Korallenriff
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Korallenriff
4. Korallenausbleichung

In letzter Zeit sind Korallenriffe von Ausbleichung betroffen, wobei die symbiotischen Zooxanthellen ausbleichen und verloren gehen. In den Jahren 1979 und 1980 traten mehrere Fälle von Korallenausbleichung an den Riffen um Okinawa (Japan), um die Osterinsel, im Nordosten von Australien und im Karibischen Meer auf. Großflächigere Ausbleichungen entstanden 1982 und 1983, betroffen waren Riffe vor Ostafrika, Indonesien und vor der Westküste Mittel- und Südamerikas. Noch ausgedehntere und verheerendere Ausbleichungen traten in den drei Jahren von 1986 bis 1988 auf und betrafen Taiwan, Hawaii, die Fidschi-Inseln, die Insel Mayotte und die gesamte Länge des Großen Barrierriffes. In diesem Gebiet vor der Ostküste Australiens sind zahlreiche Riffe in ihrer Existenz bedroht.

Als Ursache dieser weit verbreiteten Fälle von Korallenausbleichung kommen Umweltverschmutzung, globale Erwärmung und Ultraviolettstrahlung in Frage. Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass ungewöhnlich warmes Wasser der Grund sein könnte. Die Optimaltemperatur für das Korallenwachstum liegt für tropische Korallen zwischen 26 und 27 °C. Man hat herausgefunden, dass Temperaturen über 29 °C eine zu hohe Belastung für die Korallen darstellen: Die symbiotischen Zooxanthellen beschleunigen die photosynthetischen Vorgänge, wodurch im Korallengewebe hohe Konzentrationen von freien Radikalen entstehen, die als Toxine wirken. Die physiologisch gestressten Korallenpolypen stoßen möglicherweise die Zooxanthellen ab, mit der Folge, dass die Koralle ihre Farbe verliert. Satellitenmessungen der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) ergaben, dass das Ausbleichen der Korallenriffe mit der Zunahme der Wassertemperaturen von Süden nach Norden einhergeht. In diesem Zusammenhang spielt auch das Phänomen El Niño für die Ausbleichung der Riffe eine große Rolle. Ihm wird das 2000 erfolgte Absterben eines Riffs vor der Küste von Belize zugeschrieben. Wassertemperaturen von mehr als 30 °C hatten dort seit 1998 zu einem Ausbleichen der Korallen bis in große Tiefen und schließlich zum Absterben des gesamten Riffs geführt. Offenbar kann bei Korallensterben auch das Bakterium Serratia marcescens eine Rolle spielen, das sich in erwärmtem Meerwasser stark vermehrt und Korallenpolypen schädigt.

Ausgebleichte Korallen regenerieren sich nur sehr schwer, und es kann mehrere Jahre dauern, bis ein Riff wieder die ursprüngliche Farbe hat. Mehrere aufeinander folgende Ausbleichungen können dazu führen, dass das Riff nie wieder in den ursprünglichen Zustand zurückkehrt. Schlimmste Folgeerscheinung ist, dass ohne die symbiotischen Zooxanthellen die Korallen nicht in der Lage sind, das Calciumcarbonatskelett zu bilden, das zur Entwicklung eines Korallenriffes unerlässlich ist. Nicht nur die Korallen, sondern alle im Riff lebenden Organismen verlieren möglicherweise bei Ausbleichungsvorgängen ihren Lebensraum, da die Calciumcarbonatstruktur des Riffes nach und nach abgetragen wird.

2001 gab es weltweit noch etwa 284 300 Quadratkilometer Korallenriffe, das entspricht vier Fünfteln der Fläche Deutschlands; 58 Prozent der Riffe galten als bedroht. Besonders gefährdet sind die Korallenriffe in Südostasien, die aufgrund ihrer Artenvielfalt zu den reichhaltigsten der Erde gehören. Dort sind annähernd 80 Prozent der Fischbestände bedroht. Hauptursachen dafür sind vor allem die Küstenentwicklung mit intensiver Bauaktivität und starkem Tourismus sowie Fischerei und Raubbau an den Korallen selbst. Auch in Nordamerika ist der Gefährdungsgrad sehr hoch; dies gilt insbesondere für die Korallenriffe vor Florida und Puerto Rico. Neben der Küstenentwicklung spielt auch die Einleitung von Abwässern in das Meer eine besonders zerstörerische Rolle. In der Karibik, wo viele Länder den Großteil ihrer Einnahmen aus dem Fremdenverkehr bestreiten, sind weite Bestände bereits zerstört. Als Lösungsansatz für die Konflikte zwischen Ökologie und wirtschaftlichen Interessen gilt die Ausweisung von „Marine Parks”, wie sie z. B. schon in Kenia entstanden. In diesen Meeresparks wird auf eine kontrollierte touristische Nutzung gesetzt, die auch Arbeitsplätze schafft. Im Great Barrier Reef Marine Park konnten sich durch gezielte Verbesserung der Wasserqualität große Teile der von Ausbleichung bedrohten Korallenbestände erholen. Im Februar 2003 galten nur noch circa 6 Prozent des Großen Barrierriffs als bedroht.