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| 1. | Einleitung |
Artillerie, militärischer Sammelbegriff für schwere Waffen wie Kanonen und Raketenwerfer, sowie die mit diesen Waffen ausgestatteten Einheiten eines Heeres.
Die als Artillerie bezeichneten schweren Waffen werden entweder von Bodentruppen eingesetzt oder sind auf Flugzeugen oder Schiffen montiert. Sie umfassen vier Hauptgruppen: Kanonen, Mörser, Haubitzen und Raketenwerfer.
| 2. | Kanone |
Mit einer Kanone werden Projektile mit hoher Geschwindigkeit aus einem langen Rohr in eine niedrige, flache Flugbahn geschossen. Im Projektil befindet sich meist eine Sprengladung, die explodiert, wenn das Ziel getroffen wird. Das Kanonenrohr kann spiralförmige Rillen an seiner Innenseite haben, man spricht dann von einem gezogenen Rohr. Ein gezogenes Rohr verbessert die Flugstabilität des Projektils, was die Treffsicherheit erhöht. Manche Kanonen verschießen panzerbrechende Munition. Kanonen sind häufig auf Kriegsschiffen, gepanzerten Kampffahrzeugen und Panzern montiert.
Die ersten Artilleriekanonen verschossen einfache Geschosse, die nicht explodierten. Später wurden Kanonen gebaut, die eine Munition verschossen, die Metallsplitter, so genanntes Schrapnell in der Luft verstreuten. Diese ersten Kanonen waren Vorderlader. Moderne Kanonen werden seitlich geladen, was ihre Bedienung beschleunigt und erleichtert.
| 3. | Mörser |
Ein Mörser ist eine Kanone, dessen Geschosse als Granaten bezeichnet werden und die in eine hohe, bogenförmige Flugbahn geschossen werden. Durch diese Flugbahn kann die Granate Hindernisse vor dem Ziel überwinden. Mörser sind Vorderlader mit einem kurzen Rohr. Die Granaten besitzen eine Treibladung, die sie aus dem Mörser abschießt. Mörser eignen sich besonders für Kampfhandlungen in schwierigem Gelände. Sie können leicht transportiert werden und sind einfach zu bedienen.
Die ersten Mörser verschossen Granaten, die nicht explodierten. Später wurden Mörsergranaten mit Schießpulver gefüllt. Diese Granaten hatten Zündschnüre, die so eingestellt werden konnten, dass diese beim Aufschlag oder knapp über dem Boden explodierten. Mörsergranaten können auch Schrapnell verschießen.
| 4. | Haubitzen |
Früher hatten Haubitzen ein mittellanges Rohr und konnten Projektile mit mittlerer Geschwindigkeit auf eine gekrümmte Flugbahn schießen. Im flachen Winkel konnten Haubitzen ähnlich weit wie Kanonen schießen. Im steilen Winkel konnten sie ähnlich wie Mörser Granaten über Hindernisse schießen. Heute gibt es kaum noch Unterschiede zwischen Haubitzen und Kanonen. Haubitzen haben heute längere Rohre und verschießen unterschiedliche Granaten über Reichweiten, für die früher Feldkanonen eingesetzt wurden. Leichte Haubitzen sind in der Regel auf einer Lafette montiert, die von einer kleinen Zugmaschine gezogen werden kann, oder sie werden mit Hubschraubern transportiert oder von Flugzeugen an Fallschirmen abgeworfen.
| 5. | Raketenwerfer |
Raketenwerfer lenken den Start von Raketen, die über einen eigenen Antrieb verfügen, der sie ins Ziel bringt. Raketen besitzen große Reichweiten und können Ziele mit hoher Genauigkeit treffen. Die meisten Raketen bestehen aus der Antriebsrakete und einem Sprengkopf. Bei den Raketen unterscheidet man zwischen nicht lenkbaren und lenkbaren (Siehe Lenkrakete). Nicht lenkbare Raketen werden von einem Raketenwerfer auf eine bestimmte Bahn gelenkt. Lenkraketen verfügen über spezielle Steuereinrichtungen, die sie nach dem Start ins Ziel führen.
Raketenwerfer waren vor dem 2. Weltkrieg (1939-1945) nicht sehr weit verbreitet. Zu den stärksten Waffen in diesem Krieg gehörte die deutsche V-2-Rakete, die auf ihrer hohen Flugbahn die Erdatmosphäre verließ und eine Reichweite von 350 Kilometern hatte. Moderne Raketen können in schneller Folge von Mehrfachraketenwerfern abgeschossen werden. Diese Raketen können Atomsprengköpfe tragen.
| 6. | Geschichte |
Die Römer und andere Völker des Altertums verwendeten Geräte wie Katapulte, um Steine und andere Geschosse auf feindliche Festungen und Formationen zu schleudern. Die ersten Waffen, die Schießpulver verwendeten, kamen in Europa im frühen 14. Jahrhundert auf. Die Artillerie verschoss zu dieser Zeit Steine, Eisenkugeln und große pfeilförmige Bolzen. Die ersten Artilleriewaffen waren sehr unzuverlässig und explodierten gelegentlich beim Schießen. Dies blieb bis ins späte 19. Jahrhundert ein Problem. Die damals beim Gießen von Rohren erzielten Fortschritte verbesserten die Wirkung der Waffen und die Artillerie erlangte in größeren Armeen eine herausragende Bedeutung.
Die Entwicklung der Artillerie führte zu Änderungen in der Taktik. Die ersten Kanonen und Mörser wurden vor allem gegen befestigte Städte eingesetzt. Das große Gewicht der Waffen verhinderte deren mobilen Einsatz. Erst im späten 15. Jahrhundert setzten die Franzosen auf Räder montierte Kanonen erfolgreich in der Schlacht ein. Für fast drei weitere Jahrhunderte blieb die Artillerie an Bodentruppen gebunden. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Artillerie erstmals selbständig zur mobilen Unterstützung anderer Truppenteile eingesetzt. Sie wurde in großen Batterien eingesetzt, um mit ihrer vereinten Feuerkraft angreifende feindliche Formationen zu zerstören oder um Verteidigungslinien vor einem Angriff aufzubrechen. Bewegliche, von Pferden gezogene Artillerie konnte auf einem Schlachtfeld beliebig in Stellung gebracht werden.
Im 1. Weltkrieg (1914-1918) verhinderte massiver Artilleriebeschuss auf beiden Seiten Truppenbewegungen, was zu einem Stellungskrieg in Schützengräben führte. Im 2. Weltkrieg wurden nach der Einführung von Panzern und gepanzerten Mannschaftswagen wieder taktische Bewegungen durchgeführt, wobei allerdings die Artillerie weiterhin die größte Schlagkraft auf dem Schlachtfeld besaß.
In neueren Konflikten, wie dem Koreakrieg (1950-1953) und dem Vietnamkrieg (1959-1975), war die Artillerie für den größten Teil des Feuerschutzes der Bodentruppen verantwortlich.
Einige moderne Artilleriekanonen können so genannte „intelligente” Munition verschießen. Diese Projektile und Raketenköpfe können mit Hilfe ausgeklügelter Sensoren und Sucher stationäre und bewegliche Ziele lokalisieren und treffen. Diese Geschosse müssen während des Fluges nicht von außen gesteuert werden.