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Jacques Offenbach

Jacques Offenbach, eigentlich Jacob Offenbach, (1819-1880), französischer Komponist, einer der Begründer der modernen Operette.

Er wurde in Köln als Sohn eines jüdischen Kantors geboren, der ihm früh das Geigenspiel beibrachte. 1833 ging er nach Paris und studierte am dortigen Konservatorium Violoncello. 1837 wurde er Cellist an der Pariser Opéra-Comique, wo auch seine erste Operette, der Einakter Pepito, 1853 uraufgeführt wurde. 1849 wurde er Kapellmeister am Théâtre Français. 1855 eröffnete er ein eigenes Theater, die Bouffes-Parisiens, in dem er gleichzeitig als Komponist, Dirigent und Theaterdirektor fungierte und das er bis 1862 leitete. Hier standen kleine operettenartige Werke, die so genannten Musiquettes, auf dem Spielplan. Sein 1858 hier uraufgeführter Orphée aux enfers (Orpheus in der Unterwelt) wurde zu einem Musterbeispiel der satirischen Operette und erfreut sich bis heute großer Beliebtheit. Nach 1870 wandte sich der Zeitgeschmack von seinen ursprünglich sehr erfolgreichen Operetten ab, die Bouffes-Parisiens mussten schließen. Von 1873 bis 1875 übernahm Offenbach die Leitung des Théâtre de la Gaité in Paris, mit dem er eine Hinwendung zur Ausstattungsoperette vollzog und wirtschaftlich ruinös scheiterte. Im Jahr darauf unternahm er eine Tournee durch Amerika, die jedoch die Reputation in seinem Heimatland nicht steigern konnte. Es folgte der finanzielle und gleichzeitig auch der gesundheitliche Niedergang. Ab 1877 lebte Offenbach wieder überwiegend in Paris, fast ausschließlich beschäftigt mit seinem letzten großen Meisterwerk Les contes d’Hoffmann (Hoffmanns Erzählungen). Die Uraufführung 1881 erlebte er jedoch nicht mehr. Ernest Guiraud hatte das lyrisch-phantastische Werk um einige Textstellen und Instrumentierungen erweitert, insbesondere um ein Trinklied und die Barcarole aus einem anderen Werk Hoffmanns (Rheinnixen, 1864).

Bis 1875 komponierte Offenbach 90 Operetten, viele von ihnen nach den Libretti des französischen Schriftstellers Ludovic Halévy. Daneben komponierte er einige Instrumentalwerke, Chöre, Lieder und Schauspielmusiken. Zu den Werken Offenbachs, die heute am häufigsten aufgeführt werden, zählen Orpheus in der Unterwelt (1858) mit den berühmten Cancan-Nummern, Die schöne Helena (1864), Blaubart (1866), Pariser Leben (1866), La Périchole (1868) und die lyrische Oper Hoffmanns Erzählungen (1880, uraufgeführt 1881), die die berühmte Barcarole enthält. Offenbachs Werk, mit dem er die gesellschaftlichen Erscheinungen der Belle Époque unter Napoleon III. satirisch kommentierte und parodierte, ist durch geistreichen, sprühenden Witz und durch satirische Schärfe gekennzeichnet. Eingängige Melodien und Rhythmik und die musikalische Komik seiner oft die große Oper persiflierenden Werke prägten einen eigenen Stil, die Offenbachiade. Durch seine Operetten (ein Begriff, den er für La Rose de St-Flour 1856 erstmals verwendete) wurde dieses Genre international etabliert, und seine Werke wurden Vorbild für ganze Generationen von Operettenkomponisten, und schließlich auch für das Musical des 20. Jahrhunderts.

1999 war in einer Weltpremiere der Hamburger Staatsoper erstmals das Finale des vierten Akts von Hoffmanns Erzählungen zu hören – die 144 Takte waren jahrzehntelang verschwunden gewesen.