Charles Baudelaire
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Charles Baudelaire
2. Werk

Gegenüber der – bereits von Poe verachteten – romantischen Vorstellung dichterischer Inspiration etabliert Baudelaire sein eher intellektualistisches Modell, das allerdings die Schöpferkraft des Dichters miteinbezog: Die Welt wird zum Reservoir von Zeichen, zum „Wald von Symbolen” („une fôret de symboles”). Es gilt, diese zu zerlegen und überraschend wieder zu verknüpfen. So entstehen ungewöhnliche Bezüge und Entsprechungen („correspondances”), die Erkenntniswert besitzen. Eros und Tod werden zentrale Themen: Allein das Rätselhafte, Geheimnisvolle, Künstliche, Amoralische besitzt noch Schönheit – und Bedeutung. Mit diesem Schreibprogramm avancierte der Autor zur zentralen Gestalt des Ästhetizismus und der l’art pour l’art. Mit seiner Ästhetik des Hässlichen prägte Baudelaire die Lyrik nachfolgender Dichter, vor allem aber Stéphane Mallarmé und Arthur Rimbaud. In Deutschland wirkte der Dichter nach auf den Expressionismus, namentlich auf Georg Trakl, später dann auf Paul Celan.

1869 kamen posthum Baudelaires Prosagedichte Le Spleen de Paris heraus. Sie waren gleichsam als Gegenstück zu Les fleurs du mal geplant (Teile waren bereits 1857 in der Zeitschrift Le Présent erschienen). Auch hier wird die bereits in der Lyrik thematisierte Antinomie von „Spleen” und „Ideal” – von Niederem und Hohem, Fall und Aufschwung, „Trübsinn und Vergeistigung” (siehe Stefan George) – wieder heraufbeschworen. Die Kunst (namentlich die Musik Franz Liszts) erscheint ein weiteres Mal als Möglichkeit, der Enge und der Langeweile („L’ennuie”) des Daseins zu entfliehen. Ebenfalls aus dem Nachlass wurden L’art romantique (1886; Die Kunst der Romantik), Curiosités esthétiques (1868; Ästhetische Merkwürdigkeiten) und Journaux intimes (vollständig erstmals 1887, Intime Tagebücher) herausgegeben. Unter anderem George, Stefan Zweig und Carlo Schmid übersetzten Baudelaires Gedichte ins Deutsche.

Claude Debussy vertonte 1889 Cinq poèmes de Baudelaire. Ein Jahr später kam ein Lithographienzyklus von Odilon Redon nach Die Blumen des Bösen heraus (ein weiterer herausragender Illustrator war Georges Henri Rouault). Der französische Glaskünstler Émile Gallé versah einen Teil seiner Gefäße mit dessen Gedichtzeilen. Mit Die Blusen des Böhmen lieferte Robert Gernhardt eine Verballhornung der Fleurs du mal.