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| 2. | Physische Geographie |
Afghanistan ist ein ausgesprochenes Gebirgsland, das über keinen direkten Zugang zum Meer verfügt. Hauptgebirgssystem des Landes ist der Hindukusch, der sich mit seinen Ausläufern über etwa 1 000 Kilometer Länge erstreckt; er reicht vom Pamir, einem Gebirgszug im Nordosten, bis in die Nähe der westlichen Landesgrenze. Die mittlere Höhe des Hindukusch liegt bei circa 4 270 Metern, im äußersten Nordosten Afghanistans liegt der Nowshak, mit 7 485 Metern der höchste Berg des Landes.
An mehreren Stellen durchziehen Pässe die Gebirge Afghanistans und erleichtern damit die Zugänglichkeit des Landesinneren, wie auch die Verbindung zu benachbarten Ländern. Der einzige Pass im Hindukusch, der unterhalb 3 000 Meter liegt, ist der Shibar-Pass (2 987 Meter). Er verbindet die Region um Kabul mit den nördlichen Landesteilen. Der bekannteste Gebirgspass ist der historisch bedeutsame Khyber-Pass an der nordöstlichen Grenze, der das Sulaimangebirge quert und einen natürlichen Zugang nach Pakistan bildet. Nach Westen hin fällt der Hindukusch allmählich ab. Die Niederungen im Norden werden von Flüssen durchzogen und leiten zu den zentralasiatischen Steppen über. Im Süden und Südwesten Afghanistans sind abflusslose Wüstenregionen entwickelt.
| 1. | Flüsse und Seen |
Die afghanischen Flüsse haben als Gebirgsflüsse eine hohe Erosionskraft. Der Amudarja ist Grenzfluss zu Tadschikistan. Der Kabul fließt nach Osten in den Indus. Der Hilmend im Süden, der längste Fluss des Landes, und der Heri-Rud im Westen münden in abflusslose Becken.
| 2. | Klima |
Die Höhenerstreckung beeinflusst das Klima in hohem Maß. Es reicht von Kontinentalklima mit hohen Temperaturschwankungen im Jahresverlauf im zentralen Hochland über Hochgebirgsklima bis zu subtropischen Bedingungen im Südosten und Osten. In Kabul betragen die mittleren Temperaturen 25 °C im Juli und -3 °C im Januar. In Wüstenregionen können sommerliche Extremwerte von 50 °C erreicht werden, im Hindukusch sind winterliche Tiefstwerte um -25 °C keine Seltenheit.
Afghanistan ist ein relativ trockenes Land; die Niederschläge liegen im Jahresdurchschnitt landesweit bei etwa 300 Millimetern. Während die Trockengebiete weniger als 100 Millimeter erhalten, verzeichnen die Hochgebirge Jahresniederschläge bis etwa 1 300 Millimeter. Die Hauptregenzeit dauert von Oktober bis April. In den Wüsten und den trockenen Ebenen kommt es häufig zu Sandstürmen.
| 3. | Flora und Fauna |
Die Vegetation des Landes entspricht ungefähr der Ausbildung der Klimazonen. Die Pflanzenwelt Afghanistans gleicht sowohl derjenigen Tibets und der Himalaya-Region als auch derjenigen der Ebenen und Wüsten des Mittleren Ostens. Zedern-, Kiefern- und andere Nadelwälder sind auf Höhen zwischen etwa 1 800 Metern und 3 700 Metern anzutreffen. Aufgrund von Rodungen nehmen die Wälder nur noch 3 Prozent der Landesfläche ein. In niedrigeren Höhen finden sich Sträucher und Bäume wie Hasel, Pistazie, Esche, Wacholder und Tragant. Unterhalb von 900 Metern besteht die Vegetation hauptsächlich aus Kräutern und Sträuchern.
Insbesondere in den tiefer gelegenen Steppen wurde die natürlich vorkommende Fauna durch Besiedlung und Landwirtschaft weitgehend zurückgedrängt. Zu den einheimischen Tierarten gehören die Großraubtiere Braunbär, Wolf, Schneeleopard, Goldschakal und Streifenhyäne; weitere bemerkenswerte Säuger sind Bezoarziege, Kropfgazelle und Weißschwanz-Stachelschwein. In Afghanistan wurden etwa 380 Vogelarten nachgewiesen, ungefähr 200 als Brutvögel. Greifvögel sind u. a. durch mehrere Arten von Adlern (Habichts-, See-, Stein- und Kaiseradler) und Geiern (Gänse-, Mönchs- und Schmutzgeier) repräsentiert.
Zu den ökologisch interessanten Gebieten gehören Überreste der traditionellen Jagdreviere, drei Tierschutzgebiete und ein Nationalpark, der allerdings nie einen offiziellen Status besaß. Vor dem Bürgerkrieg wurde er vom Ministerium für Forstwirtschaft und der afghanischen Tourismusorganisation gemeinsam verwaltet. Damals entstanden Pläne zur Einrichtung verschiedener Schutzgebiete, und mit Unterstützung des Iran fanden Mitarbeiterschulungen statt. In den siebziger Jahren erhielt das Land internationale Hilfe von den Vereinten Nationen und dem World Wide Fund for Nature (WWF). Diese Organisationen erstellten Umweltstudien und Strategien zum Artenschutz. 1991 waren zwei Tierschutzgebiete und der Nationalpark anerkannte Schutzzonen, die jedoch wenig bzw. nicht schutzwürdig waren. Die noch vorhandenen Teile des ursprünglichen Waldes stellen künftige potentielle Naturreservate dar. Afghanistan hat internationale Abkommen über bedrohte Arten, Umweltveränderungen, Entsorgung von Abfällen im Meer und Atomtests unterzeichnet.