Australien
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Australien
2. Land
1. Physische Geographie

Die Landmasse des so genannten fünften Kontinents erhebt sich im Mittel etwa 300 Meter über den Meeresspiegel, und nur 6 Prozent der Gesamtfläche liegen höher als 610 Meter. Die unermessliche Weite des weitgehend unbesiedelten Landesinneren, das von weißen Australiern als Outback bezeichnet wird, umfasst Ebenen und niedrige Plateaus, die nach Nordosten abfallen. Ausgedehnte Küstenebenen, die eine mittlere Breite von 65 Kilometern haben,umrahmen den Kontinent. Die Küstenebenen im Osten, Südosten und Südwesten des Landes sind die am dichtesten besiedelten Gebiete Australiens.

Die Küstenebenen im Osten des Landes sind durch die Verwerfungszone der Great Dividing Range vom Landesinneren getrennt. Diese Gebirgsregion erreicht eine durchschnittliche Höhe von 1 220 Metern und verläuft von der Kap-York-Halbinsel im Norden parallel zur Ostküste bis zum australischen Bundesstaat Victoria im Südosten. Die Great Dividing Range gliedert sich in mehrere Ketten, wie etwa die Neuenglandkette, die Blue Mountains und die Australischen Alpen mit den Snowy Mountains. Im Bundesstaat Victoria nähern sich die Ausläufer der Great Dividing Range der Küste an; in diesem Bereich werden sie als Grampians bezeichnet oder gemäß dem Namen, den ihnen die hier lebenden australischen Ureinwohner verliehen, Gariwerd genannt. Der höchste Berg der Australischen Alpen ist der Mount Kosciusko mit 2 228 Metern; er gehört zu den Snowy Mountains im Bundesstaat New South Wales. Er wird allerdings noch vom Mawson Peak (2 745 Meter) auf den Heard-Inseln übertroffen. Die Great Dividing Range setzt sich im Süden bis zur Insel Tasmanien fort, die vor etwa 13 500 bis 8 000 Jahren infolge eines Anstiegs des Meeresspiegels von der südöstlichen Spitze des Kontinents abgetrennt wurde.

Der Westaustralische Schild bedeckt mehr als die Hälfte der australischen Festlandfläche. Er erstreckt sich westlich einer gedachten Verbindungslinie zwischen der Ostküste des Arnhemlandes am Carpentariagolf bis zur Halbinsel Eyre im Bundesstaat South Australia und umrundet im zentralen Bereich des Landes die inneraustralische Simpsonwüste. Der Westaustralische Schild tritt in einem riesigen Tafelland zutage, einer Hochfläche mit einer durchschnittlichen Höhe um 400 Meter, die in eine Vielzahl von geologisch deutlich voneinander getrennten Blöcken gegliedert ist. Einige dieser Blöcke wurden angehoben und bildeten Hochflächen, andere senkten sich ab und bildeten so Tiefländer und Becken. Zu den Tiefländern gehören die Große Sandwüste im nordwestlichen Bereich des Westaustralischen Schildes, die Gibsonwüste in der zentralen Region sowie die Große Victoriawüste und die Nullarborebene, die beide im Süden des Schildes liegen. Die Nullarborebene, deren Name wörtlich „ohne Bäume” bedeutet, ist eine praktisch unbewohnte Kalksteintafel, die von aridem Klima geprägt ist. Sie ist durch ein ausgeprägtes Tunnel- und Höhlensystem gekennzeichnet, das Rückschlüsse auf die geologischen Vorgänge zur Zeit des australischen Urkontinents und seiner Weiterentwicklung ermöglicht.

Zu den Hochflächen im Bundesstaat Western Australia gehören die Hamersleykette und die König-Leopold-Kette in der westlichen und nordwestlichen Küstenregion sowie die Darlingkette, die landeinwärts von Perth ganz im Südwesten liegt. Die Macdonnellkette befindet sich im südlichen Gebiet des Northern Territory, während Stuart- und Musgravekette parallel zur Nordgrenze von South Australia verlaufen. Durch Erosion und starke Verwitterung haben sich in weiten Teilen des Westaustralischen Schildes, darunter auch im Kimberleyplateau und im Pilbara-Distrikt in Western Australia sowie im Arnhemland im Northern Territory, beeindruckende frei stehende Gesteinsformationen herausgebildet, die als Restberge bezeichnet werden.

Das Große Artesische Becken zwischen dem Westaustralischen Schild und der Great Dividing Range ist ein riesiges Gebiet aus ausgedehnten Ebenen, die einen Großteil der fruchtbarsten Acker- und Weideflächen in Australien umfassen. Es besteht aus drei Hauptbecken – dem Carpentariabecken, dem Eyrebecken und dem Murraybecken. Die sanften, von Hügelland durchzogenen Ebenen des Carpentariabeckens bilden einen schmalen Korridor, der vom Carpentariagolf zwischen dem Isa-Hochland am nordöstlichen Randgebiet des Schildes und der Great Dividing Range landeinwärts verläuft. Das Eyrebecken liegt südlich des Carpentariabeckens und erstreckt sich über eine Fläche von fast 1,3 Millionen Quadratkilometern vom Zentrum und Norden des Kontinents bis zum Südwesten von Queensland, in den Nordosten von South Australia und den Nordwesten von New South Wales. Im Norden des Beckens prägen weitläufige Hügelflächen das Landschaftsbild. Im klimatisch ariden Landesinneren wird die Landschaft zunehmend flacher und geht schließlich in eine Steinwüste über. In der Simpsonwüste nördlich des Eyresees an der westlichen Grenze des Beckens liegen ausgedehnte Sanddünen. Der Eyresee, einer der größten Salzseen des Landesinneren, befindet sich im niedrigsten Landesteil und dient im Rahmen der Binnenentwässerung zahlreichen Stromsystemen als Mündungssee. Westlich des Eyresees befindet sich im Zentrum von Australien der Uluru (Ayers Rock). Mit einem Sockelumfang von etwa 9 Kilometern gilt der Uluru, der sich mit einer Höhe von 348 Metern von der ebenen Umgebung weithin sichtbar abhebt, als einer der größten Monolithe der Welt.

Das Murraybecken verläuft von der Küste am Indischen Ozean in South Australia und Victoria bis in den Westen von New South Wales. Im Westen wird es von der Flinderskette und Mount-Lofty-Kette im Bundesstaat South Australia, im Osten von den Australischen Alpen der Great Dividing Range flankiert. Das Murraybecken umfasst große fossile Dünenfelder und ist von sehr trockenem Klima geprägt. Nach Westen hin sind Steinwüsten entwickelt. Östlich des Beckens liegen ausgedehnte Schwemmlandebenen, die mit den wichtigsten Zuflüssen des Murray verbunden sind, dem einzigen ständig Wasser führenden Fluss, der das Landesinnere durchquert.

Die Küstenlinie des australischen Kontinents ist nur schwach gegliedert; sie weist nur wenige Buchten und Kaps auf. Die größte natürliche Bucht bilden der Carpentariagolf im Norden und die Große Australische Bucht im Süden. Es gibt mehrere ausgezeichnete Naturhäfen, an denen sich die Städte Sydney, Hobart, Port Lincoln und Albany entwickelten. Tasmanien hat einen stärker gegliederten Küstenverlauf.

Das Große Barrierriff, das von der UNESCO zum Weltnaturerbe der Menschheit ernannt wurde, erstreckt sich über eine Länge von etwa 2 010 Kilometern von Kap York entlang der Ostküste des Bundesstaates Queensland bis nach Bundaberg im Süden. Das aus Korallen bestehende Riff ist weltweit die größte Struktur, die von Lebewesen geschaffen wurde. Die Riffrücken dienen im Küstenschiffsverkehr als natürliche Wellenbrecher. Siehe auch Kosciusko Nationalpark; Uluru Nationalpark

2. Geologie

Australien gehörte ursprünglich zu Gondwana, das zuvor einen Teil des Urkontinents Pangäa bildete. Die Entstehung von vielen geologischen Strukturen reicht zeitlich sehr weit zurück, und die ältesten bekannten Gesteins- und Felsformationen wurden auf die Zeit vor 3 bis 4,3 Milliarden Jahren datiert. Dem riesigen Plateau des Westaustralischen Schildes liegt eine ausgedehnte, stabile Schicht aus präkambrischen Metamorphiten und Magmatiten zugrunde, die ein Alter von zwischen 570 Millionen und 3,7 Milliarden Jahren aufweist. Diese Formationen stellen zusammen mit der Antarktis das Herzstück des alten Kontinents dar, der sich vor weniger als 200 Millionen Jahren im Jura von Gondwana abspaltete und in östliche und nördliche Richtung fortzudriften begann (siehe Plattentektonik, Kontinent). Vor ungefähr 100 Millionen Jahren entstand Australien als eigenständiger Kontinent, nachdem sich die Antarktis abgetrennt und in südliche Richtung bewegt hatte. Auch heute noch entfernt sich der australische Kontinent von der Antarktis in nördliche Richtung und wird irgendwann mit dem asiatischen Kontinent zusammenstoßen. In geologischen Zeiträumen wird also die Existenz von Australien als eigenständiger Kontinent nur eine kurze Zeitspanne füllen.

In der Great Dividing Range erfolgten mächtige Ablagerungen von Sedimentgesteinen in einer weiten Geosynklinale; dieser Prozess vollzog sich fast über den gesamten Zeitraum des Paläozoikums und endete vor ungefähr 245 Millionen Jahren. Infolge ungeheurer Druckeinwirkung wurden die abgelagerten Gesteine komprimiert und mindestens zweimal aufgefaltet, wodurch Gebirgsketten entstanden, die zum Teil auch Vulkane umfassten.

3. Flüsse und Seen

Rund zwei Drittel der Oberfläche Australiens sind von Wüsten oder Halbwüsten bedeckt und weisen eine extrem hohe Verdunstungsrate auf. Nur etwa 10 Prozent des gesamten Niederschlags speisen Oberflächengewässer. Infolgedessen gibt es mit Ausnahme der niederschlagsreicheren östlichen und südwestlichen Gebiete Australiens sowie Tasmaniens nur vergleichsweise wenig Flüsse, die ständig Wasser führen. Die Great Dividing Range markiert die Wasserscheide zwischen der schmalen Ostküste und dem restlichen Teil Australiens. An den Ostflanken der Gebirgskette befinden sich permanent Wasser führende Flüsse, von denen die wichtigsten der Burdekin, der Fitzroy und der Hunter sind. Von den westlich der Great Dividing Range verlaufenden Flüssen ist nur der Murray ganzjährig Wasser führend. Er wird in seinem Quellgebiet in der Region um den Mount Kosciusko von Schmelzwasser und weiter flussabwärts von großen Nebenflüssen wie dem Darling und dem Murrumbidgee gespeist und führt daher ausreichende Wassermengen, um die gleichnamige trockene Ebene zu durchqueren. Der Murray mündet östlich von Adelaide an der Südküste Australiens in den Indischen Ozean. Das Murray-Darling-Murrumbidgee-Stromsystem ist das wichtigste in ganz Australien. Es entwässert eine Fläche von über 1,1 Millionen Quadratkilometern in Queensland, New South Wales, Victoria und South Australia und versorgt einige der wichtigsten Anbau- und Weideflächen des Landes mit Wasser. Während der Regenzeit ist das Wasserstraßennetz größtenteils auch schiffbar. Der Murray bildet die Grenze zwischen den Bundesstaaten New South Wales und Victoria.

Die Flüsse in Zentralaustralien und im westlichen Teil des Kontinents überfluten bei starken Regenfällen das angrenzende, niedrig gelegene Umland. Bei Trockenheit führen sie nur zeitweise Wasser. Die Zentralebene wird gelegentlich auch als Channel Country (Land der Kanäle) bezeichnet. Die Flussläufe Victoria, Daly und Roper führen das Wasser in einen Teil des Northern Territory ab. Die wichtigsten Wasserwege in Queensland sind Mitchell, Flinders, Gilbert und Leichhardt; sie münden in den Carpentariagolf. Im Bundesstaat Western Australia gibt es nur wenige bedeutende Flüsse, von denen Fitzroy, Ashburton, Gascoyne, Murchison und Swan die längsten sind.

In Inneraustralien sind zahlreiche Salzpfannen und Salzseen entwickelt. Da sie nur von periodisch Wasser führenden Strömen und Flüssen gespeist werden, erhalten sie nur selten bedeutenden Wasserzulauf und trocknen normalerweise aufgrund des hohen Verdunstungsgrades zu salzverkrusteten Salzsümpfen oder Salzpfannen ein. Eyresee, Torrenssee, Fromesee und Gairdnersee, die größten Salzpfannen im zentralen und südlichen Bereich des Großen Artesischen Beckens, sind Überreste eines riesigen Binnensees, der sich früher einmal vom Carpentariagolf nach Süden erstreckte.

4. Wasserressourcen

Die Nullarborebene und weite Teile des westlichen Binnenlandes besitzen keine oberirdischen Wasserläufe, es gibt jedoch ein unterirdisches Stromsystem und artesische Wasseradern, die für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes lebensnotwendig sind. Artesische Wasseradern und Seen erstrecken sich auf eine Fläche von etwa 2,5 Millionen Quadratkilometern. Das Große Artesische Becken umfasst 70 Prozent der gesamten unterirdischen Wasserreserven und ist weltweit das größte seiner Art. Andere artesische Wasservorkommen liegen im Nordwesten, im Südosten und entlang der Nullarborebene an der Küstenlinie der Großen Australischen Bucht.

Infolge der Notwendigkeit, die Wasserversorgung für Bewässerungszwecke und für die Bevölkerung Australiens sicherzustellen, wurden an mehreren Flüssen Dämme erbaut. Zahlreiche Projekte sollen ausreichend Wasser für Bewässerung, Tierhaltung, Privatnutzung und Erzeugung von Energie zur Verfügung stellen. Das berühmteste ist das Snowy-Mountains-Projekt, das als Mehrzweckanlage errichtet wurde und in New South Wales in den Australischen Alpen liegt. Als eine der weltweit größten technischen Unternehmungen wurde es zwischen 1949 und 1974 erbaut und versorgt nicht nur die Regionen entlang der Flüsse Murray und Murrumbidgee mit zusätzlichem Wasser für Bewässerungszwecke, sondern erzeugt auch Energie für die dicht besiedelte südöstliche Küste. Das Ord-River-Projekt besteht aus einer riesigen Bewässerungsanlage in der Kimberleyregion im Nordwesten von Western Australia. Der Bau wurde 1962 mit dem Ziel aufgenommen, die unbesiedelten Regionen im Norden zu erschließen. Das Ord-River-Projekt wurde während seines Baues von Ökonomen, Umweltschützern und Agrarwissenschaftlern scharf kritisiert, und auch heute noch werden wirtschaftliche Rentabilität und ökologische Verträglichkeit hinterfragt. Die in der Region vorherrschenden Schwierigkeiten, die durch starken Ungezieferbefall und andere Widrigkeiten bedingt sind, haben zur Folge, dass nur ein Bruchteil des agrarwirtschaftlich nutzbaren Landes bewirtschaftet wird. Die positive Auswirkung des Projekts beinhaltet die Entstehung des Argylesees; er ist Australiens größter künstlich angelegter Stausee und gleichzeitig größtes oberirdisches Süßwasserreservoir.

5. Klima

Australiens Klima variiert von tropischem, vom Monsun beeinflussten Klima im Norden bis zu kühlgemäßigtem Klima in Tasmanien. Im überwiegenden Teil des australischen Kontinents herrscht trockenheißes Klima vor. Das zentrale Hochland liegt zu niedirg, um die klimatischen Prozesse maßgeblich zu beeinflussen. Über zwei Drittel des australischen Kontinents, vor allem die zentralen und westlichen Regionen, erhalten jährlich weniger als 500 Millimeter Niederschlag. Lediglich 10 Prozent des Landes weisen im Mittel jährliche Niederschläge von über 1 000 Millimetern auf.

Die wechselfeucht-tropische Küstenregion im Norden ist durch zwei Hauptjahreszeiten charakterisiert: Im feuchtheißen Südsommer fallen die Sommerniederschläge beim Durchgang der nordwestlichen Monsunwinde vorwiegend im Februar und März, und die trockenwarmen Südwinter sind durch den Einfluss der südöstlichen Passatwinde geprägt. Der Monsun dringt unterschiedlich weit in die Binnenregionen vor, und sein Einfluss reicht im Arnhemland und der Kap-York-Halbinsel am weitesten landeinwärts. Die mittleren Jahresniederschläge betragen an vielen Stellen der Nord- und Nordostküste um 1 500 Millimeter; im Norden von Queensland in der Gegend um Cairns werden sogar 2 500 Millimeter erreicht. In den Grenzbereichen der vom Monsun beeinflussten Region gedeiht trockene Grassavanne; aufgrund der geringen und unregelmäßigen Niederschläge wird das Wasserangebot hier durch artesische Wasseradern ergänzt. Im westlichen, zentralen und nördlichen Teil Australiens variieren die mittleren Temperaturen im Sommer zwischen 26,7 und 29,4 °C, übersteigen jedoch in manchen Regionen 38 °C.

Die warmen, klimatisch gemäßigten Regionen an der Südküste des australischen Festlandes sind von kühlen Wintern und heißen Sommern geprägt. Die höchsten Temperaturen werden in den Monaten Januar und Februar mit Mittelwerten zwischen 18,3 und 21,1 °C erreicht. Juni und Juli sind die kühlsten Monate des Jahres. Die mittlere Julitemperatur beträgt um 10 °C, in den höheren Lagen der Australischen Alpen um 2 °C. In der Gegend um den Mount Kosciusko bilden sich teilweise Schneefelder. Die Tieflandregionen an der Ostküste erhalten in allen Jahreszeiten Niederschläge, die jedoch im Sommer besonders stark sind. Die Niederschläge an der warmgemäßigten West- und Südküste beschränken sich infolge der Lage in der Westwindzone vor allem auf die Wintermonate.

Tasmanien, das klimatisch der kühlgemäßigten Zone zuzurechnen ist, erhält im Sommer unter dem Einfluss der Westwinde starke Regenfälle. Im Winter fallen ebenfalls starke Niederschläge, die durch Zyklone hervorgerufen werden. Schneefälle erfolgen im Winter nicht nur in den Australischen Alpen, sondern auch im nördlichen Teil von Victoria und in Tasmanien. Alle südlichen Bundesstaaten Australiens liegen ganzjährig unter dem Einfluss der warmen bis heißen Winde aus dem Landesinneren, die große plötzliche Temperaturanstiege bewirken können. Fast jedes Jahr sind einige Regionen von niederschlagsfreien Dürreperioden betroffen. Neben Kalifornien und den Mittelmeerländern gehören Südostaustralien und Tasmanien zu den Teilen der Erde, in denen es am häufigsten zu Buschfeuern kommt. 1994 verwüsteten Waldbrände einen Teil von New South Wales.

6. Böden

Auf dem Kontinent sind zahlreiche Bodentypen verbreitet, aber nährstoffarme und nur mäßig fruchtbare Böden mit geringen Gehalten an organischer Substanz herrschen vor. Versalzung und Alkalisierung der Böden sind weit verbreitet. Auch Bodenerosion und Desertifikation aufgrund falscher Anbaumethoden sind zu beobachten, vor allem in überweideten Gebieten. Ungeachtet dessen und der Tatsache, dass weite Flächen des Landesinneren aus Wüsten oder Landstrichen bestehen, die sich bestenfalls für die Beweidung durch Schafe eignen, stellt die Bodennutzung einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor für Australien dar. Über viele Jahre hinweg wurden phosphathaltige Bodenzusätze zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit eingesetzt. Seit den siebziger Jahren hat man sich jedoch immer mehr Gedanken über die Neben- und Nachwirkungen der phosphathaltigen Düngezusätze gemacht, zu denen eine Versauerung des Bodens und wiederkehrende Algenblüten im lebenswichtigen Murray-Darling-Stromsystem gehören, die durch phosphathaltiges Ablauf- und Sickerwasser von gedüngten Böden entstehen. Die schwerwiegendsten Probleme ergeben sich jedoch aus der starken Winderosion, der teilweisen Überweidung in den semiariden Weide- und Agrarregionen und der Wassererosion im niederschlagsreicheren, stark abgeholzten Südosten.

Die Besorgnis um diese Entwicklung wurde in der Entstehung der Bewegung „Landcare” deutlich, die sich für den Landschaftsschutz einsetzt. Die australische Bundesregierung erklärte die neunziger Jahre zum Jahrzehnt des Landschaftsschutzes. Der ökologischen und wirtschaftlichen Bedrohung durch Bodenerosion, Boden- und Wasserversalzung und Bodenversauerung sollen aktuelle technische Projekte, wissenschaftliche Forschungsarbeit, Bildung und Maßnahmen wie beispielsweise Aufforstungsprogramme und die Einschränkung der Beweidung entgegenwirken.

7. Flora

Australien verfügt über eine sehr spezifische Vegetation, die auch als Flora australis bezeichnet wird und etwa 22 000 Pflanzenarten aufweist. Über 90 Prozent der hier verbreiteten Arten sind endemisch, d. h., sie kommen nirgendwo sonst vor. Die überwiegend immergrüne Vegetation reicht von dichten Busch- und Eukalyptuswäldern an der Küste bis zu Strauchgesellschaften wie Mulga-Scrubs (aus immergrünen Akazien) und Mallee-Scrubs (Eukalyptus, Kasuarinen, Gräser, Salzpflanzen) sowie Halbwüsten (Salzbusch) in den Ebenen des Inlands. Die australische Pflanzenwelt wird in drei große Vegetationszonen eingeteilt. Die tropische Zone verläuft entlang der Nordküste bis etwa zur Mitte der Ostküste. Die gemäßigte Zone erstreckt sich über die südöstliche Küstenebene und Tasmanien und zieht sich an der Ostküste in nördlicher Richtung bis zur tropischen Zone, an die sie anschließt. Die Trockenzone bedeckt den gesamten mittleren, ariden Bereich und den Westen des Kontinents.

Die tropische Zone fällt in den Monsunklimabereich und ist stark bewaldet, vorwiegend mit Laubbäumen. An der nordöstlichen Küste von Queensland einschließlich der Kap-York-Halbinsel kommen Regenwälder vor. Palmen, Farn- und Kletterpflanzen gedeihen zwischen Eichen, Eschen, Zedern, Flaschenbäumen und Birken. Mangrovenwälder ziehen sich an stehenden Gewässern und Einbuchtungen der niedrigen nördlichen Küstenlinie entlang. Weiter landeinwärts dominiert Savannenlandschaft mit niedrigwüchsigen Bäumen, die meist zu den Hartlaubgewächsen gehören und für die einheimische Flora typisch sind. Zahlreiche Arten, die in der tropischen Zone gedeihen, sind auch im Malaiischen Archipel im Nordosten Australiens anzutreffen.

Die gemäßigte Zone ist von Busch- und Waldlandschaften aus Hartlaubgehölzen, Pflanzen des gemäßigten Klimas und Savannenwäldern geprägt. Sie weist außerdem Mallee-Scrubs und andere Strauchvegetationen, strauchförmige Sandheide und Regenwaldgebiete mit Pflanzenbewuchs auf, der für gemäßigtes Klima typisch ist. Alpine Vegetation kommt in den Australischen Alpen und den Berglandschaften von Tasmanien vor. Entlang der Ostküste bis einschließlich Tasmanien gibt es Bestände aus Kiefern und anderen Koniferen. Nach den Eukalyptusarten stehen Kiefern hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Bedeutung an zweiter Stelle. Mittlerweile gehören die Huonkiefern zu den selten gewordenen Arten und werden weiträumig von der Abholzung ausgeschlossen. In den Bewaldungsflächen der warmen und gut bewässerten südöstlichen und südwestlichen Bereiche überwiegen die Eukalyptusarten, von denen es über 500 gibt und die eine Höhe von über 90 Metern erreichen können. Die Südwestküste zeichnet sich durch ihren besonders großen Artenreichtum aus. Im Untergehölz der Bergeschen und der Eukalyptusbäume des Südostens gedeihen Akazien und Baumfarne. Tasmanien ist für seine Buchenwälder im Süden und die floristische Verwandtschaft zu Neuseeland bekannt.

In der Trockenzone herrschen semiaride Strauchsavannen, Buschsteppen, halbaride Grasflächen und Grasflächen mit Hartlaubgewächsen vor, weite Landstriche sind jedoch praktisch vegetationslos. Die Vegetation ist dem ariden Klima angepasst, wobei Akazien (insgesamt ebenfalls etwa 500 Arten) gegenüber den Eukalyptusbäumen überwiegen. Für den Pflanzenbewuchs in Western Australia sind zwei Eukalyptusarten typisch, der Jarra- und der Karri-Eukalyptus, die vor allem wegen ihres harten und beständigen Holzes geschätzt werden. Die für die Vegetation im Landesinneren charakteristischen Pflanzen sind Hartlaubbüsche und Büschelgräser (Spinifex), die Schafen als Weidepflanzen dienen, und Sträucher wie Mallee- und Mulga-Scrubs.

Neben der einheimischen Flora sind in Australien ungefähr 2 000 eingeführte Pflanzenarten anzutreffen, von denen die meisten mit der Entwicklung von Land-, Weide- und Forstwirtschaft ins Land kamen. Man nimmt an, dass zur Zeit der Besiedlung durch die ersten Europäer bis zu einem Viertel des Landes von Wäldern, Waldsavannen und Buschbeständen bedeckt war. In den darauf folgenden 200 Jahren wurde ein großer Teil der einheimischen Flora vernichtet, um Raum für Besiedlung und landwirtschaftliche Nutzung zu schaffen. Diese Entwicklung hatte nicht nur eine Verschärfung der Erosion zur Folge, sondern auch das unwiderrufliche Verschwinden von über 80 einheimischen Pflanzenarten. Weitere 840 Arten sind vom Aussterben bedroht.

Etwa 12 Prozent der Landesfläche Australiens sind zu Schutzgebieten erklärt worden. Australien verfügt über viele Nationalparks und Reservate, die von den einzelnen Bundesstaaten verwaltet werden. Auch wurden einige Meeres- und Ästuarschutzgebiete eingerichtet, z. B. der Great Barrier Reef Marine Park. Insgesamt wurden elf Gebiete zu Weltnaturerbestätten erklärt, zwölf Biosphärenreservate sind Teil des Biosphärenprogramms der UNESCO.

8. Fauna

Man nimmt an, dass in Australien bis zu 300 000 Tierarten existieren, von denen bislang nur etwa 100 000 wissenschaftlich erforscht und beschrieben wurden. Es gibt 260 Säugetierarten, 649 Vogelarten, 748 Reptilienarten, über 205 Amphibienarten und nahezu 200 Arten von Süßwasserfischen. Die meisten Parallelen sind zur Tierwelt von Neuguinea zu ziehen, das evolutionsbiologisch betrachtet der australischen Fauna zuzurechnen ist, und zur südafrikanischen Tierwelt, die ebenfalls Teil des Urkontinents Gondwana war. Zahlreiche Tierarten kommen ausschließlich in Australien vor und dokumentieren so die lange Isolierung des Kontinents von anderen Landmassen.

Die einzigen Eier legenden Säugetiere der Welt sind die primitiven Kloakentiere, zu denen Schnabeltiere und Ameisenigel gehören; das Schnabeltier lebt vorwiegend in den Süßgewässern Südostaustraliens. Die für Australien charakteristischsten einheimischen Säugetiere sind die Beuteltiere, die praktisch alle biologischen Nischen der Säugetiere erschlossen haben. Die bekanntesten australischen Beuteltiere sind Kängurus, die etwa 50 Arten umfassen und Lebensräume sowohl in der gemäßigten als auch in der tropischen Klimazone haben. Kängurus gehören zu den wenigen einheimischen Tierarten Australiens, die von der Zunahme der Weidelandflächen profitiert haben; die kleineren Arten der Familie heißen Wallabys. Koalas ernähren sich ausschließlich von Blättern einiger weniger Eukalyptusbaumarten und sind durch den Verlust ihres natürlichen Lebensraumes bedroht. Weitere bekannte Beuteltiere sind Wombats, Beutelteufel, Beutelmarder und der ausgestorbene Beutelwolf. Der Dingo ist kein Beuteltier, er stammt von asiatischen Haushunden ab.

Außergewöhnlich artenreich ist die australische Avifauna (Vogelwelt), die auch riesige, flugunfähige Arten wie Emu und Kasuar umfasst. Der prachtvoll balzende Leiervogel besitzt fächerartige Schwanzfedern. Männliche Laubenvögel errichten komplizierte Bauwerke, um Weibchen anzulocken. Der Kookaburra oder Lachende Hans ist für seinen durchdringenden Ruf bekannt, der menschlichem Lachen ähnelt. Die Vogelwelt beinhaltet zudem viele Arten von Papageien, zu denen Kakadus und Wellensittiche gehören. Schwarze Schwäne, Löffler, Reiher und Enten leben an Binnengewässern. Zur Seevogelfauna gehören Möwen, Seeschwalben, Tölpel, Sturmvögel, Albatrosse und Pinguine.

Seit der Besiedlung Australiens durch Europäer sind insgesamt 20 Säugetierarten und 16 Vogelarten ausgestorben. Weitere 15 Vogelarten und 38 Säugetierarten sind entweder gefährdet oder unmittelbar vom Aussterben bedroht. Der Grund für diese Entwicklung liegt in der zunehmenden Zerstörung natürlicher Lebensräume und auch der Einführung fremder Arten, die mit den einheimischen Arten um Nahrung konkurrieren, ihren Lebensraum zerstören oder einheimische Tiere jagen. Die Einführung vor allem von Kaninchen, Füchsen, Katzen, Schweinen, Schafen, Ziegen, Rindern, Pferden, Kamelen und afrikanischen Wasserbüffeln wirkte sich auf die natürliche Flora und Fauna überaus schädlich aus.

Die weiträumigsten Zerstörungen richtete wahrscheinlich das europäische Kaninchen an, das 1788 mit dem ersten Sträflingstransport nach Australien kam. Unter den idealen Voraussetzungen der australischen Wildnis, in der nur wenige Feinde des Kaninchens lebten, vermehrten sich die Tiere unglaublich schnell und wurden zur Landplage. Im frühen 20. Jahrhundert schätzte man die Gesamtzahl der Kaninchen auf etwa 500 Millionen. Zur Bekämpfung der Kaninchen führte man deshalb 1951 das Myxomatosevirus ein, das bei Kaninchen zum Tod führt. Etwa 20 Jahre lang blieb diese Art der Schädlingsbekämpfung wirksam, doch dann wurden die Tiere gegen das Virus immun und erholten sich zahlenmäßig, so dass man heute von 300 Millionen Kaninchen in Australien ausgeht. Abgesehen von der Zerstörung der Vegetation weiter Landstriche und damit auch des natürlichen Lebensraumes von einheimischen Tierarten verursachen die Kaninchen indirekt auch die Erosion des Bodens und richten auf Weideflächen und Anpflanzungen von Kulturpflanzen beträchtlichen Schaden an. Der fortschreitenden Verbreitung von Füchsen und verwilderten Katzen versucht man mit regionalen Bekämpfungsmaßnahmen entgegenzuwirken. In den Gegenden der Monsunzone im Norden Australiens ist die Zahl der Wasserbüffel ebenfalls stark angestiegen. Durch die übermäßige Beweidung der Flächen tragen sie in beträchtlichem Maß zur Bodenerosion bei und zerstören das biologische Gleichgewicht der empfindlichen Lebensräume in den Sumpfgebieten.

In Australien leben zwei Krokodilarten, von denen das bis drei Meter lange Australienkrokodil in den Süßgewässern des Binnenlandes vorkommt. Das bis sieben Meter lange Leistenkrokodil ist in den Sumpf- und Mündungsgebieten an der Nordküste heimisch. Zu den zahlreichen Echsenarten gehören Geckos, Skinke, Agamen und Warane. Ferner umfasst die australische Fauna 100 Arten von Giftschlangen, von denen die gefährlichsten der im Norden des Landes heimische Taipan und die Todesotter sind.

In den Gewässern um Australien leben Wale und Robben; an Teilen der Südküste, auf den Inseln der Bass-Straße und in Tasmanien gibt es Kolonien von Seebären und Seelöwen. In den nördlichen Gewässern leben Dugongs (Gabelschwanzseekühe); außerdem sind hier ungefähr 70 Haiarten heimisch. Der in Süßgewässern lebende Lungenfisch ist ein so genanntes lebendes Fossil.

Auch die Fauna der Wirbellosen ist artenreich. Die Riesentermiten im Norden von Australien bauen gewaltige Termitenhügel, die eine Höhe bis zu sechs Metern erreichen können. Auffällig sind auch die riesigen Regenwürmer in Victoria, die mit Längen von 0,9 bis 3,7 Metern die größten der Welt sind. Viele australische Spinnenarten sind giftig, so die Trichternetzspinnen und Rotrückenspinnen.