Amerikanischer Bürgerkrieg
Klicken Sie im Menü Datei auf Drucken, um die Informationen zu drucken.
Amerikanischer Bürgerkrieg
2. Hintergrund

Der Amerikanische Bürgerkrieg war eine Folge der tief greifenden wirtschaftlichen, sozialen und politischen Unterschiede zwischen dem Norden und Süden der USA. Der überwiegend agrarisch strukturierte Süden exportierte Baumwolle, Tabak und Zuckerrohr in den Norden und nach Europa. Gleichzeitig war der Süden vom Norden abhängig in Bezug auf Fertigwaren sowie Finanz- und Wirtschaftsdienstleistungen. Diese waren unerlässlich für den Handel. Obgleich die Sklaven haltende Klasse der Plantagenbesitzer nur eine Minderheit der Südstaatenbevölkerung ausmachte, beherrschte sie Politik und Gesellschaft. Die Furcht vor Sklavenunruhen sicherte die Loyalität fast der gesamten Weißen, auch derer die keine Sklavenhalter waren, gegenüber dem Wirtschafts- und Sozialsystem des Südens. Die Südstaaten zogen schließlich zur Erhaltung des Rechtes auf Sklavenbesitz in den Krieg.

1. Der Regionalkonflikt

Um den innerparteilichen Zusammenhalt nicht zu gefährden, versuchten die führenden Politiker der großen amerikanischen Parteien lange Zeit den zwischen Nord- und Südstaatlern in ihren Reihen schwelenden Konflikt herunterzuspielen. Mit der wachsenden Oppositionsbewegung im Norden gegen eine Ausdehnung der Sklaverei in die neu erworbenen Territorien wurde es jedoch immer schwieriger, den offenen Konflikt zu verhindern. Mit dem Missouri-Kompromiss von 1820, in dem für die von den USA mit dem Kauf von Louisiana erworbenen Gebiete eine Grenzlinie (nördlicher Breitengrad 36°30') vereinbart wurde, nördlich derer die Sklaverei verboten sein sollte, konnte der Ausbruch des Konflikts nur vorübergehend hinausgezögert werden.

Als die US-Staatsgrenzen nach dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg nach Westen bis zum Pazifik verschoben wurden, brach der Konflikt in verschärfter Form auf. Der Kompromiss von 1850 sah Kaliforniens Aufnahme in die Union als nicht Sklaven haltenden Einzelstaat vor, sowie die Schaffung zweier neuer Territorien (Utah und New Mexico) aus dem Bestand des im Krieg gegen Mexiko annektierten Landes. Der Grundsatz der Volkssouveränität sollte dabei Anwendung finden. Die gesetzgebenden Versammlungen der beiden neuen Territorien sollten selbst über die Sklavenfrage entscheiden können, wenn sie den Antrag auf Beitritt zur Union stellen würden.

2. Das schwindende Gleichgewicht

Ungeachtet des Kompromisses von 1850 dauerte der Konflikt an. Der Süden der USA war in eine Minderheitenposition geraten. Seine führenden Politiker sahen Maßnahmen des US-Kongresses, den sie nicht länger beherrschten, mit wachsender Sorge. Der Nordosten der USA verlangte zur Förderung seines industriellen Wachstums die Einführung eines Schutzzolles, Bundessubventionen für den Frachtverkehr und intraregionale Modernisierungsmaßnahmen sowie die Schaffung eines soliden Banken- und Währungssystems. Der Nordwesten forderte vom US-Kongress kostenloses Siedlungsland und Bundeszuschüsse für seine Straßen und Wasserwege.

Der Süden lehnte diese Forderungen als ungerechtfertigte Begünstigung der Nordstaaten ab. Die gleichzeitig immer schärfer werdende Kritik der Nordstaaten an der Sklaverei im Süden verschärfte die Spannungen. Zahlreiche Einzelstaaten, in denen keine Sklaverei betrieben wurde, verabschiedeten Gesetze zur persönlichen Freiheit mit dem Vorsatz, die Durchsetzung des Fugitive Slave Act zu unterlaufen. Die Südstaatler beunruhigte auch die Wahl einer ständig wachsenden Zahl von Politikern des Nordens in öffentliche Ämter, welche mit der Forderung auftraten, keine weiteren Staaten in die Union aufzunehmen, in denen die Sklaverei erlaubt sei.

Der Konflikt brach 1854 offen auf, als der US-Kongress ein Gesetz verabschiedete, durch das zwei neue Territorien (Kansas und Nebraska) gebildet wurden. Auch deren Gesetzgebungskörperschaften sollten nach dem Grundsatz der Volkssouveränität über die Sklavenfrage selbst entscheiden können. Das Kansas-Nebraska-Gesetz löste durch die De-facto-Aushöhlung des Missouri-Kompromisses eine Protestwelle im Norden aus, die u. a. zur Gründung der Republikanischen Partei führte. Sie war gegen jede Ausdehnung der Sklaverei und wuchs bis 1856 im Norden zu solcher Stärke an, dass ihr Kandidat, John C. Frémont, die Wahl zum US-Präsidenten nur knapp verlor. Zwischenzeitlich hatte im politischen Kampf um Kansas US-Präsident James Buchanan von der Demokratischen Partei beim US-Kongress die Aufnahme von Kansas in die Union als neuer Einzelstaat mit Sklavenhaltung beantragt. Das brachte die Nordstaatler auf. Hinzu kam, dass der Oberste Gerichtshof der USA am 7. März 1857 im Dred-Scott-Verfahren entschied, nach der US-Verfassung habe der US-Kongress kein Recht, Sklavenhaltung in den Territorien zu untersagen.

3. Die Sezessionskrise

Vor den Präsidentschaftswahlen 1860 hatte eine Spaltung innerhalb der Gliederungen der Demokratischen Partei zur Nominierung von John C. Breckinridge, US-Bundesstaat Kentucky, durch den Südstaatenflügel der Partei geführt. Der Nordstaatenflügel nominierte Stephen Douglas. Die Republikanische Partei nominierte Abraham Lincoln, der mit einem Programm gegen die Ausweitung der Sklaverei sowie für Schutzzölle und Bundeszuschüsse für regionale Modernisierungsmaßnahmen antrat. Die Spaltung der Demokratischen Partei führte zwangsläufig zu Lincolns Wahlsieg.

Dieser Wahlsieg wiederum ließ im Süden die Überzeugung reifen, die Unabhängigkeit anzustreben sei besser als eine weitere politische Isolierung innerhalb der Union in Kauf zu nehmen. Bis März 1861, als Lincoln ins Amt eingeführt wurde, hatten sieben Staaten (South Carolina, Mississippi, Florida, Alabama, Georgia, Louisiana und Texas) Verordnungen zum Austritt aus der Union erlassen. Die Konföderierten Staaten von Amerika mit Jefferson Davis als Präsident wurden gegründet.

Bereits in seiner Antrittsrede machte Lincoln unmissverständlich deutlich, dass er den Sezessionsbestrebungen der Südstaaten nicht nachgeben würde. Die Union werde in jedem Fall am Bundesbesitz im Süden festhalten.