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Wahhabiten, eine im 18. Jahrhundert von dem Reformer Muhammad ibn Abd al-Wahhab gegründete fundamentalistische Bewegung innerhalb des Islam und herrschende religiöse Doktrin im heutigen Saudi-Arabien. Muhammad ibn Abd al-Wahhab war ein Nachfolger sunnitischer Religionsgelehrter und erhielt eine der Familientradition entsprechende Erziehung an der religiösen Gesetzesschule der Hanbaliten. Während seiner Pilgerreise nach Mekka (Hadsch) studierte er in Medina, wo er von dem Werk des hanbalitischen Gelehrten des 14. Jahrhunderts, Ibn Taimiya, der eine Reihe muslimischer Überzeugungen, Interpretationen und Praktiken als fremdartige Neuerungen ablehnte, tief beeinflusst wurde. Auf seinen Reisen durch Irak, Iran und Syrien vertiefte Muhammad ibn Abd al-Wahhab seine religiösen Anschauungen und forderte die Muslime auf, die seiner Ansicht nach ursprüngliche Form der islamischen Lehre zu befolgen. Die anfänglichen, von den Hanbaliten in ihm wachgerufenen Vorurteile gegenüber den Schiiten und Charidschiten übertrug er schon bald auch auf Praktiken und Bewegungen, die in der Religion der Sunniten entweder toleriert oder ihr einverleibt wurden, wie z. B. auf die spekulative Theologie und den Sufismus. Er verurteilte insbesondere die sufistischen Gnostiker, die Musikveranstaltungen sowie den Totenkult der Sufiheiligen. Der Glaube, dass durch die Aufsuchung von Heiligengräbern Segen oder Fürsprache bei den Heiligen erwirkt werden könne, wurde als Götzendienst verurteilt. Derartige radikale Anschauungen entstammten der Überzeugung, dass jedwede Neuerungen, die nach der Generation des Propheten und seiner Gefährten dem Islam hinzugefügt werden, den Glauben verderben würden. Er lehnte sogar die sunnitische Grundlehre vom Konsensus als wichtigste Gesetzesquelle ab. Dementsprechend wich das wahhabitische Recht beträchtlich von jenem der Sunniten und Schiiten ab.
Muhammad ibn Abd al-Wahhabs Hauptziel war die Gründung einer Theokratie. Zu ihrer Verwirklichung kam es schließlich im Jahr 1744 n. Chr. in Ar Rijad (heute Teil Saudi-Arabiens), als er und der mächtige Emir der Region, Muhammad Ibn Saud, einen gegenseitigen Treueeid schworen und die Lehre der Wahhabiten zum offiziellen Glauben des Emirats und seiner beduinischen Untertanen erklärten. Die Eroberung benachbarter Gebiete, einschließlich der heiligen Städte des Islam, Mekka und Medina, führte zu einer gewaltigen Vergrößerung des Emirats sowie seiner Untertanenzahl, denen der neue Glaube aufgezwungen wurde. Aus diesem Emirat entstand schließlich das Königreich, das heute als Saudi-Arabien bekannt ist.