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Catull

Catull, eigentlich Gaius Valerius Catullus (um 84 v. Chr. bis ca. 54 v. Chr.), lateinischer Lyriker, geboren in Verona, gestorben in Rom. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der altrömischen Versdichtung und als Meister des lateinischen Epigramms.

Vermutlich ließ sich Catull um das Jahr 62 v. Chr. in Rom nieder, wo er als Mitglied einer Gruppe junger Schriftsteller eine moderne Form der Lyrik nach dem Vorbild hellenistischer Dichtung einzuführen suchte. Ideal dieser so genannten neoterischen Dichter war der universal gebildete Autor, der poeta doctus. Insgesamt sind 120 Gedichte Catulls überliefert, die dem Geschichtsschreiber und Biographen Cornelius Nepos gewidmet sind.

Zu Catulls bekanntesten Werken gehören seine Liebes- und Hassgedichte an eine von ihm C. Lesbia genannte Frau. Man vermutet, dass es sich bei der Angesprochenen um eine schöne, aber skrupellose Dame namens Clodia gehandelt hat, die sich dem jungen Dichter gegenüber als untreu erwies. Sicherlich aber wird mit der Namensnennung auf die griechische Dichterin Sappho von Lesbos angespielt, eine der herausragenden Dichterpersönlichkeiten der Antike, die sich Catull offenbar zum Maßstab nahm. Zwar ist Lesbia die zentrale Figur dieser Verse, doch spiegeln viele von ihnen auch Selbstzweifel, Selbstkritik und Selbstmitleid des Dichters wider. Zwischen den Gedichten finden sich auch Epigramme, gegen Rivalen und Feinde gerichtete Spottverse, Anekdotisches sowie Lobgesänge auf Freundschaft und Geselligkeit. Viele dieser Werke sind in elegischem Versmaß geschrieben; ein Teil ist in Hexametern abgefasst (siehe Verslehre).

Nach der Enttäuschung über den Bruch mit Clodia begab sich Catull wohl um 57 v. Chr. auf eine längere Reise durch die römischen Provinzen in Kleinasien. Zu der berühmten Gedichtzeile „frater ave atque vale” („Bruder, zum Gruße und Lebewohl”) inspirierte ihn ein Besuch am Grab des Bruders vor Troja. Nach seiner Rückkehr (um 56 v. Chr.) verfasste Catull sein längstes bekanntes Gedicht, ein gelehrtes Hochzeitsepos auf Peleus und Thetis, in das er den Mythos um Ariadne miteinfliessen ließ. Darüber hinaus trat er als Übersetzer von Gedichten des Kallimachos hervor (Die Locke der Berenike). In späteren Jahren wandte er sich in politischen Schriften offen gegen Julius Caesar und dessen Verbündete. Catull starb jung: Er wurde kaum älter als 30 Jahre.

In seinem poetischen Schaffen gelang es Catull, die Abhängigkeit von hellenistischen Traditionen immer wieder zugunsten einer eigenständischen lyrischen Ausdruckskraft formal zu überwinden. Sein Einfluss manifestiert sich nicht nur in den Liebesdichtungen späterer römischer Dichter wie Ovid und Horaz, sondern auch in zahlreichen Odendichtungen der Renaissance.