Migration
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Migration
3. Folgen

Die Folgen massiver Migrationsprozesse sind für die von der Ab- und der Zuwanderung betroffenen Gebiete und Länder so vielfältig wie ihre Ursachen und die Folgen für die Migranten selbst. Die Situation kompliziert sich noch dadurch, dass viele Länder zu unterschiedlichen Zeiten Auswanderungs- und zugleich oder wenig später Aufnahmeländer sind wie z. B. Deutschland im 19. Jahrhundert oder die südeuropäischen Staaten, aus denen seit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts Arbeitsmigranten nach Deutschland zogen und die seit den achtziger Jahren selbst Zielräume von Wirtschaftsflüchtlingen und Bürgerkriegsopfern aus Nordafrika und Ost- und Südosteuropa wurden.

1. Auswanderungsregionen

Die Ausgangsräume profitieren in manchen Fällen von der Migration, weil sie von Konfliktpotential entlastet werden, das sich durch die Verringerung der Bevölkerungsdichte, die Abwanderung von religiös, ethnisch und national abgelehnten Minderheiten und von Arbeitslosen ergibt. Die finanzielle Unterstützung der in der Heimat Verbliebenen durch im Ausland aufgestiegene Auswanderer macht in vielen verarmten Staaten einen erheblichen Teil des Volkseinkommens aus. Zugleich trägt die Abwanderung der oft aktivsten und qualifiziertesten Arbeitskräfte (Braindrain) aber auch zu einer Zementierung der Unterentwicklung bei.

2. Einwanderungsregionen

Auch in den Aufnahmegesellschaften stellen sich die Folgen der Einwanderung von Land zu Land unterschiedlich dar. Nicht zuletzt sind sie abhängig von der Zahl der Zuwanderer und dem Grad der kulturellen Differenz. In den meisten Fällen werden die „Fremden”, die einen Platz im sozialen, wirtschaftlichen und politischen Leben ihrer neuen Heimat beanspruchen, abgelehnt. Den Ansässigen erscheinen die Zugewanderten häufig als Konkurrenten um den Arbeitsplatz, um staatliche Sozialleistungen, um Lebensqualität und werden als soziales Konfliktpotential, Bedrohung der ethnischen Einheit, nationalen Sicherheit oder kulturellen Identität wahrgenommen.

Auf der anderen Seite gilt Zuwanderung in Geschichte und Gegenwart fallweise auch als vorteilhaft und wird häufig, vor allem mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung, zielgerichtet gefördert. Beispielhaft für solche Prozesse sind die Verschleppung von etwa 20 Millionen Afrikanern als Sklaven nach Amerika zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert, die Anwerbung von Arbeitskräften aus Polen in das aufstrebende Ruhrgebiet in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die Anwerbung von mehr als zwei Millionen fremdstaatlichen Arbeitnehmern („Gastarbeitern”) durch die Bundesrepublik Deutschland zwischen 1957 und 1973 und die globale Konkurrenz von Staaten und Hightechunternehmen um Computerspezialisten in der Gegenwart.

Im langfristigen historischen Trend findet im Gefolge der Wanderungsbewegungen in der Regel neben einer gegenseitigen Befruchtung der Kulturen (Akkulturation) auch eine genetische Vermischung zwischen Einwanderern und Ansässigen statt. Um das Zusammenwachsen zu verhindern, das vielfach als Gefährdung der auf „Hautfarbe” gegründeten Herrschaftsstruktur betrachtet wurde, praktizierten die Siedler häufig eine Politik der scharfen Rassentrennung (z. B. Apartheid).

3. Migranten

Für die Migranten ergeben sich fundamentale und vielseitige Veränderungen ihrer Lebensverhältnisse, die davon abhängen, welche Verhältnisse sie in den Regionen vorfinden, in die sie einwandern, ob sie als Eroberer, Arbeit suchender, politischer Flüchtling oder gar Deportierter ankommen, und ob sie als Individuen, in einem sozialen Zusammenhang oder als ganze Bevölkerungsgruppe ein neues Dasein gründen. Sofern sie nicht als Angehörige der politischen, kulturellen oder wirtschaftlichen Elite als Bereicherung der Aufnahmegesellschaft wieder eine entsprechende Position einnehmen können oder in einem langen Prozess der Assimilation aufgestiegen sind, bilden sie in den heutigen Einwanderungsländern zumeist die unterste Stufe der gesellschaftlichen Schichtung.