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| 2. | Geschichte |
Im Sinn einer praktischen Philosophie, die um die ewige Frage nach der guten Ordnung und der gerechten Herrschaft für das soziale Gemeinwesen des Menschen kreist, ist die Politikwissenschaft so alt wie die akademische Bildung selbst. Sie geht auf Staatsdenker der Antike wie Platon und Aristoteles zurück und steht in der Tradition von mittelalterlichen Philosophen wie Augustinus und Thomas von Aquin. Ihre Wendung von der Theorie zur Praxis erfuhren die politischen Wissenschaften in der Neuzeit mit der Herausbildung von Territorial- und Nationalstaaten. Die damit verbundenen erhöhten Anforderungen an die Staatskunst und Staatstätigkeit führten zur Ausformung spezifischer Lehrfächer wie Policeywissenschaft, Kameralwissenschaft und Staatswirtschaftslehre, die ab Mitte des 18. Jahrhunderts unter dem Begriff der Staatswissenschaften subsumiert wurden. Mit der Etablierung der Einzelwissenschaften differenzierten sich Disziplinen wie die Nationalökonomie, Soziologie, Historiographie und Geographie mit jeweils eigenem Gegenstand und eigener Methode aus. Was an politischen Wissenschaften übrig blieb, wurde zur Allgemeinen Staatslehre zusammengefasst. Diese wurde den Rechtswissenschaften untergeordnet, wo sie als Hilfswissenschaft der Staatsrechtslehre zur Ausbildung von Juristen und Verwaltungsbeamten diente.
Beflügelt von den politischen Ideen der Aufklärung erlebte im 19. Jahrhundert die klassische normativ orientierte Politikwissenschaft eine Renaissance. Sie schlug sich im Gefolge der Französischen Revolution in der bürgerlich-liberalen Verfassungslehre nieder, deren Dozenten in deutschen Landen wesentlichen Anteil an den demokratischen Experimenten der Jahre 1848/49 hatten. Damit fiel sie jedoch auch der Restauration zum Opfer und konnte in den Jahren nach der Reichsgründung 1871 keine Rolle mehr spielen. Wiederbelebt wurde eine Politikwissenschaft als akademische Disziplin erst wieder in der demokratisch verfassten Weimarer Republik. Inspiriert von den Schriften Max Webers wurde auf Initiative von Friedrich Naumann, der bereits eine Staatsbürgerschule betrieb, 1920 in Berlin die Deutsche Hochschule für Politik (DHfP) gegründet. Ihren eigentlichen Zweck, die Ausbildung demokratisch-parlamentarischer Nachwuchseliten, verlor sie jedoch spätestens durch die Gleichschaltungspolitik der Nationalsozialisten, der sich ein Großteil ihrer Dozenten durch Emigration entzog.