Börse
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3. Die verschiedenen Börsenarten

Die Börsen lassen sich am einfachsten nach den dort gehandelten Gütern unterscheiden:

1. Warenbörsen

Die einfachste Form sind die Produktenbörsen, die mit Waren von begrenzter Marktfähigkeit handeln und meist regionalen Charakter haben, eine Form, die bereits seit der Antike existiert. Handelsobjekte sind z. B. Getreide oder Futtermittel, die im Rahmen eines Effektivgeschäfts ausgetauscht werden, d. h., die Abschlüsse über real vorhandene Waren müssen auch tatsächlich erfüllt werden. Demgegenüber werden an den Warenterminbörsen Kontrakte über Zucker oder Schweinehälften abgeschlossen, die erst zu einem bestimmten Termin oder im Fall eines gleichzeitigen Gegengeschäfts gar nicht erfüllt werden müssen. Ihre hauptsächliche Bedeutung haben die Warenterminbörsen heute zur Abwicklung von Arbitrage- oder Hedginggeschäften, d. h. Gegengeschäften, die andere spekulative Engagements absichern sollen. Gegen den Warenterminhandel ergingen immer wieder Verbote und Einschränkungen, wegen der Gefahren des spekulativen Leerverkaufs (Verkauf von Waren, ohne sie zu besitzen). Im Börsengesetz von 1896 wurde z. B. der Terminhandel in Getreide und Mühlenerzeugnissen verboten.

Aufgrund starker Preisschwankungen unterliegt der Warenterminhandel starken Spekulationseinflüssen. 99 Prozent der Geschäfte liegen keine tatsächlichen Lieferungen zugrunde, da die Positionen meist vorzeitig wieder aufgelöst werden. Üblicherweise werden nur 5 bis 10 Prozent des Kontraktwertes bei Vertragsabschluss fällig, im Verlustfall muss allerdings Geld nachgeschossen werden.

Die wichtigsten Börsenplätze sind Chicago, New York und London. In Deutschland wurde 1998 in Hannover eine große Warenterminbörse gegründet, deren Aufschwung mit der erneuten BSE-Krise Ende 2000 begann. Gegenüber dem Vorjahresmonat stieg die Zahl der Kontrakte im Januar 2001 um 40 Prozent; der Renner ist der so genannte „Schweinefuture”, der zur Absicherung (Hedging) gegen Marktpreisverluste dient.

2. Wertpapier- oder Effektenbörsen

Hier werden die klassischen Wertpapiere des Kapitalmarktes, also Aktien und Anleihen, Pfandbriefe und Kommunalobligationen, gehandelt. Sie müssen den Charakter verzinslicher Massenpapiere (=Effekten) besitzen, weshalb z. B. Wechsel hier nicht gehandelt werden können. Außerdem sollten sie marktgängig, börsenfähig und zur Kapitalanlage geeignet sein.

Die Aktie ist das klassische Spekulationsobjekt; sie stellt einen Anteilsschein an einem Unternehmen (Aktiengesellschaft) dar, dessen Preis durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Man unterscheidet zwischen so genannten Standardwerten (Blue Chips), zu denen vor allem marktschwere Papiere, wie die von Daimler oder Siemens, gehören, die im DAX® zusammengefasst werden, und so genannten Spezialwerten, von denen vor allem die des Neuen Marktes (zusammengefasst im Nemax) in den letzten Jahren positiv wie negativ Furore gemacht haben. Der Aktienmarkt soll prinzipiell der Finanzierung von Unternehmen dienen und deren wirtschaftliche Situation widerspiegeln, hat inzwischen jedoch häufig rein spekulativen Charakter. Noch in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts galt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 1 zu 7 als „gesund”, so ist heute bereits ein KGV von 1 zu 20 normal. Generell ist das Verhältnis des Aktienmarkts zur wirtschaftlichen Entwicklung inzwischen verschoben. So können z. B. positive ökonomische Daten zum Fall des Index führen, weil nunmehr mit Zinserhöhungen gerechnet wird. Insgesamt sind die Meinungen der Börsianer oft wichtiger als die so genannten fundamentalen Fakten.

Der Markt für festverzinsliche Wertpapiere, Schuldverschreibungen, Bonds, Obligationen und Anleihen, galt lange Zeit als konservativ, was in der Bezeichnung Rentenmarkt seinen adäquaten Ausdruck gefunden hatte – biedere Reniers suchten hier sichere Renditen. Inzwischen wird auch hier kräftig auf die künftige Zinsentwicklung spekuliert; plastisches Beispiel dieser Tendenz sind die „Junk Bonds”, hochverzinsliche, aber auch hochriskante „Schrottanleihen”, die vor allem von in Reorganisation befindlichen Unternehmen begeben werden und neben großen Gewinnchancen auch die Möglichkeit des Totalverlusts beinhalten. Selbst Anleihen der öffentlichen Hand sind inzwischen keine totsicheren Papiere mehr, da mit ihnen eine stetig wachsende Staatsverschuldung finanziert wird.

Als Leitbörse gilt die New Yorker Wall Street mit ihrem Dow-Jones-Index. Inzwischen können aber auch die Börsen der so genannten Schwellenländer die weltweite Spekulation in Atem halten (Stichwort Asienkrise). Die Effektenbörsen in Deutschland sind Frankfurt, München, Stuttgart, Düsseldorf, Hannover, Hamburg, Berlin und Bremen.

3. Versicherungsbörsen

Handelsobjekte dieser auch Dienstleistungsbörsen genannten Märkte sind sehr individuell gestaltete und risikoreiche Versicherungsverträge vor allem im Transportversicherungsgeschäft, zu deren Finanzierung es häufig mehrere Vertragspartner bedarf. Die Hamburger Versicherungsbörse wickelt neben Rotterdam und London die meisten derartigen Geschäfte ab. Der Versicherungsmarkt Lloyd’s of London schlitterte Ende der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts in die Krise, was etliche seiner Anleger ihr gesamtes Vermögen kostete. Schadensersatzprozesse sind immer noch anhängig.

4. Devisenbörsen

Auf diesem Markt wird mit auf ausländische Währung lautenden Guthaben und Forderungen gehandelt. Grundsätzlich dient die Devisenbörse der Bildung der Devisenkurse je nach Marktlage, d. h. nach Angebot und Nachfrage. Als deutsche Leitbörse gilt Frankfurt/Main.

Seit der Aufhebung des Goldstandards (siehe Goldwährung) 1944 in Bretton Woods ist der Devisenmarkt anfällig für Schwankungen geworden, was sich vor allem an den Kapriolen der Leitwährung US-Dollar ablesen lässt. Mit der Auflösung des Systems der festen Wechselkurse (Bretton Woods) entwickelte sich dieser Markt hochspekulativ. So genannte institutionelle Anleger sind in der Lage, ganze Landeswährungen in die Krise zu führen. So wurde z. B. 1997 die thailändische Währung nach unten gedrückt (Asienkrise). Auch der Euro scheint der Macht der internationalen Finanzmärkte zum Teil hilflos ausgeliefert.