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Ostern
1. Einleitung

Ostern, ältestes christliches Fest, an dem die Auferstehung Jesu Christi gefeiert wird. Andere kirchliche Feiertage, die sich über den Zeitraum zwischen dem Septuagesima-Sonntag (dem neunten Sonntag vor Ostern) und dem ersten Adventssonntag verteilen, richten sich nach dem Zeitpunkt des Osterfestes.

Am Ostersonntag endet die 40-tägige Fastenzeit, die am Aschermittwoch beginnt. Die Karwoche, die Ostern vorausgeht, beginnt mit dem Palmsonntag und endet am Karfreitag, dem Tag, der an die Kreuzigung Jesu erinnert.

2. Vorchristliche Traditionen

Die Bezeichnung Ostern leitet sich von Ēastre ab, dem angelsächsischen Namen der teutonischen Göttin des Frühlings und der Fruchtbarkeit. Ihr Fest wurde am Tag vor der Frühlings-Tagundnachtgleiche gefeiert. Von den mit diesem Fest verbundenen Bräuchen überdauerte der Osterhase, der ein Symbol der Fruchtbarkeit ist.

Auch in anderen Kulturen wurde zu diesem Zeitpunkt der Frühlingsanfang gefeiert. Eine griechische Sage erzählt davon, wie Persephone, die Tochter Demeters, der Göttin der Erde, aus der Unterwelt an das Tageslicht zurückkehrt. Ihre Rückkehr war für die alten Griechen das Symbol für die Wiederkehr des Lebens im Frühling. Bei vielen antiken Völkern gab es ähnliche Legenden. Die Phryger glaubten, dass ihre allmächtige Gottheit sich zum Zeitpunkt der Wintersonnenwende schlafen legte, und sie vollführten zur Frühlings-Tagundnachtgleiche Zeremonien mit Musik und Tanz, um sie zu wecken. Das christliche Osterfest, das viele dieser vorchristlichen Traditionen in sich aufnahm, ging in seiner religiösen Bedeutung unmittelbar aus dem jüdischen Passahfest hervor.

3. Die terminliche Festlegung des Osterfestes

Da Jesus am Vorabend von Passah gekreuzigt wurde und am dritten Tage von den Toten auferstand, wurde das Osterfest der Christen jüdischer Herkunft unmittelbar nach dem Passahfest gefeiert, das nach ihrem babylonischen Mondkalender mit der Vollmondnacht übereinstimmte (den 14. Tag im Monat Nisan, dem ersten Monat des Jahres). Dadurch fiel der Feiertag in jedem Jahr auf verschiedene Wochentage.

Heidenchristen feierten die Auferstehung jedoch am ersten Wochentag, dem Sonntag, nach der Tagundnachtgleiche.

Aus der unterschiedlichen Berechnung des Ostertermins ergab sich, dass die christlichen Kirchen im Osten in der Tradition des jüdischen Passahfestes feierten. Die westliche Kirche hingegen legte Ostern auf einen Sonntag.

4. Beschlüsse des Konzils von Nicäa

Der römische Kaiser Konstantin I. berief 325 das Konzil von Nicäa ein. Dieses legte fest, dass Ostern nach dem Vollmond gefeiert werden sollte, der auf die Frühlings-Tagundnachtgleiche folgt. Wenn Vollmond an einem Sonntag sei und somit mit dem Passahfest zusammentreffe, dann sollte Ostern an dem darauf folgenden Sonntag gefeiert werden. Auf diese Weise wurde ein zeitliches Zusammenfallen des Oster- und des Passahfestes vermieden.

Des Weiteren beschloss das Konzil, dass der Kalendertermin des Osterfestes in Alexandria, dem damals wichtigsten astronomischen Zentrum der Welt, berechnet werden sollte. Mit dem Wissensstand des 4. Jahrhunderts erwies sich jedoch eine genaue Bestimmung des Termins als unmöglich. Das entscheidende damit verbundene astronomische Problem war der Unterschied zwischen dem Sonnenjahr und dem Mondjahr (Epakte). Das größte Problem der Festlegung war die Abweichung zwischen dem astronomischen Jahr und dem damals gebräuchlichen julianischen Kalender.

5. Spätere Methoden zur Terminfestlegung

Methoden, die die Kirche anwandte, um den Termin des Festes festzulegen, führten dazu, dass Ostern in verschiedenen Teilen der Welt zu unterschiedlichen Terminen gefeiert wurde. 387 lagen z. B. die Termine des Osterfestes in Frankreich und Ägypten 35 Tage auseinander. Um 465 führte die Kirche eine von dem Astronomen Victorinus, der von Papst Hilarus beauftragt worden war, den Kalender zu reformieren und den Ostertermin festzulegen, vorgeschlagene Berechnungsmethode ein. Die Weigerung der britischen und keltischen christlichen Kirchen, die vorgeschlagenen Änderungen einzuführen, führte im 7. Jahrhundert zu harten Auseinandersetzungen mit Rom.

Die von Papst Gregor XIII. 1582 durch die Einführung des gregorianischen Kalenders erfolgte Reform des julianischen Kalenders beseitigte einen großen Teil der Probleme, die bei der Festlegung des Ostertermins sowie bei der zeitlichen Gestaltung des Kirchenjahres entstanden waren. Seit 1752, als der gregorianische Kalender auch in Großbritannien und Irland eingeführt wurde, feiert man Ostern im westlichen Teil der christlichen Welt am gleichen Tag. Die Ostkirchen jedoch, die den gregorianischen Kalender nicht einführten, feiern Ostern an einem Sonntag vor oder nach dem Termin, der im Westen gefeiert wird. Gelegentlich fallen die Termine zusammen. Dies geschah 1865 und 1963.

Um die Überschneidung mit anderen Terminen zu vermeiden, gibt es seit längerem Bestrebungen, dass die beweglichen Termine des Festes entweder enger zusammengelegt oder durch einen festen Termin, wie beim Weihnachtsfest, ersetzt werden. 1923 wurde dieses Problem dem Papst vorgetragen und akzeptiert. 1928 verabschiedete das britische Parlament eine Verfügung, nach welcher der anglikanischen Kirche erlaubt wurde, Ostern am ersten Sonntag nach dem zweiten Samstag im April zu feiern. In den katholischen und protestantischen Kirchen blieb Ostern jedoch weiterhin ein beweglicher Feiertag, der auf kein festes Datum festgelegt ist.