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| 2. | Forschungsansätze |
Bei der Untersuchung von Sprache stehen zwei Gesichtspunkte im Vordergrund: Sprachverwendung und Sprachsystem, in der Terminologie Ferdinand de Saussures parole vs. langue. Wissenschaftler verschiedenster Fachbereiche zeigen Interesse an der Sprachverwendung, darunter Literaturwissenschaft, Kommunikationswissenschaft, Rhetorik, Soziologie, Politikwissenschaft und Psychologie. Unter dem Aspekt der Sprachverwendung wird untersucht, was Menschen sagen, wie sie ihre Gedanken ausdrücken und was sie mit dem meinen, was sie sagen. Eingeschlossen sind Inhaltsanalyse und Literaturkritik, Untersuchungen der Sprachgeschichte und der Bedeutungsänderung der Wörter sowie die Beschreibung der sozialen Faktoren, die das Sprachverhalten bestimmen. In der traditionellen Rhetorik steht im Vordergrund, wie Sprache das Verhalten beeinflussen kann. Für Literaturwissenschaftler bildet Sprache die Basis für die Analyse literarischer Texte. Für den Lexikographen ist Sprache ein Bestand an Wörtern, zu dem auch Bedeutung, Ursprung und Geschichte der Wörter gehören. Sprache ist auch die spezifische Art der Auswahl und Zusammenstellung von Wörtern eines Einzelnen (Idiolekt) oder einer Gruppe (Soziolekt).
Natürliche Sprachen weisen ein außerordentlich hohes Maß an Komplexität auf. Demgemäß entstanden viele verschiedene Ansätze bei der Definition von Sprache. Eine Vielzahl von Aspekten spielt dabei eine Rolle, und für die verschiedenen sprachlichen Ebenen haben sich eigene sprachwissenschaftliche Teildisziplinen herausgebildet. Die Phonetik beschäftigt sich mit dem lautlich-artikulatorischen Aspekt von Sprache. Die Phonologie untersucht die Phoneme, die kleinsten bedeutungsunterscheidenden Einheiten einer Sprache. Das Gebiet der Morphologie (Wortbildung) ist die Erforschung der Morpheme als den kleinsten bedeutungstragenden Einheiten. Die Semantik ist mit der Bedeutung von Sprachäußerungen befasst, die Syntax untersucht die Regeln nach denen Wörter zu wohlgeformten größeren Einheiten (Sätzen) zusammengesetzt werden. Aufgabengebiet der Pragmatik ist die Untersuchung von Sprechhandlungen. Die Textlinguistik setzt sich mit sprachlichen Gebilden oberhalb der Ebene des einzelnen Satzes auseinander. Daneben wird in der Soziolinguistik die Sprache anhand sozialer Faktoren analysiert. In der Psycholinguistik werden die individuellen Aspekte wie Sprachverstehen, Sprachverarbeitung und Spracherwerb erforscht.
Die Linguistik beschäftigt sich mit der Struktur der Sprache. In den verschiedenen Fachgebieten der Linguistik ist Sprache unterschiedlich definiert, und die Forschungsansätze unterscheiden sich je nach der verwendeten Definition. Linguisten, die sich mit Sprache als schriftlicher Kommunikationsform beschäftigen, interessieren sich für die Struktur dessen, was sie „Text” nennen – wie Sätze und Satzteile sich zu einem kohärenten (zusammenhängenden) Ganzen zusammenfügen – und dafür, wie eine Sprache in eine andere exakt übersetzt werden kann. Im Bereich der maschinellen Übersetzung verarbeiten Computer die enorme Datenmenge, die für derartige Untersuchungen benötigt wird (siehe Computerlinguistik). Die komparative Linguistik versucht, Sprachfamilien, die von einem gemeinsamen Vorläufer abgeleitet sind, zu identifizieren.