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Australien
1. Einleitung

Australien (offiziell: Australischer Bund), Staat auf der südlichen Halbkugel, zwischen Indischem und Pazifischem Ozean gelegen. Das Staatsgebiet umfasst neben der australischen Festlandsmasse auch einige vorgelagerte Inseln wie Tasmanien, zum Kontinent Australien gehören weitere Inseln wie Neuguinea.

Australien wird im Norden durch die Timorsee, die Arafurasee und die Torresstraße und im Osten durch die Korallensee und die Tasmansee begrenzt. Die südliche Begrenzung der Insel bilden die Bass-Straße und – ebenso wie im Westen – der Indische Ozean. Die Ost-West-Erstreckung beträgt 4 000 Kilometer, die Nord-Süd-Ausdehnung beläuft sich auf 3 700 Kilometer. Die Küstenlinie ist rund 25 760 Kilometer lang. Australien hat zusammen mit der Insel Tasmanien eine Gesamtfläche von 7 682 300 Quadratkilometern. Die Fläche der australischen Festlandsmasse ohne die zugehörigen Inselgruppen und Tasmanien beträgt etwa 7 614 500 Quadratkilometer.

Der Staat Australien setzt sich aus den sechs Bundesstaaten New South Wales, Queensland, South Australia, Tasmanien, Victoria und Western Australia sowie den beiden Bundesgebieten Australian Capital Territory und dem Northern Territory zusammen. Die von Australien abhängigen Gebiete umfassen das Australian Antarctic Territory (Australisches Antarktisterritorium), die Christmas Island, die Kokos-Inseln, das Territorium der Heard- und McDonald-Inseln, die Norfolk-Insel, die Ashmore-Insel, die Cartier-Insel sowie das Korallenseeterritorium. Canberra, die Hauptstadt Australiens, liegt im Australian Capital Territory.

2. Land
1. Physische Geographie

Die Landmasse des so genannten fünften Kontinents erhebt sich im Mittel etwa 300 Meter über den Meeresspiegel, und nur 6 Prozent der Gesamtfläche liegen höher als 610 Meter. Die unermessliche Weite des weitgehend unbesiedelten Landesinneren, das von weißen Australiern als Outback bezeichnet wird, umfasst Ebenen und niedrige Plateaus, die nach Nordosten abfallen. Ausgedehnte Küstenebenen, die eine mittlere Breite von 65 Kilometern haben,umrahmen den Kontinent. Die Küstenebenen im Osten, Südosten und Südwesten des Landes sind die am dichtesten besiedelten Gebiete Australiens.

Die Küstenebenen im Osten des Landes sind durch die Verwerfungszone der Great Dividing Range vom Landesinneren getrennt. Diese Gebirgsregion erreicht eine durchschnittliche Höhe von 1 220 Metern und verläuft von der Kap-York-Halbinsel im Norden parallel zur Ostküste bis zum australischen Bundesstaat Victoria im Südosten. Die Great Dividing Range gliedert sich in mehrere Ketten, wie etwa die Neuenglandkette, die Blue Mountains und die Australischen Alpen mit den Snowy Mountains. Im Bundesstaat Victoria nähern sich die Ausläufer der Great Dividing Range der Küste an; in diesem Bereich werden sie als Grampians bezeichnet oder gemäß dem Namen, den ihnen die hier lebenden australischen Ureinwohner verliehen, Gariwerd genannt. Der höchste Berg der Australischen Alpen ist der Mount Kosciusko mit 2 228 Metern; er gehört zu den Snowy Mountains im Bundesstaat New South Wales. Er wird allerdings noch vom Mawson Peak (2 745 Meter) auf den Heard-Inseln übertroffen. Die Great Dividing Range setzt sich im Süden bis zur Insel Tasmanien fort, die vor etwa 13 500 bis 8 000 Jahren infolge eines Anstiegs des Meeresspiegels von der südöstlichen Spitze des Kontinents abgetrennt wurde.

Der Westaustralische Schild bedeckt mehr als die Hälfte der australischen Festlandfläche. Er erstreckt sich westlich einer gedachten Verbindungslinie zwischen der Ostküste des Arnhemlandes am Carpentariagolf bis zur Halbinsel Eyre im Bundesstaat South Australia und umrundet im zentralen Bereich des Landes die inneraustralische Simpsonwüste. Der Westaustralische Schild tritt in einem riesigen Tafelland zutage, einer Hochfläche mit einer durchschnittlichen Höhe um 400 Meter, die in eine Vielzahl von geologisch deutlich voneinander getrennten Blöcken gegliedert ist. Einige dieser Blöcke wurden angehoben und bildeten Hochflächen, andere senkten sich ab und bildeten so Tiefländer und Becken. Zu den Tiefländern gehören die Große Sandwüste im nordwestlichen Bereich des Westaustralischen Schildes, die Gibsonwüste in der zentralen Region sowie die Große Victoriawüste und die Nullarborebene, die beide im Süden des Schildes liegen. Die Nullarborebene, deren Name wörtlich „ohne Bäume” bedeutet, ist eine praktisch unbewohnte Kalksteintafel, die von aridem Klima geprägt ist. Sie ist durch ein ausgeprägtes Tunnel- und Höhlensystem gekennzeichnet, das Rückschlüsse auf die geologischen Vorgänge zur Zeit des australischen Urkontinents und seiner Weiterentwicklung ermöglicht.

Zu den Hochflächen im Bundesstaat Western Australia gehören die Hamersleykette und die König-Leopold-Kette in der westlichen und nordwestlichen Küstenregion sowie die Darlingkette, die landeinwärts von Perth ganz im Südwesten liegt. Die Macdonnellkette befindet sich im südlichen Gebiet des Northern Territory, während Stuart- und Musgravekette parallel zur Nordgrenze von South Australia verlaufen. Durch Erosion und starke Verwitterung haben sich in weiten Teilen des Westaustralischen Schildes, darunter auch im Kimberleyplateau und im Pilbara-Distrikt in Western Australia sowie im Arnhemland im Northern Territory, beeindruckende frei stehende Gesteinsformationen herausgebildet, die als Restberge bezeichnet werden.

Das Große Artesische Becken zwischen dem Westaustralischen Schild und der Great Dividing Range ist ein riesiges Gebiet aus ausgedehnten Ebenen, die einen Großteil der fruchtbarsten Acker- und Weideflächen in Australien umfassen. Es besteht aus drei Hauptbecken – dem Carpentariabecken, dem Eyrebecken und dem Murraybecken. Die sanften, von Hügelland durchzogenen Ebenen des Carpentariabeckens bilden einen schmalen Korridor, der vom Carpentariagolf zwischen dem Isa-Hochland am nordöstlichen Randgebiet des Schildes und der Great Dividing Range landeinwärts verläuft. Das Eyrebecken liegt südlich des Carpentariabeckens und erstreckt sich über eine Fläche von fast 1,3 Millionen Quadratkilometern vom Zentrum und Norden des Kontinents bis zum Südwesten von Queensland, in den Nordosten von South Australia und den Nordwesten von New South Wales. Im Norden des Beckens prägen weitläufige Hügelflächen das Landschaftsbild. Im klimatisch ariden Landesinneren wird die Landschaft zunehmend flacher und geht schließlich in eine Steinwüste über. In der Simpsonwüste nördlich des Eyresees an der westlichen Grenze des Beckens liegen ausgedehnte Sanddünen. Der Eyresee, einer der größten Salzseen des Landesinneren, befindet sich im niedrigsten Landesteil und dient im Rahmen der Binnenentwässerung zahlreichen Stromsystemen als Mündungssee. Westlich des Eyresees befindet sich im Zentrum von Australien der Uluru (Ayers Rock). Mit einem Sockelumfang von etwa 9 Kilometern gilt der Uluru, der sich mit einer Höhe von 348 Metern von der ebenen Umgebung weithin sichtbar abhebt, als einer der größten Monolithe der Welt.

Das Murraybecken verläuft von der Küste am Indischen Ozean in South Australia und Victoria bis in den Westen von New South Wales. Im Westen wird es von der Flinderskette und Mount-Lofty-Kette im Bundesstaat South Australia, im Osten von den Australischen Alpen der Great Dividing Range flankiert. Das Murraybecken umfasst große fossile Dünenfelder und ist von sehr trockenem Klima geprägt. Nach Westen hin sind Steinwüsten entwickelt. Östlich des Beckens liegen ausgedehnte Schwemmlandebenen, die mit den wichtigsten Zuflüssen des Murray verbunden sind, dem einzigen ständig Wasser führenden Fluss, der das Landesinnere durchquert.

Die Küstenlinie des australischen Kontinents ist nur schwach gegliedert; sie weist nur wenige Buchten und Kaps auf. Die größte natürliche Bucht bilden der Carpentariagolf im Norden und die Große Australische Bucht im Süden. Es gibt mehrere ausgezeichnete Naturhäfen, an denen sich die Städte Sydney, Hobart, Port Lincoln und Albany entwickelten. Tasmanien hat einen stärker gegliederten Küstenverlauf.

Das Große Barrierriff, das von der UNESCO zum Weltnaturerbe der Menschheit ernannt wurde, erstreckt sich über eine Länge von etwa 2 010 Kilometern von Kap York entlang der Ostküste des Bundesstaates Queensland bis nach Bundaberg im Süden. Das aus Korallen bestehende Riff ist weltweit die größte Struktur, die von Lebewesen geschaffen wurde. Die Riffrücken dienen im Küstenschiffsverkehr als natürliche Wellenbrecher. Siehe auch Kosciusko Nationalpark; Uluru Nationalpark

2. Geologie

Australien gehörte ursprünglich zu Gondwana, das zuvor einen Teil des Urkontinents Pangäa bildete. Die Entstehung von vielen geologischen Strukturen reicht zeitlich sehr weit zurück, und die ältesten bekannten Gesteins- und Felsformationen wurden auf die Zeit vor 3 bis 4,3 Milliarden Jahren datiert. Dem riesigen Plateau des Westaustralischen Schildes liegt eine ausgedehnte, stabile Schicht aus präkambrischen Metamorphiten und Magmatiten zugrunde, die ein Alter von zwischen 570 Millionen und 3,7 Milliarden Jahren aufweist. Diese Formationen stellen zusammen mit der Antarktis das Herzstück des alten Kontinents dar, der sich vor weniger als 200 Millionen Jahren im Jura von Gondwana abspaltete und in östliche und nördliche Richtung fortzudriften begann (siehe Plattentektonik, Kontinent). Vor ungefähr 100 Millionen Jahren entstand Australien als eigenständiger Kontinent, nachdem sich die Antarktis abgetrennt und in südliche Richtung bewegt hatte. Auch heute noch entfernt sich der australische Kontinent von der Antarktis in nördliche Richtung und wird irgendwann mit dem asiatischen Kontinent zusammenstoßen. In geologischen Zeiträumen wird also die Existenz von Australien als eigenständiger Kontinent nur eine kurze Zeitspanne füllen.

In der Great Dividing Range erfolgten mächtige Ablagerungen von Sedimentgesteinen in einer weiten Geosynklinale; dieser Prozess vollzog sich fast über den gesamten Zeitraum des Paläozoikums und endete vor ungefähr 245 Millionen Jahren. Infolge ungeheurer Druckeinwirkung wurden die abgelagerten Gesteine komprimiert und mindestens zweimal aufgefaltet, wodurch Gebirgsketten entstanden, die zum Teil auch Vulkane umfassten.

3. Flüsse und Seen

Rund zwei Drittel der Oberfläche Australiens sind von Wüsten oder Halbwüsten bedeckt und weisen eine extrem hohe Verdunstungsrate auf. Nur etwa 10 Prozent des gesamten Niederschlags speisen Oberflächengewässer. Infolgedessen gibt es mit Ausnahme der niederschlagsreicheren östlichen und südwestlichen Gebiete Australiens sowie Tasmaniens nur vergleichsweise wenig Flüsse, die ständig Wasser führen. Die Great Dividing Range markiert die Wasserscheide zwischen der schmalen Ostküste und dem restlichen Teil Australiens. An den Ostflanken der Gebirgskette befinden sich permanent Wasser führende Flüsse, von denen die wichtigsten der Burdekin, der Fitzroy und der Hunter sind. Von den westlich der Great Dividing Range verlaufenden Flüssen ist nur der Murray ganzjährig Wasser führend. Er wird in seinem Quellgebiet in der Region um den Mount Kosciusko von Schmelzwasser und weiter flussabwärts von großen Nebenflüssen wie dem Darling und dem Murrumbidgee gespeist und führt daher ausreichende Wassermengen, um die gleichnamige trockene Ebene zu durchqueren. Der Murray mündet östlich von Adelaide an der Südküste Australiens in den Indischen Ozean. Das Murray-Darling-Murrumbidgee-Stromsystem ist das wichtigste in ganz Australien. Es entwässert eine Fläche von über 1,1 Millionen Quadratkilometern in Queensland, New South Wales, Victoria und South Australia und versorgt einige der wichtigsten Anbau- und Weideflächen des Landes mit Wasser. Während der Regenzeit ist das Wasserstraßennetz größtenteils auch schiffbar. Der Murray bildet die Grenze zwischen den Bundesstaaten New South Wales und Victoria.

Die Flüsse in Zentralaustralien und im westlichen Teil des Kontinents überfluten bei starken Regenfällen das angrenzende, niedrig gelegene Umland. Bei Trockenheit führen sie nur zeitweise Wasser. Die Zentralebene wird gelegentlich auch als Channel Country (Land der Kanäle) bezeichnet. Die Flussläufe Victoria, Daly und Roper führen das Wasser in einen Teil des Northern Territory ab. Die wichtigsten Wasserwege in Queensland sind Mitchell, Flinders, Gilbert und Leichhardt; sie münden in den Carpentariagolf. Im Bundesstaat Western Australia gibt es nur wenige bedeutende Flüsse, von denen Fitzroy, Ashburton, Gascoyne, Murchison und Swan die längsten sind.

In Inneraustralien sind zahlreiche Salzpfannen und Salzseen entwickelt. Da sie nur von periodisch Wasser führenden Strömen und Flüssen gespeist werden, erhalten sie nur selten bedeutenden Wasserzulauf und trocknen normalerweise aufgrund des hohen Verdunstungsgrades zu salzverkrusteten Salzsümpfen oder Salzpfannen ein. Eyresee, Torrenssee, Fromesee und Gairdnersee, die größten Salzpfannen im zentralen und südlichen Bereich des Großen Artesischen Beckens, sind Überreste eines riesigen Binnensees, der sich früher einmal vom Carpentariagolf nach Süden erstreckte.

4. Wasserressourcen

Die Nullarborebene und weite Teile des westlichen Binnenlandes besitzen keine oberirdischen Wasserläufe, es gibt jedoch ein unterirdisches Stromsystem und artesische Wasseradern, die für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes lebensnotwendig sind. Artesische Wasseradern und Seen erstrecken sich auf eine Fläche von etwa 2,5 Millionen Quadratkilometern. Das Große Artesische Becken umfasst 70 Prozent der gesamten unterirdischen Wasserreserven und ist weltweit das größte seiner Art. Andere artesische Wasservorkommen liegen im Nordwesten, im Südosten und entlang der Nullarborebene an der Küstenlinie der Großen Australischen Bucht.

Infolge der Notwendigkeit, die Wasserversorgung für Bewässerungszwecke und für die Bevölkerung Australiens sicherzustellen, wurden an mehreren Flüssen Dämme erbaut. Zahlreiche Projekte sollen ausreichend Wasser für Bewässerung, Tierhaltung, Privatnutzung und Erzeugung von Energie zur Verfügung stellen. Das berühmteste ist das Snowy-Mountains-Projekt, das als Mehrzweckanlage errichtet wurde und in New South Wales in den Australischen Alpen liegt. Als eine der weltweit größten technischen Unternehmungen wurde es zwischen 1949 und 1974 erbaut und versorgt nicht nur die Regionen entlang der Flüsse Murray und Murrumbidgee mit zusätzlichem Wasser für Bewässerungszwecke, sondern erzeugt auch Energie für die dicht besiedelte südöstliche Küste. Das Ord-River-Projekt besteht aus einer riesigen Bewässerungsanlage in der Kimberleyregion im Nordwesten von Western Australia. Der Bau wurde 1962 mit dem Ziel aufgenommen, die unbesiedelten Regionen im Norden zu erschließen. Das Ord-River-Projekt wurde während seines Baues von Ökonomen, Umweltschützern und Agrarwissenschaftlern scharf kritisiert, und auch heute noch werden wirtschaftliche Rentabilität und ökologische Verträglichkeit hinterfragt. Die in der Region vorherrschenden Schwierigkeiten, die durch starken Ungezieferbefall und andere Widrigkeiten bedingt sind, haben zur Folge, dass nur ein Bruchteil des agrarwirtschaftlich nutzbaren Landes bewirtschaftet wird. Die positive Auswirkung des Projekts beinhaltet die Entstehung des Argylesees; er ist Australiens größter künstlich angelegter Stausee und gleichzeitig größtes oberirdisches Süßwasserreservoir.

5. Klima

Australiens Klima variiert von tropischem, vom Monsun beeinflussten Klima im Norden bis zu kühlgemäßigtem Klima in Tasmanien. Im überwiegenden Teil des australischen Kontinents herrscht trockenheißes Klima vor. Das zentrale Hochland liegt zu niedirg, um die klimatischen Prozesse maßgeblich zu beeinflussen. Über zwei Drittel des australischen Kontinents, vor allem die zentralen und westlichen Regionen, erhalten jährlich weniger als 500 Millimeter Niederschlag. Lediglich 10 Prozent des Landes weisen im Mittel jährliche Niederschläge von über 1 000 Millimetern auf.

Die wechselfeucht-tropische Küstenregion im Norden ist durch zwei Hauptjahreszeiten charakterisiert: Im feuchtheißen Südsommer fallen die Sommerniederschläge beim Durchgang der nordwestlichen Monsunwinde vorwiegend im Februar und März, und die trockenwarmen Südwinter sind durch den Einfluss der südöstlichen Passatwinde geprägt. Der Monsun dringt unterschiedlich weit in die Binnenregionen vor, und sein Einfluss reicht im Arnhemland und der Kap-York-Halbinsel am weitesten landeinwärts. Die mittleren Jahresniederschläge betragen an vielen Stellen der Nord- und Nordostküste um 1 500 Millimeter; im Norden von Queensland in der Gegend um Cairns werden sogar 2 500 Millimeter erreicht. In den Grenzbereichen der vom Monsun beeinflussten Region gedeiht trockene Grassavanne; aufgrund der geringen und unregelmäßigen Niederschläge wird das Wasserangebot hier durch artesische Wasseradern ergänzt. Im westlichen, zentralen und nördlichen Teil Australiens variieren die mittleren Temperaturen im Sommer zwischen 26,7 und 29,4 °C, übersteigen jedoch in manchen Regionen 38 °C.

Die warmen, klimatisch gemäßigten Regionen an der Südküste des australischen Festlandes sind von kühlen Wintern und heißen Sommern geprägt. Die höchsten Temperaturen werden in den Monaten Januar und Februar mit Mittelwerten zwischen 18,3 und 21,1 °C erreicht. Juni und Juli sind die kühlsten Monate des Jahres. Die mittlere Julitemperatur beträgt um 10 °C, in den höheren Lagen der Australischen Alpen um 2 °C. In der Gegend um den Mount Kosciusko bilden sich teilweise Schneefelder. Die Tieflandregionen an der Ostküste erhalten in allen Jahreszeiten Niederschläge, die jedoch im Sommer besonders stark sind. Die Niederschläge an der warmgemäßigten West- und Südküste beschränken sich infolge der Lage in der Westwindzone vor allem auf die Wintermonate.

Tasmanien, das klimatisch der kühlgemäßigten Zone zuzurechnen ist, erhält im Sommer unter dem Einfluss der Westwinde starke Regenfälle. Im Winter fallen ebenfalls starke Niederschläge, die durch Zyklone hervorgerufen werden. Schneefälle erfolgen im Winter nicht nur in den Australischen Alpen, sondern auch im nördlichen Teil von Victoria und in Tasmanien. Alle südlichen Bundesstaaten Australiens liegen ganzjährig unter dem Einfluss der warmen bis heißen Winde aus dem Landesinneren, die große plötzliche Temperaturanstiege bewirken können. Fast jedes Jahr sind einige Regionen von niederschlagsfreien Dürreperioden betroffen. Neben Kalifornien und den Mittelmeerländern gehören Südostaustralien und Tasmanien zu den Teilen der Erde, in denen es am häufigsten zu Buschfeuern kommt. 1994 verwüsteten Waldbrände einen Teil von New South Wales.

6. Böden

Auf dem Kontinent sind zahlreiche Bodentypen verbreitet, aber nährstoffarme und nur mäßig fruchtbare Böden mit geringen Gehalten an organischer Substanz herrschen vor. Versalzung und Alkalisierung der Böden sind weit verbreitet. Auch Bodenerosion und Desertifikation aufgrund falscher Anbaumethoden sind zu beobachten, vor allem in überweideten Gebieten. Ungeachtet dessen und der Tatsache, dass weite Flächen des Landesinneren aus Wüsten oder Landstrichen bestehen, die sich bestenfalls für die Beweidung durch Schafe eignen, stellt die Bodennutzung einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor für Australien dar. Über viele Jahre hinweg wurden phosphathaltige Bodenzusätze zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit eingesetzt. Seit den siebziger Jahren hat man sich jedoch immer mehr Gedanken über die Neben- und Nachwirkungen der phosphathaltigen Düngezusätze gemacht, zu denen eine Versauerung des Bodens und wiederkehrende Algenblüten im lebenswichtigen Murray-Darling-Stromsystem gehören, die durch phosphathaltiges Ablauf- und Sickerwasser von gedüngten Böden entstehen. Die schwerwiegendsten Probleme ergeben sich jedoch aus der starken Winderosion, der teilweisen Überweidung in den semiariden Weide- und Agrarregionen und der Wassererosion im niederschlagsreicheren, stark abgeholzten Südosten.

Die Besorgnis um diese Entwicklung wurde in der Entstehung der Bewegung „Landcare” deutlich, die sich für den Landschaftsschutz einsetzt. Die australische Bundesregierung erklärte die neunziger Jahre zum Jahrzehnt des Landschaftsschutzes. Der ökologischen und wirtschaftlichen Bedrohung durch Bodenerosion, Boden- und Wasserversalzung und Bodenversauerung sollen aktuelle technische Projekte, wissenschaftliche Forschungsarbeit, Bildung und Maßnahmen wie beispielsweise Aufforstungsprogramme und die Einschränkung der Beweidung entgegenwirken.

7. Flora

Australien verfügt über eine sehr spezifische Vegetation, die auch als Flora australis bezeichnet wird und etwa 22 000 Pflanzenarten aufweist. Über 90 Prozent der hier verbreiteten Arten sind endemisch, d. h., sie kommen nirgendwo sonst vor. Die überwiegend immergrüne Vegetation reicht von dichten Busch- und Eukalyptuswäldern an der Küste bis zu Strauchgesellschaften wie Mulga-Scrubs (aus immergrünen Akazien) und Mallee-Scrubs (Eukalyptus, Kasuarinen, Gräser, Salzpflanzen) sowie Halbwüsten (Salzbusch) in den Ebenen des Inlands. Die australische Pflanzenwelt wird in drei große Vegetationszonen eingeteilt. Die tropische Zone verläuft entlang der Nordküste bis etwa zur Mitte der Ostküste. Die gemäßigte Zone erstreckt sich über die südöstliche Küstenebene und Tasmanien und zieht sich an der Ostküste in nördlicher Richtung bis zur tropischen Zone, an die sie anschließt. Die Trockenzone bedeckt den gesamten mittleren, ariden Bereich und den Westen des Kontinents.

Die tropische Zone fällt in den Monsunklimabereich und ist stark bewaldet, vorwiegend mit Laubbäumen. An der nordöstlichen Küste von Queensland einschließlich der Kap-York-Halbinsel kommen Regenwälder vor. Palmen, Farn- und Kletterpflanzen gedeihen zwischen Eichen, Eschen, Zedern, Flaschenbäumen und Birken. Mangrovenwälder ziehen sich an stehenden Gewässern und Einbuchtungen der niedrigen nördlichen Küstenlinie entlang. Weiter landeinwärts dominiert Savannenlandschaft mit niedrigwüchsigen Bäumen, die meist zu den Hartlaubgewächsen gehören und für die einheimische Flora typisch sind. Zahlreiche Arten, die in der tropischen Zone gedeihen, sind auch im Malaiischen Archipel im Nordosten Australiens anzutreffen.

Die gemäßigte Zone ist von Busch- und Waldlandschaften aus Hartlaubgehölzen, Pflanzen des gemäßigten Klimas und Savannenwäldern geprägt. Sie weist außerdem Mallee-Scrubs und andere Strauchvegetationen, strauchförmige Sandheide und Regenwaldgebiete mit Pflanzenbewuchs auf, der für gemäßigtes Klima typisch ist. Alpine Vegetation kommt in den Australischen Alpen und den Berglandschaften von Tasmanien vor. Entlang der Ostküste bis einschließlich Tasmanien gibt es Bestände aus Kiefern und anderen Koniferen. Nach den Eukalyptusarten stehen Kiefern hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Bedeutung an zweiter Stelle. Mittlerweile gehören die Huonkiefern zu den selten gewordenen Arten und werden weiträumig von der Abholzung ausgeschlossen. In den Bewaldungsflächen der warmen und gut bewässerten südöstlichen und südwestlichen Bereiche überwiegen die Eukalyptusarten, von denen es über 500 gibt und die eine Höhe von über 90 Metern erreichen können. Die Südwestküste zeichnet sich durch ihren besonders großen Artenreichtum aus. Im Untergehölz der Bergeschen und der Eukalyptusbäume des Südostens gedeihen Akazien und Baumfarne. Tasmanien ist für seine Buchenwälder im Süden und die floristische Verwandtschaft zu Neuseeland bekannt.

In der Trockenzone herrschen semiaride Strauchsavannen, Buschsteppen, halbaride Grasflächen und Grasflächen mit Hartlaubgewächsen vor, weite Landstriche sind jedoch praktisch vegetationslos. Die Vegetation ist dem ariden Klima angepasst, wobei Akazien (insgesamt ebenfalls etwa 500 Arten) gegenüber den Eukalyptusbäumen überwiegen. Für den Pflanzenbewuchs in Western Australia sind zwei Eukalyptusarten typisch, der Jarra- und der Karri-Eukalyptus, die vor allem wegen ihres harten und beständigen Holzes geschätzt werden. Die für die Vegetation im Landesinneren charakteristischen Pflanzen sind Hartlaubbüsche und Büschelgräser (Spinifex), die Schafen als Weidepflanzen dienen, und Sträucher wie Mallee- und Mulga-Scrubs.

Neben der einheimischen Flora sind in Australien ungefähr 2 000 eingeführte Pflanzenarten anzutreffen, von denen die meisten mit der Entwicklung von Land-, Weide- und Forstwirtschaft ins Land kamen. Man nimmt an, dass zur Zeit der Besiedlung durch die ersten Europäer bis zu einem Viertel des Landes von Wäldern, Waldsavannen und Buschbeständen bedeckt war. In den darauf folgenden 200 Jahren wurde ein großer Teil der einheimischen Flora vernichtet, um Raum für Besiedlung und landwirtschaftliche Nutzung zu schaffen. Diese Entwicklung hatte nicht nur eine Verschärfung der Erosion zur Folge, sondern auch das unwiderrufliche Verschwinden von über 80 einheimischen Pflanzenarten. Weitere 840 Arten sind vom Aussterben bedroht.

Etwa 12 Prozent der Landesfläche Australiens sind zu Schutzgebieten erklärt worden. Australien verfügt über viele Nationalparks und Reservate, die von den einzelnen Bundesstaaten verwaltet werden. Auch wurden einige Meeres- und Ästuarschutzgebiete eingerichtet, z. B. der Great Barrier Reef Marine Park. Insgesamt wurden elf Gebiete zu Weltnaturerbestätten erklärt, zwölf Biosphärenreservate sind Teil des Biosphärenprogramms der UNESCO.

8. Fauna

Man nimmt an, dass in Australien bis zu 300 000 Tierarten existieren, von denen bislang nur etwa 100 000 wissenschaftlich erforscht und beschrieben wurden. Es gibt 260 Säugetierarten, 649 Vogelarten, 748 Reptilienarten, über 205 Amphibienarten und nahezu 200 Arten von Süßwasserfischen. Die meisten Parallelen sind zur Tierwelt von Neuguinea zu ziehen, das evolutionsbiologisch betrachtet der australischen Fauna zuzurechnen ist, und zur südafrikanischen Tierwelt, die ebenfalls Teil des Urkontinents Gondwana war. Zahlreiche Tierarten kommen ausschließlich in Australien vor und dokumentieren so die lange Isolierung des Kontinents von anderen Landmassen.

Die einzigen Eier legenden Säugetiere der Welt sind die primitiven Kloakentiere, zu denen Schnabeltiere und Ameisenigel gehören; das Schnabeltier lebt vorwiegend in den Süßgewässern Südostaustraliens. Die für Australien charakteristischsten einheimischen Säugetiere sind die Beuteltiere, die praktisch alle biologischen Nischen der Säugetiere erschlossen haben. Die bekanntesten australischen Beuteltiere sind Kängurus, die etwa 50 Arten umfassen und Lebensräume sowohl in der gemäßigten als auch in der tropischen Klimazone haben. Kängurus gehören zu den wenigen einheimischen Tierarten Australiens, die von der Zunahme der Weidelandflächen profitiert haben; die kleineren Arten der Familie heißen Wallabys. Koalas ernähren sich ausschließlich von Blättern einiger weniger Eukalyptusbaumarten und sind durch den Verlust ihres natürlichen Lebensraumes bedroht. Weitere bekannte Beuteltiere sind Wombats, Beutelteufel, Beutelmarder und der ausgestorbene Beutelwolf. Der Dingo ist kein Beuteltier, er stammt von asiatischen Haushunden ab.

Außergewöhnlich artenreich ist die australische Avifauna (Vogelwelt), die auch riesige, flugunfähige Arten wie Emu und Kasuar umfasst. Der prachtvoll balzende Leiervogel besitzt fächerartige Schwanzfedern. Männliche Laubenvögel errichten komplizierte Bauwerke, um Weibchen anzulocken. Der Kookaburra oder Lachende Hans ist für seinen durchdringenden Ruf bekannt, der menschlichem Lachen ähnelt. Die Vogelwelt beinhaltet zudem viele Arten von Papageien, zu denen Kakadus und Wellensittiche gehören. Schwarze Schwäne, Löffler, Reiher und Enten leben an Binnengewässern. Zur Seevogelfauna gehören Möwen, Seeschwalben, Tölpel, Sturmvögel, Albatrosse und Pinguine.

Seit der Besiedlung Australiens durch Europäer sind insgesamt 20 Säugetierarten und 16 Vogelarten ausgestorben. Weitere 15 Vogelarten und 38 Säugetierarten sind entweder gefährdet oder unmittelbar vom Aussterben bedroht. Der Grund für diese Entwicklung liegt in der zunehmenden Zerstörung natürlicher Lebensräume und auch der Einführung fremder Arten, die mit den einheimischen Arten um Nahrung konkurrieren, ihren Lebensraum zerstören oder einheimische Tiere jagen. Die Einführung vor allem von Kaninchen, Füchsen, Katzen, Schweinen, Schafen, Ziegen, Rindern, Pferden, Kamelen und afrikanischen Wasserbüffeln wirkte sich auf die natürliche Flora und Fauna überaus schädlich aus.

Die weiträumigsten Zerstörungen richtete wahrscheinlich das europäische Kaninchen an, das 1788 mit dem ersten Sträflingstransport nach Australien kam. Unter den idealen Voraussetzungen der australischen Wildnis, in der nur wenige Feinde des Kaninchens lebten, vermehrten sich die Tiere unglaublich schnell und wurden zur Landplage. Im frühen 20. Jahrhundert schätzte man die Gesamtzahl der Kaninchen auf etwa 500 Millionen. Zur Bekämpfung der Kaninchen führte man deshalb 1951 das Myxomatosevirus ein, das bei Kaninchen zum Tod führt. Etwa 20 Jahre lang blieb diese Art der Schädlingsbekämpfung wirksam, doch dann wurden die Tiere gegen das Virus immun und erholten sich zahlenmäßig, so dass man heute von 300 Millionen Kaninchen in Australien ausgeht. Abgesehen von der Zerstörung der Vegetation weiter Landstriche und damit auch des natürlichen Lebensraumes von einheimischen Tierarten verursachen die Kaninchen indirekt auch die Erosion des Bodens und richten auf Weideflächen und Anpflanzungen von Kulturpflanzen beträchtlichen Schaden an. Der fortschreitenden Verbreitung von Füchsen und verwilderten Katzen versucht man mit regionalen Bekämpfungsmaßnahmen entgegenzuwirken. In den Gegenden der Monsunzone im Norden Australiens ist die Zahl der Wasserbüffel ebenfalls stark angestiegen. Durch die übermäßige Beweidung der Flächen tragen sie in beträchtlichem Maß zur Bodenerosion bei und zerstören das biologische Gleichgewicht der empfindlichen Lebensräume in den Sumpfgebieten.

In Australien leben zwei Krokodilarten, von denen das bis drei Meter lange Australienkrokodil in den Süßgewässern des Binnenlandes vorkommt. Das bis sieben Meter lange Leistenkrokodil ist in den Sumpf- und Mündungsgebieten an der Nordküste heimisch. Zu den zahlreichen Echsenarten gehören Geckos, Skinke, Agamen und Warane. Ferner umfasst die australische Fauna 100 Arten von Giftschlangen, von denen die gefährlichsten der im Norden des Landes heimische Taipan und die Todesotter sind.

In den Gewässern um Australien leben Wale und Robben; an Teilen der Südküste, auf den Inseln der Bass-Straße und in Tasmanien gibt es Kolonien von Seebären und Seelöwen. In den nördlichen Gewässern leben Dugongs (Gabelschwanzseekühe); außerdem sind hier ungefähr 70 Haiarten heimisch. Der in Süßgewässern lebende Lungenfisch ist ein so genanntes lebendes Fossil.

Auch die Fauna der Wirbellosen ist artenreich. Die Riesentermiten im Norden von Australien bauen gewaltige Termitenhügel, die eine Höhe bis zu sechs Metern erreichen können. Auffällig sind auch die riesigen Regenwürmer in Victoria, die mit Längen von 0,9 bis 3,7 Metern die größten der Welt sind. Viele australische Spinnenarten sind giftig, so die Trichternetzspinnen und Rotrückenspinnen.

3. Bevölkerung

Die ursprünglichen Bewohner des australischen Kontinents, die dunkelhäutigen Aborigines, wurden durch die eingewanderten Europäer völlig verdrängt. Sie stellen heute nur noch einen Bevölkerungsanteil von etwa 2,5 Prozent. Nahezu 95 Prozent der australischen Bevölkerung sind europäischer Abstammung, wobei die überwiegende Mehrheit britische oder irische Vorfahren hat. Asiaten stellen einen Bevölkerungsanteil von etwa 1,5 Prozent. Nach dem 2. Weltkrieg kam es zu bedeutenden Umwälzungen in der Bevölkerungsstruktur. Vor dem 2. Weltkrieg waren über 95 Prozent der Bevölkerung britischer oder irischer Abstammung. Die Einwanderungswellen in der Nachkriegszeit zogen nicht nur große Mengen an Einwanderern von den Britischen Inseln nach Australien, sondern auch vom europäischen Festland. Seitdem sind allein mehr als zwei Millionen Festlandeuropäer nach Australien eingewandert.

Ab den sechziger Jahren entspannte sich die Handhabung der so genannten „White Australia Policy”, die der Einwanderungspolitik der Kolonie und des späteren Staates über 100 Jahre lang zugrunde lag, sie wurde schließlich 1973 offiziell abgeschafft. Anfänglich stammten die meisten nichteuropäischen Immigranten aus Lateinamerika und dem Nahen Osten, vor allem aus dem Libanon. Seit den späten siebziger Jahren sind die Einwanderungszahlen aus Asien, vor allem aus Südostasien und China, stark angestiegen. Bei den frühen Immigranten aus Südostasien handelte es sich häufig um Flüchtlinge. Die Auswertung der Volkszählung von 1991 unterstreicht diesen Wandel. Die Angaben für im Ausland geborene Australier zeigen, dass 22,5 Prozent in Großbritannien oder Irland, 30 Prozent in anderen europäischen Ländern und 21 Prozent in Asien und im Nahen Osten geboren wurden.

Australien hat etwa 20,6 Millionen Einwohner (2008). Die Bevölkerungsdichte liegt damit bei rund 2,7 Einwohnern pro Quadratkilometer. Allerdings wohnen circa 90 Prozent der Gesamtbevölkerung auf nur ungefähr 3 Prozent der Landesfläche.

Der Verstädterungsgrad beträgt 93 Prozent; ein Großteil der ländlichen Bevölkerung wohnt in einem schmalen, fruchtbaren Streifen, der sich ungefähr von Brisbane in Queensland bis nach Adelaide in South Australia erstreckt und im Landesinneren durch die Westausläufer der Great Dividing Range begrenzt wird. Die am schnellsten wachsende Region befindet sich an der Ostküste von Queensland und erlebt durch die Nähe zum stark expandierenden Wirtschaftsraum Südostasien einen rasanten Aufschwung. Die Küstengebiete in der Umgebung der Großstädte im Osten, Südosten und Südwesten des Festlandes sind ebenfalls in schnellem Wachstum begriffen.

Die übrigen 97 Prozent der Landesfläche von Australien sind entweder nahezu oder völlig unbewohnt. Hier beläuft sich die Bevölkerungsdichte auf weniger als 0,03 Menschen pro Quadratkilometer. Eine durchschnittliche Bevölkerungsdichte von 0,3 Menschen pro Quadratkilometer wird erst im Bereich der semiariden Weidelandflächen im Binnenland von Queensland, New South Wales und South Australia erreicht, wo sich riesige Vieh- und Schafzuchtbetriebe befinden, und in den Gegenden um die wenigen Siedlungen im Landesinneren und an der West- und Nordküste. Zu Letzteren gehören Alice Springs und Darwin im Northern Territory, Kalgoorlie und Boulder in Western Australia, die Region an der Westküste zwischen Dampier und Port Hedland und die Diamantfelder in der Kimberley-Region.

Anfang der neunziger Jahre belief sich das jährliche Bevölkerungswachstum auf 1,4 Prozent, 2008 lag es bei 0,80 Prozent. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt für Frauen bei 83,8 Jahren und für Männer bei 77,9 Jahren (2008). Die Lebenserwartung der Aborigines, die noch in den abgelegenen Regionen im australischen Inland leben und häufig mit Lebensbedingungen konfrontiert sind, die eher denen eines Entwicklungslandes gleichen, ist weitaus niedriger.

1. Die Aborigines

Die Aborigines kamen vermutlich vor etwa 60 000 bis 40 000 Jahren aus Asien nach Australien. Damals war der Meeresspiegel verhältnismäßig niedrig, so dass zwischen dem asiatischen und dem australischen Kontinent eine nahezu durchgehende Landbrücke bestand. Durch den Anstieg des Meeresspiegels wurde diese Verbindung später überflutet. Tasmanien wurde vor etwa 13 500 bis 8 000 Jahren ebenfalls durch den Anstieg des Meeresspiegels vom australischen Festland getrennt. Die hier beheimateten Aborigines erfuhren infolgedessen eine andere kulturelle Entwicklung als die Bewohner auf dem australischen Festland.

Bei diesen ersten Australiern handelte es sich um nomadisierende Sammler und Jäger, die dank ihrer genauen Kenntnisse der örtlichen Gegebenheiten, Vorkommen, Eigenschaften und Merkmale der australischen Pflanzen- und Tierwelt sowie der herrschenden Klimabedingungen überleben konnten. Die Aborigines setzten Feuer als Mittel ein, den Wuchs derjenigen Gräser zu fördern, die von Kängurus und anderen Jagdtieren bevorzugt werden. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass sie systematisch ernteten und Pflanzensamen säten, um die Entwicklung von Grasland zu beschleunigen, und dass sie außerdem Dämme errichteten und Flüsse, Sümpfe und Seebuchten veränderten, um durch Wasserumleitungen Fischgründe leichter zugänglich zu machen.

In technischer Hinsicht war ihr Leben einfach. Die wichtigsten Gebrauchswerkzeuge waren Speere und Blasrohre, Bumerangs, Nadeln, Spulen, Holzschüsseln, Wasserblasen aus Tierhäuten, geflochtene Matten und Taschen aus Gräsern. Es wurden außerdem Kanus und Flöße aus Rinde und so genannte Einbäume verwendet, die aus einzelnen ausgehöhlten Holzstämmen angefertigt und gelegentlich mit Segeln aus geflochtenen Gräsern versehen wurden. Die Arbeitsteilung erfolgte nach Geschlecht: Männer und ältere männliche Jugendliche jagten große Tiere, Frauen sammelten essbare Früchte und Pflanzenteile und gingen auch auf die Jagd nach Kleintieren. Trotz dieser Aufteilung machten es die Lebensbedingungen erforderlich, dass alle Erwachsenen alle Fähigkeiten besaßen, um ihr Überleben zu sichern.

Im Kontrast zu der relativ unkomplizierten Struktur des wirtschaftlichen Lebens und der Technik entwickelten die australischen Aborigines eine komplexe Sozialstruktur und eines der umfangreichsten Glaubensgefüge, das sämtliche Lebensbereiche mit einbezog. Ihre Weltauffassung drehte sich um die Traumzeit, ein kompliziertes und allumfassendes Konzept, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichermaßen einbezieht und ebenfalls die Zeit der Erschaffung zum Anbeginn der Zeit umfasst, während der mythische Wesen das Land formten, es mit Tieren, Menschen und Pflanzen besiedelten und dem sozialen Zusammenleben eine erste Form verliehen.

Zu den Grundwerten der Aborigines gehörten Selbstlosigkeit und die sorgfältige Erfüllung sozialer und religiöser Verpflichtungen. Der Status war nicht vom Besitz abhängig, der nur aus religiösen Gründen oder aufgrund seines praktischen Nutzens von Bedeutung war. Der Handel spielte eine wichtige Rolle, der ganze Kontinent war von einem Netzwerk von Handelsrouten überzogen. Die Handelsgüter waren häufig sehr seltene Objekte oder besaßen eine überragende soziale oder religiöse Bedeutung, und ihr Zweck war die Aufrechterhaltung und Förderung der Bindungen und Freundschaft zu anderen Gruppen.

Die Aborigines bevölkerten und nutzten den gesamten Kontinent, indem sie sich an die unterschiedlichen geographischen und klimatischen Gegebenheiten von tropischen Regenwäldern über niederschlagsreiche gemäßigte Landstriche bis zu den trockenen Wüsten angepasst hatten. Als 1788 die erste europäische Siedlung entstand, gab es vermutlich zwischen 300 000 und einer Million Aborigines und mehr als 250 verschiedene australische Sprachen; die Zahl der großen, gegenüber anderen kulturell und räumlich abgrenzbaren Bevölkerungsgruppen belief sich auf ungefähr 50; sie wurden nach der von ihnen gesprochenen Sprache benannt. Die Europäer bezeichneten sie häufig als „Stämme”, aber obwohl sie gemeinsame kulturelle Merkmale aufwiesen, waren sie keine wirtschaftlichen oder politischen Einheiten, und sie verstanden sich auch nicht als durch gemeinsame kulturelle und ethnische Charakteristika definierte Völker oder Nationen. Ihr Identitätsbewusstsein schöpften sie vielmehr aus familiären und lokalen Beziehungen und Gruppierungen.

Die Ankunft der Europäer entwickelte sich für die Aborigines zu einer Katastrophe. Die Kommunikation zwischen den beiden Gruppen war minimal, und die Kluft zwischen den unterschiedlichen Kulturen hätte kaum größer sein können. Die Aborigines wurden schon bald von den fruchtbareren Küstenstrichen vertrieben und ins Landesinnere abgedrängt. Widerstand wurde mit „Befriedung durch Gewalt” begegnet. Solchen Maßnahmen fielen unzählige Aborigines zum Opfer; noch mehr starben jedoch infolge von Krankheiten, die die Siedler ins Land eingeschleppt hatten. In Tasmanien und im Südosten Australiens verschwand die Urbevölkerung nahezu vollständig, in den anderen Teilen des Kontinents ging im ersten Jahrhundert nach der Besiedlung durch Weiße die Bevölkerungszahl dramatisch zurück. Diejenigen, die überlebten, wurden häufig brutalen, so genannten Zivilisierungsversuchen durch Missionare und andere Weiße unterworfen. Die Aborigines gingen ohne Gegenwehr physisch und kulturell zugrunde, so dass man Mitte des 19. Jahrhunderts annehmen konnte, dass die Aborigines einschließlich ihrer Kultur rasch verschwinden würden. 1920 belief sich die Zahl der Aborigines auf nur noch rund 60 000 Menschen.

Bis zu den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts lebte die verbliebene Urbevölkerung vorwiegend in ländlichen Gegenden. Dann übersiedelten jedoch immer mehr Aborigines in Städte, wobei die Hauptstädte der Bundesstaaten und die größeren Provinzstädte besonders starken Zustrom erhielten. Die Zugezogenen stießen bei der weißen Mehrheit meist auf Misstrauen und schlossen sich oft zu kleinen, ghettoartigen Gemeinschaften zusammen, die dem zunehmenden politischen Bewusstsein als Nährboden dienten, das in den sechziger Jahren bei den Aborigines entstanden war. Zu dieser Zeit waren der soziale Status und die politische Bedeutung der Aborigines so gering, dass man sie bis 1971 noch nicht einmal in die Volkszählung einschloss, und erst ab 1967 erfasste die Gesetzgebung auch die Aborigines. Die Bedenken der Weißen wegen der Gleichstellung der Aborigines in Bereichen wie Arbeitslohn und Bürgerrechte wichen schon bald der Furcht vor dem Anspruch der Aborignies auf Land mit besonderer kultureller und religiöser Bedeutung.

Bei der Volkszählung von 1991 wurden 265 500 Aborigines gezählt, einschließlich knapp 27 000 Torresstraße-Insulaner, die häufig in die ethnische Gruppe der Aborigines eingeordnet und nicht als eigenständige Gruppe betrachtet werden; 2001 war die Zahl der Aborigines auf 410 000 gestiegen. Dieser beeindruckende Anstieg im Vergleich zu den Zahlen aus den zwanziger Jahren ist nur teilweise das Ergebnis von höheren Geburtenraten; er ist auch auf die Wiederentdeckung der eigenen Identität zurückzuführen.

Die meisten Aborigines leben heute in New South Wales und Queensland (jeweils etwa 26 Prozent der Aborigines), in Western Australia (15,7 Prozent) und im Northern Territory (15 Prozent). Mehr als 70 Prozent wohnen in Städten. Die traditionelle Lebensweise der australischen Ureinwohner ist ungeachtet der Tatsache, dass das Interesse an dem komplexen Lebenskonzept der Aborigines stetig zunimmt und mittlerweile auch in Schulen die Kultur der Aborigines Unterrichtsstoff ist, stark bedroht. In den neunziger Jahren hatten schätzungsweise nur noch 10 000 Aborigines unmittelbare Erfahrungen mit der traditionellen Lebensweise ihrer Kultur, und zwar vor allem im ländlich geprägten Northern Territory.

Jede Region Australiens wird durch einen eigenen Landrat der Aborigines vertreten, und in den meisten Regionen gibt es Zentren und Festivals, die diese besondere Kultur würdigen. Die ethnische Identität der Aborigines drückt sich mittlerweile auf unterschiedliche Art und Weise in Kunst, Popmusik, Literatur, Politik und Sport aus. Die Aborigines konnten sich mehrmals in Fragen um Landrechte juristisch durchsetzen; sie konnten sich das Eigentumsrecht über ausgedehnte Landstriche im Norden und im zentralen Bereich Australiens sichern. Gleichzeitig sind sie jedoch immer noch mit beträchtlichen sozialen und wirtschaftlichen Nachteilen konfrontiert. Ihre durchschnittliche Lebenserwartung ist wesentlich geringer als die der restlichen Bevölkerung. Probleme wie Arbeitslosigkeit, niedrige Familieneinkommen, die Abhängigkeit von Sozialleistungen und die hohen Kindersterblichkeitsraten sind sehr viel ausgeprägter und akuter als in der Gesamtbevölkerung, obwohl u. a. Bildungseinrichtungen und die medizinische Versorgung gefördert und ausgebaut wurden.

2. Wichtige Städte

Hinsichtlich der städtischen Struktur kann Australien als Land der Vorstädte bezeichnet werden. Die Städte sind großräumig angelegt, und etwa 60 Prozent der australischen Gesamtbevölkerung leben in den Ballungsgebieten der sechs Staatshauptstädte und in Canberra. Sydney (4,12 Millionen Einwohner) ist die älteste und größte Stadt Australiens. Sie ist nicht nur das bedeutendste Finanz- und Handelszentrum des Kontinents, sondern besitzt auch einen der wichtigsten Häfen. Außerdem umfasst Sydney eines der größten Vorortgebiete der Welt und übertrifft Peking größenmäßig um das Doppelte, Rom sogar um das Sechsfache. Weitere bedeutende Städte sind: Melbourne (3,59 Millionen Einwohner), Brisbane (1,76 Millionen Einwohner), Perth (1,45 Millionen Einwohner) und Adelaide (1,11 Millionen Einwohner). Canberra, die Hauptstadt Australiens, hat etwa 373 000 Einwohner (2003).

3. Sprache

Die Amtssprache ist Englisch. Das australische Englisch ist sehr stark am so genannten Standard English angelehnt (siehe englische Sprache). Es hat aber einige Besonderheiten, die z. B. die Aussprache, den Wortschatz oder die Ausdrucksweise betreffen. So wird beispielsweise für das Englische to be angry (wütend sein) im australischen Englisch to be ropable synonym verwendet – in Anlehnung an wild gewordene Schafe, die sich nur mit einem Seil (englisch rope) bändigen lassen. Die Sprachen der Aborigines und andere Sprachen werden in ethnischen Gemeinden und Gruppierungen gesprochen (australische Sprachen). Zahlreiche Begriffe aus den Sprachen der Aborigines haben auch Eingang ins australische Englisch gefunden (z. B. boomerang, kangoroo, wallaby). Von den einst über 250 Sprachen der Aborigines sind in lehrbarer Form nur rund 50 Sprachen erhalten geblieben. In letzter Zeit bemüht man sich verstärkt darum, die verbliebenen Sprachen der Ureinwohner zu schützen.

4. Religion

Australien hat keine Landeskirche; die australische Verfassung garantiert Religionsfreiheit. Die Mehrheit der Bevölkerung bekennt sich zum Christentum, praktiziert den Glauben aber kaum. Größte christliche Glaubensgemeinschaften sind die römisch-katholische Kirche und die anglikanische Kirche, die jeweils etwa 26 Prozent der Gesamtbevölkerung auf sich vereinen. Fast 25 Prozent bekennen sich zu anderen christlichen Konfessionen, vor allem zum Protestantismus. Es gibt jedoch auch orthodoxe Gemeinden der östlichen Kirchen. Darüber hinaus bestehen in Australien jüdische, buddhistische und islamische Gemeinden. Seit den siebziger Jahren ist die Zahl der Buddhisten und Muslime stark angestiegen.

4.1. Feiertage

Zu den gesetzlichen Feiertagen in Australien gehören Neujahr (1. Januar), der Australien-Tag (26. Januar), Ostern (Karfreitag bis Ostermontag), der ANZAC Day (Veteranengedenktag, 25. April), der Geburtstag von Königin Elisabeth II. (zweiter Montag im Juni, obwohl sie im April geboren wurde), der 1.  (25. Dezember) und 2. Weihnachtsfeiertag (Boxing Day, 26. Dezember). Der Boxing Day trägt seinen Namen wegen der kleinen Behälter aus Ton, mit denen früher die Geschäftsleute und Bediensteten umhergingen, um Trinkgeld einzusammeln. Der Australien-Tag gedenkt der Ankunft der Briten im Jahr 1788. Für die Aborigines stellt dieser Tag keinen Feiertag dar. Am ANZAC-Gedenktag feiert Australien den Jahrestag der im 1. Weltkrieg in der Gallipoli-Kampagne gefallenen ANZAC-Soldaten. „ANZAC” ist die Abkürzung für Australian and New Zealand Army Corps (australische und neuseeländische Truppen).

5. Soziales

Sozialleistungen können von Kranken, älteren Bürgern, Verwitweten, Behinderten und Arbeitslosen in Anspruch genommen werden. Alle Mütter haben ungeachtet ihres Einkommens ein Recht auf Mutterschaftsgeld in einer bestimmten Höhe. Für Kinder im Alter von unter 16 Jahren erhalten die Eltern oder anderweitige Erziehungsberechtigte ein einkommens- bzw. vermögensabhängiges Kindergeld. 1984 führte die australische Bundesregierung Medicare ein, ein nationales medizinisches Versorgungssystem, das teilweise über Abgaben in Höhe von 1,25 Prozent des zu versteuernden Einkommens oberhalb eines Mindesteinkommens finanziert wird. Damit gewährt Medicare automatisch den Anspruch auf subventionierte medizinische Versorgung und kostenfreie ambulante und stationäre Behandlung in Krankenhäusern. 1985 wurde ein Heim- und Gemeindeprogramm ins Leben gerufen, das älteren und behinderten Mitmenschen über unterstützende Hilfs- und Dienstleistungen ermöglicht, zu Hause versorgt zu werden.

Ein wichtiger Teil des australischen Gesundheits- und Versorgungswesens ist der Royal Flying Doctor Service, der mit Ambulanzflugzeugen und Notärzten die medizinische Versorgung in abgelegenen Gegenden Australiens gewährleistet. Der fliegende Ambulanzdienst versorgt ungefähr zwei Drittel der Gesamtfläche Australiens und verfügt nicht nur über Ärzte, die von Basisstationen mit Funkanlagen in Verbindung zu entfernten Stationen und Siedlungen stehen, sondern auch über ein eigenes Krankenhaus und zusätzliche Flugrettungsdienste.

4. Bildung und Kultur
1. Bildung und Schulwesen

Die Bildung liegt in der Verantwortlichkeit der sechs Gliedstaaten und des Northern Territory. In jedem dieser Gebiete ist die berufliche Ausbildung und Anstellung von Lehrern Sache eines zentralisierten Bildungsministeriums. Die Bundesregierung ist für das Erziehungswesen in den Außenbesitzungen und für die Finanzierung von Universitäten und Colleges mit Hochschulrang zuständig. Außerdem hat sie die besondere Verantwortung für die Schülerhilfsprogramme und Bildungsprogramme für die uraustralische Bevölkerung sowie für Kinder mit anderssprachigem Hintergrund. Es besteht eine Schulpflicht von 11 Jahren (2002–2003). Der Unterricht an den staatlichen Schulen, die konfessionslos sind, ist unentgeltlich. Die Schüler können freiwillig einen Religionsunterricht besuchen, den offizielle Vertreter unterschiedlicher Glaubensrichtungen halten. Ungefähr 72 Prozent der Kinder im schulpflichtigen Alter besuchen staatliche Schulen, die in der Regel als koedukative Gesamtschulen strukturiert sind. Neben staatlichen gibt es auch private Schulen, die im Allgemeinen konfessionell orientiert und häufig nach Geschlechtern getrennt sind und Schulgeld fordern. Eine Reihe von Privatschulen nehmen sowohl Tagesschüler als auch Internatsschüler auf. Für Kinder im schulpflichtigen Alter, die im abgelegenen Inland (Outback) leben oder ansonsten keinen Zugang zum Schulsystem haben, wurden besondere Bildungsprogramme entwickelt, die als Fern- und Sprechfunkunterricht von den Schools of the Air übertragen werden. Unterricht wird bereits in Kindergärten und Betreuungszentren für Kinder im Vorschulalter von zwei bis sechs Jahren durchgeführt. Die Australian Broadcasting Corporation überträgt Programme für Kinder im Kindergartenalter, die diese Zentren nicht besuchen können. Die meisten Schüler wechseln im Alter von zwölf Jahren von der Primar- zur Sekundarschule. Sekundarschulen, die in Australien als High Schools und Secondary Colleges bezeichnet werden, ermöglichen eine vier bis sechs Jahre dauernde schulische Ausbildung, die mit einer Abschlussprüfung beendet wird. Schüler im Abschlussjahr können hier staatliche Aufnahmeprüfungen für den Universitätsbesuch ablegen.

Zu den führenden Universitäten gehören die Australian National University (Gründungsjahr 1946) im Australian Capital Territory, die Universität Macquarie (1964), die University of New South Wales (1949) und die University of Sydney (1850) in New South Wales, ferner die University of Queensland (1910), die University of Adelaide (1874) in South Australia, die University of Tasmania (1890), die La Trobe University (1964), die University of Melbourne (1855) und die Monash University (1958) in Victoria sowie die University of Western Australia (1911).

2. Kultur

Anfänglich spiegelte die vorherrschende Lebensweise in Australien im Großen und Ganzen das Kulturerbe der britischen Siedler wider. Mit der Anpassung an die neue Heimat entstand mit der Zeit eine in ihrer Art eigenständige und für Australien typische Kultur, die aber nach wie vor in britischen Traditionen verwurzelt ist. Seit den sechziger Jahren hat die Ankunft von großen Einwanderermassen vom europäischen Festland und aus Asien die Entwicklung einer zunehmend multikulturellen Gesellschaft nach sich gezogen, in der die Aborigines, die seit der Ankunft der europäischen Siedler immer wieder in die Randposition der Bedeutungslosigkeit abgedrängt worden waren, eine wichtigere Rolle zu spielen begonnen haben.

Australien hat einige international anerkannte Schriftsteller und Maler hervorgebracht, darunter auch Nobelpreisträger wie den Schriftsteller Patrick White. Sowohl die Hauptstädte der Bundesstaaten als auch Provinzstädte haben Kunstgalerien und Zentren für darstellende Künste errichtet. Das architektonische Meisterwerk, das mit dem Opernhaus von Sydney geschaffen wurde, ist der bekannteste moderne Treffpunkt für Kulturveranstaltungen. Das alle zwei Jahre stattfindende Adelaide-Festival stellt einen kulturellen Höhepunkt dar. Oper, Ballett- und Tanztruppen, Orchester, Künstler, Drehbuchautoren und Schriftsteller werden durch den Australia Council gefördert. Die staatlich unterstützte Rundfunkgesellschaft Australian Broadcasting Corporation (ABC) ist ebenfalls ein bekannter Förderer der Künste. Australien besitzt außerdem eine florierende Filmindustrie und zahlreiche weitere Medienunternehmen sowie eine große Anzahl an Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen, darunter auch einige ausländische, die ihren Beitrag zum kulturellen Leben leisten.

3. Bibliotheken und Museen

Die Einrichtung von Bibliotheken nach dem 2. Weltkrieg wurde durch staatliche Subventionszahlungen an örtliche Behörden erleichtert und unterstützt.

Die National Library of Australia in Canberra dient als Staatsbibliothek, Bibliothek des Bundesparlaments und als Nationalbibliothek und Magazin für urheberrechtliche Werke. In den frühen neunziger Jahren überstieg das Bestandsvolumen bereits 4,5 Millionen Bände. Die Bibliothek besitzt umfangreiche Sammlungen von allgemeinen und speziell auf Australien bezogenen Forschungsunterlagen und vermittelt den Abteilungen der Staatsregierung auch bibliographische Angaben und Referenzen. Die State Library of New South Wales (Gründungsjahr 1826) ist die älteste und größte der öffentlichen, staatlich geführten Bibliotheken. Die State Library of Victoria (1854) enthält Sammlungen mit Werken über Malerei, Musik und die darstellenden Künste. Alle Staaten verfügen über öffentliche Bibliotheken, die im Endeffekt als staatliche Referenzbibliotheken dienen. Am internationalen Standard gemessen, werden die ländlichen Gegenden ebenfalls relativ gut versorgt, was auf die völlig abgelegenen Bereiche jedoch nicht zutrifft. Infolge einer Wirtschaftsrezession, die in den späten achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts einsetzte, kam es jedoch zu Kürzungen der staatlichen Ausgaben, die die Einschränkung der Versorgung von vielen ländlichen Gegenden nach sich zogen. Jeder Bundesstaat wird durch eine Bibliothek versorgt, und in den verschiedenen Universitätsbibliotheken werden bedeutende Forschungssammlungen aufbewahrt. Die wichtigsten wissenschaftlichen Bibliotheken unterstehen der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organization (CSIRO). Industriekonzerne und die nationalen und bundesstaatlichen Regierungsabteilungen besitzen wichtige Fachbibliotheken.

Australien besitzt eine Vielzahl von Museen. Das Australische Museum (Gründungsjahr 1827) in Sydney beherbergt bekannte naturhistorische und anthropologische Sammlungen. Das nationale Marinemuseum (1991) befindet sich ebenfalls in Sydney. Die Kunstsammlung der National Gallery of Victoria (1859) in Melbourne zeigt hervorragende Werke der europäischen und australischen Malerei, ebenso wie die Art Gallery of New South Wales (1874) in Sydney, die Art Gallery of Queensland (1895) in Brisbane, die Art Gallery of South Australia (1881) in Adelaide und die Art Gallery of Western Australia (1895) in Perth. Ebenfalls erwähnenswert sind das Museum of Applied Arts and Sciences (1880), das sich auf Wissenschaft und angewandte Kunst spezialisiert hat, und das Nicholson Museum of Antiquities (1860), ein Antiquitätenmuseum. Beide befinden sich in Sydney. Bedeutende Museen sind außerdem das Herbarium von Queensland (1874), das Tasmanien Museum und die ihm angeschlossene Kunstgalerie (1852) in Hobart, das Museum of Victoria in Melbourne, dem das ehemalige National Museum of Victoria (1854) angegliedert wurde, und das wissenschaftlich orientierte Science Museum of Victoria (1870). Die bekannten Botanischen Gärten von Melbourne beherbergen das Nationalherbarium, ein Forschungszentrum mit Exemplaren und Dokumenten, die teilweise aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammen. Die Australian National Gallery wurde 1982 in Canberra eröffnet, und die australische Hauptstadt wird außerdem in Zukunft ein neues Nationalmuseum besitzen, das voraussichtlich 2001 fertig gestellt wird.

4. Kunst

Die Aborigines besitzen eine reiche literarische Tradition, die auf mündlich überlieferten Texten beruht. Diese umfasst nicht nur mythologische und kultgebundene, sondern auch weltliche Erzählungen sowie einige vermutlich geschichtlich fundierte Überlieferungen. Sie kursierten in unterschiedlichen Versionen, die in der Regel vom Erzähler und der jeweiligen Erzählsituation abhängig waren (siehe australische Literatur).

Die Kunst der Aborigines hatte vor allem kultische und rituelle Bedeutung. Sand-, Gesteins- und Höhlenmalereien sowie Schnitzarbeiten und Gravuren in Holz oder andere Werkstoffe waren weit verbreitet. Ockerfarbene Rindenmalereien wurden vorwiegend im Norden in Arnhemland angefertigt. Der Kunststil des westlichen Landesteiles von Arnhemland war besonders naturgetreu, wobei die figürlichen Darstellungen häufig vor einem leeren Hintergrund abgebildet wurden. Darüber hinaus wurden weitere Formen des künstlerischen Ausdrucks, wie die Körpermalerei und andere Körperverzierungen, gepflegt, wobei die rituellen Körpermalereien in Zentralaustralien als besonders kunstvoll gelten.

Erst in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts gelang es der ersten Generation der weißen australischen Künstler, sich von der europäischen Malerei zu lösen. Zu den bedeutenden Vertretern dieser Zeit gehören Tom Roberts, Frederick McCubbin und Sir Arthur Streeton, der einer nationalen Spielart des Impressionismus verpflichtet war. Ab den frühen vierziger Jahren dann war eine Hinwendung zur Moderne spürbar. Unter den führenden Malern des 20. Jahrhunderts ist besonders Sir William Dobell erwähnenswert, der für seine Porträts bekannt ist, ferner Sir George Russell Drysdale, der sich durch Darstellungen der Bewohner Inneraustraliens einen Namen machte, und Frederick Ronald Williams, dessen Landschaftsgemälde und Seedarstellungen vor allem wegen des einzigartigen Lichtspieles berühmt wurden. Sir Sidney Nolan, der sich von der australischen Geschichte und Folklore beeinflusst zeigt, erlangte ebenso wie Arthur Boyd Weltruhm. Siehe auch australische Kunst und Architektur

5. Musik

Bei gesellschaftlichen Zusammenkünften der australischen Ureinwohner, die als Korroboris bezeichnet werden, stellen Tanz und Gesang die wichtigsten Elemente dar. Bei heiligen Zeremonien dienen Gesänge als Verbindungsglied zum Reich der Traumzeitgeister. Diese Gesänge, die die rituellen Handlungen begleiten, sollen das Überleben und die Fortpflanzung allen pflanzlichen und tierischen Lebens sichern. Im Norden Australiens werden die Kultgesänge von Didjeridus und Gegenschlagstäben begleitet. In den zentralen und südlichen Gebieten werden Bumerangs oder Keulen für die Erzeugung rhythmischer Intervalle verwendet, während Frauen im Südosten Australiens lederne Schlagstöcke benutzen.

Die Geschichte der auf europäischen Grundlagen beruhenden Musik in Australien beginnt mit der Besiedlung des Landes durch britische Einwanderer, die als einflussreiche Persönlichkeiten öffentliche Konzerte veranstalten ließen. Heute verfügt jede größere Stadt über ein eigenes Sinfonieorchester, das mit der Rundfunkanstalt ABC assoziiert ist. Namhafte Künstler und Dirigenten aus vielen Ländern kommen regelmäßig auf Tourneen nach Australien. Australien selbst hat einen beträchtlichen Beitrag zur musikalischen Welt geleistet, u. a. durch die Sopransängerinnen Dame Nellie Melba und Dame Joan Sutherland, den Komponisten und Pianisten Percy Grainger und die Komponisten Arthur Benjamin, John Antill, Peggy Glanville-Hicks und Peter Joshua Sculthorpe. Die Kunstform des klassischen Balletts wurde durch den berühmten, in Australien geborenen Tänzer und Choreographen Sir Robert Helpmann eingeführt, der sich an der Gründung der Australian Ballet Company maßgeblich beteiligte.

6. Medien

1975 wurde die später in Telecom Australia umbenannte Australian Telecommunications Commission für das Nachrichtenwesen in Australien zuständig. 1992 fusionierte Telecom Australia mit der Overseas Telecommunications Commission Australia (OTC), die seit 1946 für Telekommunikationsdienstleistungen zwischen Australien und dem Ausland verantwortlich war. Aus dieser Verschmelzung ging die AOTC hervor, wodurch das Monopol in diesem Bereich abgeschafft war. Optus Communications, ein gemeinsames australisch-amerikanisch-britisches Konsortium, wurde zum neuen nationalen Träger des Telekommunikationswesens. Der Markt wurde 1997 vollständig dem Wettbewerb der freien Wirtschaft übergeben. Post-Dienstleistungen werden von der Australia Post geregelt. Es werden zugleich staatliche und kommerzielle Radio- und Fernsehsender betrieben. Die Australian Broadcasting Corporation (ABC) ist eine gesetzliche Institution, die über 400 Radiosender auf unterschiedlichen Frequenzen betreibt. Daneben gibt es etwa 200 kommerzielle Sender, die im Gegensatz zu staatlichen Stationen auch Werbung ausstrahlen. Die Fernsehprogramme werden von den staatlichen Sendern der ABC und etwa 43 privaten Sendern ausgestrahlt. 2000 wurden schätzungsweise 37 Millionen Rundfunkempfänger und über neun Millionen Fernsehgeräte genutzt. In Australien gibt es ungefähr 500 Zeitungen, von denen allein circa 49 täglich in einer Gesamtauflage von etwa 5 Millionen Exemplaren erscheinen, darunter die staatliche, landesweit verbreitete Tageszeitung The Australian. Zu den Zeitungen mit den größten Auflagen gehören Sydney Morning Herald, Age und Herald-Sun News Pictorial, die beide in Melbourne erscheinen, ferner Courier-Mail (Brisbane), Advertiser (Adelaide) und West Australian (Perth).

5. Verwaltung und Politik

Australien, als parlamentarisch-demokratischer Bundesstaat konstituiert, ist ein selbständig regierter Staat und Mitglied des Commonwealth of Nations. Die Verfassung Australiens, die 1901 rechtskräftig wurde, basiert auf der parlamentarischen Tradition des britischen Mutterlandes, enthält aber auch Elemente der US-amerikanischen Konstitution. Staatsoberhaupt ist die britische Königin Elisabeth II., die von einem von ihr ernannten Generalgouverneur vertreten wird.

Regierungschef ist der australische Premierminister, der sich gegenüber dem australischen Parlament zu verantworten hat. Die Legislativ- und Exekutivkompetenzen der bundesstaatlichen Regierungen umfassen die dem Bund nicht zustehenden Bereiche. Australien ist eines der Gründungsmitglieder der Vereinten Nationen (United Nations, UN).

Die Bundesstaaten verfügen verfassungsrechtlich mit Ausnahme von Queensland, das nur ein Einkammerparlament besitzt, über ein Zweikammerparlament. Das Oberhaupt der britischen Krone wird in jedem Staat durch einen Gouverneur vertreten. Regierungsangelegenheiten fallen in den Kompetenzbereich eines Kabinetts, dessen Vorsitz jeweils von einem so genannten Premier geführt wird. In jedem australischen Staat gibt es mehrere Regierungsbehörden, die u. a. für das Verkehrs- und Bauwesen, die Instandsetzung von Straßen, Brücken, Regionalstraßen, für die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sowie für die Pflege und gegebenenfalls auch Reparatur von Parkanlagen, Bibliotheken, Krankenhäusern und ähnlichen Einrichtungen zuständig sind. Zu diesen Behörden gehören die Räte der Grafschaften, Bezirksgemeinden und Städte, denen in jedem Staat im Rahmen der Gesetzgebung zum Teil beträchtliche Autonomie zugestanden wird.

1. Exekutive

Die Exekutive liegt formell in der Hand des Generalgouverneurs, der nach vorheriger Absprache mit dem australischen Premierminister vom Oberhaupt der britischen Monarchie ernannt wird. Die britische Monarchie besitzt keine Regierungsgewalt und dient somit nur symbolisch als Staatsoberhaupt. Der Generalgouverneur handelt nur nach vorhergehender Beratung mit dem Exekutivrat oder Kabinett, das sich aus allen Staatsministern als Mitgliedern zusammensetzt. Die praktische Politik des Bundes wird vom Kabinett bestimmt, das unter dem Vorsitz des Premierministers tagt. Der Premierminister ist außerdem Vorsitzender der parlamentarischen Mehrheitspartei. Die Minister sind für die einzelnen Ministerien der Bundesregierung zuständig, deren Verwaltung den fest angestellten Ministerialbeamten obliegt.

2. Legislative

Die Legislativgewalt des Bundes liegt bei einem Zweikammerparlament, das sich aus dem Senat und dem Repräsentantenhaus zusammensetzt. Der Senat umfasst 76 Mitglieder, wobei jeweils zwölf Senatoren von den sechs Bundesstaaten und seit 1974 auch je zwei Senatoren von den Bundesgebieten entsendet werden. Alle Senatoren werden vom Volk nach dem Verhältniswahlrecht mit einer einzigen übertragbaren Stimme für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählt. Gemäß der australischen Verfassung soll das Repräsentantenhaus die doppelte Zahl der Sitze des Senats aufweisen. Die Zahl der von den einzelnen Staaten entsendeten Abgeordneten ist zur Bevölkerungszahl des jeweiligen Staates proportional, wobei jedoch jedem Staat mindestens fünf Repräsentanten zustehen. Das Northern Territory ist durch einen Abgeordneten, das Australian Capital Territory durch zwei Abgeordnete im Repräsentantenhaus vertreten. Zu Beginn der neunziger Jahre zählte das Repräsentantenhaus 147 Abgeordnete. Sie werden vom Volk im Rotationsprinzip für eine Amtszeit von drei Jahren gewählt. Der Premierminister ist dazu befugt, den Generalgouverneur um die Auflösung des Repräsentantenhauses zu ersuchen und jederzeit Neuwahlen zu beantragen. Alle australischen Bürger erhalten mit Vollendung des 18. Lebensjahres das volle Wahlrecht.

3. Judikative

An der Spitze des Rechtssystems des Australischen Bundes steht der Oberste Gerichtshof (Supreme Court), der sich aus einem Oberrichter und sechs weiteren Richtern zusammensetzt, die vom amtierenden Generalgouverneur ernannt werden. Der Oberste Gerichtshof ist die oberste Berufungsinstanz und fungiert darüber hinaus auch als Verfassungsgerichtshof. Darüber hinaus gibt es zwei weitere Gerichtshöfe auf Bundesebene, den Bundesgerichtshof (Federal Court of Australia) und den Familiengerichtshof sowie Gerichte der Bundesstaaten und Territorien.

4. Kommunalverwaltung

Der Australische Bund umfasst sechs Bundesstaaten und zwei Bundesgebiete (Territorien). Die Staaten und ihre jeweiligen Hauptstädte sind New South Wales (Sydney), Victoria (Melbourne), Queensland (Brisbane), South Australia (Adelaide), Western Australia (Perth) und Tasmanien (Hobart), die Territorien und ihre Hauptstädte sind das Australian Capital Territory (Canberra) und das Northern Territory (Darwin). 1998 lehnten die Stimmberechtigten des australischen Northern Territory (NT) den Vorschlag der Regierung, dem Territorium den Status eines eigenständigen Gliedstaates zu geben, überraschend ab.

5. Politische Parteien

Zu den wichtigsten Parteien gehören die Australian Labor Party, die National Party of Australia, die Liberal Party of Australia und die Australian Democratic Party. Die Stärke der Labor Party begründet sich vor allem in ihrer Unterstützung der Gewerkschaftsbewegung. Die politischen Zielsetzungen der Liberal Party und der National Party stimmen in weiten Teilen überein, so dass diese beiden Parteien traditionsgemäß eine Koalition bilden.

6. Landrechte der Aborigines

Eine der wichtigsten rechtlichen Fragen der letzten Jahre hat sich um die Problematik der Ansprüche der Aborigines auf Grund und Boden gedreht. Die Thematik erlangte erstmals in den sechziger Jahren mit der Zunahme des Aktivismus seitens der australischen Urbevölkerung Bedeutung. Gleichzeitig verlagerten sich die rechtlichen Ansprüche dieser Bevölkerungsgruppe von der zunächst geforderten Lohngleichheit mit Europäern hin zu Forderungen nach Landrechten über Gebiete mit besonderer religiöser, kultureller, geschichtlicher oder anderweitiger Bedeutung. Die Regierung von South Australia unternahm ab Mitte der sechziger Jahre Schritte in diese Richtung, während die Bundesregierung 1976 den so genannten Aboriginal Land Rights Act erließ, der das Northern Territory betraf. Hierbei handelte es sich jedoch nur um kleine Zugeständnisse. In den achtziger Jahren nahm der Widerstand gegenüber den Forderungen der Aborigines innerhalb der bundesstaatlichen Regierungen und insbesondere bei den Bergbaugesellschaften zu.

Die Interessenverbände der Aborigines blieben jedoch weiterhin aktiv. Im August 1985 legte die Bundesregierung Gesetzentwürfe vor, die der australischen Urbevölkerung das unveräußerliche Besitzrecht auf Nationalparks, unbebautes Land und frühere Reservate der Aborigines übertrugen. Im Oktober desselben Jahres wurde der Fels Uluru, eher unter der europäischen Bezeichnung Ayers Rock bekannt, offiziell der Gemeinde Mutijulu unter der Bedingung übergeben, dass auch weiterhin der Zugang zu diesem riesigen Monolith gewährleistet sei.

Infolge starker Einwände seitens der Bergbaugesellschaften und der Staaten, die traditionsgemäß schon immer ihre Landpolitik individuell gestalten konnten, verwarf der Bund die geplante Gesetzgebung, was zu Protesten der Führungspersönlichkeiten der Aborigines führte. Dieser Rückschlag für die Aborigines traf in den späten achtziger Jahren zeitgleich mit Skandalen hinsichtlich der unverhältnismäßig hohen Sterberaten von inhaftierten Aborigines und dem Vorwurf der Korruption zusammen, der der Behörde für Angelegenheiten der Aborigines galt. 1988 veröffentlichten die Vereinten Nationen einen Bericht, der Australien beschuldigte, durch die Art und Weise der Behandlung der australischen Urbevölkerung gegen die internationalen Menschenrechte zu verstoßen. Ein Bericht einer königlichen Kommission, der im Mai 1991 mit der Zielsetzung angefertigt wurde, die Todesfälle von Aborigines in polizeilichem Gewahrsam genauer zu untersuchen und zu hinterfragen, enthielt Beweise für rassistisches Verhalten der Polizeikräfte und beinhaltete über 300 Empfehlungen zur Verbesserung des interethnischen Verständnisses und des Selbstbestimmungsrechtes der Aborigines. Im Juni untersagte die Regierung dauerhaft sämtliche Bergbauaktivitäten an einer historischen Stätte der Aborigines im Northern Territory.

Im Juni 1992 erkannte der Oberste Gerichtshof in einem Präzedenzfall das Bestehen von Ansprüchen auf Land vor der ersten Besiedlung durch die Europäer im Jahr 1788 an. Das so genannte „Mabo-Urteil” besagte, dass es Aborigines und Bewohnern der Inseln in der Torresstraße möglich sein sollte, ihren Rechtsanspruch auf Grund und Boden als Urbewohner geltend zu machen, sofern sie in der Lage seien, eine „enge und dauerhafte” Beziehung mit dem zur Diskussion stehenden Gebiet nachzuweisen. Dieser Beschluss entkräftete das Konzept der terra nullius, also des besitzerlosen Landes, das zur Abweisung von vielen, zu einem früheren Zeitpunkt von Aborigines eingebrachten Ansprüchen auf Land geführt hatte. Gleichzeitig bedeutete dies auch, dass fortan das Anspruchsrecht auf Land nicht nur auf dem australischen Gesetzesrecht fußte, sondern dass sowohl die Aborigines als auch die Bewohner der Inseln in der Torresstraße als eigentliche und ursprüngliche Eigentümer des Kontinents anerkannt wurden. Allerdings sollte das Mabo-Urteil nicht mit den rechtmäßigen Rechtstiteln auf Land seitens der europäischen und anderen Siedler und deren Nachkommen kollidieren. 1993 ratifizierte die Bundesregierung den so genannten Native Title Act, der durch die Errichtung eines Bundesgerichts zur Gültigkeitserklärung bereits bestehender Rechtstitel auf Land die beiden unterschiedlichen Rechtsprechungsaspekte in Einklang bringen und Entschädigungszahlungen leisten sollte, sofern die Ansprüche der Aborigines für bereits erloschen erklärt wurden. Es wurden vorläufig eine Million US-Dollar für Entschädigungszahlungen aufgewendet.

Die meisten Staaten übernahmen eine mit dieser Regelung zu vereinbarende Gesetzgebung, mit Ausnahme von Western Australia, wo die Interessen der Bergbaugesellschaften besonders stark vertreten sind. Man schätzt, dass bis zu 40 Prozent des gesamten Staatsgebiets letztendlich infolge der Ansprüche im Rahmen des Native Title Act an Aborigines zurückgegeben werden müssten. Die Regierung von Western Australia hat dagegen sämtliche Regelungen hinsichtlich der Rechtsansprüche von Ureinwohnern abgewiesen und sieht jetzt nur noch „Rechte auf traditionelle Nutzung” des Landes vor. Western Australia prozessierte vor dem Obersten Gerichtshof gegen die Regierung des Bundes und stellte die Rechtskraft des aus dem Jahr 1993 stammenden Beschlusses in Frage. Am 16. März 1995 beschloss das Gericht, dass der Native Title Act volle Rechtsgültigkeit besitze und erklärte die gegensätzliche Gesetzgebung von Western Australia für verfassungswidrig.

7. Verteidigung

Das australische Verteidigungswesen stammt in seinem Aufbau aus dem Jahr 1911, als die Regierung des Commonwealth die allgemeine Wehrpflicht einführte. Die australische Marine (Royal Australian Navy) wurde 1913 gegründet. Die Beteiligung australischer Soldaten am 1. Weltkrieg erfolgte über die britische Luftwaffeneinheit des Royal Flying Corps. Die eigene australische Luftwaffe entstand erst 1921. Der erste feindselige Akt der Aggression auf australischem Gebiet erfolgte während der Anfangsphase des 2. Weltkrieges in Form der Bombenangriffe japanischer Kampfflugzeuge auf Darwin. Australische Truppen waren im 19. Jahrhundert an mehreren militärischen Feldzügen der Briten beteiligt, u. a. dem Krimkrieg, dem Sudanfeldzug (1897-1899) und dem Burenkrieg. Einsätze australischer Truppen erfolgten außerdem in beiden Weltkriegen, dem Koreakrieg, dem Vietnamkrieg und dem Golfkrieg.

Der Wehrdienst in den bewaffneten Streitkräften Australiens ist freiwillig. Obwohl die australischen Streitkräfte zahlenmäßig als klein zu bezeichnen sind, verfügen sie doch über moderne Waffen und Ausrüstung. Frauen sind seit 1993 zum freiwilligen Dienst an der Waffe zugelassen.

Im Brennpunkt der australischen Verteidigungspolitik steht seit den frühen fünfziger Jahren der bilaterale militärische Verteidigungs- und Unterstützungspakt ANZUS (Australien, New-Zealand, USA), der 1952 mit den Vereinigten Staaten von Amerika und mit Neuseeland geschlossen wurde. Als sich Neuseeland Mitte der achtziger Jahre weigerte, Kriegsschiffen mit Nuklearwaffen an Bord die Einfahrt in seine Häfen zu gestatten, suspendierten die Vereinigten Staaten von Amerika die Übereinkünfte des ANZUS-Bündnisses mit diesem Land. Die Regelungen mit Australien blieben davon jedoch unangetastet. Zwischen Australien und Neuseeland bestehen ebenfalls militärische Abkommen.

6. Wirtschaft

Australien ist Mitglied der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organization for Economic Cooperation and Development, kurz OECD) der führenden Industrienationen. Die wirtschaftlichen Hauptstützen des Landes sind zum einen der Dienstleistungssektor und zum anderen der Export von Lebensmitteln, Rohstoffen sowie verschiedenen Fertigprodukten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 781 Milliarden US-Dollar (2006). Davon entfielen auf den Dienstleistungssektor 69,6 Prozent, auf die Industrie 27 Prozent und auf die Landwirtschaft 3,3 Prozent. Das BIP pro Kopf errechnet sich zu 37 704,10 US-Dollar. Die Arbeitslosenquote lag 2004 bei 5,4 Prozent.

Die Landwirtschaft und der Bergbau spielten nicht nur in der geschichtlichen Entwicklung Australiens eine zentrale Rolle, beide gehören auch heute noch zu den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren des Landes. Obwohl auf die Agrarwirtschaft weniger als 5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes fallen, erzielt dieser Sektor immerhin gut ein Drittel der gesamten Exporteinnahmen. Australien gehört weltweit zu den wichtigsten Exportländern für Weizen, Fleisch und Wolle. Allein bei Wolle erzeugen australische Betriebe über 25 Prozent des Jahresvolumens der Weltproduktion. Das Land ist einer der größten Rohstofflieferanten der Erde; exportiert werden z. B. Eisenerz, Bauxit, Gold, Uran und Steinkohle sowie Kupfer-, Nickel- und Zinkerze. Während die Rohstoffproduktion eine zentrale Rolle für den australischen Export einnimmt, ist dieser Bereich auf dem einheimischen Markt in den vergangenen Jahren sehr viel weniger stark gewachsen.

Weil Australien besonders Rohstoffe (vor allem nach Japan) exportiert, ist die Wirtschaft eng an die Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt gekoppelt. Um in diesem Punkt möglichst unabhängig zu werden, versuchte man durch hohe Investitionen die Industrie des Landes zu modernisieren und zu diversifizieren. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts machten sich diese Bemühungen positiv bemerkbar.

1. Landwirtschaft

Obwohl die Landwirtschaft heute hinsichtlich des Bruttoinlandsprodukts als Wirtschaftsfaktor eine relativ untergeordnete Rolle spielt und auch für den Arbeitsmarkt keine zentrale Funktion besitzt, ist der wirtschaftliche Wohlstand weiter Landesteile auch weiterhin von der Viehzucht und dem Anbau von Kulturpflanzen abhängig. Etwa 4 Prozent der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft beschäftigt. Die Weidewirtschaft wurde in der Frühzeit der Besiedlung eingeführt, als die ersten Spanier Merinoschafe aus Südafrika nach Australien brachten. Heute handelt es sich bei nahezu 90 Prozent der bewirtschafteten Landflächen um Weideland. Diese Entwicklung spiegelt sich in der Tatsache wider, dass ein großer Teil der Weideflächen in der halbariden Klimazone Australiens liegt, auch wenn die Viehzucht in allen fruchtbaren Gegenden betrieben wird. Etwa ein Drittel der Schafe und ein noch höherer Prozentsatz aller Rinder werden auf riesigen landwirtschaftlichen Anwesen gehalten, die in dieser Zone als „Stationen” bezeichnet werden.

Australien ist der weltgrößte Erzeuger und Lieferant von Wolle, besonders der qualitativ hochwertigen Merinowolle. Die durch die Ausfuhr von Wolle erwirtschafteten Einkünfte machen heute jedoch weniger als 8 Prozent der gesamten Exporteinkünfte aus. Infolge von Überproduktion kam es in den späten achtziger Jahren zu einem beträchtlichen Preisverfall auf dem internationalen Markt. In den Jahren 1990/91 wurden über zehn Millionen Schafe aus den Gesamtbeständen geschlachtet, wovon man sich eine Regeneration der Marktpreise erhoffte. Fast die Hälfte der gesamten Wollproduktion erfolgt in New South Wales und Western Australia, während Victoria bei der Erzeugung von Lamm- und Hammelfleisch eine führende Marktposition auf dem inländischen Markt einnimmt.

In allen australischen Bundesstaaten und Bundesgebieten werden Rinder gezüchtet. Der führende Produzent ist jedoch Queensland, das in den neunziger Jahren etwa 40 Prozent des nationalen Gesamtbestands von 28 560 000 Rindern auf sich vereinte. In Australien wird sowohl Schlacht- als auch Milchviehwirtschaft betrieben. Die Aufzucht von Milchvieh beschränkt sich vorwiegend auf die niederschlagsreichen Küstenregionen und den Südosten des Landes, insbesondere Victoria. Die landwirtschaftlichen Betriebe wenden in der Regel hochmoderne Technologien an.

Obwohl nur auf etwa 10 Prozent der gesamten australischen Landfläche Kultur- und Futterpflanzen angebaut werden, sind diese Bewirtschaftungsgegenden von überaus großer Bedeutung für die Wirtschaft. Auf etwa 45 Prozent der kultivierten Nutzflächen wird Weizen angebaut, auf weiteren 20 Prozent andere Getreidearten und Futterpflanzen. Der Anbau von Weizen wurde auf hochgradig maschinellen Betrieb umgestellt und findet in allen australischen Staaten statt, konzentriert sich aber vor allem auf die südöstlichen und südwestlichen Regionen. Die Jahresproduktion verhielt sich in den letzten Jahren aufgrund der Umorientierung auf neue, gewinnbringendere Feldfrüchte rückläufig. Etwa 70 Prozent der Weizenernte werden exportiert. Hafer, Roggen, Gerste, Mais, Ölsamen, Tabak und Futterpflanzen werden ebenfalls in großem Umfang angebaut. In der Bewässerungszone am Murrumbidgee in New South Wales, in Queensland und im Northern Territory werden Reis und Baumwolle kultiviert. Der Anbau von Zuckerrohr beschränkt sich auf die fruchtbare Küstenregion in Queensland und den Distrikt um den Fluss Richmond in New South Wales. Neben den üblichen Kultur- und Nutzpflanzen werden zahlreiche Obstsorten, darunter Äpfel, Bananen, Trauben, Orangen, Birnen, Ananas und Papayafrüchte gezüchtet. Die bedeutendsten Weinbauregionen befinden sich im Barossa Valley in South Australia, im Hunter Valley in New South Wales und im Nordosten, Süden und Westen von Victoria.

In allen Gebieten, in denen der Anbau von Nutzpflanzen betrieben wird, ist mit Ausnahme der niederschlagsreichsten Regionen Australiens künstliche Bewässerung erforderlich. In mehreren Gegenden stellt jedoch die zunehmende Bodenversalzung eine Gefahr für die Produktion dar.

2. Forstwirtschaft und Fischerei

Nur noch etwa 21,1 Prozent der australischen Landfläche sind von Wäldern bedeckt (2005). Die meisten kommerziellen Nutzhölzer stammen aus Nadelholzplantagen. In den feuchten Küsten- und Hochlandgürteln liegen die wichtigsten natürlichen Waldgebiete, die vorwiegend aus Eukalypten, also Harthölzern, bestehen. Der Rohstoff Holz wird zur Papierherstellung und Möbelproduktion eingesetzt. Die zu den Eukalypten zählenden Jarrah- und Karri-Bäume, die in Westaustralien heimisch sind, werden vor allem wegen der Beständigkeit ihres Holzes geschätzt. Der Queensland-Ahorn, Walnussbäume und Rosenholz sind vor allem für die Herstellung von Kommoden, Schränken und anderer Möbel sehr begehrt. Etwa 9,4 Millionen Hektar Wald stehen in staatlichen Naturschutzgebieten und sind dauerhaft von der kommerziellen Nutzung ausgenommen. Plantagen, in denen Weichhölzer angepflanzt werden, können den einheimischen Bedarf nicht decken, so dass große Mengen eingeführt werden müssen.

Obwohl Australien von überaus fischreichen Gewässern umgeben ist, in denen über 2 000 Fischarten und eine Vielzahl anderer Meereslebewesen vertreten sind, ist die jährliche Fangmenge mit ungefähr 307 000 Tonnen vergleichsweise gering (2005). Über 50 Prozent des Jahreswertes aller australischen Fischerzeugnisse entfallen auf verschiedene Schalentiere, vor allem Seeohren, Hummer, Garnelen, Austern und Muscheln. Nach Perlen und Kreiselschnecken wird bereits seit Anfang des 19. Jahrhunderts gefischt, und die australischen Ureinwohner handelten schon Jahrhunderte vor der europäischen Besiedlung mit Schneckenhäusern und Muschelschalen, die zum Teil auch als Zahlungsmittel verwendet wurden. Darwin, Broome und die Thursday-Inseln sind heute die wichtigsten Zentren der Perlenfischerei, jedoch sind mittlerweile Zuchtperlen die Grundlage dieser Industrie, die von japanisch-australischen Unternehmen beherrscht wird. Kommerziell vermarktete Fischarten der See sind vor allem Kabeljau, Meeräschen, Barramundi, Makrelen, Weißfische und Thunfische. Australien war bis in die späten siebziger Jahre eine führende Walfangnation, erklärte sich dann jedoch in Übereinstimmung mit internationalen Bemühungen um die Erhaltung der Walpopulation dazu bereit, den größten Teil der Aktivitäten auf diesem Gebiet einzustellen.

3. Bergbau

Die Bergbauindustrie, die lange Zeit eine bedeutende Rolle für das wirtschaftliche Wachstum Australiens spielte, ist auch für die zukünftige Entwicklung des Landes sehr viel versprechend. Die Entdeckung von Goldvorkommen in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts zog die erste große Einwanderungswelle nach sich und bewirkte so die Besiedlung inneraustralischer Gebiete. Heute fördert Australien die meisten ökonomisch bedeutenden Bodenschätze in ausreichenden Mengen zur Deckung des Eigenbedarfs und für den Export. Einige Bodenschätze können in so großen Mengen gefördert werden, dass das Land in diesen Bereichen eine Führungsrolle auf dem Weltmarkt einnimmt.

In fast allen Bundesstaaten gibt es abbauwürdige mineralische Vorkommen, aber den größten Anteil an der gesamten Fördermenge (37 Prozent) hat Western Australia. Der Produktionswert von Kohle, Erdöl, Erdgas und Erzen wurde 1991 auf etwa 19 Milliarden US-Dollar geschätzt. Auf Erze entfallen etwa 42 Prozent der Gesamtfördermenge, wobei Gold und Eisenerz hier an vorderster Stelle stehen. Die wichtigsten mineralischen Rohstoffe, die in größerem Umfang gefördert werden, sind Steinkohle, Braunkohle, Bauxit, Kupfer, Gold, Eisenerz, Mangan, Nickel, Zink und Uran.

Australien ist mit ungefähr 12 Prozent an der weltweiten Gesamtfördermenge von Gold beteiligt. Etwa 70 Prozent der australischen Fördermengen stammen aus Western Australia, insbesondere aus den Goldminen in der Nähe von Kalgoorlie. Das Gold wird vor allem nach Singapur, Japan, in die Schweiz und nach Hongkong exportiert. Nach der Entdeckung der riesigen Diamantfelder im Kimberleygebirge in Western Australia im Jahr 1979 ist Australien ausgehend vom Fördervolumen zum weltgrößten Lieferanten für Diamanten geworden und mit 36 Prozent an der Gesamtfördermenge der Welt beteiligt, wobei nahezu die gesamte Menge aus der riesigen Argylemine im Kimberleygebirge stammte. Bei Coober Pedy im Bundesstaat South Australia befindet sich das umfangreichste Opalabbaugebiet der Welt.

Etwa 97 Prozent des in Australien geförderten Eisenerzes stammen aus der Region Pilbara in Western Australia. Eisenerzlagerstätten befinden sich jedoch auch in der Gegend von Iron Knob in South Australia, auf der Kakadu-Insel im Yampi-Sund vor der Küste von Western Australia, im Westen Tasmaniens und in Gippsland in Victoria. Fast die gesamte Fördermenge an Eisenerz wird exportiert. Australien ist heute Japans Hauptlieferant, hat sich aber auch mit China, Deutschland, Korea und Taiwan sehr wichtige Absatzmärkte erschlossen. Die Entdeckung und kommerzielle Nutzung von ungeheuren Bauxitvorkommen ermöglichte Australien in den achtziger Jahren (um 1984), zum weltweit größten Produzenten von Bauxit und aluminiumhaltigen Mineralen sowie zum viertgrößten Hersteller von Aluminium aufzusteigen. Die wichtigsten Förderstätten befinden sich südlich von Perth in Western Australia, auf der Kap-York-Halbinsel in Queensland und auf der Halbinsel Gove im Northern Territory. Wichtige Uranminen sind die Ranger-Mine und die Nabarlek-Mine im Northern Territory sowie Minen bei Olympic Dam in South Australia. Das gesamte Fördervolumen dient dem Export.

Die Vorkommen von Steinkohle mit den damit verbundenen Industrien konzentrieren sich vor allem in New South Wales und Queensland, die jeweils mit etwa 47 Prozent an der australischen Kohlefördermenge beteiligt sind. Die in Victoria geförderte Braunkohle wird vor allem der Strom erzeugenden Industrie zugeführt.

Nickelerz wird in Kambalda, im Südosten von Kalgoorlie, bei Greensvale in Queensland und in der Musgrave-Grenzregion zwischen Western und South Australia sowie im Northern Territory abgebaut. Die wichtigsten Manganlagerstätten sind in Groote Eylandt im Northern Territory zu finden. Zwei Drittel der australischen Gesamtproduktion von Kupfer stammen aus der Region um den Mount Isa in Queensland. In der Gegend um Mount Lyall in Tasmanien und am Tennant Creek im Northern Territory befinden sich weitere Kupfervorkommen. Bedeutende Zinklagerstätten gibt es beispielsweise in Queensland, Tasmanien und New South Wales, wobei Broken Hill (New South Wales) bereits seit über einem Jahrhundert als einer der wichtigsten Produzenten von Zink und Blei dient.

Für Australien bedeutende Öl- und Erdgasvorkommen befinden sich unterseeisch nahe der Küste Victorias (Gippsland-Schelf), dann unweit Carnarvons, vor der Küste von Port Hedland sowie nahe der Barrow-Insel – die letzten drei sind im Bundesstaat Western Australia. Die Rohölgesamtfördermenge betrug 2004 ungefähr 512 000 Barrel pro Tag.

4. Industrie

Nach dem 2. Weltkrieg wurde durch den Ausbau bereits bestehender Industriezweige und die Einführung neuer Industrien eine beträchtliche Expansion der Produktionskapazität der verarbeitenden Industrie herbeigeführt. Etwa 21 Prozent aller Beschäftigten sind im industriellen Bereich tätig, 75 Prozent arbeiten im Dienstleistungssektor.

Die Hauptzentren der verarbeitenden Industrie befinden sich in New South Wales, insbesondere in Sydney und Newcastle, und in Victoria, wobei hier besonders das großflächige Ballungsgebiet von Melbourne von wirtschaftlicher Bedeutung ist. Der Staat New South Wales ist vor allem im Bereich der Eisen- und Stahlerzeugung, dem Bau von Düsenflugzeugen, der Herstellung von Baumaschinen und -zubehör, synthetischen Produkten, elektronischen Komponenten, Stromleitungen sowie petrochemischen und Raffinerieerzeugnissen führend. Die Aktivitäten der in Melbourne angesiedelten Industrien fundieren vor allem auf dem Automobil- und Maschinenbau (Komponentenerzeugung und Montage) sowie der Nahrungsmittelerzeugung und Herstellung von Kleidung. Das in der Nähe von Melbourne gelegene Geelong ist vorwiegend für Wollspinnereien und Fahrzeugindustrie bekannt. In South Australia, einem traditionsgemäß auf Weide- und Landwirtschaft spezialisierten Bundesstaat, entstanden nach 1950 u. a. in Adelaide und Whyalla mehrere bedeutende Zentren der verarbeitenden Industrie. Die Städte Brisbane und Townsville in Queensland verfügen ebenfalls über wichtige Niederlassungen dieses Sektors. Die in Tasmanien ansässige Industrie, die von der preiswerten Energieerzeugung durch die Nutzung der Wasserkraft profitiert, umfasst u. a. Elektrolyseanlagen für die Herstellung von reinem Zink und eine große Süßwarenfabrik. Die wichtigsten Standorte der verarbeitenden Industrie in Tasmanien sind Hobart und Launceston.

5. Währung und Bankwesen

Währungseinheit des Landes ist der Australische Dollar, der sich in 100 Cents untergliedert. Die australische Währung wurde 1966 im Rahmen einer Währungsreform vom alten britischen System mit Pfund Sterling, Shilling und Pence auf das Dezimalsystem umgestellt.

Die erste australische Bank wurde 1817 in Sydney errichtet. Die 1911 gegründete Reserve Bank of Australia ist die Zentralbank des Landes und zugleich die Zentralnotenbank. Das Bankensystem setzt sich aus den einzelnen Branchen der Federal Commonwealth Banking Corporation zusammen, die die Commonwealth Federal Bank, die Commonwealth Development Bank und die Commonwealth Savings Bank umfasst, ferner aus den Banken der einzelnen australischen Staaten, verschiedenen privaten Handelsbanken und Sparkassen sowie Filialen von fast 20 ausländischen Banken. Die Börsen in den Hauptstädten der sechs Bundesstaaten wurden 1987 zur Australischen Börse (Australian Stock Exchange) zusammengefasst. Das Finanzwesen wurde Mitte der achtziger Jahre dem freien Wettbewerb übergeben.

6. Außenhandel

Der Export Australiens ist besonders auf die asiatischen Märkte, vor allem auf Japan, ausgerichtet. Da neben Nahrungsmitteln und Agrarprodukten vor allem auch Rohstoffe ausgeführt werden besteht für Australiens Wirtschaft eine gewisse Abhängigkeit von den Rohstoffpreisen auf dem Weltmarkt. So führte beispielsweise zu Beginn der achtziger Jahre ein starker Preisverfall für Rohstoffe zu nicht unerheblichen wirtschaftlichen Problemen: Die Erlöse aus dem Export gingen zurück, die Kosten für den gleich bleibenden Importbedarf übertrafen die Ausfuhreinnahmen. Verschärft wurde diese Situation durch eine andauernde Strukturkrise verschiedener Industriezweige des Landes. Australien musste Leistungsbilanzdefizite hinnehmen und zur Modernisierung und Diversifizierung seiner (bis dahin kaum entwickelten) Industrie private Kredite aufnehmen. Dies führte zu einer hohen Auslandsverschuldung. Sie lag 1985 bei rund 90 Milliarden US-Dollar und betrug 1995 (zehn Jahre später) knapp 134 Milliarden US-Dollar. Gegen Ende der neunziger Jahre litt das Land unter der Asienkrise. In diesem Zusammenhang versucht Australien seine Außenhandelsbeziehungen vor allem zu Mitgliedsländern der EU zu intensivieren.

Die wichtigsten Handelspartner von Australien sind Japan und die Vereinigten Staaten von Amerika. Weitere Exportmärkte sind u. a. Südkorea, Neuseeland, China (mit Hongkong), Singapur, Indonesien und Deutschland. Die Hauptexportgüter umfassen verschiedene Metalle und Erze, Kohle, Erdöl und Erdgas, Industrieerzeugnisse, Maschinen und Transportmittel sowie Nahrungsmittel (Weizen, Fleisch) und Wolle. Australien importiert neben Maschinen und Fahrzeugen, vor allem Produkte und Zwischenprodukte der chemischen Industrie sowie elektrotechnische Erzeugnisse. Hauptimportländer Australiens sind die USA, Japan, Großbritannien, China, Deutschland, Neuseeland, Südkorea und Singapur.

7. Gewerkschaften

Australien und Neuseeland sind einem Schlichtungs- und Schiedsspruchsystem angeschlossen, dessen Ziel die rechtliche Regelung von Löhnen und Arbeitsbedingungen ist. Die Verfassung ermöglicht der australischen Regierung, bei Auseinandersetzungen in der Industrie zu vermitteln und zu schlichten. Die nationale Interventionsautorität ist ausschließlich auf staatsübergreifende Streitfälle beschränkt. Für innerstaatliche Streitigkeiten bestehen ebenfalls obligatorische Schlichtungs- und Schiedsspruchinstitutionen. Sämtliche Vorgänge der Vermittlung und Schlichtung werden von der Australian Conciliation and Arbitration Commission, den ihr angeschlossenen Gerichtshöfen und den Mitgliedern der Schlichtungskommission durchgeführt. Schlagen sämtliche Schlichtungs- und Schiedsspruchversuche fehl, so sind die Gerichte dazu befugt, Arbeitgebern und Arbeitnehmern rechtsverbindliche Auflagen auszusprechen. Die Missachtung dieser gerichtlichen Auflagen kann mit Bußgeldern geahndet werden. In der Praxis legen die Kommissionsrichter die Mindestlöhne und Arbeitsbedingungen der meisten Arbeitnehmer fest. Im Jahr 1991 entschloss sich die Kommission, direkte Lohnverhandlungen zwischen Arbeitgebern und -nehmern zuzulassen.

Die Gewerkschaftsbewegung ist mit über drei Millionen Mitgliedern in etwa 20 Gewerkschaftsverbänden auf regionaler, staatlicher und nationaler Ebene sehr stark und gilt als ernst zu nehmender wirtschaftlicher sowie politischer Machtfaktor. Derzeit sind etwa 43 Prozent aller Gehalts- und Lohnempfänger gewerkschaftlich organisiert. Beschäftigte erhalten Arbeitslosenunterstützung und Vergütungen im Krankheitsfall, Entschädigungszahlungen im Fall von Arbeitsunfällen, einen Mindestlohn und geringfügige Prämien sowie allgemeine Sozialleistungen und Leistungen im Rahmen der Gesundheitsversorgung. Grund- bzw. Mindestlöhne wurden 1907 gesetzlich eingeführt. Zwischen 1921 und 1953 wurden die Grundlöhne in vierteljährlichen Abständen an die steigenden Lebenshaltungskosten angepasst. Der Australische Bund beendete die automatische Lohnanpassungsregelung im September 1953, aber einige Staaten nahmen diese Regelung zu einem späteren Zeitpunkt wieder auf. Der nationale Gesetzgeber gab 1992 die Löhne zur Verhandlung von branchenbezogenen Vergütungen und Übereinkünften seitens der Arbeitgeber frei.

8. Verkehrswesen

Ein Großteil des australischen Eisenbahnnetzes wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von den selbständigen, voneinander unabhängigen australischen Kolonien angelegt. Die Gleislänge beträgt 9 528 Kilometer. Eine weitere Besonderheit, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der Selbständigkeit der einzelnen Kolonien zur Zeit des Eisenbahnbaues steht, waren die nicht vereinheitlichten Spurweiten. In den australischen Staaten gibt es insgesamt vier verschiedene Spurweiten, wobei in einigen Staaten mehrere Spurweiten benutzt werden. Infolge eines Standardisierungsprogramms des Commonwealth sind heute jedoch die Hauptstädte der Bundesstaaten durch eine vereinheitlichte Schienenbreite verbunden, die mit dem Standard der staatlichen Eisenbahngesellschaft auf den transaustralischen Strecken und dem Eisenbahnnetz im Capital Territory sowie den meisten zentralaustralischen Eisenbahnlinien nach Alice Springs übereinstimmt. Rationalisierungsmaßnahmen und zunehmender Straßenverkehr haben die Schließung vieler Strecken auf dem Land und in stadtnaher Umgebung nach sich gezogen. Das heutige Streckennetz befindet sich größtenteils im Besitz der australischen Bundesregierung und der Regierungen der einzelnen Staaten. Darüber hinaus bestehen auch private Bahnlinien, die insbesondere die Eisenerzlagerstätten in Western Australia (Pilbara-Distrikt) versorgen. Die National Rail, eine staatliche Gesellschaft, nahm ihre Arbeit 1993 mit dem Ziel auf, den zwischenstaatlichen Frachtverkehr und die Eigentümerschaft von Vermögenswerten der staatlichen Eisenbahn zu übernehmen.

Die Gesamtänge des Straßennetzes beträgt 810 200 Kilometer (2003). Viele wichtige Verbindungsstrecken wurden in den achtziger Jahren im Rahmen eines staatlichen Programms zur Zweihundertjahrfeier saniert oder ausgebaut, aber die Qualität der Straßen ist in der Regel sehr unterschiedlich. Zwischen den Hauptstädten der Bundesstaaten bestehen preiswerte Busverbindungen.

Die größten Städte und einige abgelegene Siedlungen sind über ein umfassendes Streckennetz des Flugverkehrs miteinander verbunden. Infolge der großen Entfernungen zwischen den einzelnen Städten und in den dünn besiedelten Regionen des Landes gehört das Flugzeug zu den regulären Transportmitteln. Australien verfügt über mehr als 400 Start- und Landeplätze.

Die inländischen Fluggesellschaften wurden 1990 dem freien Wettbewerb übergeben, nachdem die Abkommen zwischen Australian Airlines, der nationalen inländischen Fluggesellschaft, und Ansett, dem einzigen privaten Wettbewerber, ausliefen. Dadurch konnten sowohl die zur Verfügung stehenden Flugzeiten wie auch die Fluglinien verdoppelt werden. Die Beendigung ihrer Monopolstellung erlaubte auch kleineren privaten Anbietern den Zugang zum Flugsektor. Die größte Fluggesellschaft Australiens ist Qantas Airways (Qantas steht für Queensland and Northern Territory Aerial Services Ltd.). Die wichtigsten nationalen und internationalen Flughäfen befinden sich in Sydney (Kingsford Smith) und Melbourne (Tullamarine), die übrigen Hauptstädte der australischen Bundesstaaten und Cairns verfügen ebenfalls über internationale Flughäfen.

Die Küstenschifffahrt ist ebenso wie der Überseeverkehr für die australische Wirtschaft von lebenswichtiger Bedeutung. Insgesamt gibt es etwa 70 Häfen mit kommerzieller Schlüsselfunktion, von denen sich die meisten an der Ostküste befinden. Sydney ist mit der angrenzenden Botany Bay der wichtigste Hafen für Mischfrachten. Weitere bedeutende Häfen sind u. a. Port Hedland, wobei man sich hier vor allem auf Eisenerz als Massengut spezialisiert hat, ferner Melbourne, Fremantle, Newcastle, Port Kembla, Geelong, Brisbane, Port Gladstone und Port Walcott.

9. Tourismus

Der Fremdenverkehrssektor hat seit 1970 infolge der immer preiswerteren und schnelleren Langstreckenflüge und der Expansion des japanischen Marktes ein rapides Wachstum verzeichnen können. Heute gehört die Tourismusbranche zu den Wirtschaftszweigen mit der höchsten Dynamik. Mehr als 4,5 Millionen Gäste aus dem Ausland besuchten 1999 Australien; dies entspricht einem Zuwachs von etwa 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die meisten Besucher kommen aus Großbritannien, Irland, Deutschland, den skandinavischen Ländern, Nordamerika und Japan.

10. Energie

Die Energieversorgung liegt in der Verantwortlichkeit der australischen Bundesregierung. 2003 wurden 91,4 Prozent der Gesamtenergiemenge in Wärmekraftwerken erzeugt (hauptsächlich Kohlekraftwerke). Ferner verfügt Australien über mehrere Wasserkraftwerke, von denen insbesondere das riesige Snowy-Mountains-Projekt, das überwiegend die Energieversorgung in Canberra, Melbourne und Sydney sicherstellt, und eine Anzahl kleinerer Anlagen in Tasmanien von besonderer Bedeutung sind. Wasserkraftwerke erzeugen etwa 7,4 Prozent der Gesamtenergiemenge (2003). Australien kann den bestehenden Erdölbedarf fast vollständig aus den eigenen Quellen decken, so dass lediglich etwa 4 Prozent der Jahresbedarfsmenge importiert werden müssen. In Australien gibt es keine Kernkraftwerke, wenngleich im australischen Hinterland einige der größten unberührten Uranvorkommen der Welt liegen. Da es in Australien viel Sonneneinstrahlung und häufig Wind gibt, herrschen dort ideale Voraussetzungen für die Entwicklung und Nutzung alternativer Energiequellen wie Solar- und Windenergie. Diese werden durch die Bundes- und Landesregierungen aktiv unterstützt.

7. Geschichte

Die Aborigines, Australiens Ureinwohner, kamen verschiedenen archäologischen Funden zufolge vor etwa 60 000 bis 40 000 Jahren wahrscheinlich aus dem südostasiatischen Raum nach Australien. Vor rund 30 000 Jahren hatten sie den größten Teil des Kontinents besiedelt, darunter auch die südwestlichen und südöstlichen Randgebiete. Tasmanien war zu dieser Zeit noch ein Teil des australischen Festlandes und wurde erst später durch den nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstieg von Australien abgetrennt. Zur Zeit der Ankunft der ersten weißen Siedler lebten schätzungsweise 300 000 bis eine Million Ureinwohner auf dem australischen Kontinent. Es wird angenommen, dass Arnhemland lange vor dem 17. Jahrhundert von makassaresischen Händlern aus dem heutigen Indonesien aufgesucht wurde. Außerdem gab es Kontakte mit Neuguinea, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass nach dem 15. Jahrhundert chinesische, malaiische und arabische Schiffe an der Nordküste Australiens vor Anker gingen. Australien blieb jedoch bis zum 17. Jahrhundert von westlichen Forschungsunternehmungen unberührt.

1. Frühe Entdeckungsgeschichte

Im Spätmittelalter nahm man an, dass ein großes so genanntes Südland, das von den Geographen auch als Terra Australis Incognita bezeichnet wurde, zur Ausbalancierung der nördlichen Landmassen in Europa und Asien notwendig sei. Die Terra Australis erschien auf den frühen europäischen Weltkarten häufig als große, kreisförmige Landmasse, die zufällig ungefähr die der Realität entsprechende geographische Lage einnahm.

1.1. Portugiesische und spanische Entdeckungsreisen

Auf der Suche einer Handelsroute nach Indien begannen im 15. Jahrhundert vor allem die Portugiesen mit der systematischen Erforschung der afrikanischen Westküste in südlicher Richtung. Damit entflammte aber auch das Interesse der Europäer an der Entdeckung der legendären Terra Australis. Portugal, das schon bald den Handel mit Indien und Ostafrika dominierte, beabsichtigte jedoch nicht weiter in östlicher und südlicher Richtung vorzustoßen. Es waren aber auch andere Gründe, die Australien noch unentdeckt ließen. Zum einen lag der Kontinent abseits der damaligen Handelsrouten im Indischen Ozean und Südpazifik. Zum anderen trieben die Windsysteme der südlichen Hemisphäre Schiffe aus westlicher Richtung nach Norden zum Äquator ab – und damit an Australien vorbei. Dagegen erschwerten die starken Gegenwinde östlich des australischen Festlandes das Segeln und damit ein Erreichen des Kontinents.

Im 16. und frühen 17. Jahrhundert entsandte Spanien, das zu dieser Zeit bereits seine Vormachtstellung als Kolonialreich in Süd- und Zentralamerika gesichert hatte, einige Expeditionsschiffe von Peru in den Südpazifik. Die offiziellen Vertreter der spanisch dominierten Neuen Welt wurden durch die Entdeckung der Salomon-Inseln nordöstlich von Australien durch Alvaro de Mendaña 1567 dazu ermutigt, 1595 und 1605 Expeditionen zu entsenden, von denen sie sich erhofften, für das Spanische Reich Gold und für die römisch-katholische Kirche die Terra Australis zu entdecken. Nach dem Fehlschlag dieser Entdeckungsreisen, die weder die erhofften Edelmetalle mitbrachten noch die Entdeckung bedeutender Landmassen zur Folge hatten, verlor Spanien sein Interesse an derartigen Unternehmungen und führte keine weiteren Expeditionen mehr durch.

1.2. Niederländische Interessen

Die wirtschaftliche Verflechtung Portugals mit Indien und die Entmutigung der Spanier von weiteren Forschungsunternehmungen ermöglichten den Niederlanden als aufstrebender Macht im 17. Jahrhundert die Errichtung einer Reihe von Handelszentren, die sich vom Kap der Guten Hoffnung bis nach Niederländisch-Indien (Indonesien) zogen. Die Niederländer hatten ihre Niederlassungen vorwiegend in den indonesischen Hafenstädten Bantam und Batavia (Jakarta). Mit Hilfe besserer Segelschiffe waren sie in der Lage, die widrigen Gegebenheiten im Südpazifik erfolgreich zu überwinden. Anfang 1606 drang Willem Janszon mit seinem Segelschiff in die Torresstraße vor, die zwischen dem australischen Festland und Neuguinea verläuft, und sichtete einen Teil der australischen Nordküste an der Westseite der Kap-York-Halbinsel, den er Kap Keer-Wear taufte. Die von ihm befahrene Wasserstraße wurde später nach Luis Vaez de Torres benannt, dem letzten der spanischen Forschungsreisenden, der nur wenige Wochen später in das gleiche Gebiet segelte und schlussfolgerte, dass Neuguinea eine Insel sei. Australien sichtete er jedoch mit fast hundertprozentiger Sicherheit nicht.

Niederländische Generalgouverneure in Batavia fühlten sich nach den Reisen von Janszon dazu ermutigt, weitere Expeditionen in den südlichen Ozeanen zu veranlassen. Im Oktober 1616 wurde die Eendracht unter dem Kommando von Dirk Hartóg das erste Schiff, von dem aus Europäer an der Shark Bay in Western Australia australischen Boden betraten. Zwischen 1626 und 1627 erforschte Peter Nuyts ungefähr 1 600 Kilometer der südaustralischen Küste, und andere Niederländer vervollständigten das noch bruchstückhafte Bild des neuen Kontinents durch Informationen über die Nord- und Westküste. Die bedeutendste Entdeckungsarbeit leistete jedoch Abel Janszoon Tasman. 1642 segelte Tasman in die Gewässer Südaustraliens und sichtete am Morgen des 24. November 1642 die Westküste der heute als Tasmanien bekannten Insel. Tasman taufte diese Insel nach dem Gouverneur von Niederländisch-Indien, der diese Expedition initiiert hatte, auf den Namen Van Diemen’s Land. Danach drang er weiter in östlicher und nördlicher Richtung vor und entdeckte Neuseeland. Tasman unternahm 1644 eine zweite Expedition zur Nord