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| 1. | Einleitung |
Abfallbeseitigung, Beseitigung von im Allgemeinen festen oder schlammigen, teilweise auch flüssigen Materialien, die durch menschliche Aktivitäten oder Haustiere entstehen und die zumeist wertlos, unerwünscht oder giftig sind. Dazu zählen: kompostierbare Küchen- und Gartenabfälle; nichtkompostierbare Abfälle, die entweder brennbar (wie Papier, Holz und Stoff) oder nicht brennbar sind (wie Metall, Glas und Keramik); Bauschutt; Rückstände aus der Verbrennung von festen Brennstoffen (Asche); Rückstände aus der Abwasserreinigung in Kläranlagen (Klärschlamm); Industrieabfälle (Chemikalien, Farben usw.); landwirtschaftliche Abfälle (Gülle aus der Viehhaltung und Grünabfälle); Tierkadaver.
| 2. | Entsorgungsmethoden |
Neben dem ökologisch überaus bedeutenden Recycling bestehen die wichtigsten Entsorgungsmethoden im Deponieren, Verbrennen und Kompostieren.
| 1. | Deponien |
Die Müllentsorgung auf öffentlichen Deponien ist die billigste Form der Abfallbeseitigung. Der größte Teil der Entsorgungskosten fester Abfälle entsteht durch den Transport. Voraussetzung für die Anlage einer Deponie ist, dass sich geologisch und hydrologisch geeignetes Land in der Nähe der Abfallerzeuger befindet. So muss die ausgewählte Fläche u. a. einen niedrigen Grundwasserspiegel aufweisen und darf keinen Überschwemmungen ausgesetzt sein. In so genannten geordneten Deponien wird der Abfall in einer wannenförmigen Senke in dünnen Schichten verteilt, nachdem eine Dichtung (Folie, Ton) und eine Schutzschicht (Sand, Kies) aufgetragen wurden. Damit wird vermieden, dass flüssige Abfälle das Grund- oder Oberflächenwasser verunreinigen. Jede Schicht wird von einem Bulldozer zusammengepresst (Müllverdichtung), bevor man die nächste Schicht aufbringt. Zwischen den Schichten wird eine Lage aus Bauschutt oder Erde aufgetragen, um die Geruchsbelästigungen zu verringern. Hat die Deponie eine Höhe von etwa 30 bis 100 Metern erreicht, wird die Fläche mit Erde bedeckt und bepflanzt (rekultiviert). Durch die Zersetzung organischer Abfälle entstehen in Deponien Gase, die abgeleitet werden müssen. Wenn sich eine größere Methangasmenge angesammelt hat, besteht unter Umständen Explosionsgefahr. Auch das Sickerwasser muss aufgefangen werden. Neben den geordneten Deponien werden ehemalige Bergwerke als Untertagedeponien genutzt. Verboten sind seit 1972 die so genannten Müllkippen oder offenen Deponien, auf denen Müll ohne vorherige Verdichtung und ohne jegliche Kontrolle gelagert wird. Gleiches gilt für die wilden Deponien, wie sie teilweise in Wäldern anzutreffen sind.
| 2. | Verbrennungsanlagen |
In herkömmlichen Verbrennungsanlagen werden vor allem Abfälle aus dem kommunalen Bereich und aus hygienischen Gründen auch die Abfälle aus Krankenhäusern verbrannt. Sie werden zunächst zerkleinert und dann auf beweglichen Gittern (so genannten Wanderrosten) transportiert, um dort in Kammern verbrannt zu werden, die mit nichtbrennbarem Material ausgekleidet sind. Die bei diesem Prozess freigesetzte Energie wird u. a. zur Erzeugung von Heißwasser verwendet. Durch die Verbrennung wird das Müllvolumen um rund 90 Prozent verringert. Übrig bleiben Schlacke und Asche. Die Emission der Asche und anderer Partikel wird oft von so genannten Skrubbern, Rieseltürmen zur Gasreinigung, elektrostatischen Ausfäll- bzw. Niederschlagsapparaten und Papierfiltern verhindert. Ferner entstehen bei der Verbrennung u. a. Kohlendioxid, Schwefeloxide, Stickstoffoxide und andere Abgase. Bei der Verbrennung von Polyvinylchlorid (PVC) werden schädliche Salzsäuregase freigesetzt. Um eine negative Beeinträchtigung der Umwelt bei der Verbrennung solcher Stoffe zu vermeiden, werden die Gase mit Hilfe von Schwefel- und Fluorverbindungen und einer nassen Abgasreinigung entfernt. Die Umweltverträglichkeit der Müllverbrennungsanlagen hängt von der Zusammensetzung des jeweils verbrannten Mülls und den daraus entstehenden Schadstoffen ab. Siehe auch Abfallverbrennung
| 3. | Kompostieren |
Das Kompostieren von festen Abfällen erfordert die Vorbehandlung der Abfälle und das aerobe Abbauen organischer Masse durch Mikroorganismen. Der Abfall wird vorsortiert, um solche Stoffe auszusondern, die sich eventuell recyceln lassen oder nicht kompostiert werden können. Dann wird der Abfall zerkleinert, um die Effizienz des Verrottungsprozesses zu erhöhen. Danach wird er in Gärzellen gelagert, die günstige Bedingungen für Mikroorganismen (25-50 °C) aufweisen. Diese wandeln die Abfälle unter Einwirkung von Luftsauerstoff und Feuchtigkeit zu Humus um. Nach mehreren Monaten Lagerung ist der Prozess beendet: Der nährstoffreiche Kompost wird eingesammelt, in Säcke verpackt und ausgeliefert.
| 3. | Energiegewinnung |
Über thermische Prozesse lässt sich auf verschiedene Art und Weise aus festen Abfällen Energie gewinnen. Diese Prozesse werden erforscht und befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Man kann sie in zwei Gruppen einteilen: Verbrennung und Pyrolyse. Bei der Abfallverbrennung lässt sich Wasserdampf oder Heißwasser erzeugen. Eine technische Möglichkeit, dies zu erreichen, besteht darin, dass der Brennraum mit Wasserrohren durchzogen ist. Das Wasser, das durch diese Rohre zirkuliert, absorbiert die in der Brennkammer erzeugte Wärme und wird erhitzt.
Die Pyrolyse ist ein Verfahren, bei dem feste Abfälle durch die Zufuhr von Hitze und Sauerstoff chemisch zersetzt werden. Dadurch entsteht ein Gasstrom, der je nach den Eigenschaften des pyrolysierten Materials aus Wasserstoff, Methan, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, anderen Gasen und Asche bestehen kann.
| 4. | Recycling |
Die Wiederverwertung fester Abfälle als Rohstoffe zur Herstellung neuer Produkte kann bis in die Antike zurückverfolgt werden: Bereits unsere Vorfahren schmolzen metallische Bestandteile wieder ein, um aus ihnen neue Gegenstände zu gießen. Beim Recycling wird unterschieden zwischen der wiederholten Benutzung, wie sie z. B. bei Pfandflaschen verbreitet ist, der Wiederverwendung in der Produktion (beispielsweise Flaschen zu Altglas), der Weiterverwertung in anderen Produktionsprozessen (Herstellung von Stahl aus Schrott) und schließlich der Weiterverwendung in neuen Anwendungsbereichen (Verwendung von Altpapier als Dämmmaterial). Die wieder verwendbaren Materialien werden heute mit verschiedenen Methoden aus dem Müll heraussortiert, u. a. durch: Schreddern; die magnetische Trennung von Metallen; einen Luftstrom, in dem leichte und schwere Bestandteile getrennt werden; Sieben und Waschen. Eine andere Methode der Wiedergewinnung ist das so genannte Nassaufschlussverfahren: Der eintreffende Abfall wird im Feuchtebottich, der einem überdimensionalen Küchenabfalleimer ähnelt, mit Wasser und Erde zu einem Brei vermischt. Große Metallteile und andere nichtvermischbare Bestandteile werden von einem Magneten herausgezogen, bevor die feuchte Masse in eine Zentrifuge befördert wird, einen so genannten Flüssig-Fliehkraftabscheider. Hier werden die schweren, nichtbrennbaren Stoffe wie Glas, Metall und Keramik ausgesondert und in ein Glas- und Metallrecyclingsystem geleitet. Außerdem gibt es ein Papierrecyclingsystem. Die Rückstände, die am Ende noch übrig bleiben, werden entweder verbrannt oder in Deponien endgelagert. In den Vereinigten Staaten wurde 1998 ein lasergesteuertes Verfahren zum Sortieren von Plastikmüll entwickelt. Es soll dessen Trennung in verschiedene Kunststoffsorten ermöglichen und somit die Voraussetzungen für das Recyceln von Kunststoffen wesentlich verbessern.
Kommunale Behörden veranlassen die Verbraucher, Flaschen, Dosen, Papier, Pappe und andere wieder verwertbare Stoffe getrennt vom übrigen Abfall zu sammeln. Dieser Müll wird zu Sammelstellen oder direkt zu Recycling-Einrichtungen transportiert; dadurch wird das Müllaufkommen in Verbrennungsanlagen und auf den Deponien reduziert.
| 5. | Sondermüll |
Sondermüll umfasst giftige Chemikalien und leicht entzündliche, radioaktive Substanzen oder Stoffe, die Erreger übertragbarer Krankheiten enthalten bzw. hervorbringen können. Diese Abfälle können als Schlamm, Flüssigkeiten, als Gase oder Feststoffe vorliegen. Auf Grund seiner Beschaffenheit muss Sondermüll in speziellen Anlagen gesammelt und gelagert werden.
Radioaktive Substanzen gehören zum Sondermüll, weil der Kontakt von Lebewesen mit ionisierender Strahlung dem betreffenden Organismus schwere Schäden zufügen kann (siehe Strahlenwirkungen, biologische) und diese Stoffe über sehr lange Zeiträume nicht abgebaut werden. Die Entsorgung von radioaktiven Stoffen und anderem Sondermüll wird staatlich geregelt. Radioaktive Abfälle unterscheiden sich in ihrer Strahlungsintensität, hoch radioaktive Abfälle werden in Salzstöcken endgelagert. Da von diesen Abfällen über Jahrhunderte Gefahren ausgehen, protestieren weite Bevölkerungskreise gegen diese Form der Entsorgung.
Siehe auch Luftverschmutzung; Umwelt und Umweltschutz; Wasserverschmutzung