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Nitroglycerin, gebräuchliche aber falsche Bezeichnung für Glycerintrinitrat, einen starken Sprengstoff mit der Formel C3H5(NO3)3 – die Substanz enthält Nitratgruppen NO3 und keine Nitro-Gruppen NO2.

Glycerintrinitrat wird aus Glycerin durch Behandlung mit einer Mischung aus konzentrierter Schwefel- und Salpetersäure hergestellt. Die schwere, ölige, meist hellgelbe Flüssigkeit hat eine Dichte von 1,59 und einen brennenden Geschmack. Es bildet im festen Zustand zwei kristalline Formen, wobei die instabile Form (triklin) einen Schmelzpunkt von 2,8 °C besitzt, während der Schmelzpunkt der stabilen Form (rhomboedrisch) bei 13,5 °C liegt. Bei rascher Erhitzung (200 °Celsius) oder Erschütterung explodiert Glycerintrinitrat. Obwohl es bereits 1846 entdeckt wurde, nutzte man es erst als Sprengstoff, nachdem es der schwedische Ingenieur und Erfinder Alfred Nobel 1866 zur Herstellung von Dynamit verwendet hatte. Nitroglycerin ist heute ein weitverbreiteter Sprengstoff und wird normalerweise mit einem explosionsträgen porösen Material wie Sägemehl vermischt. Bei der Detonation produziert es das Zehntausendfache seines Volumens an Gas. Es ist im Verhältnis zum relativen Gewicht achtmal so stark wie Schießpulver und 13-mal so stark im Verhältnis zum relativen Volumen.
Medizinisch wird Nitroglycerin in sehr kleinen Dosen (0,2 bis 0,6 Milligramm) zur Erweiterung von Blutgefäßen, insbesondere bei der Schmerzbehandlung von Angina pectoris, eingesetzt. Hierbei eigentlich wirksam ist Stickstoffmonoxid (NO), das die glatte Muskulatur der Blutgefäße erschlaffen lässt und so die Blutzufuhr und Sauerstoffversorgung des Herzmuskels verbessert. Stickstoffmonoxid wird aus dem Nitroglycerin durch das Enzym mitochondriale Aldehyd Dehydrogenase (mALDH) in den Mitochondrien (siehe Zelle) gebildet.