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Freihandel
1. Einleitung

Freihandel, zwischenstaatlicher Waren- und Dienstleistungsverkehr ohne Zollschranken oder andere Einfuhrhindernisse wie z. B. Kontingentierung (Beschränkung der Importmenge für bestimmte Güter). Das Gegenteil des Freihandels ist der Protektionismus, der die inländische Produktion durch Einfuhrbeschränkungen schützt.

Außenwirtschaftliche Beziehungen werden vor allem mit dem Ziel aufgenommen und aufrechterhalten, durch internationale Arbeitsteilung den Wohlstand der beteiligten Volkswirtschaften zu erhöhen.

2. Die Freihandelsidee des Liberalismus

Vor über 200 Jahren forderten bereits die Vertreter des Liberalismus eine internationale Arbeitsteilung. Als Begründer der Freihandelstheorie gilt der Nationalökonom Adam Smith. Er behauptete, dass der Freihandel den Wohlstand aller Nationen vergrößere, wenn jedes Land die Güter exportiere, die es am billigsten herstellen könne, und jene Güter importiere, die anderswo billiger produziert würden.

Der Nationalökonom David Ricardo wies nach, dass ein Land auch dann durch den Außenhandel gewinnt, wenn es alle Güter billiger als das Ausland herstellen kann. Nach seinem Theorem der komparativen Kosten ist es für das betreffende Land sinnvoll, die Güter herzustellen, bei denen sein Kostenvorteil gegenüber dem Ausland am größten ist, und jene einzuführen, die es mit einem geringeren Kostenvorteil produzieren würde.

3. Nachteile der internationalen Arbeitsteilung

Die Freihandelstheorie des Liberalismus lehrte, dass die internationale Arbeitsteilung zum größtmöglichen Weltsozialprodukt führe. Sie berücksichtigte jedoch nicht, dass die Handelsvorteile ungleich verteilt sein können. Besonders in den sechziger Jahren mehrte die erhöhte Rohstoffausfuhr einiger Entwicklungsländer nur den Wohlstand der Industrieländer, da mit der erhöhten Rohstoffproduktion ein Preisverfall verbunden war. Ein weiterer Nachteil einer zunehmenden internationalen Arbeitsteilung besteht in der wachsenden politischen und wirtschaftlichen Abhängigkeit einer Volkswirtschaft vom Ausland. Eine stark exportorientierte Volkswirtschaft kann durch Konjunktureinbrüche bei den Handelspartnern selbst geschwächt werden. Außerdem sind hoch industrialisierte Volkswirtschaften zunehmend auf Rohstoffimporte angewiesen, da sie die Gewinnung einheimischer Rohstoffe eingeschränkt oder gar eingestellt haben. So verdrängte beispielsweise in Deutschland seit der Mitte der sechziger Jahre billiges Heiz- und Industrieöl die Kohle.

4. Argumente für den Protektionismus

Die Freihandelstheorie des Liberalismus ist zu keiner Zeit ganz verwirklicht worden. Die Vorherrschaft der protektionistischen Politik hängt zum Teil mit der Stärke industrieller Interessengruppen zusammen, die den ausländischen Wettbewerb fürchten. Für den Protektionismus gibt es folgende Argumente:

1. Die junge inländische Industrie könne sich nur ohne ausländische Konkurrenz entwickeln.

2. In Kriegszeiten könne einem das Ausland den Nachschub an wichtigen Gütern vorenthalten.

3. Der Protektionismus schütze die einheimische Industrie vor einem Dumping aus dem Ausland (Dumping bedeutet, dass ausländische Lieferanten Güter zu niedrigeren Preisen anbieten als im exportierenden Land, um Mitbewerber zu verdrängen und ein Monopol zu errichten.).

4. In Zeiten der Arbeitslosigkeit könne protektionistisches Handeln die Beschäftigung erhöhen. Verringere man die Importe, werde die Nachfrage nach inländischen Ersatzprodukten angeregt, wodurch die Produktion im Inland ausgeweitet werde.

5. Durch protektionistische Maßnahmen könne ein Land, auf dessen Exporte andere Länder stark angewiesen sind, seine Terms of Trade verbessern: Wenn es Zölle oder andere Einfuhrbeschränkungen verhänge, müssten die ausländischen Handelspartner ihre Exportpreise senken, damit sie genug Einkommen verdienten, um für die begehrten Güter aus dem Ausland zu zahlen.

5. Entwicklung nach dem Krieg

Die meisten Staaten befürworten offiziell einen freieren internationalen Handel. Das Ziel ist jedoch auch in den hoch industrialisierten, stark exportabhängigen Ländern nur schwer zu realisieren. Seit dem Ende des 2. Weltkrieges haben die führenden Handelsnationen gemeinsame Anstrengungen unternommen, um den internationalen Handel zu liberalisieren und Einfuhrbeschränkungen zu beseitigen, z. B. durch das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT). In Zeiten der Hochkonjunktur unterstützen die meisten Volkswirtschaften zwar den Freihandel, in einer Rezession greifen viele Staaten aber verstärkt zu protektionistischen Maßnahmen.

Die Volkswirtschaften sind heute so stark miteinander verflochten, dass die nationale Wirtschaftspolitik der führenden Industrienationen auch international Auswirkungen zeitigt. Dies verstärkt meist protektionistische Tendenzen, da sich einzelne Volkswirtschaften damit gegen die ihrer Meinung nach unfairen Methoden ihrer Konkurrenten auf dem Weltmarkt zu schützen suchen. Das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) und seine Nachfolgeorganisation, die Welthandelsorganisation (WTO), sollen Streitigkeiten zwischen Handelsnationen entscheiden und allgemein akzeptierte Bedingungen für den Freihandel schaffen.

Siehe auch Europäische Freihandelsassoziation (EFTA); Nordamerikanisches Freihandelsabkommen (NAFTA)