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| 2. | Hauptkennzeichen |
Die Entwicklung der deutschen Sprache wurde von mehreren systematischen Verschiebungen bestimmter Konsonanten im Lautsystem beeinflusst. Durch die so genannte erste oder germanische Lautverschiebung wurde die protogermanische Sprache von anderen indogermanischen Sprachen abgetrennt. In der ersten Lautverschiebung (Grimm’sches Gesetz) wurde indogermanisch p, t, k zu germanisch f, th, h, indogermanisch b, d, g zu germanisch p, t, k und analog indogermanisch bh, dh, gh zu germanisch b, d, g. Nachdem die westgermanischen Dialekte ihre eigenen, charakteristischen Merkmale entwickelt hatten, trat die zweite oder hochdeutsche Lautverschiebung ein, die im Zeitraum von 500 bis 700 stattfand. Mit dieser Lautverschiebung trennten sich die hochdeutschen Dialekte von den anderen westgermanischen Sprachen ab. In dieser Zeit wurde das germanische p am Wortanfang, nach Konsonanten oder bei Verdoppelung zu pf (hochdeutsch Pflanze, niederdeutsch Plante); in der Wortmitte oder in der Endstellung nach Vokalen wurde es zu ff oder f (hochdeutsch hoffen, niederdeutsch hopen). Unter den gleichen Bedingungen wurde das germanische t zu z (ausgesprochen als ts wie in Pflanze) oder ss (hochdeutsch essen, niederdeutsch eten). Nach Vokalen wurde k zu ch (hochdeutsch machen, niederdeutsch maken); in allen anderen Fällen blieb das k unverändert. Nur im äußersten Süden Deutschlands wurde es zuerst zu kch und später zu ch. Eine spätere Veränderung des Sprachstandes findet sich auch im Niederdeutschen, und zwar die Verschiebung des germanischen th zu d (hochdeutsch das, niederdeutsch dat).
Ein weiteres Kennzeichen der deutschen wie auch aller anderen germanischen Sprachen ist die Lage des Hauptakzents, der in der Regel auf die erste Silbe eines Wortes fällt. In Wortverbindungen ist jedoch die Stammsilbe und nicht die Vorsilbe betont.
Zu den lautlichen Merkmalen des Deutschen gehören u. a. die Verwendung des Knacklautes vor jedem betonten Vokal in Anfangsstellung bei einfachen Wörtern oder bei unabhängig gesprochenen Wortteilen, die Aussprache von u, o, ü und ö mit voller Lippenrundung, die gespannten Langvokale und die ungespannten Kurzvokale, die Aussprache des r als Zungenspitzen- und als Rachen-R, die Stimmhaftigkeit des s vor und zwischen Vokalen und die stimmlose Aussprache von b, d, g in Endstellung als p, t, k, die Verwendung der Affrikaten (Reibelaute) pf und ts sowie die Aussprache von w als v und von v als f. Vokale werden nur in Lehnwörtern aus dem Französischen nasaliert.
Deutsch ist eine flektierende Sprache mit drei grammatischen Geschlechtern (Maskulinum, Femininum und Neutrum), vier Fällen (Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ) und der starken und schwachen Deklination von Adjektiven. Durch die von Deklination und Konjugation erzeugten Endungen werden einige Wortarten eindeutiger identifiziert als in Sprachen mit einem geringeren Grad an Flexion. Die Wortstellung ist relativ frei. So wird z. B. die Reihenfolge von Subjekt und Prädikat vertauscht (invertiert), wenn ein Adverb, ein präpositionaler Ausdruck oder ein abhängiger Nebensatz vorausgeht. Das Verb steht in einem untergeordneten Nebensatz, der von einem Relativpronomen oder einer Konjunktion eingeleitet wird, immer in Endstellung. Was die Wortbildung betrifft, macht das Deutsche umfangreichen Gebrauch von Komposita, d. h. von der Verbindung zweier oder mehr unabhängiger Wörter wie in Oberbaumeister oder Handelsluftfahrt, und von Vorsilben (Präfixen) und Nachsilben (Suffixen) wie in Herrlichkeit oder teilbar. Der dichterische und philosophische Wortschatz sowie die wissenschaftliche und technische Terminologie sind besonders ausgeprägt.