Kalter Krieg
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Kalter Krieg
3. Aktionen und Reaktionen

Das gegenseitige Misstrauen wuchs, die Fronten verhärteten sich, und in der Folge häuften sich Missverständnisse und Fehlinterpretationen. Die USA schätzte die Politik der UdSSR als aggressiv-expansionistisch ein und setzte ihr das Konzept der Eindämmung entgegen (erstmals in der Irankrise 1946 und in der Türkeikrise). Zu diesem Konzept gehörten auch Kredite an die Staaten Westeuropas einerseits, der Abbruch der Kreditverhandlungen mit der Sowjetunion andererseits. Und im Zug ihrer Eindämmungspolitik nahmen die USA bereits ab 1946 ein geteiltes Deutschland in Kauf; die Sowjetunion dagegen wollte ein vereintes, neutrales Deutschland, in dem sie als eine der Siegermächte Mitspracherechte hätte. Ansonsten beschränkte sich die Sowjetunion darauf, ihren Einflussbereich mit allen Mitteln zu konsolidieren; angesichts ihrer innenpolitischen und wirtschaftlichen Lage war an Expansion gar nicht zu denken.

1947 formulierte der US-Präsident die Truman-Doktrin: Ausgangspunkt waren Griechenland und die Türkei, die vor der befürchteten kommunistischen Expansion bewahrt werden sollten. Die politische und finanzielle Unterstützung für diese Doktrin sowie seine Politik gegenüber der Sowjetunion in den folgenden Jahren überhaupt fand Truman im amerikanischen Kongress und in der Öffentlichkeit, indem er die Bedrohung der freien Welt durch die Kommunisten beschwor. Das Engagement der USA im Korea- und im Indochinakrieg sowie die Kommunistenverfolgungen (siehe McCarthyism) in den USA in den fünfziger Jahren, bei denen sich Senator Joseph R. McCarthy ganz besonders hervortat, resultierten ebenfalls noch aus der Truman-Doktrin.

Der Marshall-Plan von 1947 (siehe Europäisches Wiederaufbauprogramm) war ein weiterer, entscheidender Schritt in Richtung Blockbildung: Er bot allen europäischen Staaten finanzielle Hilfe zum Wiederaufbau an; aber die Sowjetunion und auf ihren Druck alle Staaten ihres Einflussbereichs lehnten die Hilfe ab, da sie sie mit politischen Zugeständnissen verbunden sahen, und schlossen sich noch enger zusammen mit Ausrichtung auf die Sowjetunion. Die Währungsreform von 1948 in den drei Westzonen Deutschlands und Berlins rief die Berliner Blockade durch die Sowjetunion hervor. Der Westen reagierte darauf mit verstärkter Furcht vor einer möglichen sowjetischen Expansion auf Westdeutschland und in der Folge, 1949, mit der Konsolidierung der drei Westzonen zur Bundesrepublik Deutschland und ihrer Westintegration sowie mit der Gründung der NATO. Die Sowjetunion antwortete, nachdem sie alle Hoffnungen auf ein vereintes, neutrales Deutschland aufgegeben hatte, mit der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (und des Warschauer Paktes 1955). Die Teilung Deutschlands war damit institutionalisiert, die Teilung der Welt in zwei Machtblöcke verfestigt.

1949 zündete die Sowjetunion ihre erste Atombombe, und in China übernahmen die Kommunisten die Macht – Gründe für die USA, ihre Eindämmungspolitik noch zu verschärfen: Sie erkannten die neue chinesische Regierung nicht an und ließen sie nicht zur UNO zu, obwohl China sehr viel an einem guten Verhältnis zu den USA als Gegengewicht zur Sowjetunion gelegen war. Die USA engagierten sich dafür um so mehr in Japan, um dort einen antikommunistischen Gegenpol zu schaffen. Vorläufiger Höhepunkt und Eskalation des Kalten Krieges war der Koreakrieg 1950 bis 1953. An der Teilung Koreas änderte der Krieg nichts, aber er bereitete den Boden für die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland, die dann 1955 in die Tat umgesetzt wurde. Und in den USA entstand in Reaktion auf den Krieg die Strategie der „massiven Vergeltung”, d. h. der Androhung von Atomwaffeneinsatz.

Angesichts der fortschreitenden Westintegration und der drohenden Wiederbewaffnung Westdeutschlands hatte Stalin nochmals 1952 in der so genannten Stalinnote dem Westen Vorschläge für ein vereinigtes, neutralisiertes Deutschland unterbreitet – ohne Erfolg. Der Aufstand am 17. Juni 1953 in der DDR hatte der Sowjetunion sehr deutlich gezeigt, wie labil ihre Stellung hier noch war, und sie beendete vorerst ihren „weichen” Kurs der Verhandlungsbereitschaft und damit aber auch jegliche Perspektive auf eine Vereinigung Deutschlands.

Nach Stalins Tod 1953 schlug die Sowjetunion, konfrontiert mit massiven innenpolitischen Problemen, einen Entspannungskurs ein, der auch das Konzept der „friedlichen Koexistenz” beinhaltete, um wenigstens den Druck von außen etwas abzumildern. Gleichzeitig schrieb die Bundesrepublik Deutschland ihre Westintegration fest: In den Pariser Verträgen von 1955 erhielt sie weitgehende Souveränität und wurde in die NATO aufgenommen.

Die beiden Blöcke hatten sich jetzt mehr oder weniger konsolidiert und ein relatives Gleichgewicht erreicht – Voraussetzung für Kooperation und Entspannungspolitik auf beiden Seiten, wie sie auf dem Genfer Gipfeltreffen 1955 schon andeutungsweise sichtbar wurde. Trotzdem gingen Rüstungswettlauf und ideologische Auseinandersetzung vorerst weiter; Höhepunkte in den nächsten Jahren waren der Bau der Berliner Mauer 1961, die Kubakrise 1962, die den Kalten Krieg fast zu einem heißen werden ließ, sowie der Vietnamkrieg und der Konkurrenzkampf der beiden Systeme um die neuen unabhängigen Staaten in der Dritten Welt.

Entscheidend für den Beginn echter Entspannungspolitik und die allmähliche Beendigung des Kalten Krieges ab Anfang der siebziger Jahre – trotz Weiterbestehens des Ostwest-Konflikts – waren mehrere Faktoren: das atomare Patt; der Schock der Kubakrise; der Rückschlag der USA in Vietnam; die Bereitschaft der Sowjetunion zur wirtschaftlichen Kooperation mit den westlichen Industrienationen; das Aufweichen des kommunistischen Blockes durch die Absage Chinas an die Sowjetunion und die Verständigung Chinas mit den USA; und nicht zuletzt der Entspannungswille und die Entspannungspolitik der Bundesrepublik Deutschland. Einen Rückfall in den Kalten Krieg gab es noch einmal, als der US-Präsident Reagan auf den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan 1980 mit einem immensen Aufrüstungsprogramm reagierte.