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| 3. | Neubeginn als Demokratiewissenschaft |
Nach langen Jahren der propagandistischen Vereinnahmung der politischen Bildung durch die Nationalsozialisten wurde die Politikwissenschaft (als „Wissenschaft von der Politik” oder „Wissenschaftliche Politik”) nach dem 2. Weltkrieg von der amerikanischen Besatzungsmacht als Teil des Reeducation-Programms zur Heranbildung einer neuen demokratischen Führungselite wiederbelebt. In Berlin erfolgte auf Initiative der US-Militärregierung 1948 die Wiedergründung der Deutschen Hochschule für Politik (DHfP) unter der Leitung des Sozialdemokraten Otto Suhr (1959 als Otto-Suhr-Institut in die FU Berlin integriert). Zwei Jahre später nahm in München die Hochschule für Politik (HfP) ihren Lehrbetrieb auf; sie war zunächst – in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins – der politischen Erwachsenenbildung gewidmet, bot aber schon bald auch ein akademisches Vollstudium an.
Die Erhebung der Politikwissenschaft zur universitären Disziplin war indessen von erheblichen Widerständen begleitet. Besonders die Fakultäten der Rechtswissenschaften, Philosophie, Geschichte, Soziologie und Volkswirtschaftslehre, mit deren Lehrinhalten sich die Politikwissenschaft thematisch überschneidet, sträubten sich lange gegen die volle akademische Anerkennung der Politikwissenschaft, die erst Anfang der sechziger Jahre erfolgte. Der Fokus der neuen „Demokratiewissenschaft” lag zunächst auf der Aufarbeitung der jüngeren deutschen Vergangenheit und auf der freiheitlich-demokratischen Gestaltung der Zukunft. Doch gesellten sich im Zuge der deutschen Teilung und des Kalten Krieges als Forschungsschwerpunkte bald vergleichende soziopolitische Ost-West-Studien, Totalitarismustheorien sowie Konzepte zur Gestaltung der zwischenstaatlichen Beziehungen und zum Krisenmanagement im Bereich der internationalen Politik hinzu.