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Rätoromanische Sprachen

Rätoromanische Sprachen, Gruppe von romanischen Sprachen, zu der das im Kanton Graubünden im Südosten der Schweiz gesprochene Bündnerromanisch (Rumantsch grischun), das in Südtirol (Alto Adige) und im Osten der Dolomiten gesprochene Ladinisch und das in der Gegend von Friaul in den östlichen Alpen gesprochene Friaulisch (Friuli) gehören. Rätoromanisch entwickelte sich aus dem Volkslatein, das von den Römern ab 15 n. Chr. in der Provinz Rätien verbreitet wurde. Das Gebiet wurde zu der Zeit von den Rätern bewohnt, einem Volksstamm, über den man nur wenig weiß. Von 500 bis 800 n. Chr. wurde das Rätoromanische vom Gotthard über den Brenner bis zum Südrand der Alpen gesprochen. Später wurde es durch Alemannisch und Deutsch zurückgedrängt.

Der Begriff wurde im 19. Jahrhundert etabliert durch die Rätoromanische Grammatik (1883) des österreichischen Romanisten Gartner. Die Verwandtschaftsbeziehung der drei Sprachen ist nicht eindeutig geklärt, sie scheinen sich aber unabhängig voneinander entwickelt zu haben. In der Romanistik ist der Begriff „rätoromanisch” in den letzten Jahrzehnten umstritten, da einige Romanisten dazu tendieren, Bündnerromanisch (Rumantsch), das Ladinische und das Friaulische als jeweils autonome Sprache anzuerkennen und nicht mehr unter der Sprachgruppe des Rätoromanischen zusammenzufassen. Die Sprecher der drei Gruppen können sich nur schwer untereinander verständigen.

Von den circa 500 000 Sprechern des Rätoromanischen verwenden etwa 90 Prozent Friaulisch. Ungefähr ein Prozent der Schweizer Bevölkerung spricht Rumantsch, seit 1938 die vierte Amtssprache in der Schweiz. Rumantsch, Ladinisch und Friaulisch besitzen eine eigenständige regionale Literatur. Um das völlige Aussterben des Rätoromanischen zu verhindern, entwickelte man 1982 eine Standardschriftsprache.