Johannesevangelium
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Johannesevangelium
2. Verfasserschaft

Seit dem 19. Jahrhundert ist die Frage nach der Verfasserschaft des Johannesevangeliums umstritten. Neben der inzwischen widerlegten Auffassung, dass das Johannesevangelium vom Apostel Johannes stammt, werden folgende andere Theorien vertreten: (1) Das vierte Evangelium sei von dem im 2. und 3. Johannesbrief erwähnten „Alten” verfasst worden; (2) Es sei von einem oder mehreren Schülern des Evangelisten geschrieben worden und basiere so, zumindest teilweise, auf den Erinnerungen des Johannes an die im Evangelium geschilderten Ereignisse; (3) Lazarus von Bethanien, ein Freund Jesus Christus, sei der Verfasser; (4) Es sei von einem anonymen Christen aus Alexandria aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts geschrieben worden. Allgemein wird das Johannesevangelium heute auf das letzte Jahrzehnt des 1. Jahrhunderts oder auf das frühe 2. Jahrhundert datiert.

Der Autor des Johannesevangeliums schrieb zu einer Zeit, als in der frühen Kirche der Glaube an Mysterienkulte und die Gnosis neben den christlichen Lehren weit verbreitet waren. Er scheint sein Evangelium zu allererst als eine theologische Neuinterpretation der Person und Sendung Jesu konzipiert zu haben. Seine Botschaft legte er in Begriffen der philosophischen Strömungen seiner Zeit dar, so dass seine Beeinflussung durch den Neuplatonismus wahrscheinlich scheint. Sein Hauptanliegen war offenbar die Bekämpfung der Lehre einer doketischen Gnosis, nach deren Verständnis Christus ein menschgewordener Gott war, dem aber die Todesangst oder das Sterben fremd gewesen seien. Die Intention des Verfassers wird in 20, 30-31 deutlich.