Evangelium
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Evangelium
3. Johannes

Das Johannesevangelium weicht in vieler Hinsicht von den Synoptikern ab. Einige bei Johannes erwähnte Begebenheiten finden sich in keinem der synoptischen Evangelien, wobei Gleiches auch umgekehrt gilt. Ferner werden einige Begebenheiten in der Darstellung von Johannes an anderen Stellen im Text ausgeführt: Die Tempelreinigung erscheint beispielsweise bei Johannes sehr früh (2, 13-25), wird aber bei den Synoptikern erst nach dem triumphalen, letzten Einzug Jesu in Jerusalem geschildert. Von besonderer Bedeutung ist, dass Johannes andere Zeitpunkte für das letzte Abendmahl und die Kreuzigung angibt: Das Abendmahl findet in seiner Version vor dem Passahfest und die Kreuzigung vor dem ersten Tag des Passahfestes statt. Ferner dauert nach Johannes die Predigertätigkeit Jesu mehr als zwei Jahre, während sich die Synoptiker auf die Schilderung eines Jahres beschränken. Nach dem Verfasser des Johannesevangeliums verbrachte Jesus einen großen Teil seiner Zeit in Judäa, mit häufigen Aufenthalten in Jerusalem. Bei den Synoptikern dagegen spielt sich die Predigertätigkeit Jesu hauptsächlich in Galiläa ab.

Nicht zuletzt werden Form und Inhalt der Lehren Jesu im Johannesevangelium auf eine andere Weise dargestellt. Während die Synoptiker diese Lehren hauptsächlich in Gleichnissen und Epigramme kleiden, benutzt der Verfasser des Johannesevangeliums lange allegorische und meditative Reden, z. B. jene vom guten Hirten (Kapitel 10) und dem Weinstock (Kapitel 15). Bezeichnenderweise drückt sich Jesus in einigen dieser langen Reden immer wieder in prägnanten, nur aus einem Satz bestehenden Metaphern aus, wie etwa: „Ich bin das Brot des Lebens” (6, 35); „Ich bin das Licht der Welt” (8, 12); „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben” (14, 6). Im Johannesevangelium beziehen sich die Lehren Jesu im Allgemeinen auf seine göttliche Natur sowie sein Verhältnis zu Gott („und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gelebt”), während die Synoptiker mehr die messianische Berufung Jesu sowie religiöse und ethische Fragen betonen. Ferner verkündet das Johannesevangelium die wahre Natur und Absicht Jesu gleich zu Beginn seines Wirkens, während die Synoptiker diese erst während seiner Predigertätigkeit offenbaren.

Heute ist sich die Forschung einig, dass das Johannesevangelium zeitlich nach den synoptischen Evangelien geschrieben worden sein muss. Es ist jedoch weiterhin umstritten, ob der Verfasser des Johannesevangeliums die synoptischen Evangelien kannte und sie als Quelle benutzte.