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| 2. | Was ist Anpassung? |
Anpassung ist eine verblüffende Eigenschaft des Lebendigen, die, wie Charles Darwin es treffend formulierte, „sehr zu Recht unsere Bewunderung erregt”. An Lebewesen und allen ihren Aspekten glaubt man eine überzeugende Zweckbestimmung zu erkennen, eine hoch organisierte Komplexität, Genauigkeit und Effizienz und eine geradezu geniale Nützlichkeit.
Eines von Darwins Lieblingsbeispielen war der Specht, dessen Schnabel und Zunge so geschickt konstruiert sind, dass er hinter der Baumrinde versteckte Insekten herausholen kann. Nicht weniger eindrucksvoll sind Gehirn und Verhalten gestaltet, die dafür sorgen, dass die mühsam beschaffte Beute auch nach dem Geschmack des Spechtes ist. Ein anderes Beispiel sind Meerkatzen (Affen), die mit unterschiedlichen Warnrufen genau mitteilen, ob es sich bei einem nahenden Räuber um einen Python, einen Adler oder einen Leoparden handelt. Die Artgenossen der Meerkatzen reagieren jeweils auf die Rufe, indem sie nach unten oder nach oben blicken oder auf Bäume flüchten. Oder man betrachte die auffällige Färbung eines harmlosen Insekts, das die leuchtenden Warnfarben einer giftigen Art nachahmt. Und es gibt das weibliche Beifußhuhn, das bei der Partnerwahl sehr wählerisch ist und Verehrer mit sichtbaren, von Parasiten erzeugten Narben abweist, oder das Mäuseweibchen, das den Geruch parasitenfreier Männchen bevorzugt. Und das Männchen der Schlankjungfer (einer Libellenart) hat Auswüchse am Penis, die vor der Begattung den Samen eines Konkurrenten aus dem Weibchen entfernen. Termiten haben in ihren Bauten ein beeindruckendes Lüftungssystem, das trotz der glühend heißen Tage und der eisigen Nächte in der Savanne stets für die gleiche Temperatur sorgt. Manche Orchideen schließlich locken Tiere, die sie befruchten sollen, durch eine verblüffende Ähnlichkeit ihrer Blüten mit Insektenweibchen an und laden dann dem getäuschten Besucher den Pollen auf den Rücken.