| Amazonas | Artikelansicht | ||||
| Klicken Sie im Menü Datei auf Drucken, um die Informationen zu drucken. | |||||
| 2. | Flusslauf und Umgebung |
Die größten Quellflüsse des Amazonas sind der Ucayali und der Marañón. Sie entspringen beide im ewigen Eis der Hochanden und fließen parallel zueinander nach Norden, bis sie sich bei Nauta in Peru vereinigen. Von dieser Stelle an fließt der Hauptstrom des Amazonas in östlicher Richtung zum Atlantik; bis zur Mündung des Río Negro bei Manaus nennt man ihn in Brasilien Rio Solimões. Am Atlantik besitzt der Amazonas eine etwa 250 Kilometer breite Trichtermündung. Dort lagert er die Sedimente ab, die ein Labyrinth von Inseln bilden, wodurch der Fluss in einzelne Arme aufgeteilt wird. Die Mündung des Hauptstromes ist 80 Kilometer breit. Dieser Mündungsarm, Pará genannt, wird durch die Insel Marajó von einem kleineren Mündungsarm abgetrennt, die einschließlich ihrer Salzsümpfe eine Fläche von mehr als 36 000 Quadratkilometer aufweist. Bei Neumond und bei Vollmond bewegt sich eine Flutwelle, die vom Meer kommt, mit einer Geschwindigkeit von mehr als 65 Kilometer pro Stunde etwa 650 Kilometer flussaufwärts. Dabei entstehen oft Wellen mit einer Höhe bis zu 5 Metern.
Das gesamte Einzugsgebiet des Amazonas liegt in den inneren, ganzjährig heißen Tropen. Die mittlere Jahrestemperatur des als Amazonien bekannten Gebietes beträgt etwa 26 °C; die thermischen Schwankungen im Jahresverlauf sind gering. Die Luftfeuchtigkeit liegt ständig über 80 Prozent. Im Stromgebiet des Amazonas liegen die größten und feuchtesten tropischen Ebenen der Welt, sowie das größte zusammenhängende Regenwaldgebiet. Schwere Regenfälle ergießen sich während des ganzen Jahres, insbesondere zwischen Januar und Juni, auf große Teile des Tieflandes. Jahreszeitliche Veränderungen der Niederschlagsmengen spiegeln sich in Breite, Fließgeschwindigkeit und Abflussmenge des Flusses wider. Im Jahresdurchschnitt fallen zwischen 2 000 Millimeter und 3 000 Millimeter Niederschlag. Während der Monate mit den größten Niederschlägen leiden weite Gebiete am Amazonas unter schweren Überschwemmungen.
In Brasilien ist der Fluss bei Niedrigwasser zwischen 1,6 Kilometer und zehn Kilometer breit und verbreitert sich – da das ihn umgebende Land überwiegend flach ist – bei der jährlich wiederkehrenden Flut bis auf mehr als 50 Kilometer. Die Fließgeschwindigkeit schwankt zwischen 2,4 und acht Kilometern pro Stunde, und der Wasserspiegel steigt bei Hochwasser oft 15 Meter über Normalhöhe. Aufgrund dieser riesigen Wassermenge hat der Amazonas ein tiefes Bett in der Ebene gegraben, durch die er fließt; bei Óbidos in Brasilien ist er bei mittlerem Wasserstand z. B. mehr als 90 Meter tief.
Die Anzahl der Nebenflüsse des Amazonas ist noch nicht genau ermittelt; allein in Brasilien sind es mehr als 220, wobei 15 der längsten über 2 000 Kilometer lang sind. Man unterscheidet gewöhnlich zwei Arten von Nebenflüssen anhand ihrer Farbe. Die hellen und trüben, so genannten Weißwasserflüsse stammen aus den Anden und führen reichlich Sedimente mit sich, während die klaren Schwarzwasserflüsse aus dem Amazonasgebiet selbst stammen und durch mitgeführte Humusstoffe dunkelbraun bis schwarz gefärbt sind. Der Amazonas kann von Hochseeschiffen jeder Größe auf zwei Dritteln seiner Länge befahren werden. Schiffe aus anderen Kontinenten laufen regelmäßig Manaus an, das fast 1 600 Kilometer von der Küste entfernt liegt. Schiffe bis zu 3 000 Bruttoregistertonnen können Iquitos in Peru anlaufen, das sich 3 700 Kilometer von der Amazonasmündung befindet; die Stadt ist damit der am weitesten vom Meer entfernte Seehafen. Flussschiffe mit geringerer Tonnage können außerdem mehr als 100 der größeren Nebenflüsse befahren.