Griechische Mythologie
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Griechische Mythologie
4. Anbetung und Glaubensüberzeugungen

Die griechische Mythologie hob die Schwäche der Menschen im Gegensatz zu den großartigen und gleichzeitig schrecklichen Naturgewalten hervor. Die Griechen glaubten, dass ihre unsterblichen Götter alle Naturerscheinungen beherrschten und demzufolge ihr Leben ganz und gar vom Wohlwollen der Götter abhing. Allgemein galten die Beziehungen zwischen Menschen und Göttern als freundschaftlich. Über die Sterblichen jedoch, die untragbares Verhalten wie zügellosen Stolz, übertriebenen Ehrgeiz oder sogar übermäßigen Wohlstand an den Tag legten, verhängten die Götter schwere Strafen.

Die griechische Mythologie war mit allen Aspekten des griechischen Lebens verflochten. In jeder Stadt wurden bestimmte Götter verehrt, denen die Bürger oft Tempel errichteten. Regelmäßig wurden für diese Götter Feste gefeiert, die von hohen Beamten beaufsichtigt wurden. Auf Festen und anderen offiziellen Versammlungen rezitierten und sangen Dichter Legenden und Balladen.

Die häusliche Anbetung war allgemein üblich, und verschiedene Teile des Hauses waren bestimmten Göttern geweiht, an die zu bestimmten Zeiten Gebete gerichtet wurden. So konnte ein Zeus-Altar im Hof stehen, während Hestia an der Feuerstelle geehrt wurde.

Auch wenn den Griechen eine offizielle religiöse Organisation fehlte, wurden bestimmte heilige Plätze verehrt, wie z. B. Delphi, eine dem Apollo geweihte Stätte. Im Tempel von Delphi konnten mutige Reisende dem Orakel Fragen über die Zukunft stellen. Eine Gruppe von Priestern, welche die einzelnen heiligen Stätten verkörperten und möglicherweise auch Staatsbeamte waren, deuteten die Worte der Götter, verfügten aber über keine besondere Macht. Neben Gebeten brachten die Griechen den Göttern auch Opfer dar, gewöhnlich Ziegen.

Die Griechen selbst stellten verschiedene Theorien über die Entstehung ihrer Mythologie auf. In seiner Heiligen Geschichte berichtet der Mythograph Euhemeros, der um 300 vor unserer Zeitrechnung lebte, von dem weitverbreiteten Glauben, dass Mythen Verzerrungen der Geschichte und die Götter eigentlich Helden seien, die im Laufe der Zeit posthum vergöttlicht wurden. Im 5. Jahrhundert v. Chr. lehrte der Philosoph Prodikos von Kos, dass die Götter personifizierte Naturerscheinungen wie Sonne, Mond, Wind und Wasser seien. Der griechische Historiker Herodot aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. war der Meinung, dass viele griechische Rituale aus Ägypten übernommen wurden.

Die Mythologien waren ständigen Wandlungen unterzogen. Mit der Entstehung des Hellenismus um 323 v. Chr. fand jedoch eine klare Zäsur statt. Das Aufkommen neuer Philosophien und der Einfluss benachbarter Zivilisationen führten allmählich zu einer Modifizierung traditioneller Anschauungen. Dennoch blieben Charakteristika der griechischen Götter und ihre Mythen im Wesentlichen erhalten.

Siehe auch ägäische Kultur