Politikwissenschaft
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Politikwissenschaft
4. Akademischer Richtungsstreit

Die langwierige Konsolidierungsphase der Politikwissenschaft nach dem 2. Weltkrieg und nicht zuletzt auch die weltpolitischen ideologischen Verwerfungen schlugen sich schon bald in akademischen Richtungskämpfen zwischen restaurativen, systemaffirmativen und fortschrittlichen Kräften innerhalb der neuen Disziplin nieder. Sie führten zur Herausbildung von konkurrierenden Schulen und theoretischen Orientierungen. So widmete sich etwa die von Arnold Bergstraesser begründete aristotelische Freiburger Schule mehr den moralphilosophischen als den sozialwissenschaftlichen Implikationen der Politik. Damit stand sie im Widerstreit zur szientistischen Mannheimer Schule, die sich bewusst in die Tradition der angelsächsischen Political Science stellte. Beträchtlichen Einfluss gewann Ende der sechziger Jahre die stark soziologisch geprägte Frankfurter Schule, die sich kritisch mit den soziopolitischen Verhältnissen und ihren legitimatorischen Idealen auseinandersetzte. Unter ihrem Einfluss stand wiederum die Marburger Schule, die jedoch in stärkerem Maße marxistische Akzente setzte.

Anfangs rangen in erster Linie die Anhänger eines normativ-ontologischen (oder auch ideengeschichtlich-essentialistischen) und eines empirisch-analytischen (oder auch deduktiv-empirischen) Theorietyps um den richtigen Weg zur Erkenntnis. Doch im Gefolge der Studentenbewegung machten sich neomarxistische Bestrebungen breit, die auf eine Transformation der Politikwissenschaft zu einer gegen das „System” der Bundesrepublik Deutschland gerichteten Oppositionswissenschaft drängten. Ihre Protagonisten bescherten der Disziplin einen dritten, nämlich den dialektisch-kritischen (oder auch historisch-dialektischen) Theorietypus.

Seit den achtziger Jahren sind diese Auseinandersetzungen weitgehend beigelegt, was zu einer allgemeinen Entideologisierung der Politikwissenschaft beigetragen hat. Parallel zur thematisch notwendigen Umorientierung nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der deutschen Wiedervereinigung hat die einst so theorielastige Disziplin eine deutliche Schwerpunktverlagerung in Richtung „moderne Sozialwissenschaft” und praktische Politikberatung vollzogen.