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| 2. | Land |
Russland wird zumeist in zwei geographische Großräume unterteilt: das europäische Russland westlich des Urals und Sibirien, das sich östlich des Urals bis zum Pazifischen Ozean erstreckt. In manchen Darstellungen wird als dritter Großraum der russische Ferne Osten unterschieden. Die Grenze zwischen Sibirien in diesem Sinn und dem Fernen Osten bildet die Wasserscheide zwischen Nordpolarmeer und Pazifik.
| 1. | Physische Geographie |
Im westlichen und nördlichen Teil des Landes erstreckt sich eine großräumige Ebene; sie umfasst das Osteuropäische und das Westsibirische Tiefland. Eine ausgeprägte Hochland- und Gebirgsregion bedeckt den größten Teil Mittel- und Ostsibiriens sowie den Fernen Osten des Landes; sie reicht bis an die Küste am Pazifischen Ozean.
| 1.1. | Osteuropäisches Tiefland |
Das Osteuropäische Tiefland nimmt den überwiegenden Teil des europäischen Teils von Russland ein. Es besteht aus weiten Niederungen, die von schwach gegliederten Höhenrücken unterbrochen werden. Nur wenige Erhebungen erreichen Höhen von mehr als 300 Metern. In Karelien und auf der Halbinsel Kola, die geologisch zum Baltischen Schild gehören, ist das Relief besonders im Norden bewegter. Dort wird in den Khibiny-Bergen der zentralen Kola-Halbinsel eine maximale Höhe von 1 191 Metern erreicht. Im Süden geht das Osteuropäische Tiefland in die unterhalb des Meeresspiegels gelegene Kaspische Senke über.
Die pleistozänen (eiszeitlichen) Eismassen waren vor allem in den nördlichen Bereichen des Tieflands landschaftsprägend. Hier sind auch einige ausgedehnte Sumpfgebiete entwickelt, wie z. B. das Meshchera-Tiefland südöstlich von Moskau. Während der letzten Eiszeit, die vor etwa 10 000 bis 12 000 Jahren endete, entstand eine Kette von Endmoränen, die vom Grenzgebiet zu Weißrussland aus nach Osten und nördlich von Moskau zur arktischen Küste westlich des Flusses Petschora verläuft. Die Region nördlich dieser Moränenkette wird von zahlreichen Seen und Sümpfen geprägt.
| 1.2. | Uralgebirge |
Der Ural markiert die Grenze zwischen den Kontinenten Europa und Asien. Das Uralgebirge besteht aus einer Reihe alter, abgetragener Bergketten. Die durchschnittliche Höhe liegt bei 600 Metern; höchster Berg ist mit einer Höhe von 1 894 Metern der Narodnaja Gora im Norden des Gebirges. Der Ural ist wirtschaftlich bedeutend, weil er zahlreiche Lagerstätten nutzbarer Bodenschätze umfasst.
| 1.3. | Westsibirisches Tiefland |
Östlich des Uralgebirges setzt sich bis zum Jenissej die weit gespannte Ebene im Westsibirischen Tiefland fort. Dieses überaus flache Gebiet wird von weiträumigen Sumpflandschaften eingenommen. Am mittleren Ob, in der Umgebung der Stadt Surgut, fand man in den sechziger Jahren reiche Erdölvorkommen.
| 1.4. | Mittelsibirisches Bergland |
Östlich des Jenissej erstreckt sich bis zur Lena mit ihrem Nebenfluss Aldan das wellige Mittelsibirische Bergland mit durchschnittlichen Höhen zwischen 500 und 700 Metern. Im Nordwesten dieser Region erhebt sich das Putoranagebirge, das im Kamen eine maximale Höhe von 1 701 Metern erreicht. Flüsse prägten die Gestalt der Landschaft, an einigen Stellen haben sich tiefe Cañons eingeschnitten. Im Norden fällt das Mittelsibirische Bergland zum schmalen Nordsibirischen Tiefland ab, das nach Norden zur Taimyr-Halbinsel ansteigt.
| 1.5. | Ostsibirisches Gebirgsland |
Östlich von Lena und Aldan schließt sich das Ostsibirische Gebirgsland an, das aus verzweigten Gebirgsketten besteht. Die höheren Gebirge in dieser Region, wie z. B. Werchojansker Gebirge, Tschersker Gebirge und Kolymagebirge, erreichen maximale Höhen zwischen etwa 2 300 und 3 200 Metern. Auf der Halbinsel Kamtschatka gibt es etwa 160 Vulkane, von denen 28 noch aktiv sind. Höchster Vulkankegel ist der Kljutschew mit 4 750 Metern. Die vulkanische Gebirgskette von Kamtschatka setzt sich im Süden auf den Kurilen fort. Dort gibt es rund 100 Vulkane, von denen 35 noch aktiv sind.
| 1.6. | Südliche Gebirgssysteme |
Im Süden des europäischen Teils von Russland erstreckt sich zwischen Schwarzem Meer und Kaspischem Meer der junge, geologisch aktive Kaukasus. Er umfasst zwei große Faltengebirgsketten; über den Hauptkamm des Großen Kaukasus verläuft ein Teil der Südgrenze Russlands. Das Gebirgssystem besitzt eine komplizierte geologische Struktur. Höchster Berg im Großen Kaukasus ist mit 5 642 Metern der Elbrus, ein erloschener Vulkan.
Im Süden von Mittel- und Ostsibirien setzen sich weitere Gebirgszüge ostwärts bis zum Pazifischen Ozean fort. Dazu gehören Altai, Sajangebirge, Jablonowyjgebirge, Stanowoigebirge und Dshugdshurgebirge. Im Fernen Osten erheben sich das Burejagebirge und der Sichote-Alin.
| 2. | Küsten, Flüsse, Seen und Meere |
Russland hat von allen Ländern der Erde die längste, ununterbrochene Küstenlinie. Sie erstreckt sich entlang dem Nordpolarmeer und dem Pazifischen Ozean über mehr als 32 000 Kilometer. Weitere Küstenabschnitte bestehen am Schwarzen Meer und Kaspischen Meer im Süden. Russland besitzt nur sehr wenige ganzjährig zugängige Meereshäfen; der größte Teil der Küsten liegt an Gewässern, die viele Monate im Jahr zugefroren sind. Trotz dieser Beschränkungen werden alle Meere für die Schifffahrt und den Fischfang genutzt.
Die längsten Flüsse Russlands liegen in Sibirien und dem fernöstlichen Russland. Der Ob entspringt im südsibirischen Altai und ist eine wichtige regionale Wasserstraße. Der Fluss ist rund 3 680 Kilometer lang und bildet zusammen mit dem Irtysch mit einer Gesamtlänge von 5 642 Kilometern das längste Flusssystem Asiens. Das zweitgrößte Flusssystem besteht aus Amur, Schilka und Onon. Es hat eine Gesamtlänge von etwa 4 400 Kilometern und führt vom Norden der Mongolei in östlicher Richtung entlang der chinesischen Grenze zur Pazifikküste. Die rund 4 400 Kilometer lange Lena fließt zunächst in nordöstliche Richtung, biegt nach dem Einmünden des Aldan nach Norden und mündet in einem ausgedehnten Delta in die Laptewsee. Mit einer Länge von 3 530 Kilometern ist die Wolga der längste Fluss Europas. Zusammen mit ihren beiden Nebenflüssen Kama und Oka entwässert sie einen großen Teil der Osteuropäischen Ebene nach Südosten zum Kaspischen Meer. Der fünftlängste Fluss, der Jenissej, fließt aus der Mongolei nach Norden durch Ostsibirien und mündet ins Nordpolarmeer. Sein Hauptzufluss, der Angara, stellt den einzigen Abfluss des Baikalsees dar. Der Jenissej führt dem Nordpolarmeer jährlich mehr als 620 Kubikkilometer Wasser zu; damit verzeichnet er die höchste Durchflussmenge aller russischen Flüsse, gefolgt von Lena, Ob, Amur und Wolga.
Viele andere Ströme sind als Verkehrswege und als Energiequellen bedeutend, oder sie dienen in trockenen Regionen der Bewässerung. Der Don nimmt dabei eine herausragende Stellung ein. Er liegt im bevölkerungsreichen Osteuropäischen Tiefland und entwässert nach Süden in das Asowsche Meer, einen Arm des Schwarzen Meeres. Im nördlichen Osteuropäischen Tiefland fließen Narwa und Düna (Daugava) nach Nordwesten in die Ostsee. Petschora, Nördliche Dwina, Mezen und Onega fließen Richtung Nordpolarmeer und münden ins Weiße Meer. In der nordkaukasischen Ebene sind die beiden wichtigsten Flüsse für die Bewässerung der Kuban, der nach Westen ins Asowsche Meer fließt, und der Terek, der nach Osten ins Kaspische Meer fließt.
Die Sowjetregierung beschleunigte den Bau großer Dämme zur Energiegewinnung und für eine bessere und umfangreichere Bewässerung. Die umfangreichsten Baumaßnahmen erfolgten am Flusssystem von Wolga und Kama, am Don, im oberen Teil des Jenissej-Angara-Systems und an den Läufen von Ob und Irtysch.
In Russland gibt es, besonders im ehemals vergletscherten nordwestlichen Teil des Landes, viele natürliche Seen. Das Kaspische Meer im Süden ist der größte Binnensee der Erde. Der Seespiegel des Salzwassersees befindet sich etwa 28 Meter unterhalb des Meeresniveaus. Da das Kaspische Meer keinen Abfluss hat, entweicht Wasser nur durch Verdunstung, wodurch es bei dem hier herrschenden trockenen Klima zur Auskristallisation von Salzen kommt. Das Kaspische Meer hat eine Fläche von rund 371 000 Quadratkilometern. Zweitgrößter See in Russland ist der Baikalsee mit einer Fläche von 31 500 Quadratkilometern. Mit einer maximalen Tiefe von 1 637 Metern ist der Baikalsee der tiefste Süßwassersee der Erde. Man schätzt, dass der See etwa ein Fünftel der Süßwasserreserven der Erde enthält. Die beiden nächstgrößeren Seen sind der Ladogasee und der Onegasee. Sie liegen in der Karelischen Seenplatte im Nordwesten des europäischen Teiles von Russland. Beide Süßwasserseen sind eiszeitlichen Ursprungs und haben Abflüsse, die in den Finnischen Meerbusen münden.
| 3. | Klima |
Russland umfasst eine Reihe unterschiedlicher Klimazonen. Entlang der Küste des Nordpolarmeeres herrscht polares Tundrenklima vor, das im Süden bis in die Gebirgslagen der fernöstlichen Region reicht. Südlich dieser Zone erstreckt sich ein breiter Gürtel mit subarktischem Klima, der im europäischen Russland in südlicher Richtung bis Sankt Petersburg reicht, östlich des Uralgebirges jedoch fast ganz Sibirien und den Fernen Osten Russlands umfasst. Der größte Teil des europäischen Teiles von Russland unterliegt einem gemäßigten kontinentalen Klima. Dieser Gürtel reicht von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer und umfasst im Osten auch einen schmalen Streifen des südlichen Westsibirischen Tieflandes. An dieser Klimazone hat auch der südöstliche Teil des Fernen Ostens Russlands Anteil. An der Schwarzmeerküste herrscht dagegen subtropisches Klima. Moskau liegt in der kontinentalen Klimazone. Die Durchschnittstemperaturen betragen dort -9 °C im Januar und 19 °C im Juli. In Wladiwostok im fernöstlichen Russland betragen die mittleren Temperaturen -14 °C im Januar und 18 °C im Juli.
Da sich Russland weit in hohe geographische Breiten erstreckt und das angrenzende Nordpolarmeer nicht von milden Meeresströmungen geprägt ist, herrschen im Norden des Landes raue klimatische Bedingungen. Die Winter sind lang und kalt, die Sommer kurz und im Norden auch relativ kühl. Hohe Gebirge entlang der Südgrenze von Russland und Zentralasien machen eine Zufuhr von maritimen, tropischen Luftmassen von Süden her nahezu unmöglich. Im Winter ist das Nordpolarmeer bis zur Küste zugefroren. Weil das Gebiet im Bereich des Westwindgürtels liegt, reichen warme Einflüsse vom Pazifischen Ozean nicht weit ins Landesinnere. Dies trifft besonders im Winter zu, wenn sich ein ausgeprägtes, extrem kaltes Hochdruckgebiet mit Zentrum über Ostsibirien über weite Teile Sibiriens und des fernöstlichen Russlands erstreckt.
Dem Meereseinfluss unterliegt Russland vom Atlantischen Ozean im Westen her; bis aber die Atlantikluft Russland erreicht, hat sie den gesamten Westteil Europas durchquert und beträchtliche Veränderungen durchgemacht. Im Sommer durchdringt sie die Landmassen am leichtesten, wenn tiefer Druck über Russland vorherrscht. Dann kann warme, feuchte Atlantikluft östlich bis nach Mittelsibirien vordringen. Diese Luftmassen bringen Russland ein ausgeprägtes Sommermaximum an Niederschlag. Vielerorts ist die Verteilung der Niederschläge im Sommer nicht sehr günstig. Im Frühsommer gibt es oft Dürren, im Hoch- und Spätsommer fallen häufig beträchtliche Niederschläge, die die Ernten beeinträchtigen. Das trifft insbesondere auf die fernöstliche Region zu, wo einströmende pazifische Luft im Hoch- und Spätsommer Monsunregen bringt. In den nördlichen Gebieten, besonders nördlich von Moskau, ist der Himmel insbesondere im Winter so häufig bedeckt, dass die Russen dieses Phänomen Pasmurno (trübes, trostloses Wetter) nennen. In Moskau ist der Himmel im Dezember an durchschnittlich 23 Tagen bedeckt.
In weiten Teilen des Landes ist der jährliche Niederschlag gering. Das Osteuropäische Tiefland verzeichnet einen mittleren Jahresniederschlag von etwa 800 Millimetern, der bis zur Küste am Kaspischen Meer auf rund 400 Millimeter sinkt. In Sibirien und dem Fernen Osten Russlands reichen die Jahresmittelwerte in den meisten Regionen von 500 bis 800 Millimeter. In höheren Lagen sind auch Niederschläge bis zu 1 000 Millimetern möglich, doch in Becken im Landesinneren werden teilweise weniger als 300 Millimeter erreicht.
Das Klima ist durch extreme Temperaturgegensätze gekennzeichnet. Die niedrigsten Wintertemperaturen verzeichnet Ostsibirien; im Westen mäßigt die Luft vom Atlantischen Ozean her die Bedingungen etwas. Werchojansk in Ostsibirien wird oft als „Kältepol der Welt” bezeichnet. Im Januar liegen die Temperaturen bei durchschnittlich -48,9 °C, doch wurde hier auch schon ein Extremwert von -67,8 °C gemessen. Im Juli liegt die mittlere Temperatur in Werchojansk bei 15 °C, an einzelnen Tagen wurden auch Werte um 35 °C erreicht. Die Stadt verzeichnete damit eine maximale jährliche Temperaturschwankung von 102,8 °C; dieser Wert wurde bisher an keiner anderen Messstation der Erde übertroffen.
| 4. | Natürliche Vegetation und Böden |
Die breiten Vegetations- und Bodenzonen Russlands entsprechen annähernd den Klimazonen des Landes. Im hohen Norden wächst auf tief reichendem Dauerfrostboden eine Tundrenvegetation aus Moosen, Flechten und niedrigen Sträuchern. Der Untergrund ist hier bis in große Tiefen ganzjährig gefroren, nur eine dünne Oberflächenschicht taut im Sommer auf.
Über zwei Fünftel des russischen Territoriums sind waldbedeckt, der größte Teil davon liegt im asiatischen Landesteil. Insgesamt stellen die Wälder nahezu ein Viertel der Waldfläche der Erde dar. Die Waldzonen des Landes lassen sich unterteilen in einen nördlichen Teil, den borealen Nadelwaldgürtel (Taiga), und den sehr viel kleineren südlichen Mischwald. Die Taiga schließt sich südlich an die Tundra an; sie bedeckt die nördlichen zwei Fünftel des europäischen Teiles von Russland und erstreckt sich über einen großen Teil Sibiriens und des russischen Fernen Ostens. Ein erheblicher Teil dieser Region ist durch tief reichende Dauerfrostböden gekennzeichnet.
Die Taiga besteht hauptsächlich aus Nadelbäumen, doch an einigen Stellen tragen Laubbäume wie Birken, Pappeln, Espen und Weiden zur Waldvielfalt bei. Im äußersten nordwestlichen Teil der europäischen Region beherrschen verschiedene Kiefernarten die Taiga. Östlich der Westhänge des Uralgebirges dominieren Tannen, zudem wachsen hier Kiefern; in einigen Gegenden gibt es fast reine Birkenwaldbestände. Die Taiga der Westsibirischen Tiefebene besteht hauptsächlich aus Kiefernarten, entlang der Südränder des Waldes sind Birken vorherrschend. In weiten Teilen des Mittelsibirischen Berglandes und in den fernöstlichen Gebirgen dominieren Lärchen. Überall in der Taiga sind die Bäume im Allgemeinen klein und stehen weit auseinander. Ein beträchtlicher Teil des Landes ist baumlos, hauptsächlich aufgrund unzureichender Entwässerung; in diesen Gebieten bilden Sumpfgräser und Gebüsche die pflanzliche Decke. Die vorherrschenden Böden der Taiga sind Podsole; sie sind relativ unfruchtbar, da die meisten ihrer Pflanzenminerale durch das saure Grundwasser ausgewaschen worden sind.
Mischwald aus Nadel- und Laubbäumen bedeckt den zentralen Teil des Osteuropäischen Tieflandes von Sankt Petersburg im Norden bis zur ukrainischen Grenze im Süden. Im Mischwald dominieren im Norden Nadelbäume und im Süden Laubbäume, hauptsächlich Eichen, Buchen, Hainbuchen und Ahorn. Ein ähnlicher Wald beherrscht fast den ganzen Süden des fernöstlichen Russlands, am mittleren Flusstal des Amur und südlich entlang des Ussuri-Flusstales. Graubraune Waldböden findet man in der Mischwaldzone. Sie sind nicht so unfruchtbar wie die Böden der Taiga im Norden. Mit entsprechenden Anbaumethoden und starker Düngung können sie recht ertragreich sein.
Nach Süden hin geht der Mischwald in eine schmale Waldsteppenzone über, bevor die eigentliche Steppenzone beginnt. Die Waldsteppe weist Graslandvegetation mit verstreuten Baumhainen auf, ist heute jedoch größtenteils kultiviert. Sie ist durchschnittlich 150 Kilometer breit und erstreckt sich nach Osten über das mittlere Wolgatal und das südliche Uralgebirge bis in die südlichen Bereiche des Westsibirischen Tieflandes. Isolierte Gebiete dieser Zone finden sich im Süden, in den Zwischengebirgsbecken Ostsibiriens.
Die Steppe ist eine Vergesellschaftung von Gräsern mit wenigen, oft verkümmerten Bäumen. Zu dieser Region gehören die Westhälfte der Nordkaukasischen Platte und ein Landstreifen, der sich nach Osten über das südliche Wolgatal, den südlichen Ural und Teile Westsibiriens erstreckt. Ebenso wie die Waldsteppenzone ist auch ein großer Teil der Steppe kultiviert.
Waldsteppe und Steppe gedeihen auf fruchtbaren Böden, zusammen bilden sie eine Region, die als Schwarzerdegürtel bekannt ist; sie ist das landwirtschaftliche Kernland Russlands. Die Waldsteppe verfügt über schwarze Tschernosemböden, die einen hohen Humusgehalt und einen nahezu ausgewogenen Mineralstoffgehalt für die Kultivierung der meisten Feldfrüchte haben. Die Waldsteppe hat in der Wachstumsphase die bessere Feuchtigkeitsversorgung gegenüber der Steppe und ist daher die beste Landwirtschaftsregion in Russland. Die Steppenböden sind nicht ganz so humusreich wie die Tschernosemböden im Norden, doch haben sie einen sehr hohen Mineralstoffgehalt.
| 5. | Fauna |
Die Tierwelt in der Tundra entlang der arktischen und pazifischen Küste und auf den vorgelagerten Inseln ist überraschend vielfältig. Hier leben Eisbären, Eisfüchse, Rentiere, Schneehasen und Lemminge sowie Walrosse und Hundsrobben (Bart-, Sattel-, Ringel- und Kegelrobben). Zur Avifauna (Vogelwelt) gehören Schneehühner, Gerfalken, Raufußbussarde, Schnee-Eulen, Möwen und Seetaucher. Im Sommer ziehen viele Gänse, Schwäne und Enten in diese Region, um hier zu brüten. In der warmen Jahreszeit bietet die Tundra Stechmücken optimale Vermehrungsmöglichkeiten, und diese Insekten werden zur Plage. Die Taiga ist Lebensraum für Elche, Rentiere, Braunbären, Luchse, Zobel und eine Vielzahl von Waldvögeln wie Auerhühner, Haselhühner, Waldschnepfen, Tannenhäher, Seidenschwänze, Habichte, Sperber, Habichtskäuze, Bartkäuze und Sperbereulen.
In den Laubwäldern leben viele auch in der Taiga anzutreffende Arten, zu den bemerkenswerten Säugetieren gehören Wölfe, Nerze und Biber. Die Wälder im Süden des fernöstlichen Russland sind bekannt für ihre großen Sibirischen Tiger (eine vom Aussterben bedrohte Unterart) sowie für Leoparden und Braunbären. In der Steppe leben Nagetiere wie Bobaks (nahe Verwandte der Alpenmurmeltiere), Perlziesel, Zwerghamster und Blindmäuse, doch kommen dort auch Raubtiere wie Steppeniltisse und Huftiere wie die Saiga (eine Steppenantilope) vor. Die Kaukasusregion weist eine besonders reiche Tierwelt auf; große Raubtiere wie Braunbären, Leoparden, Hyänen und Schakale leben dort, aber auch Steinböcke, Bezoarziegen, Gämsen, Rothirsche und Wildschweine. In den Binnen- und Küstengewässern Russlands gibt es etwa 1 500 Fischarten.
| 6. | Umwelt |
In der Sowjetunion wurde das produzierende Gewerbe systematisch ausgebaut, Auswirkungen auf die Umwelt wurden dabei kaum beachtet. Schätzungen zufolge sind bis zu 60 Prozent der Luft, des Wassers und der Böden in Russland schwer belastet. Ein großes Problem stellt die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser dar; etwa ein Drittel des zur Verfügung stehenden Trinkwassers entspricht nicht internationalen Richtwerten. Als ein besonders sensibles Ökosystem ist auch der Baikalsee immer noch durch industrielle Verschmutzungen gefährdet. Eine große Gefahr, deren Ausmaß noch kaum abgeschätzt werden kann, ist die unkontrollierte Entsorgung und Lagerung von radioaktiven Abfällen, insbesondere der russischen U-Boot-Flotte, in den Küstengebieten und -gewässern (vor allem in den Gebieten um Murmansk und Nowaja Semlja).
Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage in Russland fällt es ausländischen Unternehmen leicht, Lizenzen für Holzeinschläge in den sibirischen Wäldern zu bekommen. Dies hat in den letzten Jahren zu großflächigen Abholzungen geführt. Ein großer Teil der Wälder, zum Teil bisher weitgehend unberührter Urwald, ist davon bedroht. Die Luftverschmutzung ist in den meisten Städten sehr stark. Ursache hierfür sind u. a. die überwiegend veralteten Verkehrsmittel und die qualitativ minderwertigen Kraftstoffe. Bei verheerenden Bränden wurden 1997 und 1998 im Fernen Osten Russlands ausgedehnte Waldgebiete zerstört. Das verheerende Ausmaß der Umweltschäden in Russland zeigt sich auch daran, dass landesweit 4 bis 5 Prozent aller Krankheiten auf Umweltbelastungen zurückzuführen sind.
Seit 1998 haben sich die Umweltbedingungen leicht verbessert. Als Hauptgrund dafür werden Rückgänge bei der industriellen Produktion angeführt. So zeigen Umweltdaten zur Wasser- und Luftverschmutzung in einigen Regionen des Landes für 1998 jeweils einen Rückgang von einigen Prozent an. Ungefähr 1,4 Prozent der Landesfläche stehen in 89 Naturschutzgebieten und 29 Nationalparks unter Schutz. 17 Naturschutzgebiete wurden von der UNESCO zu Biosphärenreservaten erklärt.