James Joyce
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James Joyce
1. Einleitung

James Joyce (1882-1941), irischer Schriftsteller. Seine psychologisch differenzierte Darstellung des irischen Gesellschaftslebens zur Jahrhundertwende (Dubliner, 1914) und seine innovativen literarischen Techniken machten ihn neben Marcel Proust und Robert Musil zum wichtigsten Autoren des 20. Jahrhunderts. Joyce’ Ulysses (1922) gilt als Prototyp des modernen Experimentalromans, Finnegans Wake (1939) entwirft gar eine Art vorbabylonischer Ursprache und nimmt entscheidende Tendenzen der literarischen Postmoderne vorweg.

James Augustine Aloysius Joyce wurde am 2. Februar 1882 in Dublin geboren und besuchte dort zunächst die Jesuitenschule Clongowes Wood. Anschließend war er bis 1898 am Royal University College. Nach 1902 lebte er ein Jahr im Ausland, zunächst in London (Bekanntschaft mit William Butler Yeats), später dann in Paris, wo er ein begonnenes Medizinstudium schnell wieder abbrach. Schon während dieser Schul- und Studienjahre machten sich jene starken antikatholischen Tendenzen bemerkbar, die später auch im literarischen Werk auftraten und ihn bei der konservativen Kritik in Misskredit brachten. Zu dieser Zeit war Joyce noch stark vom Naturalismus, namentlich von Henrik Ibsen, beeinflusst (The New Ibsen, 1900): Unter anderem unternahm er eine (recht dilettantische) Übersetzung von Gerhart Hauptmanns Vor Sonnenaufgang. Um 1900 begann Joyce mit der Arbeit am Roman Stephen Hero. 1904 folgten erste Gedichtveröffentlichungen und Versuche als Verfasser von Kurzgeschichten. Im selben Jahr verließ Joyce Dublin mit seiner Geliebten und späteren Ehegattin Nora, geborene Barnacle, endgültig (ein letzter Besuch erfolgte 1912). Das Paar übersiedelte nach Triest, wo der äußerst sprachbegabte Schriftsteller Englisch an der Berlitzschule unterrichtete, Yeats ins Italienische übersetzte und Freundschaft mit dem Dichter Italo Svevo schloss. Trotz zunehmender literarischer Popularität lebte die Familie meist recht dürftig von Joyce’ Arbeit als Sprachlehrer und von Zuwendungen wohlhabender Gönner.

1907 erlitt Joyce eine Entzündung der Regenbogenhaut, erstes Anzeichen ernsthafter Augenprobleme, die später zu fast völliger Blindheit führten. 1915 zog das Paar mit seinen Kindern Giorgio und Lucia nach Zürich (Bahnhofstrasse, 1918). Hier kam Joyce indirekt mit den Zürcher Dadaisten um Hans Arp in Berührung (denen er als „arpists” in Finnegans Wake ein literarisches Denkmal setzte) und lernte u. a. die Expressionisten René Schickele und Ivan Goll kennen. Auch kam er mit der Dramatik Frank Wedekinds in Berührung. 1919 begann Joyce mit dem Nausikaa-Kapitel des Ulysses (ein Jahr zuvor waren bereits die Abschnitte Lotophagen, Hades, Aeoulos, Zyklop sowie die Lästrygonen und die Sirenen in Zürich entstanden). Von der Zürcher Zeit des Autors zeugen einige Allusionen an das Schwyzerdütsche und die Namen bestimmter lieb gewonnener Orte im polyphon-mehrsinnigen Sprachkonglomerat von Finnegans Wake, darunter der Brauch des Sechseläutens („Sexaloitez”, „Bing Bong! Saxolooter”) und die Sihlpost in der Nähe des Hauptbahnhofs („You don’t say, the Sillypost?”). Auch die Namen der Schriftsteller Theodor Storm und Gottfried Keller sind auf einer Sprachebene des Romans in der Formulierung „in his storm cellar” verborgen (vgl. auch die Zurich Notebooks, State University of New York, Buffalo).

Nach 1920 sollte die Familie Joyce für über zwanzig Jahre in Paris eine Heimat finden. Von hier aus kehrte der Autor nach 1930 öfters nach Zürich zurück, um sich von dem berühmten Augenspezialisten Alfred Vogt operieren zu lassen. In Paris erschien 1922 der Ulysses bei Silvia Beachs Shakespeare & Co. Als die französische Hauptstadt 1940 von deutschen Truppen besetzt wurde, floh Joyce über Saint-Gérand-le-Puy und Lausanne nach Zürich, wo er am 13. Januar 1941 an den Folgen eines Zwölffingerdarmgeschwürs verstarb. Er wurde auf dem Friedhof Flundern in der Nähe des Zoologischen Gartens beigesetzt. Nicht zuletzt Ezra Pound erwies dem Grab des Dichters seine Referenz.

In der Zürcher Augustinergasse, nahe dem Gasthaus Augustiner, in dem der Autor gerne speiste, wurde 1987 die James-Joyce-Stiftung eingerichtet, die neben Devotionalien (Spazierstöcken, der Totenmaske etc.) eine ausgiebige Bibliothek zum Werk des Iren beherbergt und immer wieder Experten zu Vorträgen einlädt. Geleitet wird die Stiftung von dem Joyce-Kenner Fritz Senn (*1928, Nichts gegen Joyce – Joyce versus Nothing, 1983), der auch die Fachzeitschrift A Wake Newsletter mitinitiierte. Darüber hinaus setzten sich die Organe James Joyce Review, The Analyst und James Joyce Quarterly mit den Schriften des Autors auseinander. Seit 1967 existiert in Dublin die James-Joyce-Foundation. Internationale James-Joyce-Symposien erinnern ebenso an den Schriftsteller wie der James Joyce Pub in der Zürcher Pelikanstraße.