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Insektizide

Insektizide, chemische Substanzen zur Insektenbekämpfung.

Die meisten Insektizide wirken neurotoxisch, d. h., sie greifen das Nervensystem der Insekten an, oder sie hemmen oder blockieren Enzyme. Insekten nehmen Insektizide beim Fressen auf (Fraßgifte), kommen damit in Berührung (Kontaktgifte) oder atmen sie ein. So genannte systemische Insektizide werden von den Pflanzen aufgenommen und führen dann zum Tod der in ihnen lebenden Schädlinge oder solcher, die an den Pflanzen fressen oder saugen. Je nachdem, in welchem Entwicklungsstadium die Insekten bekämpft werden, unterscheidet man Ovizide (gegen Eier), Larvizide (gegen Larven) und Adultizide (gegen adulte, also erwachsene Insekten).

Insektizide werden vor allem zur Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft eingesetzt, außerdem zum Schutz von Vorräten und bestimmten Materialien wie Holz und zur Bekämpfung von Krankheiten wie Gelbfieber. Bei längerem, intensivem Einsatz eines bestimmten Insektizids können Insekten Resistenzen gegen das Mittel entwickeln: Wenn eine zufällige Mutation auftritt (siehe Genetik), die ein Insekt gegen das Insektizid unempfindlich macht, kann es diese Mutation trotz des Gifteinsatzes an seine Nachkommen weitergeben. Die Resistenz verbreitet sich dann meist rasch in der Insektenpopulation.

Außerdem werden viele Insektizide in der Natur nur langsam abgebaut oder reichern sich sogar in Nahrungsketten an; dies kann zu Vergiftungen von Menschen und Wirbeltieren (z. B. Greifvögeln und Fledermäusen) führen. Aus diesem Grund ist beispielsweise der Einsatz des Kontaktgiftes DDT aus der Gruppe der Chlorkohlenwasserstoffe, jahrzehntelang das meistverwendete Insektizid, heute in den meisten Industrieländern verboten. In ärmeren Ländern wird dieses preisgünstige Mittel jedoch weiter produziert und u. a. zur Bekämpfung von Malariamücken verwendet.

Neben DDT werden auch andere Chlorkohlenwasserstoffe als Insektizide verwendet, z. B. Lindan, Endosulfan, Aldrin und Dieldrin. Beim Menschen und bei Wirbeltieren können sie sich im Fettgewebe und in Nervenzellen anreichern und chronische Vergiftungen verursachen. Das ebenfalls weit verbreitete Insektizid E 605 ist wie andere Organophosphorverbindungen ein Enzymgift, das rasch wirkt, in der Natur aber auch relativ schnell wieder abgebaut wird. Auch für Menschen und Wirbeltiere ist es giftig, weil es den Neurotransmitter Acetylcholin hemmt.

Anstelle vieler dieser für Mensch und Umwelt besonders schädlichen Insektizide setzt man in den letzten Jahren verstärkt so genannte Häutungshemmer als Fraßgifte gegen Insektenlarven ein, z. B. gegen die Larven des Schwammspinners, des Eichenprozessionsspinners oder der Kastanien-Miniermotte. Häutungshemmer wirken, indem sie die Synthese von Chitin im Körper und damit die Häutung und das weitere Wachstum der Larven hemmen. Auch gegen noch nicht geschlüpfte Insektenembryonen in den Eiern kommen Häutungshemmer zum Einsatz. Auf Wirbeltiere wirken diese Stoffe nur wenig giftig, allerdings sind sie deutlich weniger effektiv als Neurotoxine wie Chlorkohlenwasserstoffe. Zu den bei uns häufiger eingesetzten Insektiziden gehören außerdem die Pyrethroide, die von dem aus Chrysanthemen gewonnenen Pyrethrum chemisch abgeleitet sind und ebenfalls als Nervengifte wirken.

Abgesehen von industriell hergestellten Insektiziden gibt es natürliche Insektizide, die aus Pflanzen oder anderen Lebewesen gewonnen werden. Dazu gehört neben Pyrethrum das so genannte Bt, ein vom Bodenbakterium Bacillus thuringiensis produziertes Toxin. Dieses natürliche Insektizid wird weltweit im Rahmen der biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Das für die Produktion des Toxins verantwortliche Bakteriengen wurde außerdem auf gentechnischem Weg in das Genom von Kulturpflanzen (z. B. Mais) eingeschleust.