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Blausäure

Blausäure (auch Cyanwasserstoff), extrem giftige, farblose Flüssigkeit, die nach Bittermandelöl riecht und die chemische Formel HCN trägt; die Verbindung enthält also die Cyanidgruppe 8C:N.

Blausäure oder Cyanwasserstoff zählt in der chemischen Industrie zu den wichtigsten Synthesebausteinen (so genannter C1-Baustein) und dient zur Herstellung zahlreicher Produkte. So nutzte man diese Verbindung früher vor allem zur Herstellung von Acrylnitril, einem Ausgangsstoff für die Synthese vieler anderer Verbindungen. (Heute gewinnt man Acrylnitril nach anderen Verfahren.) Technisch bedeutend ist Cyanwasserstoff u. a. bei der Produktion bestimmter Kunststoffe sowie der Erzeugung wichtiger Zwischenprodukte, die zu verschiedenen Endprodukten weiterverarbeitet werden. Ebenfalls wichtige Cyanverbindungen sind die Salze der Blausäure Natriumcyanid NaCN und Kaliumcyanid KCN. Diese beiden Substanzen spielen in der Metallurgie und Galvanotechnik eine große Rolle. So benötigt man NaCN u. a. bei der Stahlhärtung (siehe Eisen und Stahl; Nitride; Carbide). Verschiedene Cyanidverbindungen lassen sich beim Galvanisieren einsetzen – z. B. beim Korrosionsschutz oder für dekorative Zwecke. Bei diesen Prozessen scheidet man elektrolytisch Silber, Gold, Kupfer, Zink oder andere Metalle auf den Oberflächen der jeweiligen Werkstücke ab (siehe Elektrolyse). Cyanide dienen u. a. auch zur Gewinnung von Gold und Silber aus den Erzen.

Cyanwasserstoff schmilzt bei -14 °C und siedet bei 25,7 °C. Schon wenige Milligramm HCN oder Cyanid (Salz der Blausäure) können auf den Menschen tödlich wirken (Atemlähmung). Die Cyanidgruppe blockiert den Blutfarbstoff Hämoglobin und verhindert damit die Sauerstoffübertragung. Cyanwasserstoff ist mit Wasser und Alkohol in allen Mengenverhältnissen mischbar, aber in Ether wenig löslich. Cyanwasserstoff ist brennbar und kann mit Luft explosionsfähige Gemische bilden.

Früher gewann man Cyanwasserstoff aus dem so genannten Berliner Blau (von dem auch der Name „Blausäure” stammt). Heute wird HCN industriell beispielsweise durch Umsetzung von Methan (CH4) mit Ammoniak (NH3) in Gegenwart eines Katalysators und Luftsauerstoff erzeugt – so genanntes Andrussow-Verfahren:

CH4 + NH3 + 1½O2 → HCN + 3H2O.