Trickfilm
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Trickfilm
3. Das „goldene Zeitalter” des amerikanischen Trickfilms

In den dreißiger Jahren führte Disney das erste komplett systematisierte Produktionsverfahren für Trickfilme ein, das immer weiter perfektioniert wurde. Zwischen 1928 und 1937 kamen aus den Disney-Studios mehr als 100 witzige Mickey-Mouse-Zeichentrickfilme, auch schon mit den Nebenfiguren wie Pluto, Goofy oder Donald Duck, die später auch eigene Filme bekamen. Daneben produzierten die Disney-Studios ambitionierte Trickfilme zu Themen aus Märchen, Sagen und Natur, u. a. Flowers and Trees (1932), Silly Symphonies (1934) und The Old Mill (1937).

Der erste abendfüllende Zeichentrickfilm, aus der Hand von über 300 Figurenzeichnern, war Snow White and the Seven Dwarfs (1937; Schneewittchen und die sieben Zwerge). Der in vielerlei Hinsicht innovative Film war ein phänomenaler Erfolg und wurde mit einem Spezial-Oscar ausgezeichnet. Bis in die fünfziger Jahre produzierte Disney dann einen abendfüllenden Zeichentrickfilm pro Jahr; in dieser Phase des „klassischen Studio-Films” entstanden Klassiker wie Fantasia (1940; Fantasia), Pinocchio (1940; Pinocchio), Bambi (1942; Bambi), Cinderella (1950; Cinderella), Alice in Wonderland (1951; Alice im Wunderland), Peter Pan (1953; Peter Pans heitere Abenteuer) und The Lady and the Tramp (1955; Susi und Strolch), aus Kostengründen auch Zeichentrickfilme mit „Realfilm”-Sequenzen wie Fun and Fancy Free (1947; Mickey, Goofy und Donald im Märchenland) und Song of the South (1946; Onkel Remus’ Wunderland). Neben der Disney-Produktion belieferten auch die anderen großen Hollywoodstudios den florierenden Zeichentrickfilm-Markt, Metro-Goldwyn-Mayer mit der Serie Tom und Jerry (1940-1967) von Bill Hanna und Joe Barbera sowie Warner Brothers mit Tweety/Sylvester (1944-1964) und Roadrunner/Coyote (1949 und 1952-1966) von Chuck Jones.

Streiks der unterbezahlten Animationskünstler und der 2. Weltkrieg brachten die Cartoonindustrie in eine Krise. Eine Gruppe von Zeichnern, die Disney nach dem Streik von 1941 verlassen hatte, gründete die United Productions of America (UPA) und brachte Cartoons in die Kinos, die sich durch moderne künstlerische Gestaltung auszeichneten und die oft auf literarischen Vorlagen beruhten wie Gerald McBoing Boing (1950) oder The Tell-Tale Heart (1953, nach Edgar Allan Poe).

Mit der Einführung der xerographischen Kopiermaschinen vereinfachte sich zwar der Herstellungsprozess, die Konkurrenz des Fernsehens trug aber zum Niedergang der für das Kino produzierten Cartoons bei. Disneys Tierfilm One Hundred and One Dalmatians (1961; 101 Dalmatiner) kam zu einer Zeit in die Kinos, als die meisten großen Studios bereits ihre Trickfilmabteilung aufgegeben hatten. Erst eine neue Generation jüngerer Trickfilmkünstler, die sich aktueller Technologien bediente, schuf für Disney wieder erfolgreiche Kino-Zeichentrickfilme, u. a. The Little Mermaid (1989; Arielle – Die Meerjungfrau), Beauty and the Beast (1991; Die Schöne und das Biest), Aladdin (1992; Aladdin), The Lion King (1994; König der Löwen) und Pocahontas (1995; Pocahontas); die Bewegungen des fliegenden Teppichs in dem Zeichentrickfilm Aladdin wurden z. B. ausschließlich vom Computer animiert.