie die Aktiva (siehe Bilanz), die in der Landeswährung gehalten werden, beeinflussen die Devisennachfrage. Das Währungsangebot eines Landes dagegen wird bestimmt durch die Höhe der Importe, durch die Investitionen im Ausland sowie durch das Vermögen, das in fremder Währung gehalten wird. Das Währungsangebot eines Landes auf den Märkten der Welt hängt aber letztlich von der Geld- und Währungspolitik des jeweiligen Landes ab. Wenn ein Land zu viel Geld druckt und dadurch eine Inflation im Inland hervorruft, folgt daraus ein Zahlungsbilanzdefizit.

Innerhalb eines Systems fester Wechselkurse kann ein Land seine Zahlungsbilanz anpassen. Dies kann durch den Verkauf der Landeswährung gegen ausländische Währung oder Gold geschehen. Besteht über längere Zeit ein Zahlungsbilanzüberschuss, so kann die Regierung beschließen, mehr fremde Währung oder Gold zu kaufen, um den Überschuss auszugleichen. Wenn dagegen ein Zahlungsbilanzdefizit besteht, so wird die Regierung einen Teil ihres Bestands an fremder Währung oder Gold verkaufen, um den Wert ihrer eigenen Währung kurzfristig zu stärken. Da der Bestand oder die Reserven eines Landes an fremder Währung und an Gold begrenzt ist, hat die Regierung auch die Möglichkeit, ein Ungleichgewicht durch eine offizielle Neubewertung der Landeswährung zu korrigieren. Eine solche Währungsabwertung wird normalerweise durch ein Gesetz oder eine Verfügung durchgeführt. Im Rahmen eines flexiblen Wechselkurssystems können Anpassungen des Wechselkurses erfolgen, die dem Land helfen, seine Zahlungsbilanz im Gleichgewicht zu halten.

3. Auswirkungen

Eine Währungsabwertung wirkt sich in erster Linie auf die Handelsbilanz eines Landes aus, die sich aus der Differenz zwischem dem Wert seiner Exporte und Importe ergibt. Die Abwertung senkt den Wert der Landeswährung gegenüber anderen Währungen. Daher muss ein Land nach einer Abwertung mehr von seiner eigenen Währung abgeben, um einen bestimmten Betrag an Fremdwährung zu erhalten. Der Preis für Importe steigt, wodurch wiederum die einheimischen Produkte für die inländischen Verbraucher attraktiver werden. Da man für den Kauf einer bestimmten Menge an abgewerteter Währung weniger Fremdwährung zahlen muss, sinken die Preise für die Ausfuhrgüter des Landes.

Je nachdem, wie Verbraucher oder Hersteller auf die Preisveränderungen reagieren (man nennt die Auswirkungen Elastizität von Angebot und Nachfrage), soll eine wirksame Abwertung eigentlich die Einfuhren eines Landes senken und die Weltnachfrage nach seinen Ausfuhrgütern erhöhen. Verbessert sich die Handelsbilanz eines Landes, so fließt mehr Auslandswährung ins Land. Dadurch wird wiederum die Zahlungsbilanz des Landes gestärkt.

Der Gesamteffekt einer Währungsabwertung hängt von der tatsächlichen Elastizität von Angebot und Nachfrage der gehandelten Güter ab. Die Robinson-Bedingung besagt, dass die normale Anpassung der Zahlungsbilanz um so stärker ausfällt, je kleiner die Angebotselastizität im Export und je größer die Nachfrageelastizität im Import ist. Je weniger elastisch die Nachfrage, desto größer wird die nötige Abwertung zur Behebung eines bestehenden Ungleichgewichts sein.

Die Währungsabwertung wird oft als inflationäre Währungspolitik kritisiert, da sie die Inlandspreise für Exporte und Importe erhöht. Die der Inflation zugrunde liegende Ursache ist jedoch nicht die Abwertung, sondern eher eine übermäßige Gelderzeugung. Dennoch ist die Währungsabwertung eine unbeliebte Maßnahme, besonders in kleinen Ländern, die äußerst abhängig sind von der Einfuhr von Lebensmitteln und anderen Gütern des täglichen Bedarfs.

4. Historischer Hintergrund

Im Jahr 1944 trafen sich die wichtigsten Weltmächte zur Konferenz von Bretton Woods, um ein internationales Währungssystem einzurichten, das viele der Wechselkursprobleme abmilderte, die durch den 2. Weltkrieg entstanden waren. Bei dieser Konferenz wurde der Internationale Währungsfonds (IWF, bzw. International Monetary Fund – IMF) gegründet. Er sollte in erster Linie stabile Währungen fördern, um das Wachstum des Welthandels zu erleichtern. Die teilnehmenden Staaten einigten sich darauf, die Kurse der wichtigsten Weltwährungen an den Wert des US-Dollars zu binden. Die USA verpflichteten sich gegenüber ausländischen Zentralbanken, Dollar zu einem bestimmten Preis in Gold umzutauschen. Gleichzeitig wurden Ober- und Untergrenzen festgelegt, innerhalb deren Wechselkurse schwanken durften. Zum Zeitpunkt der Konferenz wurde diese Grenze vom IWF auf ein Prozent in jeder Richtung festgesetzt. Wollte ein Land den Wert seiner Währung um mehr als ein Prozent nach oben oder unten anpassen, musste dieses Land den Wert seiner Währung offiziell im Verhältnis zum US-Dollar ändern. In der Praxis waren fast alle Währungsänderungen seit dem Abkommen von Bretton Woods Abwertungen. So wurde das Pfund Sterling z. B. im Jahr 1949 abgewertet und noch einmal im Jahr 1967. Die deutsche Mark hingegen war eine der wenigen Währungen, die aufgewertet wurden. Dies geschah in der Zeit fester Wechselkurse insgesamt viermal.

In den Jahren nach dem Abkommen von Bretton Woods stieg der US-Dollar zur Leitwährung der Welt auf. Er wurde bei der Abwicklung internationaler Zahlungsungleichgewichte als Alternative zum Gold verwendet. In gewisser Weise funktionierte der US-Dollar als Weltwährung, denn er diente als Verrechnungseinheit, als Mittel für den Geldwechsel und als Wertspeicher. Andere Nationen bewahrten große Teile ihrer internationalen Währungsreserven in Dollar auf.

5. Die Abwertung der US-Währung

Bis Mitte der sechziger Jahre funktionierte dieses System gut. Doch dann entstanden in den Vereinigten Staaten große Defizite in der Zahlungsbilanz. Das Dollarangebot überstieg den Bedarf, und von einigen Seiten drängte man auf eine Abwertung des US-Dollars. Da er jedoch der Kernpunkt des internationalen Währungssystems war, zögerten die USA und andere Staaten mit der Abwertung.

Schließlich führte das anhaltende Zahlungsbilanzdefizit der USA zu einem Vertrauensverlust in den US-Dollar. Am 15. August 1971 hob der damalige amerikanische Präsident Richard M. Nixon die Konvertierbarkeit des Dollars in Gold vorübergehend auf. Im Dezember desselben Jahres trafen sich die Vertreter der zehn größten Weltwährungen in Washington D.C., um das bei der Bretton-Woods-Konferenz vereinbarte System zu überarbeiten. Das Ergebnis war das Smithsonian-Abkommen (1971), durch das eine Bandbreite von 2,25 Prozent nach oben und unten festgesetzt wurde, innerhalb derer Währungen frei angepasst werden konnten. Im Anschluss an dieses Abkommen werteten die Vereinigten Staaten den US-Dollar um acht Prozent ab, und auch der Wert des britischen Pfund Sterling wurde nochmals angepasst.

Tatsächlich verschlechterte sich die amerikanische Handelsbilanz noch von -2,3 Milliarden US-Dollar im Jahr 1971 auf -6,4 Milliarden US-Dollar im Jahre 1972. Zur gleichen Zeit betrieb die Regierung eine übermäßig expansive Geldpolitik, so dass das Angebot an US-Währung übermäßig stieg. Durch diese Kräfte geriet der Wert des Dollars erneut unter Druck, und im Februar 1973 musste der US-Dollar um weitere zehn Prozent abgewertet werden. Im Jahr 1973 begannen die USA damit, sich aktiv für ein System flexibler Wechselkurse einzusetzen, innerhalb dessen sich der Wert einer Währung aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage ergibt. Das Bretton-Woods-System ging damit zu Ende.

Der nächste Versuch, ein System fester Wechselkurse einzurichten, war der europäische Wechselkursmechanismus zwischen Mitgliedern der Europäischen Gemeinschaft (jetzt Europäische Union). Er brach unter dem Ansturm von Geldmarktspekulanten im September 1992 zusammen. Italien und Großbritannien nahmen durch das Verlassen des Systems Abwertungen ihrer Währungen hin. Weltweite gemeinsame Anstrengungen der Zentralbanken hatten den Wert der Währungen nicht anheben können. Im Jahr 1993 war der Französische Franc aufgrund von Spekulationen großen Kursschwankungen ausgesetzt. Daraufhin entschied die Europäische Union Kursschwankungen zwischen 15 Prozent nach oben und unten zuzulassen, was die Aussetzung von relativ festen Wechselkursen bedeutete.