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Mecklenburg-Vorpommern
1. Einleitung

Mecklenburg-Vorpommern, Bundesland im Nordosten der Bundesrepublik Deutschland, grenzt im Norden an die Ostsee, im Westen an Schleswig-Holstein, im Südwesten an Niedersachsen, im Süden an Brandenburg und im Osten an Polen. Hauptstadt des Landes ist Schwerin, die größte Stadt ist Rostock. Weitere wichtige Städte sind Neubrandenburg, Stralsund, Greifswald und Wismar.

2. Land

Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern hat eine Gesamtfläche von 23 171 Quadratkilometern und besteht aus den Landesteilen Vorpommern (nordöstlich der Linie Ribnitz-Damgarten-Pasewalk) und Mecklenburg (im Südwesten). Es liegt im Bereich des Norddeutschen Tieflandes zwischen der Ostseeküste und dem Baltischen Landrücken.

Die Oberflächengestalt Mecklenburg-Vorpommerns wurde während der Weichsel-Eiszeit von aus Skandinavien kommenden Eismassen geschaffen. Bis zu 179 Meter hohe Endmoränen durchziehen das Bundesland von Nordwesten nach Südosten. Sie treten meist als klar zu erkennende Höhenzüge des Baltischen Landrückens (mit z. B. den Helpter und Ruhner Bergen) in Erscheinung. Ein Teil des Landrückens ist die Mecklenburgische Seenplatte (mit Müritz, Schweriner See und Plauer See), die sich von der Uckermark in Brandenburg bis zum Elbe-Lübeck-Kanal in Schleswig-Holstein erstreckt. Südlich der Endmoränen hat das Bundesland, mit flachen bewaldeten Sanderflächen, Anteil am südlichen Vorland des Landrückens. Im Nordosten der Endmoränen, im Bereich der Grundmoräne, ist das Gelände ebenfalls flacher, unterbrochen von Drumlins und Osern. Entlang der Küste Mecklenburg-Vorpommerns, der zahlreiche Inseln vorgelagert sind (u. a. Poel, Hiddensee, Rügen und Usedom) wechseln steile Abschnitte mit flacheren Bereichen (Boddenküste). Die Flüsse im Nordosten des Baltischen Landrückens (u. a. Warnow, Recknitz, Trebel, Tollense und Peene) entwässern in die Ostsee, die in seinem Südwesten (u. a. Sude und Elde) in die Elbe. Etwa ein Viertel der Landesfläche Mecklenburg-Vorpommerns ist bewaldet (vor allem mit Kiefernbeständen).

Das Klima des Bundeslandes zeichnet sich durch milde Winter und mäßig warme Sommer aus. Im Norden beeinflusst die Ostsee das Wettergeschehen, der Südosten des Bundeslandes weist kontinentalere Verhältnisse auf: Während beispielsweise in Rostock im Juli durchschnittlich 16,8° C gemessen werden und zwischen 600 und 800 Millimeter Jahresniederschlag fallen, verzeichnet Pasewalk (im Südosten) 18,3° C bzw. 500 bis 600 Millimeter.

3. Bevölkerung

Die Einwohnerzahl beträgt etwa 1,73 Millionen. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 75 Einwohnern je Quadratkilometer. Damit ist Mecklenburg-Vorpommern das am dünnsten besiedelte deutsche Bundesland. Seit 1990 wanderten viele Bewohner in westliche Bundesländer ab. Etwa ein Drittel der Bevölkerung ist christlichen Glaubens.

4. Verwaltung und Politik

Die Landesverfassung wurde 1993 verabschiedet. Die 71 Abgeordneten des Landtages werden für vier Jahre gewählt. Mecklenburg-Vorpommern gliedert sich in die sechs kreisfreien Städte Greifswald, Neubrandenburg, Rostock, Schwerin, Stralsund und Wismar und in 12 Landkreise.

5. Bildung und Kultur

Die Universitäten Rostock und Greifswald gehören zu den ältesten Nordeuropas, sie wurden beide schon im 15. Jahrhundert gegründet. Technische Hochschulen gibt es in Rostock-Warnemünde und Wismar und pädagogische Hochschulen in Neubrandenburg und Güstrow. Die ehemaligen Hansestädte Wismar, Rostock, Greifswald und Stralsund zeichnen sich durch gut erhaltene mittelalterliche Stadtkerne aus.

Die Ostseeinseln ziehen vor allem seit dem 19. Jahrhundert zahlreiche Künstler an: Gerhart Hauptmann verbrachte seine Ferien oft auf Hiddensee und ist auch dort begraben; der Maler Caspar David Friedrich, in Greifswald geboren, ließ sich immer wieder von der Landschaft Rügens inspirieren. Einer der bedeutendsten Schriftsteller der deutschen Nachkriegsliteratur, Uwe Johnson, wuchs in Anklam an der Peene auf, besuchte die Oberschule in Güstrow und studierte in Rostock. Er machte die Landschaften Mecklenburgs zu seiner literarischen Heimat. Sein bedeutendstes Werk, die Jahrestage, spielt u. a. im Nordwesten Mecklenburgs.

6. Wirtschaft

Vorherrschender Wirtschaftszweig ist der Agrarsektor; etwa 55 Prozent der Landesfläche werden landwirtschaftlich genutzt. Im Norden des Landes, auf den fruchtbaren Böden der Grundmoräne, werden vorwiegend Zuckerrüben und Weizen, im Süden, auf weniger fruchtbaren, sandigeren Böden, vor allem Kartoffeln und Roggen angebaut. Verbreitet sind Großbetriebe, die aus der in der DDR gebildeten Betriebsform der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) hervorgegangen sind. Im Bereich der Mecklenburgischen Seenplatte wird Binnenfischerei betrieben.

Die industrielle Produktion des Bundeslandes ist schwach entwickelt; entsprechend ist die Arbeitslosenquote: Mit etwa 23 Prozent (Anfang 2006) ist sie die höchste aller Bundesländer. Wichtigste Wirtschaftsstandorte sind Rostock und Schwerin. Vorherrschende Produktionszweige sind Schiffs-, Maschinen- und Fahrzeugbau sowie die Verarbeitung von Nahrungsmitteln (u. a. Fisch); zu den entwicklungsfähigen Branchen zählen Verkehr, Biotechnologie sowie Medizin- und Umwelttechnik. Ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist der Tourismus; bevorzugte Ziele sind die Ostseeküste und die Mecklenburgische Seenplatte.

7. Geschichte

Mecklenburg-Vorpommern, seit 1990 Bundesland der Bundesrepublik Deutschland, bestand zuvor als territoriale Einheit lediglich von 1945 bis 1952. Bis 1945 hatten beide Landesteile jeweils eine eigene Geschichte.

1. Von der Vorgeschichte bis zum frühen Mittelalter

Aus der ausgehenden Altsteinzeit vor 10 000 bis 12 000 Jahren stammen die ältesten Zeugnisse von Menschen im Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommern; seither war das Gebiet archäologischen Funden zufolge durchgehend besiedelt.

Ab etwa 600 v. Chr. bewohnten Germanen – Angeln, Langobarden, Sachsen und Semnonen – das Land, verließen es jedoch während der Völkerwanderung im 5. Jahrhundert n. Chr. In der fast menschenleeren Region siedelten seit dem 6./7. Jahrhundert elbslawische Stämme, darunter Obotriten im Westen, Liutizen im Osten, Pomoranen an der Oder und Ranen auf Rügen.

2. Mecklenburg
2.1. Entwicklung der Landesherrschaft und der Stände im Mittelalter

Seit dem 7. Jahrhundert von Slawen geprägt, geriet das Land zeitweilig in Abhängigkeit zum Fränkischen und zum Ottonischen Reich, dessen Ostexpansion der große Slawenaufstand 983 vorübergehend beendete. Von der 995 erstmals erwähnten Michelenburg („große Burg”), Sitz der Obotritenfürsten, leitet sich der Name „Mecklenburg” her. Um 1050 baute der getaufte Obotritenfürst Gottschalk mit Unterstützung des Erzbischofs Adalbert von Bremen und der Billunger eine machtvolle Landesherrschaft auf, die unter seinen Nachfolgern 1131 jedoch wieder zerbrach.

Nach dem Wendenkreuzzug von 1147 eroberte Herzog Heinrich der Löwe Mecklenburg und Pommern, die er dauerhaft unter deutsche Kontrolle brachte. 1160 gründete Heinrich Schwerin, und 1167 verlieh er dem Obotritenfürsten Pribislaw, Stammvater des bis 1918 regierenden mecklenburgischen Fürstenhauses, Mecklenburg als sächsisches Lehen. Nach dem Sturz Heinrichs 1180 kam Mecklenburg bis 1227 unter dänische Lehnshoheit. Noch von Heinrich dem Löwen eingeleitet, wurde im 12./13. Jahrhundert die Ansiedlung deutscher Ritter und Ministerialen, Bauern und Händler, Kaufleute und Missionare auch von den slawischen Landesfürsten gefördert; die planmäßige Anlage von Dörfern und die Einführung der Dreifelderwirtschaft, Städtegründungen wie Wismar, Rostock, Parchim und Güstrow mit Lübecker bzw. Magdeburger Stadtrecht und die Christianisierung durch Zisterzienser und Prämonstratenser führten zu einer raschen Entwicklung des Landes im 13. Jahrhundert (siehe Ostkolonisation).

In Rostock schlossen sich 1281 Lübeck, Rostock, Wismar und die pommerschen Städte Stralsund und Greifswald zur Wendischen Hanse zusammen, die als Teil der Kölner Konföderation, eines Kriegsbündnisses der Hanse mit Schweden und Holstein gegen Dänemark, im Frieden von Stralsund 1370 die dänische Vorherrschaft an der Ostsee und insbesondere in Mecklenburg zurückdrängen konnte.

Während die Landesherrschaft durch mehrere Erbteilungen (1229, 1352, 1534, 1621, 1701) zersplitterte, erstarkten die Städte ebenso wie die zu Grundbesitzern aufgestiegenen Ritter: In Gegnerschaft zu den Landesteilungen vereinigten sich die Stände – Landschaften (Städte), Ritterschaft und Prälaten – 1523 in der „ewigen Union”, die im mecklenburgischen Gesamtlandtag dem jeweiligen Landesherrn gegenüber die Landständische Verfassung wahrte.

2.2. Der mecklenburgische Ständestaat in der Neuzeit

Das 1348 von Karl IV. zum Herzogtum erhobene Mecklenburg wurde 1621 gegen den Willen der Stände in die Herzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Güstrow aufgeteilt, die Albrecht von Wallenstein 1629 als erbliches Lehen erhielt. Wallenstein reformierte die Verwaltung, beschränkte die Macht der Stände, förderte Handel und Gewerbe und ließ das 1549 eingeführte lutherische Bekenntnis bestehen. Nach seiner Absetzung 1631 und der Restituierung seiner Vorgänger wurde Mecklenburg als ein Hauptschauplatz des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) verwüstet und seine Bevölkerung auf ein Drittel reduziert. Nach dem Westfälischen Frieden 1648 kamen Wismar sowie Poel und Neukloster bis 1803 an Schweden.

Der Bevölkerungsrückgang stärkte wiederum die Großgrundbesitzer, deren Macht die mecklenburgischen Herzöge seit 1648 nicht brechen konnten; 1654 erhielten die Großgrundbesitzer das Recht, ihre Untertanen, den einst freien Bauernstand, in Leibeigenschaft zu halten. Anstelle von Mecklenburg-Güstrow entstand nach dem Ende dieser Linie 1701 das Herzogtum Mecklenburg-Strelitz. Die Absicht des Herzogs von Mecklenburg-Schwerin, Karl Leopold (1713-1747), in seinem Land den Absolutismus einzuführen, scheiterte an den Ständen. Sein Nachfolger Christian Ludwig II. (1747-1756) schloss 1755 mit den Ständen den „Landesgrundgesetzlichen Erbvergleich”, der erneut die ostelbische Gutsherrschaft auf Kosten der Untertanen (Bauernlegen) bevorrechtigte und als Verfassungsgrundlage des agrarischen Ständestaats in seiner schärfsten Ausprägung bis 1918 in Kraft blieb.

1815 wurden Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz zu Großherzogtümern erhoben. Unter preußischem Druck traten beide 1866/67 dem Norddeutschen Bund, 1868 dem Deutschen Zollverein und 1871 dem Deutschen Reich bei. Nach dem Ende des 1. Weltkrieges (1914-1918) erklärten sich Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz in der Novemberrevolution zu parlamentarisch-demokratischen Republiken und wurden 1920/1923 Freistaaten der Weimarer Republik.

2.3. Von der Weimarer Republik zur nationalsozialistischen Diktatur

Ab den frühen zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das wenig industrialisierte Mecklenburg ein bevorzugter Standort der deutschen Flugzeugindustrie: Das 1922 von Ernst Heinkel in Warnemünde gegründete Flugzeugwerk entwickelte sich bis 1932 zum größten Industriebetrieb Mecklenburgs.

Von 1920 bis 1929 regierten rechtsbürgerliche und sozialdemokratische Regierungen im Wechsel, wobei im agrarisch geprägten Mecklenburg-Schwerin die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) insbesondere unter den Großgrundbesitzern fest verankert war. Zudem breitete sich die völkische Bewegung rasch aus: Seit 1923 bildeten sich völkische Kampfgemeinschaften als Geheimbünde wie bei Wismar der „Mücke-Bund”. 1924 schlossen sich Absolventen der Bauernhochschule Mecklenburg im protofaschistischen, die Blut-und-Boden-Ideologie vertretenden Artamanenbund zusammen. Ebenfalls 1924 zog die Deutschvölkische Freiheitspartei (DVFP) in den Landtag Mecklenburg-Schwerins ein und wurde mit Friedrich Hildebrandt der erste Nationalsozialist in den Landtag gewählt. Mit Hilfe der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) kam die rechte Einheitsliste Nationale Mecklenburger unter Ministerpräsident Friedrich Eschenburg (DNVP) 1929 an die Regierung, musste aber nach Neuwahlen im Juni 1932 die Regierungsgewalt in Mecklenburg-Schwerin vollends an die Nationalsozialisten unter Ministerpräsident Walter Granzow (NSDAP) abgeben.

In Mecklenburg-Strelitz bildeten nach den Landtagswahlen 1932 DNVP und NSDAP eine Koalitionsregierung.

Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 erfolgte die Gleichschaltung Mecklenburg-Schwerins und Mecklenburg-Strelitz’, die 1934 unter Führung des Reichsstatthalters Friedrich Hildebrandt zum Gau Mecklenburg vereint wurden. Unmittelbar nach der Machtergreifung setzte auch die bauernfreundliche NS-Agrarpolitik mit der Gründung des Reichsnährstands und dem Erlass des Reichserbhofgesetzes ein. Dies hatte auf das landwirtschaftlich geprägte Mecklenburg, das eine der Ernährungsbasen des Reiches bildete, besondere Auswirkungen. Wie überall in Deutschland wurden auch in Mecklenburg seit 1933 Gegner des NS-Regimes und Juden verfolgt; ab 1938 wurden u. a. in Neubrandenburg, Ravensbrück und Wöbbelin Konzentrationslager (KZ) errichtet.

Ab 1933 wurden Wismar und vor allem Rostock mit der Neptunwerft und den Ernst-Heinkel-Flugzeugwerken zu Schwerpunkten der Rüstungsindustrie ausgebaut. Als führende Flugzeugherstellerin und Produzentin der HE 111, des Standardbombers im 2. Weltkrieg (1939-1945), setzte auch die Ernst-Heinkel-AG in ihren 40 Zweigbetrieben Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge ein; zudem arbeiteten im eigens für den Heinkelkonzern errichteten KZ-Außenlager Barth ab November 1943 etwa 7 000 Häftlinge ausschließlich in der Heinkel-Flugzeugmontage.

Im 2. Weltkrieg wurden vor allem die Industriereviere Rostock und Wismar zerstört.

3. Pommern

Nach dem Ende der ottonischen Ostexpansion durch den großen Slawenaufstand 983 gefährdeten im 11./12. Jahrhundert dänische und polnische Angriffe das pommersche Fürstentum der bis 1637 herrschenden slawischen Dynastie der Greifen. Der Begründer dieses Geschlechts, Wartislaw I., wurde 1121 von Polen lehnsabhängig, konnte aber nach 1125 seine Herrschaft über die Oder nach Westen ausdehnen. Mit den Missionsreisen des Bischofs Otto von Bamberg 1124/1128 begann die Christianisierung der Pommern. Nach dem Zerfall der polnischen Lehnshoheit 1138 kam Pommern bis 1227 unter dänische Vorherrschaft.

Wie in Mecklenburg folgte in Pommern nach der Eroberung durch Heinrich den Löwen die Ansiedlung deutscher Kolonisten, die im 13. Jahrhundert mit Städtegründungen wie Stralsund und Greifswald ihren Höhepunkt erreichte. Das 1181 durch Kaiser Friedrich I. zum Herzogtum erhobene Pommern wurde 1295 in Pommern-Wolgast, das 1325 das Fürstentum Rügen erwarb, und in Pommern-Stettin geteilt, welche – wiederum mehrmals aufgeteilt – abwechselnd unter Lehnshoheit des Reichs, Dänemarks, Polens und Brandenburgs kamen. Herzog Bogislaw X. vereinte 1478 Pommern unter seiner Herrschaft, und im Grimnitzer Vertrag 1529 erreichte sein Nachfolger Georg I. die Reichsunmittelbarkeit Pommerns und so die Unabhängigkeit von der Lehnshoheit Brandenburgs. Nach dem Tod Georgs I. wurde Pommern 1532 entlang der Oder in Vor- und Hinterpommern geteilt; beide Teile führten nach Beschluss des Treptower Landtags 1534 die Reformation ein. Im 16./17. Jahrhundert bildete sich in Pommern die Landständische Verfassung ähnlich wie in Mecklenburg aus. Durch das in der Stettiner Bauernordnung 1645 sanktionierte Zwangsmittel des Bauernlegens erwarben die pommerschen Landjunker riesige Gutsherrschaften, die bis 1945 bestanden.

Im Westfälischen Frieden 1648 erhielt Brandenburg Hinterpommern. Vorpommern fiel bis 1815 an Schweden, das es auf dem Wiener Kongress an Preußen abgeben musste: Hinter- und Vorpommern wurden als preußische Provinz Pommern zusammengefasst, deren Geschichte nun in der Geschichte Preußens aufging.

4. Nachkriegszeit und DDR

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde Mecklenburg mit Vorpommern und Rügen Bestandteil der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ); Hinterpommern wurde gemäß dem Potsdamer Abkommen vom August 1945 polnischer Verwaltung unterstellt und durch das Görlitzer Abkommen (1950), den Warschauer Vertrag (1970) sowie den Deutsch-Polnischen Grenzvertrag (1990) offiziell an Polen abgetreten.

Ab 1949 war Mecklenburg-Vorpommern mit der Hauptstadt Schwerin Land der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), wurde aber 1952, wie alle Länder der DDR, aufgelöst und in die Bezirke Rostock, Schwerin und Neubrandenburg unterteilt.

5. Mecklenburg-Vorpommern seit der Wiedervereinigung

Mit dem Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland (BRD) 1990 wurde das Land Mecklenburg-Vorpommern wiederhergestellt. Von 1990 bis 1994 regierte in Schwerin eine Koalition aus CDU und FDP, zunächst unter der Führung von Alfred Gomolka, ab 1992 mit Berndt Seite (CDU) als Ministerpräsidenten. Nach dem Ausscheiden der FDP bei den Landtagswahlen im Oktober 1994 bildeten CDU und SPD, die wieder zur stärksten bzw. zweitstärksten Fraktion geworden waren, eine große Koalition; Ministerpräsident blieb Seite.

Bei den Landtagswahlen vom September 1998 wurde die SPD mit 34,3 Prozent der Stimmen erstmals stärkste Kraft, gefolgt von CDU (30,2 Prozent) und PDS (24,4 Prozent). Bündnis 90/Die Grünen und FDP verfehlten den Einzug in den Landtag. Nun bildete die SPD mit der PDS die erste rot-rote Landesregierung Deutschlands; Ministerpräsident wurde Harald Ringstorff (SPD). Bei den Landtagswahlen vom September 2002 verbesserte sich die SPD auf 40,6 Prozent der Stimmen, die CDU auf 31,3 Prozent, die PDS kam nur noch auf 16,4 Prozent; alle anderen Parteien scheiterten an der Fünfprozenthürde. SPD und PDS setzten ihre Koalitionsregierung fort. Die Landtagswahlen vom September 2006 veränderten die Machtverhältnisse: Die SPD verlor mehr als 10 Prozentpunkte und lag mit 30,2 Prozent der Stimmen nur noch knapp vor der zweitstärksten Kraft, der CDU, die 28,8 Prozent erhalten hatte, während sich die PDS bzw. Linkspartei mit 16,8 Prozent in etwa behauptete. Wenig überraschend zog auch die rechtsextreme NPD mit 7,3 Prozent in den Landtag ein. Da eine Fortsetzung der rot-roten Regierung mangels Mehrheit nicht möglich war, bildeten SPD und CDU eine von Ringstorff geführte große Koalition.

Mecklenburg-Vorpommern hat die höchste Arbeitslosenquote (23,1 Prozent im Januar 2006) aller deutschen Bundesländer. Zu den entwicklungsfähigen Branchen zählen Tourismus, Verkehr, Biotechnologie sowie Medizin- und Umwelttechnik.