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Parabel (Literatur)

Parabel (Literatur) (griechisch parabole: Gleichnis), literaturwissenschaftliche Bezeichnung für eine Erzählung lehrhaften Charakters, die eine durch Analogieschluss zu enträtselnde allgemeine Wahrheit des menschlichen Lebens enthält; diese muss durch einen Vergleich des Textes (dem Dargestellten) mit der außersprachlichen Realität (dem Gemeinten) vom Leser erst gewonnen werden.

Im Unterschied zur Fabel ist der Gegenstandsbereich der Parabel nicht als Ganzes auf das Gemeinte übertragbar, sondern lediglich in einem Teilbereich. Vom Gleichnis im strengen Sinn wird die Parabel ebenfalls oftmals unterschieden, da sie keine direkte Verknüpfung der Gegenstandsbereiche (so: wie) zulässt; dem Gleichnis wird diese Verknüpfung oftmals in Form einer klaren Moralaussage vor- oder nachgestellt. Die Parabel ist fester Bestandteil der buddhistischen und hebräischen Literatur. Auch im Neuen Testament wird sie als Erhellungsmedium einer (hier: göttlichen) Wahrheit genutzt. Das berühmteste Beispiel ist die Parabel vom verlorenen Sohn, die auf eine religiöse Botschaft des Glaubens hin interpretiert werden soll.

Für die Epoche der Aufklärung, namentlich für Gotthold Ephraim Lessing, war die Parabel ein „Hebel der Erkenntnis”; Lessing selbst stellte die so genannte Ringparabel ins Zentrum seines Theaterstücks Nathan der Weise (III, 7). Weitere bedeutende deutschsprachige Parabeldichter sind Johann Wolfgang von Goethe, Johann Gottfried von Herder, Friedrich Rückert und (innerhalb der literarischen Moderne) Franz Kafka, Bertolt Brecht, Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt, Günter Kunert und Reiner Kunze. Im Kontext einer europäischen Dramentradition schafft das absurde Theater, etwa bei Samuel Beckett und Eugène Ionesco, Parabelstücke, die hinsichtlich einer „Botschaft” nicht mehr entschlüsselt werden können und gerade in dieser Verweigerung einer klaren Deutung auf die Sinnlosigkeit menschlicher Existenz verweisen.