Keramik
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Keramik
2. Arten und Verfahren

Steingut (Irdenware) ist porös und wird normalerweise bei niedrigen Temperaturen von 900 bis 1 200 °C gebrannt. Je nach Art des Tones wird Steingut beim Brennen rot, braun oder schwarz. Erst durch eine Glasur wird es wasserfest. Steinzeug (Töpferware) wird bei Temperaturen von 1 200 bis 1 280 °C gebrannt. Es ist nicht porös, sehr hart, keramisch mit dem Porzellan verwandt, wasserfest und wesentlich widerstandsfähiger als Steingut. Der Ton wird weiß, grau oder rot. Baukeramik ist die Sammelbezeichnung für alle aus tonigen Rohstoffen hergestellten grobkeramischen Baumaterialien wie Ziegel, Klinker, Dachziegel, Schamotte, Bau- und Bodenplatten sowie keramische Rohre. Terrakotta werden unglasierte Tonwaren genannt.

1. Vorbereiten des Tones und Techniken der Formgebung

Der Keramiker kann grobkörnige Bestandteile aus der Tonmasse entfernen, um eine zarte Mattierung zu erreichen oder er kann eine bestimmte Menge grobkörnigen Materials hinzufügen, damit der Gegenstand beim Brennen seine Form besser hält. Keramiker, die feinkörnige Tone verwenden, „härten” den Ton gerne, indem sie grobkörnige Stoffe wie Sand, Steinchen, zerkleinerte Muschelschalen oder Topfscherben (gebrannten und gemahlenen Ton) zugeben, bevor sie ihn zu einer formbaren Masse kneten. Der Ton lässt sich flach ausrollen und dann an die Innen- oder Außenseite einer Form drücken. Diese Form kann ein Stein oder ein Korb sein, oder auch eine Form aus Ton oder Gips. Flüssiger Ton wird in Gipsformen gegossen. Ein Gefäß kann mit Hilfe der Aufbautechnik im Spiralgang geformt werden: hierfür wird der Ton zwischen den Handflächen zu langen Strängen gerollt, die einzelnen Stränge werden zu einem Ring, zur Bodenplatte, geformt, und die Gefäßwände werden durch aufeinandergelegte Stränge gebildet. Auch eine Tonkugel kann mit den Fingern in die gewünschte Form gebracht werden. Die wichtigste Technik ist aber das Drehen auf der Töpferscheibe.

Diese (im 4. Jahrtausend v. Chr. erfunden) ermöglicht es, einen Tonklumpen zu einem gleichmäßigen Gefäß zu formen. Das ursprünglich handbetriebene Gerät wurde in Europa im 16. Jahrhundert mit einem Schwungrad versehen, das mit den Füßen angetrieben werden konnte, im 19. Jahrhundert kam ein Fußpedal hinzu. Der Töpfer hatte so beide Hände zum Drehen frei. Im 20. Jahrhundert erreichte man durch einen Elektromotor höhere und zugleich regelmäßigere Drehgeschwindigkeiten.

2. Trocknen und Brennen

Damit sich der Ton rissfrei brennen lässt, muss er vor dem Brennen an der Luft getrocknet werden. Weiche Tonwaren werden bei Temperaturen von 650 bis 750 °C bei offenem Feuer gebrannt. Einfache Keramik wird heute noch so hergestellt. Die ersten Brennöfen wurden im 6. Jahrtausend v. Chr. benutzt. Der Brennvorgang muss sorgfältig überwacht werden. Verschiedene Effekte lassen sich durch eine Oxidationsflamme (durch Belüftung wird eine hohe Flamme erzeugt) oder durch Verminderung der Sauerstoffzufuhr (teilweises Absperren des in den Brennofen einströmenden Sauerstoffs) erreichen (Reduktionsflamme). Ein stark eisenhaltiger Ton wird z. B. in einem oxidierenden Feuer rot gebrannt, während er in einem Reduzierfeuer grau oder schwarz wird; im Reduzierfeuer wird das rote Eisenoxid des Tones (FeO2) chemisch in schwarzes Eisenoxid (Fe2O3) umgewandelt, da der Ton ein Sauerstoffatom an das sauerstoffarme Feuer abgibt.

3. Verzierung

Ein Gegenstand kann vor oder nach dem Brennen verziert werden. Wenn der Ton halb trocken und leicht erhärtet ist („lederhart”), lassen sich Verzierungen einritzen oder er kann mit einem Prägestempel bearbeitet werden. Partien können ausgeschnitten werden, um dem Gefäß eine durchbrochene Oberfläche zu geben. Die Gefäßwände können durch Abschmirgeln und Polieren geglättet werden, so dass raue Partikel nach innen gedrückt und die Tonpartikel so angeordnet werden, dass die Gefäßoberfläche glatt und glänzend wird. Zur Oberflächenbehandlung kann auch Tonschlicker (flüssiger Ton, aus dem grobe Partikel herausgefiltert wurden) verwendet werden: das vollkommen durchgetrocknete oder halb trockene Gefäß wird in weichen Tonschlicker getaucht (dem manchmal auch Farbe zugesetzt wird). Der Schlicker kann auch aufgepinselt, auf das Gefäß aufgegossen oder mit einer Spritze aufgetragen werden. Mit einem spitzen Werkzeug, das durch den Schlicker hindurchkratzt und den harten Ton freilegt, lassen sich Muster einzeichnen. Diese Technik ist unter dem Namen Sgraffito bekannt.

4. Glasuren

Glasuren bestehen aus Glas bildenden Mineralien (Kieselsäure oder Bor), die mit Härtern (z. B. Ton) und Schmelzmitteln (wie Blei oder Soda) vermischt sind. Die Glasur kann entweder auf das noch ungebrannte Gefäß oder nach einem ersten Brand (Biskuitbrand) aufgetragen werden. Anschließend wird die Glasur auf den Gegenstand aufgebrannt. Die Glasurbestandteile schmelzen hierbei zu einer glasähnlichen Schicht. Manche Glasuren heben die Farbe des Grundwerkstoffes hervor, andere überdecken sie. Alkalische Glasuren, die in Kleinasien oft verwendet werden, sind glänzend und häufig transparent. Sie bestehen überwiegend aus Kieselsäure und Soda. Bleiglasuren sind transparent und bestehen traditionell aus einem Schmelz aus Sand, Sulfit oder Bleioxid. Sie wurden von den Römern, Chinesen und europäischen Töpfern im Mittelalter für Steingut verwendet und sind auch heute noch in Europa üblich. Matte weiße Bleiglasuren wurden von islamischen Töpfern im Mittelalter eingeführt. Sie wurden auf spanischer Lüsterkeramik (Keramiküberzug aus Metalloxiden), Majolika (italienische zinnglasierte Keramik), europäischer und Delfter Fayence (feine Keramik mit weißer aus Blei- und Zinnoxiden und Pottaschesilicat hergestellter Glasur) verwendet (Schmelzware). Schließlich wurden in China und Japan solche Glasuren für den europäischen Markt hergestellt.

Metalloxide liefern farbige Glasuren. Durch Kupfer wird eine Bleiglasur grün und eine alkalische Glasur türkisfarben; in einem Reduzierofen wird Kupfer rot. Durch Eisen entsteht Gelb, Braun, Graugrün, Blau – und zusammen mit bestimmten Mineralien – Rot. Feldspate (Naturgestein aus Aluminiumsilicaten) werden für Steinzeug- und Porzellanglasuren verwendet, da sie erst bei hohen Temperaturen schmelzen. Die Effekte von bestimmten Glasuren auf den verschiedenen Tonen hängen sowohl von der Zusammensetzung der beiden als auch von der Regulierung des Glasurofens ab.

5. Unterglasur- und Aufglasurmalerei

Keramik lässt sich vor oder nach dem Brennen auch bemalen. In der Jungsteinzeit wurden Ocker und andere Erdpigmente auf unglasierte Keramik aufgetragen. Metalloxide in oder unter der Glasur erfordern höhere Temperaturen, um die Farben auf der Glasur oder auf dem Gefäß zu fixieren. Hierzu zählen Kupfergrün, Cobaltblau, Manganpurpur und Antimongelb. Wird Email (feingemahlene Pigmente auf einer gebrannten Glasur) verwendet, muss das Gefäß in einem Muffelofen (abgedeckte, indirekte Flamme) bei niedriger Temperatur gebrannt werden, damit das Email mit der Glasur verschmilzt. Oft wird das Verfahren der Transferdrucke angewendet, um Handelsware zu dekorieren. Hierbei werden mit Oxiden Muster auf Papier gedruckt und in noch nassem Zustand auf das Gefäß übertragen, wobei das Papier im Brennofen wegbrennt. Heute zieht man Techniken wie die Lithographie und die Photographie zur Hilfe heran.