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| 1. | Einleitung |
England, Teil der Insel Großbritannien, der größten der Britischen Inseln. Zusammen mit Wales und Schottland umfasst England den wesentlichen Teil des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland. England erstreckt sich über den gesamten Bereich der Insel östlich von Wales und südlich von Schottland.
Die Grenze zu Schottland reicht vom Solway Firth im Westen entlang den Cheviot Hills bis zur Mündung des Tweed im Osten. Im Osten grenzt England an die Nordsee und erstreckt sich über East Anglia und North Foreland in Kent zu den nördlichen Ausläufern der Kalkhochländer im Südosten Englands, den Downs. Die Südküste verläuft entlang dem Ärmelkanal und der Straße von Dover. Die Westseite Englands reicht von der Grenze zu Schottland entlang der Küste an der Irischen See, der Grenze zu Wales und der Küste an der Keltischen See bis nach Land’s End, dem westlichsten Punkt Englands.
Die Gesamtfläche Englands beträgt 130 410 Quadratkilometer, das entspricht 57 Prozent der Fläche Großbritanniens. Zu England gehören auch die Region der im Südwesten vorgelagerten Scilly-Inseln, die vor der Südküste gelegene Isle of Wight sowie die Isle of Man in der Irischen See zwischen England und Nordirland.
Die Hauptstadt London ist die größte Stadt und wichtigste Hafenstadt Englands. Gleichzeitig ist London auch die Hauptstadt des Vereinigten Königreiches (Großbritannien).
| 2. | Physische Geographie |
Die stark gegliederte Küste ist eines der physiographischen Hauptmerkmale Englands. In England gibt es eine Vielfalt unterschiedlicher Naturräume. Die Hochlandregion der Pennines erstreckt sich in Nordengland. Sie besteht aus mehreren Ketten, die sich von den Cheviot Hills nach Süden bis zum Peak District direkt nördlich des Flusstales des Trent erstrecken. Die höchste Erhebung Englands ist der im Lake District gelegene Scafell Pike (978 Meter) in der Grafschaft Cumbria, die zu den landschaftlich sehenswertesten Regionen Englands zählt.
Die Region zwischen der walisischen Grenze, den südlichen Ausläufern der Pennines und dem Bristolkanal wird von Hügelland eingenommen. An dieses Gebiet schließen nach Osten in Mittelengland die Midlands an. Der flachste Teil Englands liegt östlich der Pennines und der Midlands. Er verläuft von den Yorkshire Moors (einem Hochlandausläufer der Pennines) nach Lincolnshire bis zum fruchtbaren Ackerland East Anglias. Dieses Flachland umfasst The Fens, ein in weiten Teilen trockengelegtes Marschland, sowie die breiten Mündungsgebiete einiger Flüsse wie des Ouse und des Witham.
Cornwall und Devon auf der Halbinsel im Südwesten werden von Hochländern und Mooren geprägt. Das ausgedehnteste Hochland in diesem Bereich ist Dartmoor (bis 621 Meter hoch). Das Gebiet zählt zu den rauesten Gegenden Englands. Das Landschaftsbild Südenglands wird von verschiedenen Hügelketten geprägt. Dazu gehören die Mendip Hills, die Cotswold Hills, die Chiltern Hills und die Downs, eine aus Kalk aufgebaute Hügelkette im Südosten Englands. Die South Downs treffen in der Nähe von Brighton auf die Küste, die North Downs bei Dover, wo sie in den berühmten weißen Klippen enden.
| 1. | Klima |
Das Klima Englands ist aufgrund der Nähe zu angrenzenden Meeren und vor allem des Golfstroms für die Breitenlage relativ mild. Die Jahresschwankungen der Temperatur sind entsprechend gering. Die mittlere Jahrestemperatur bewegt sich zwischen 11,1 °C im Süden und 8,9 °C im Nordosten. Die mittleren Temperaturen liegen im Juli um 16,1 °C, im Januar um 4,4 °C. In London liegen die entsprechenden Werte bei 18 °C bzw. 4,5 °C.
Der mittlere Jahresniederschlag beträgt landesweit etwa 760 Millimeter; regenreichster Monat ist der Oktober. Die Westküste erhält mehr Niederschlag als die Ostküste. Im Winter kann überall in England Schnee fallen. Am häufigsten schneit es im nördlichen Teil der Pennines.
| 2. | Flora und Fauna |
In den Tiefländern Englands wachsen Eichen und Buchen, in den bergigen Gegenden Kiefern und Birken. Jahrhundertelange Abholzung führte dazu, dass heute nur noch 7 Prozent der Gesamtfläche des Landes mit Wald bedeckt sind. Durch Wiederaufforstungsprogramme wurde die Waldfläche seit dem 2. Weltkrieg vergrößert. Im Südwesten Englands gibt es Heideland (moorlands) mit Heidekraut, Ginster, Vogel- und Blaubeeren – eine durch Weidetätigkeit und Brandrodung entstandene Kulturlandschaft. In feuchten Lagen des Berglandes entwickelten sich die in Mitteleuropa nicht vorhandenen Deckenmoore.
Die Säugetierfauna entspricht weitgehend der Mitteleuropas. Zu den Paarhufern gehören Rothirsche und Rehe sowie die eingebürgerten Damhirsche, Sikahirsche, Wasserrehe und Muntjaks; ausgerottet sind Wildschweine. In Exmoor und im New Forest gibt es halbwilde Ponys. Das Eichhörnchen wird durch das nordamerikanische Grauhörnchen verdrängt. Im Süden wurde das Benett-Känguru eingebürgert; ebenfalls ein fremdes Faunenelement ist der Mink (siehe Nerze). An den Küsten leben Seehunde und Kegelrobben. Aufgrund der langen Küstenlinien gibt es zahlreiche Arten von Meeresvögeln; im Heideland kommen Moorschneehühner vor.
| 3. | Natur- und Denkmalschutz |
Die hierfür zuständigen Regierungsressorts sind in England die Countryside Commission und das English Heritage. Anfang der neunziger Jahre waren sie für die 22 Prozent der Landesfläche verantwortlich, die als Naturparks oder Gebiete außergewöhnlicher natürlicher Schönheit ausgewiesen waren, und (was das English Heritage betrifft) für die Gebäude und Denkmäler, die von besonderer architektonischer und geschichtlicher Bedeutung sind. Auch eine Reihe ehrenamtlicher Organisationen befassen sich mit dem Naturschutz. Eine davon ist der National Trust, der sich dem Schutz großer Küstenabschnitte Englands sowie vieler Gebäude widmet. Der Schutz der wild lebenden Tiere wird hauptsächlich durch den Wildlife and Countryside Act von 1981 sichergestellt. Für bedrohte Tierarten wurden Schutzprogramme durchgeführt. In England gibt es etwa 200 staatlich geförderte Naturschutzgebiete. Diese umfassen auch die Küstennaturschutzgebiete auf Lundy vor der Küste Devons. Eine Vielzahl von Naturschutzgebieten wurden von freiwilligen Körperschaften wie der Royal Society for the Protection of Birds, der europaweit größten ehrenamtlichen Naturschutzorganisation, gegründet.
Englands Nationalparks umfassen den North York Moors Nationalpark, den Yorkshire Dales Nationalpark, den Exmoor Nationalpark, den Lake District Nationalpark, den Peak District Nationalpark und den Northumberland Nationalpark. Anders als in vielen anderen Ländern sind diese Nationalparks nicht einfach unbebaute Gebiete, die dem Schutz der Pflanzen und Tiere vorbehalten sind, sondern umfassen die landschaftlich reizvollsten Gegenden des Landes, einschließlich der Siedlungen. In diesen Regionen werden besondere Kontrollmaßnahmen bei der Raumentwicklung sowie Bestimmungen zur Förderung und Erhaltung der traditionellen Wirtschaftszweige, die diese Landschaften mitgestalteten, durchgeführt.
| 3. | Bevölkerung |
England hat 50,1 Millionen Einwohner. Dies entspricht mehr als 83 Prozent der Gesamtbevölkerung von Großbritannien und Nordirland. Die Bevölkerungsdichte von rund 384 Menschen pro Quadratkilometer ist die höchste des Staates und eine der höchsten der Welt.
Der überwiegende Teil der englischen Bevölkerung stammt wie der der Britischen Inseln im Allgemeinen von den Kelten, den Völkern der Iberischen Halbinsel sowie von den späteren Eroberern der Inseln, den Römern, Angeln und Sachsen, Dänen und Normannen ab. Seit 1950 nahm die ethnische Vielfalt in England – insbesondere in den großen Städten – durch Einwanderer aus Südasien und der Karibik zu. Zu den zahlreichen weiteren Volksgruppen gehören Chinesen, Ost- und Südeuropäer, Vietnamesen sowie Menschen aus Ost- und Westafrika.
| 1. | Wichtige Städte |
Rund 80 Prozent der Bevölkerung leben in Städten und fast 40 Prozent davon in den sieben großen Ballungszentren Groß-London, Tyne and Wear, South Yorkshire, West Yorkshire, West Midlands, Groß-Manchester und Merseyside. Die Hauptstadt London ist mit 7,51 Millionen Einwohnern (2006) größte Stadt Englands. Weitere große Städte sind Birmingham (976 000), Liverpool (439 000), Manchester (393 000) und Bristol (381 000).
| 2. | Religion |
Im 16. Jahrhundert wurde die anglikanische Kirche während der Reformation zur Staatskirche. Formell gehören ihr fast drei Fünftel der Bevölkerung an. Im November 1992 stimmte die Generalsynode der anglikanischen Kirche per Abstimmung der Ordination von Frauen zu. Die dazu notwendige Gesetzgebung wurde anschließend vom Parlament verabschiedet, und die ersten Pfarrerinnen wurden im April 1994 ordiniert. Weitere protestantische Glaubensgemeinschaften sind u. a. die Methodisten, die Baptisten, die United-Reform-Church, die Unitarier und zahlreiche Pfingstbewegungen. Zweitgrößte Glaubensgemeinschaft nach den Anglikanern ist die römisch-katholische Kirche, zu der sich etwa sechs Millionen Menschen bekennen.
| 2.1. | Feiertage |
Im Norden von England ist der Neujahrstag (1. Januar) auch unter der Bezeichnung First Foot Day (Tag des ersten Schritts) bekannt. Dieser Name stammt von einem alten Brauch, bei dem es darauf ankam, in den frühen Morgenstunden des Neujahrstages als Erster die Türschwelle eines Hauses zu überschreiten. Den Maifeiertag begeht man am ersten Montag im Mai. Am zweiten Samstag im Juni wird wetterbedingt der Geburtstag der im April geborenen Königin Elisabeth II. gefeiert. Am 5. November begeht man den Guy Fawkes Day oder auch Bonfire Night (Nacht der Freudenfeuer). Mit dem Remembrance Day am zweiten Sonntag im November gedenkt man der Kriegsveteranen. Der Boxing Day am 26. Dezember trägt seinen Namen wegen der kleinen Behälter aus Ton, mit denen früher die Geschäftsleute und Bediensteten umhergingen, um Trinkgeld einzusammeln. Heute ist dieser Tag ein ganz normaler Feiertag, an dem zahlreiche Sportveranstaltungen stattfinden.
| 3. | Sprache |
In England spricht man Englisch, die Verwaltungssprache Großbritanniens. Zudem gibt es in England zahlreiche regionale Dialekte, die zum Teil erheblich vom Standardenglisch abweichen. Darüber hinaus kam es durch den Zustrom der Einwanderer - größtenteils aus anderen Teilen Großbritanniens und ehemaligen Überseekolonien - zu einer Verbreitung zahlreicher weiterer Sprachen.
| 4. | Bildungswesen |
Zur Entwicklung und Verwaltung des Schulsystems siehe Großbritannien. In England und Wales werden über 90 Prozent der Grund- und weiterführenden Schulen vollständig durch öffentliche Gelder finanziert. Die restlichen Schulen sind größtenteils Privatschulen, die meist von einer Kirche geführt werden. Rund 7 Prozent der Kinder besuchen unabhängige gebührenpflichtige Schulen.
Der Wechsel von der Grund- auf eine weiterführende Schule vollzieht sich im Alter von elf Jahren. Einige regionale Schulbehörden nehmen jedoch eine Drittelung der Schulzeit vor: eine Unterstufe (für Schüler zwischen fünf und acht bis zehn Jahren) eine Mittelstufe (für acht- bzw. zehnjährige bis 14-jährige Schüler) und eine Oberstufe (für 14- bis 18-jährige Schüler).
Körperlich oder geistig behinderte Kinder erhalten in der normalen Schule besondere Hilfen oder besuchen Ganztags- oder Internatssonderschulen.
| 1. | Universitäten und Hochschulen |
Von den 120 Hochschulen sind 90 Universitäten. Vor 1992 waren 34 der Universitäten polytechnische Oberschulen, die per Gesetz den Universitätsstatus erhielten. Die englischen Universitäten, die akademische Grade verleihen, wurden mit Ausnahme der Universitäten Oxford und Cambridge im 19. und 20. Jahrhundert gegründet, viele erst nach 1960 .
| 2. | Kultur |
Ein kurzer Überblick über die Vor- und Frühgeschichte Englands findet sich im Artikel Englische Kunst und Architektur. Die Kultur der Kelten verbreitete sich im 1. Jahrtausend v. Chr. (keltische Kunst). Straßen und Ruinen zeugen von der Besetzung durch die Römer, die mit den Eroberungszügen von Julius Caesar 55 und 54 v. Chr. begann. Sie gipfelte in der Invasion 43 n. Chr. und dauerte bis ins 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung an. Die römischen Soldaten brachten das Christentum nach England, das jedoch von der Bevölkerung kaum angenommen wurde. Erst mit der Ankunft des heiligen Augustin, dem ersten Erzbischof von Canterbury, breitete sich im 6. Jahrhundert das Christentum aus.
Nach dem Abzug der Römer wurde England zunächst von den Angeln, Sachsen und Jüten, die aus dem Gebiet des heutigen Dänemarks und Frieslands kamen, überfallen und dann besiedelt. Sie errichteten eine Reihe kleiner Königreiche und setzten ihre Kultur durch. Die englische Kultur, insbesondere im Nordosten, spiegelt allerdings auch den Einfluss der späteren Überfälle und der Besiedlung durch skandinavische Wikinger wider (Wikingerkultur). Aufzeichnungen über diese Zeit finden sich in den Annalen, dem Anglo-Saxon Chronicle und in den Schriften des Ehrenwerten Beda, eines Theologen und Historikers. Die Eroberung durch die Normannen 1066 war die letzte erfolgreiche Invasion Englands, die die Vorherrschaft der Angelsachsen beendete und durch das Zusammentreffen der sächsischen und der keltischen Einflüsse mit den normannischen eine neue Kultur schuf. Die Normannen führten den Feudalismus im Land ein und benutzten das Französische als Sprache bei Hof. Zwischen dem 11. und dem 14. Jahrhundert wurde Französisch auch in der Mundartliteratur verwendet. Gelehrte und religiöse Literatur wurde auf Latein geschrieben.
Eine der wichtigsten Aufgaben Wilhelms I. des Eroberers und seiner Nachfolger war, eine Verbindung zwischen den Normannen und den Sachsen herzustellen und ihre gemeinsame Verteidigung gegen Grenzüberfälle der Waliser und der Schotten zu organisieren. Es entwickelte sich eine Gesellschaftsordnung, von der einige Elemente bis heute erhalten geblieben sind. Beispielsweise gehen sowohl die englische Klassengesellschaft als auch der Erbadel auf die normannische Zeit zurück.
Der Niedergang des Feudalismus, der Ende des 14. Jahrhunderts einsetzte, führte in England wie auch andernorts zum Aufstieg der Städte und der Bildung einer Mittelschicht. Seit dem 14. Jahrhundert bildete sich eine weltliche Nationalkultur heraus. Die Gebildeten sprachen nun Englisch (eine Mischung aus angelsächsischen und frankonormannischen Sprachelementen).
| 2.1. | Bibliotheken und Museen |
Regionale Behörden verwalten in ganz Großbritannien rund 4 100 öffentliche Bibliotheken. In London befindet sich die British Library, Großbritanniens Nationalbibliothek. Sie ist eine der weltweit größten Bibliotheken, deren Sammlungen über 18 Millionen Bücher enthalten. Weitere Buchsammlungen sind die Zentralbibliothek der Universität London, die Bibliothek des Naturwissenschaftlichen Museums und die Bibliothek des Nationalarchivs. Außerhalb Londons gibt es eine Reihe wichtiger Universitätsbibliotheken, insbesondere die in Oxford und Cambridge. Die Stadt verfügt auch über zahlreiche private Sammlungen wie die London Library und die Bibliotheken des Royal Institute of International Affairs, der Royal Geographical Society, und der Königlichen Musikakademie. In den meisten Städten befinden sich Museen und Kunstgalerien. Das bekannteste und größte Museum ist das Britische Museum in London. Es umfasst sowohl Kunstsammlungen als auch Sammlungen archäologischer Funde aus der ganzen Welt. Weitere hervorragende Londoner Museen und Galerien sind die Tate Gallery, die Nationalgalerie, das Naturhistorische Museum, das Naturwissenschaftliche Museum, die National Portrait Gallery, das Imperial War Museum, die Wallace Collection und das Victoria und Albert Museum. Die Tate Gallery hat in Liverpool und St. Ives Zweigstellen. Außerhalb der Hauptstadt liegen noch viele weitere bemerkenswerte Museen wie das Ashmolean in Oxford und das Fitzwilliam Museum in Cambridge.
| 2.2. | Kunst und Literatur |
Siehe Großbritannien: Kunst; englische Kunst und Architektur; englische Literatur
| 3. | Englisches Recht |
Das englische Recht geht auf die Gebräuche der Angelsachsen und der Normannen zurück, die England 1066 eroberten. Die Normannenkönige errichteten ein starkes, zentralisiertes Verwaltungs- und Rechtswesen, und der jeweilige königliche Hof entwickelte ein vielschichtiges Regelwerk, das auf Gebräuchen und Präzedenzfällen aufgebaut war. Machtstreitigkeiten zwischen dem König und den rivalisierenden Interessen der Feudalbarone und später des Parlaments brachten grundlegende Rechtsdokumente hervor, die die gesamte englischsprachige Welt nachhaltig beeinflussten. Das bekannteste dieser Dokumente ist die Magna Charta, die 1215 erlassen wurde. Von kaum geringerer Bedeutung ist die Bill of Rights von 1689. Die Grundprinzipien, dass Menschen nur von ihresgleichen verurteilt werden dürfen, dass die Freiheit des Einzelnen unantastbar ist, dass Eigentum nur durch ein ordentliches Gerichtsverfahren enteignet werden kann und dass ein Bürger vor unangemessenen Durchsuchungen und Festnahmen geschützt werden muss, wurden zuerst in diesen grundlegenden Verkündungen der englischen Rechtsprechung und in den Ausführungen der englischen Richter formuliert. So gesehen wurde das englische Recht von Richtern entworfen, und obwohl das Parlament ständig neue Gesetze verabschiedet, werden die allgemeinen Rechtsgrundsätze immer noch von früheren Entscheidungen (Präzedenzfällen) der Gerichte abgeleitet und nicht von den Gesetzen. Dieses System kann nur aufgrund des verbindlichen Präzedenzfalles bestehen, demgemäß ein niedriges Gericht den Richtlinien und Prinzipien eines übergeordneten Berufungsgerichts in seiner Entscheidung folgen muss. Das höchste Gericht Englands ist das Oberhaus; ihm folgen in der Hierarchie der Rechtsprechung der High Court und das Appellationsgericht. Einsprüche werden durch das Appellationsgericht an das Oberhaus geleitet. Zivilverfahren werden in Grafschaftsgerichten und am Obersten Gerichtshof verhandelt. Strafverfahren werden an einem Schiedsgericht und an einem Bezirksgericht für Strafsachen verhandelt. Außerdem gibt es einige Jugend- und Familiengerichte.
Siehe auch Gewohnheitsrecht; Common Law; Verfassung
| 5. | Verwaltung |
Seit der Reformierung der Regionalverwaltung 1974 ist England in 39 nichtstädtische Grafschaften, sechs städtische Grafschaften und Groß-London (das 1965 als eigene Verwaltungseinheit eingerichtet wurde) unterteilt. Die Grafschaften sind in insgesamt rund 330 Bezirke aufgeteilt, die wiederum in 10 000 Gemeinden gegliedert sind. Jede Ebene einer Regionalverwaltung untersteht einem Rat, dessen Mitglieder auf vier Jahre gewählt werden. 1985 wurden der Rat Groß-Londons und die Räte der sechs städtischen Grafschaften abgeschafft. Der Großteil ihrer Aufgaben wurde im Fall Groß-Londons den 32 Londoner Stadtbezirken und der Stadt London übertragen und im Falle der städtischen Grafschaften den städtischen Bezirksräten. Mit dem Local Government Act (1994) wurde die Regionalverwaltung in England nochmals neu organisiert. In einigen Gegenden wurde das zweifache System der Grafschaftsräte und der Bezirksräte abgeschafft. Die Regionalverwaltung dieser Gebiete wurde in neuen einstufigen Behörden organisiert. Die erste dieser Gesamtbehörden wurde auf der Insel Wight im April 1995 eingerichtet. Eine ähnliche Umorganisierung wird auch in Wales und Schottland durchgeführt.
| 6. | Wirtschaft |
Siehe Großbritannien
| 7. | Geschichte |
Im 1. Jahrtausend v. Chr. kamen die Kelten auf die Britischen Inseln. Sie bearbeiteten die schweren Böden der Flusstäler mit eisernen Pflugscharen. Ihre Gesellschaft wurde von Priestern, den Druiden, beherrscht.
Die Geschichte Englands beginnt mit der Eroberung Großbritanniens durch die Angelsachsen um 449 n. Chr. Sie vertrieben die keltischen Einwohner aus dem südöstlichen Teil der Insel nach Wales und auf die südwestliche Halbinsel. Das Land, das sie besiedelten, nannten sie Angel-Land oder England.
| 1. | Die römische Herrschaft |
Obwohl Großbritannien den Mittelmeervölkern schon seit langem als Zinnproduzent bekannt war, wurde es erst nach den zwei Expeditionen Julius Caesars 55 und 54 v. Chr. Teil des Römischen Reiches.
Kaiser Claudius I. fiel mit einem Heer 43 n. Chr. in Großbritannien ein, aber erst knapp zwei Jahrzehnte später hatten die Römer Anglesey, den Sitz der Druiden, eingenommen und den Aufstand Boudiccas, der Königin der Icenier, niedergeschlagen. Der römische Gouverneur Gnaeus Julius Agricola gewann in Schottland die Schlacht von Mons Graupius (84 n. Chr.), aber die nordischen Stämme kämpften gegen ihre Unterdrückung an. 123 wurde der Hadrianswall, der 117 Kilometer lang ist und vom Solway Firth zum Tyne verläuft, zur Nordgrenze des Reiches. Im 3. und 4. Jahrhundert bekam Großbritannien den Niedergang des Römischen Reiches zu spüren. 409 zog Rom seine letzten Truppen ab. Siehe auch Briten; Britannien (Frühgeschichte)
| 2. | England zur Zeit der Angelsachsen |
Nachdem die römischen Verwalter England verlassen hatten, herrschten britische, meist christliche Kriegsherren über kleine instabile Königreiche. Sie führten einige der römischen Regierungstraditionen fort. Mitte des 5. Jahrhunderts ließen sie die römische Politik der Anwerbung germanischer Söldner wieder aufleben, die als Verstärkung im Kampf gegen die kriegerischen nordischen Völker (die Pikten und Schotten) eingesetzt wurden. Die sächsischen Söldner rebellierten gegen ihre britischen Anführer und begannen mit einer eigenen Invasion und Besiedlung, die schließlich ab dem 7. Jahrhundert zur Entmachtung der einheimischen Führungsschicht und zur Errichtung germanischer Königreiche auf der ganzen Insel führte.
Die Eroberer stammten entweder von den Angeln, Sachsen, Friesen, Jüten oder Franken ab. Allerdings ähnelten sich ihre Kulturen, und schließlich bezeichneten sie sich selbst einfach als Angeln oder Sachsen, später als Angelsachsen. Jeder Geburtsadlige, der als Kriegsherr erfolgreich war, konnte eine ihm persönlich ergebene Armee ausheben und damit eine Eroberung anstreben, um ein eigenes Königreich aufzubauen.
Im 7. Jahrhundert umfassten die germanischen Königreiche Northumbria, Bernicia, Deira, Lindsay, Mercia, East Anglia, Essex, Wessex, Sussex und Kent.
| 2.1. | Durchsetzung des römischen Christentums |
596 entsandte Papst Gregor I. eine Gruppe von Missionaren unter der Führung des Mönches Augustin nach Kent, wo König Ethelbert die christliche Frankenprinzessin Bertha geheiratet hatte. Schon bald darauf ließ Ethelbert sich taufen, und Augustin wurde erster Erzbischof von Canterbury. Er errichtete den obersten Bischofssitz Großbritanniens, und die südlichen Königreiche wurden christlich.
In Northumbria stieß das römische Christentum auf das keltische Christentum, das Columban der Jüngere von Irland nach Schottland brachte. Von dort brachte der heilige Aidan es nach Northumbria und gründete 635 das Kloster Lindisfarne auf Holy Island. Bei der Synode von Whitby, die in der von der heiligen Hilda 664 gegründeten Abtei abgehalten wurde, entschied sich der northumbrische König Oswy für den römischen Glauben und gab England damit eine einheitliche Religion und ein Beispiel für die Einigung des Landes. Theodor von Tarsus, der 668 Erzbischof von Canterbury wurde, gründete Diözesen und errichtete die grundlegende Struktur der englischen Kirche.
| 2.2. | Der Einigungsprozess |
Im 7. Jahrhundert fiel die Macht an die Könige Northumbriens, im 8. Jahrhundert an die Könige Mercias und schließlich im 9. Jahrhundert an Egbert von Wessex, der 825 die Mercier bei Ellendun besiegte. Im nächsten Jahrhundert sollte seine Familie über ganz England herrschen.
| 2.3. | Das Vereinigte Königreich |
Die Eroberung des ostenglischen, dänischer Rechtsprechung unterliegenden Danelaw bedeutete, dass ganz England eine vereinte Regierung erhielt und ein Staatsgebiet die ehemaligen Verwandtschaftsstrukturen ersetzte. Der König regierte mit der Unterstützung des Witenagemot, einem Beraterstab, der an der Erlassung der Gesetze mitarbeitete und die Wahl der Könige überwachte. Rund 40 Grafschaften wurden aus den ehemaligen Königreichen oder aus den großen Militär- bzw. Verwaltungseinheiten gebildet. Jede verfügte über ein Gericht (shiremoot), das aus freien Männern bestand und zweimal im Jahr zusammentrat. Zunächst führte ein königlicher Beamter, ein so genannter Alderman, dann ein Graf und später ein Sheriff (shire reeve) den Vorsitz. Kleinere Verwaltungs-, Steuer- und Militäreinheiten, die Hunderter (hundreds) erhielten Gerichte, die in etwa den alten (folk moots) entsprachen. Diese traten alle vier Wochen zusammen und bearbeiteten den Großteil des gewöhnlichen Rechtswesens. England besaß die fortschrittlichste Regierung Westeuropas, vor allem auf lokaler Ebene. Durch das Amt des Sheriffs war die entscheidende Verbindung zwischen dem König und der örtlichen Verwaltung hergestellt worden. Nach 991 war diese Regierung in der Lage, das Danegeld, eine Grundsteuer, zu erheben. Ursprünglich diente es als Tribut an die Dänen, wurde aber später als normale Einnahmequelle des Königs beibehalten. Keinem anderen Land Westeuropas war es möglich, solch eine Steuer festzulegen und einzutreiben.
| 3. | England unter den Normannen und dem Haus Anjou-Plantagenet |
Das Jahr 1066 markiert einen Wendepunkt der englischen Geschichte. Wilhelm I., der Eroberer, und seine Söhne brachten eine neue lebhafte Herrschaft nach England. Der normannische Feudalismus bildete die Grundlage der Neuaufteilung des Landes unter den Eroberern. Dadurch erhielt England eine neue französische Adelsschicht und eine neue Struktur in Politik und Gesellschaft. England wandte sich von Skandinavien ab und Frankreich zu. Diese Ausrichtung behielt es die nächsten 400 Jahre bei.
Wilhelm war ein strenger Herrscher, der England bestrafte, insbesondere den Norden, als es seine Autorität in Frage stellte. Seine Macht und sein Durchsetzungsvermögen lassen sich am Domesday Book (einem Grundkataster), einer Volkszählung zur Steuererhebung und am Salisburger Treueid, den er von allen Pächtern forderte, ermessen. Er setzte den italienischen Geistlichen Lanfranc als Erzbischof von Canterbury ein. Außerdem förderte er die Kirchenreform, insbesondere durch die Bildung eigenständiger Kirchengerichte, die jedoch weiterhin dem König unterstellt waren.
Nach Wilhelms Tod 1087 erbte sein zweiter Sohn Wilhelm II. (Rufus) England und sein erster Sohn Robert die Normandie. Sein dritter Sohn Heinrich erhielt im Lauf der Zeit beide Reiche; 1100 England, nachdem Wilhelm II. bei einem Jagdunfall umkam, und 1106 durch Eroberung die Normandie.
Heinrich wollte seine Tochter Mathilde als Thronerbin einsetzen, aber 1135 folgte ihm sein Neffe Stephen de Blois (später König Stephen) auf den Thron. Die Jahre seiner Herrschaft (1135-1154) sind von Bürgerkrieg und Unfrieden gekennzeichnet. Die Zentralregierung, die Heinrich aufgebaut hatte, zerfiel, und die Feudalbarone erklärten ihre Selbständigkeit. Die Kirche spielte die beiden Seiten gegeneinander aus und konnte so ihren Einfluss vergrößern.
| 3.1. | Heinrich II. |
Mathildes Sohn Heinrich Plantagenet, Graf von Anjou, wird als Heinrich II. 1154 König (siehe Plantagenet). Das Haus Anjou, vor allem Heinrich II. und seine Söhne, Richard und Johann, bauten die Macht des Königs aus. Heinrich beendete die Anarchie aus der Zeit von Stephens Herrschaft. Er verbannte die Söldner und zerstörte private Burgen. Außerdem stärkte er die Regierung, die unter Heinrich I. gegründet wurde. Vor allem aber förderte er das Gewohnheitsrecht, das von den königlichen Gerichten ausgeübt wurde und in ganz England gültig war. Er griff in die Rechtsprechung der Feudalgerichte bei Entscheidungen über Grund und Boden ein und richtete ein Geschworenengericht ein.
Heinrichs Reich umfasste über die Hälfte Frankreichs sowie die Lordschaft über Irland und Schottland. Sein Regierungsgeschick erstreckte sich jedoch nicht auf die Besänftigung seiner Söhne, die wiederholt gegen ihn rebellierten, wobei sie von den französischen Königen und ihrer Mutter Eleanor von Aquitanien unterstützt wurden.
| 3.2. | Richard und Johann |
Richard I. Löwenherz verbrachte nur knapp ein Jahr seiner Regierungszeit (1189-1199) in England. Er nahm an den Kreuzzügen teil. Später kämpfte er um die französischen Gebiete, die während seiner Abwesenheit, insbesondere während seiner Gefangenschaft in Deutschland, verloren gegangen waren. Doch selbst während Richards Abwesenheit funktionierte die Regierung, die sein Vater aufgebaut hatte. Sie trieb Steuern ein, um den Krieg zu finanzieren und sein Lösegeld zu zahlen.
Johann, der die Abneigung gegen die Herrschaft der Anjous von seinem Vater und seinem Bruder übernahm, vergrößerte seine Schwierigkeiten noch durch sein eigenes Zutun. 1204 verlor er die Normandie. 1213 kapitulierte Johann nach einer langen Auseinandersetzung mit Papst Innozenz III. über die Ernennung Stephen Langtons zum Erzbischof von Canterbury und erkannte England als päpstliches Lehen an. Diese Entwicklungen führten zu einem Streit mit seinen Baronen über seine allgemeine Überheblichkeit und dazu, dass diese ihm im Krieg in der Normandie die Gefolgschaft verweigerten. Die Barone unter der Führung Langtons zwangen Johann 1215 dazu, die Magna Charta (große Verfassungsurkunde) anzuerkennen, durch die er seine Fehleinschätzungen eingestand und zusicherte, das englische Recht und den Lehensbrauch anzuerkennen. Er starb im darauf folgenden Jahr, bevor der Konflikt mit den Baronen beigelegt werden konnte. Obwohl der Verlust der Normandie damals als Schmach empfunden wurde, konnte England dadurch seine einzigartigen Institutionen unabhängig und ohne Einmischung von außen entwickeln.
| 3.3. | Eduard I. |
Eduard I. (Herrschaft 1272-1307) stellte die königliche Autorität wieder her und führte einige Reformen ein. Er schränkte das Recht der Barone ein, eigene Gerichte zu unterhalten und beschnitt die Verfügungsrechte der Lehnsmänner beim Verkauf ihres Landes, wenn dies den Feudalherren schadete. Außerdem gab er dem Gewohnheitsrecht die Richtung, die es einige hundert Jahre beibehalten sollte.
| 3.4. | Das 14. Jahrhundert |
Eduard II. war ein schwacher König, der teils von seinen Günstlingen beeinflusst wurde und teils den Verordnungen von 1311 unterstand, mit denen die Regierungsmacht den Baronen übertragen worden war. Obwohl es ihm 1322 gelang, den Baronen die Regierungsmacht wieder zu nehmen, wurde er 1327 zur Abdankung gezwungen. Sein Sohn Eduard III. löste den Konflikt mit den Baronen, indem er sie in Frankreich einsetzte, wo England immer noch große Gebiete besaß. 1337 begann er den Hundertjährigen Krieg, um seinen Anspruch auf den französischen Thron zu rechtfertigen. Die Engländer hatten anfangs gewissen Erfolg wie in der Schlacht von Crécy (1346) und der von Poitiers (1356). 1396 hatte England jedoch alle seine vorherigen Gewinne wieder verloren. Durch die Kriegsausgaben musste Eduard das Parlament wiederholt um die Erhebung von Sonderabgaben bitten. Dadurch konnte es Zugeständnisse aushandeln und seine Rechte und Privilegien ausbauen.
1349 wurde England vom schwarzen Tod heimgesucht, der die Bevölkerung um ein Drittel verringerte (siehe Pest). Das Arbeitergesetz (Statute of Labourers) von 1351 sollte die Löhne einfrieren und die Leibeigenen und Arbeiter daran hindern, den neuen Arbeitskräftemangel auszunutzen. Der Bauernaufstand von 1381 spiegelte die anhaltende Unruhe wider. Dies war eine Zeit des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels. Der Gutsherrendienst wurde in Geldabgaben umgewandelt, und die Leibeigenschaft war schon im Niedergang begriffen. Ihre Abschaffung folgte im nächsten Jahrhundert.
Richard II., ein Enkel Eduards III., bestieg als Zehnjähriger den Thron, während sich rivalisierende Parteien um die Regierungsführung stritten. Als Erwachsener regierte er gemäßigt, bis er 1397 in eine Auseinandersetzung mit den führenden Adligen geriet. 1399 zwang ihn sein Cousin Heinrich Bolingbroke, Herzog von Lancaster, zur Abdankung und wurde an seiner Statt König Heinrich IV.
| 4. | Könige der Häuser Lancaster und York |
Seit 1216 ging die Thronfolge stets an den ältesten Sohn des Königs. Gemäß dieser Regelung hatte Heinrich IV., der Sohn Johann von Gaunts, Herzog von Lancaster, selbst vierter Sohn Eduards III., keinen Anspruch auf den Thron. Der rechtmäßige Thronerbe war Edmund, Herzog von March, ein Nachfahre des Sohnes Eduards III. Aufgrund dieser Unregelmäßigkeit war der Thronanspruch Heinrichs und der Nachfahren des Hauses Lancaster nicht sichergestellt. Diese Schwäche offenbarte sich in seinen Zugeständnissen an das Parlament und die Kirche sowie in den Kriegen, die er mit mächtigen, aufständischen Familien in Wales und im Norden führte.
Heinrich V. (Herrschaft 1413-1422) hatte als Nachfolger seines Vaters nur ein Ziel, die militärischen Erfolge Eduards III. in Frankreich zu wiederholen. Er errang in der Schlacht bei Azincourt 1415 einen großartigen Sieg und sah seinen Erfolg im Vertrag von Troyes (1420) bestätigt. Er heiratete die Tochter des schwachsinnigen französischen Königs Karl VI., übernahm die Führung der französischen Regierung, obwohl er nur einen Teil des Landes erobert hatte, und konnte davon ausgehen, dass einer der Söhne aus seiner Ehe beide Königreiche erben würde.
1422 starben sowohl Heinrich als auch Karl VI., so dass der neun Monate alte Heinrich VI. die Krone beider Länder erhielt. Eine Zeit lang verwalteten seine Onkel, Johann von Lancaster, Herzog von Bedford und Herzog Humphrey von Gloucester sein Erbe, der eine in Frankreich und der andere in England. 1429 rief jedoch die Jungfrau von Orleans die Franzosen zum Widerstand gegen die englische Herrschaft auf. Obwohl sie gefangen genommen und 1431 als Ketzerin verbrannt wurde, gestaltete sich Englands Position in Frankreich immer schwieriger.
| 4.1. | Die Rosenkriege |
Heinrich VI. fehlte es an Führungsqualitäten. Während seiner Herrschaft ging die Regierung des Königreiches von einer Gruppe Adliger an die nächste. Der Krieg in Frankreich betonte lediglich Heinrichs Unfähigkeit, im eigenen Land zu regieren. Der Verlust der Normandie 1450 und die Korruptheit der Regierung lösten einen fehlgeschlagenen Volksaufstand unter der Führung Jack Cades aus. Der Verlust aller englischen Besitzungen in Frankreich außer Calais 1453 war ein Vorspiel des Konflikts der Herrscherdynastien, die als Rosenkriege (1455-1485) bezeichnet wurden.
Zwei Zweige der königlichen Familie führten diese Kriege. Das Haus Lancaster, das durch Heinrich VI. zwar den Thron innehatte, dem aber die Regierungskompetenz fehlte, und das Haus York, unter der Führung Richards, Herzog von Yorks, der einen legitimen Anspruch auf den Thron und mehr Führungsqualitäten besaß. Die Angelegenheit verkomplizierte sich 1453, als die Frau des Königs, Margarete von Anjou, einen Sohn zur Welt brachte, der Richards Status als Thronfolger gefährdete.
1460 trat eine Wende in den Kriegen ein. In jenem Jahr fiel Richard in einer Schlacht, und sein Sohn Eduard übernahm seinen Anspruch. Mit der Unterstützung Richard Nevilles, Herzog von Warwick, besiegte er 1461 das Haus Lancaster und nahm Heinrich gefangen. Er schüchterte das Parlament so sehr ein, dass es ihn zum König Eduard IV. ernannte. Heinrich gelang jedoch die Flucht. Eduards Heirat mit Elisabeth Woodville (1464) und sein Bündnis mit Burgund entfremdeten Warwick. Dieser schloss sich nun mit Margarete von Anjou zusammen. Sie setzten Eduard ab und brachten (1470) Heinrich wieder an die Macht. Im darauf folgenden Jahr kehrte Eduard zurück. Er wurde von seinem Schwager Karl dem Kühnen von Burgund unterstützt und errang einen entscheidenden Sieg über das Haus Lancaster. Dies sicherte seinen Thronanspruch und stellte wieder eine einigermaßen vernünftige Regierung her. Nach Eduards Tod 1483 folgte ihm sein zwölfjähriger Sohn Eduard V. auf den Thron. Doch drei Monate später bemächtigte sich der Onkel des jungen Richard, Herzog von Gloucester, als König Richard III. des Thrones. Zwei Jahre darauf machte Heinrich Tudor einen schwachen Anspruch des Hauses Lancaster geltend. In der Schlacht von Bosworth Field besiegte er Richard und ernannte sich zu Heinrich VII.
| 5. | England unter den Häusern Tudor und Stuart |
Heinrich entledigte sich seiner Rivalen aus dem Haus York; er heiratete Elisabeth, die Tochter Eduards IV., und hatte schon bald als einziger Tudor einige Kinder. Im Ausland erlangte er Anerkennung: 1489 in Spanien durch den Vertrag von Medina del Campo und dann auch in Frankreich, den Niederlanden und Schottland. Er richtete wieder eine starke, leistungsfähige Zentralregierung ein, die England einst genossen hatte, die aber schon seit vielen Jahren nicht mehr vorhanden war. Er förderte den Handel Englands, den er besteuern konnte, und vermied Kriege im Ausland und sparte somit Geld.
| 5.1. | Heinrich VIII. |
Der ehrgeizige und kühne Heinrich VIII. (Herrschaft 1509-1547) stand in starkem Kontrast zu seinem vorsichtigen, ruhigen Vater. Thomas More, ein humanistischer Gelehrter, arbeitete in seiner Regierung. 1513 siegte Heinrich sowohl in Frankreich in der Sporenschlacht als auch über die Schotten bei Flodden (siehe Flodden Field). Ferner entdeckte er die Fähigkeiten des Kardinals Thomas Wolsey, der als Schatzkanzler und Erzbischof von York die herausragende Persönlichkeit der Jahre 1514 bis 1529 war. Heinrichs einzige Sorge war, dass er keinen männlichen Erben hatte, obwohl seine Frau Katherina von Aragonien ihm sechs Kinder gebar, von denen jedoch nur eines, die spätere Maria I., überlebte. Da er unbedingt einen Sohn haben wollte und sich in Anne Boleyn verliebte, bat Heinrich den Papst um eine Scheidung. Nachdem der allmächtige Wolsey diese nicht arrangieren konnte, entließ Heinrich ihn und rief das Reformationsparlament ein. In der Folge wurde die anglikanische Kirche, deren Oberhaupt Heinrich war, gegründet. Sie trennte sich von Rom, blieb aber katholisch.
Nun konnte Heinrich Anne Boleyn heiraten (1533). Sie gebar ihm jedoch eine weitere Tochter, Elisabeth, und nicht den ersehnten Sohn. Anne verlor die Gunst des Königs und wurde wegen angeblichen Ehebruches enthauptet. Heinrichs dritte Frau Jane Seymour starb bei der Geburt Eduards, seines einzigen überlebenden Sohnes. Seine drei weiteren Frauen brachten keine Kinder zur Welt.
Thomas Cromwell war der zweite hoch begabte Verwalter, den Heinrich entdeckte. Er beaufsichtigte die revolutionären Veränderungen in den dreißiger Jahren des 16. Jahrhunderts. Dazu zählten der Bruch mit Rom, die Auflösung der Klöster, die Weiterentwicklung des Parlaments, insbesondere des Unterhauses und die Umwandlung des Königlichen Rates in einen neuen Verwaltungsapparat. Diese umfasste den Geheimen Rat und die königlichen Sondergerichte, die der Krone unterstanden.
Siehe auch Star Chamber, Court of; Kabinett; Großbritannien
| 5.2. | Heinrichs Nachfolger |
Unter dem minderjährigen Eduard VI. (Herrschaft 1547-1553), der nacheinander unter dem Einfluss Eduard Seymours, Herzog von Somerset, und von Johann Dudley, Herzog von Northumberland, stand, erhielt die anglikanische Kirche eine protestantische Ausrichtung. Das Parlament erlässt Uniformitätsgesetze, die das Book of Common Prayer für den Gottesdienst vorschreiben. Nachdem Eduard im Alter von 16 Jahren starb, versuchte Northumberland, die Krone an seine Familie zu bringen und Eduards katholische Halbschwester Maria von der Thronfolge auszuschließen, indem er seinen Sohn mit Lady Jane Grey verheiratete, die er zur Königin ernannte. Nach neun Tagen schlug dieser Plan fehl, und Northumberland, Lady Jane sowie ihr Mann wurden hingerichtet.
Maria I., die Tochter Katharinas von Aragonien, setzte wieder die römisch-katholische Kirche ein und heiratete ihren Cousin Philip II. von Spanien. Durch diese Heirat war sie beim Volk sehr unbeliebt, da England dadurch in einen Krieg mit Frankreich verwickelt wurde, bei dem es Calais verlor. Diese Unbeliebtheit steigerte sie noch dadurch, dass sie während ihrer Herrschaft 300 Menschen, die der Ketzerei beschuldigt wurden, zum Tod verurteilen ließ. Als Maria, die den Beinamen „die Blutige” erhielt, im November 1558 starb, bejubelte England die Thronbesteigung ihrer Halbschwester Elisabeth.
Elisabeth I. gehörte zu den mächtigsten Monarchen Englands. Während ihrer Regentschaft wurden fast ebenso viele Menschen wegen Ketzerei verurteilt wie unter Maria, aber Elisabeth hatte ein Gespür für die Wünsche ihrer Untertanen und erhielt sich deren Wohlwollen. Sie verfügte auch über das richtige Urteilsvermögen bei der Wahl kompetenter und loyaler Minister.
In Zusammenarbeit mit dem Parlament lenkte sie die Kirche 1559 auf einen gemäßigten Kurs. Sie wehrte die Bedrohung durch Schottland ab, indem sie den dortigen Protestanten und der englandfreundlichen Gruppe half, die Vormacht zu erlangen. 1588 besiegte ihre Flotte die spanische Armada und verhinderte eine Invasion Englands. 1603 wurde Irland vollständig erobert. Unter Elisabeth erlebte England einen glorreichen Aufstieg im Ausland sowie Wohlstand und literarische Errungenschaften im Inland. Somit ist verständlich, warum das goldene Zeitalter Englands ihren Namen trägt.
| 5.3. | Die ersten Stuartkönige |
Die Thronbesteigung des schottischen Königs Jakob IV. als Jakob I. von England (Herrschaft über England 1603-1625) vereinigte die Kronen Englands und Schottlands. Er war der Sohn von Elisabeths Cousine Maria, Königin von Schottland. Die Vereinigung löste auch einen innenpolitischen Konflikt aus, der ein Jahrhundert andauerte. Dies lag teilweise in der Person der Stuartkönige begründet. Zum Großteil wurde der Konflikt von Problemen ausgelöst, die aus der vorangegangenen Herrschaftsperiode übernommen wurden. Die Puritaner, extreme Protestanten, die schon unter Elisabeth aufsässig waren, vertraten zunehmend die Ansicht, dass die anglikanische Kirche immer noch zu katholisch sei. Die religiösen Unruhen spitzten sich zu, als der gegen die Puritaner eingestellte William Laud in den dreißiger Jahren des 17. Jahrhunderts Erzbischof von Canterbury wurde. Die Pulververschwörung (Gunpowder Plot) war ein Komplott der Katholiken, um 1605 das Parlament zu sprengen. Sie bestätigte die Angst Englands vor Rom.
Der Hauptkonflikt spielte sich zwischen dem König und dem Parlament ab. Karl I. (Herrschaft 1625-1649) übernahm von seinem Vater Jakob die Vorstellung, er sei König von Gottes Gnaden, während das Parlament auf seinen eigenen unabhängigen Rechten bestand. Der Oberrichter Sir Edward Coke, den Jakob entlassen hatte, da er für ein unabhängiges Gerichtswesen eintrat, unterstützte den Anspruch des Parlaments, das 1621 das Recht forderte, königliche Minister anzuklagen. Ferner arbeitete er an der Petition of Right 1628 mit. Die Bittschrift zwang Karl, wie zuvor die Magna Charta andere Monarchen, die Grenzen seiner Macht anzuerkennen.
Karl versuchte zwischen 1629 und 1640, ohne das Parlament zu regieren. Die Maßnahmen, die Laud und das Court of Star Chamber ergriffen, um die puritanische Presse und die Redefreiheit der puritanischen Prediger einzuschränken, sowie die Verfolgung der Anführer der Puritaner 1637 führten zu einem öffentlichen Aufschrei gegen die königlichen Sondergerichte. 1637 lösten die Versuche Karls, in Schottland den Gottesdienst englischer Art einzuführen, einen Aufstand aus. Dieser wiederum veranlasste Karl, 1640 das Parlament einzuberufen.
Dieses Parlament, das als das Lange Parlament in die Geschichte einging, nutzte die Krise, um die Regierungsführung an sich zu bringen. Es ließ politische Häftlinge frei und verhaftete Erzbischof Laud sowie Sir Thomas Wentworth, Graf von Strafford, die für die Politik des Königs verantwortlich gemacht wurden, und ließ beide hinrichten. Es schaffte die königlichen Sondergerichte ab, schränkte die Steuerhoheit des Königs ein und erließ eine Vorschrift, nach der das Parlament alle drei Jahre zusammentreten musste.
| 5.3.1. | Der Bürgerkrieg |
In anderen Fragen war das Parlament jedoch hoffnungslos zerstritten, z. B. bei der Root and Branch Bill. Sie sah die Abschaffung der Bischöfe vor. Karls Versuch, einige Parlamentsabgeordnete, die er der Verschwörung bezichtigte, festnehmen zu lassen, vertiefte diese Kluft nur noch. Nach diesem fehlgeschlagenen Versuch zog sich der König mit seinen Anhängern, den so genannten Kavalieren, aus dem Parlament zurück. Die Abgeordneten des nunmehr protestantischen Parlaments, die später Rundköpfe genannt wurden, stellten eine Armee auf. Auch Karl sammelte seine Truppen. Ein Bürgerkrieg war unvermeidlich. Die erste Schlacht fand bei Edgehill im Oktober 1642 statt.
Am Ende gewannen die Rundköpfe den Englischen Bürgerkrieg. Dies lag zum Teil daran, dass der Solemn League and Covenant ihnen Unterstützung aus Schottland brachte. Ausschlaggebend war aber eher ihr militärischer Befehlshaber Oliver Cromwell. Er stellte das Kavallerieregiment der Ironsides (Eisenseiten) sowie die New Model Army auf. Der Konflikt regte viele neue politische Vorstellungen an. Die bekanntesten waren die der radikal-demokratischen Leveller (Gleichmacher), aber die Diskussion führte nicht zu einer Lösung. Karl, der sich den Schotten 1646 ergeben hatte und der 1647 an die Rundköpfe ausgeliefert wurde, konnte in der Verwirrung fliehen. Er schloss mit den Schotten einen Bund und begann 1648 den zweiten Bürgerkrieg. Cromwell und die New Model Army trugen erneut den Sieg davon. Sie säuberten das Parlament von fast all seinen Abgeordneten, so dass nur ein Rumpf übrig blieb, der sich der Macht der Armee beugte. Das Rumpfparlament brachte Karl vor Gericht und richtete ihn am 30. Januar 1649 hin. Es schaffte die Monarchie und das Oberhaus ab und erklärte England zu einem Commonwealth. Siehe auch Covenanter
| 5.3.2. | Cromwells Herrschaft |
Die Regierung erhielt nie eine feste Grundlage. Der neue Staatsrat hing von der Macht der Armee und der zweifelhaften Rechtmäßigkeit des Rumpfparlaments ab. Cromwell war der Alleinherrscher Englands. Zwischen 1649 und 1651 unterdrückte er Irland und Schottland und gliederte sie dem Commonwealth ein. 1653 löste er das Rumpfparlament auf, nachdem er dessen ständige Bemühungen, sich zu erhalten, leid war. Nachdem das Experiment des von Cromwell ernannten Parlament Barebones fehlschlug, erkannte Cromwell im Dezember 1653 das Instrument of Government an, der einzige Versuch in der britischen Geschichte, eine geschriebene Verfassung einzuführen. Das so entstandene Protektorat wurde von einem Unterhaus und von dem Lord-Protektor Cromwell regiert. Das Parlament kritisierte die Beschränkungen des Instruments und schlug eine so genannte Humble Petition and Advice vor, um das Instrument nachzubessern. Cromwell erkannte ein zweites Haus im Parlament und das Recht, seinen Nachfolger zu bestimmen, an, lehnte aber den Königstitel ab.
Nach dem Aufstand der Royalisten 1655 unterteilte Cromwell England in elf Militärbezirke, die Generalmajoren unterstanden. Dies war, mit Ausnahme der Ermordung Karls, die Hauptursache dafür, dass das Volk Cromwell und den Commonwealth ablehnte.
Cromwell betrieb eine rege Außenpolitik. Die Navigationsakte von 1651 löste die Englisch-Holländischen Kriege von 1652 bis 1654 aus, aus denen England mit gewissem Erfolg hervorging. Jamaika wurde den Spaniern 1655 genommen. Mit Frankreich als Verbündetem gewann England 1658 die Schlacht bei Dunes und erwarb das französische Dünkirchen. Seit Elisabeths Herrschaft waren englische Schiffe und Waffen nicht mehr so erfolgreich und gefürchtet gewesen.
Nach Cromwells Tod im September 1658 brach das Protektorat zusammen. Sein Sohn Richard konnte sich nicht den Respekt der Armee verschaffen. In der anschließenden Verwirrung marschierte der Oberbefehlshaber Schottlands, General Georg Monck, in London ein. Er rief das Lange Parlament ein und veranlasste die Rückkehr des ältesten Königssohnes aus dem Exil.
| 5.4. | Die Restauration |
Karl II. kehrte im Mai 1660 nach England zurück. Dort sollte der Zustand von 1642 wieder hergestellt werden. Nur etwa ein Dutzend Männer wurden für ihre Rolle bei der Hinrichtung Karls I. mit dem Tod bestraft. Sowohl das Volk als auch Karl hatten den Wert der Mäßigung erkannt. Aber die Frage der Oberhoheit blieb weiterhin ungeklärt.
Das Parlament setzte in der Kirche die Bischöfe wieder ein und schloss die Dissenter (Protestanten, die nicht der anglikanischen Kirche angehörten) aus. Ihr Gottesdienst und ihre politischen Aktivitäten wurden eingeschränkt. 1673 wurden alle Katholiken durch die Testakte aus der königlichen Regierung und aus öffentlichen Ämtern ausgeschlossen. Der Popish Plot von 1678 und der Ausschluss Jakobs, des katholischen Bruders des Königs, von der Thronfolge brachte die sich gerade bildenden politischen Parteien zum Vorschein. Die Whigs waren für das Parlament und gegen das so genannte Pfaffentum. Sie forderten den Ausschluss. Die Tories waren für die Könige und die anglikanische Kirche und lehnten einen Ausschluss ab. Als sich die erhitzten Gemüter wieder etwas abgekühlt hatten, übernahm Karl wieder das Ruder und regierte ohne das Parlament. Als er 1685 starb, vermachte er Jakob den Thron.
Die Restauration war eine Reaktion auf den Puritanismus und äußerte sich im Verhalten der Menschen, in der Literatur und im Drama. Dennoch erschien Paradise Lost von John Milton 1667, und Pilgrim’s Progress von John Bunyan wurde von 1678 bis 1684 herausgegeben. 1662 gründete Karl die The Royal Society zur Förderung der Naturwissenschaften. 1665 brach zum letzten Mal die Beulenpest aus. Nachdem London 1666 brannte, baute Christopher Wren die Stadt wieder auf (siehe großer Brand von London).
| 5.5. | Die Glorreiche Revolution |
Jakob II. büßte das ererbte Wohlwollen des Volkes bald ein. Er ging 1685 bei der Unterdrückung des Aufstands von Jakob Scott, Herzog von Monmouth (einem unehelichen Sohn Karls), zu hart vor. Ferner baute er ein stehendes Heer auf. Außerdem nahm er Katholiken in die Regierung, in die Armee und in die Universitäten auf. 1688 veranlasste seine Indulgenzerklärung (Declaration of Indulgence), die den Dissentern und Katholiken Religionsfreiheit zugestand, sowie die Geburt eines Sohnes, mit dem eine katholische Thronfolge begann, Jakobs Gegner dazu, Wilhelm von Oranien einzuladen. Er war Protestant und Statthalter der Niederlande. Außerdem war er der Ehemann Marias, der ältesten Tochter des Königs, und sollte Marias Erbe beschützen. Als Wilhelm in England landete, floh Jakob, nachdem seine Armee zu Wilhelm übergelaufen war.
Wilhelm wurde kurzfristig die Regierungsführung übertragen. 1689 krönte das Parlament ihn und seine Frau Maria, nachdem sie die Liste der Bill of Rights bestätigt und den Missbrauch, den Jakob getrieben hatte, verurteilt hatten. Ein Toleration Act garantierte den protestantischen Dissentern Glaubensfreiheit. Diese Revolution wird als die Glorreiche Revolution bezeichnet, da sie im Gegensatz zu der von 1640 bis 1660 ohne Blutvergießen verlief; das Parlament erlangte die Oberhoheit, und England erlebte eine Blütezeit. Damit setzten sich die Prinzipien der Whigs und der Pragmatismus der Tories durch. John Lockes Two Treatises of Government (1690) boten eine attraktive theoretische Rechtfertigung der Revolution.
Diejenigen, die den neuen Monarchen den Treueid verweigerten, wurden Nicht-Schwörer oder Jakobiten genannt. Der Name wurde von der lateinischen Bezeichnung Jacobus für Jakob abgeleitet. Die meisten Jakobiter waren Katholiken aus den schottischen Hochländern oder aus Irland. Beide Gebiete wurden unterworfen. Der Preis dafür waren allerdings das Massaker von Glencoe in Schottland und die Schlacht an der Boyne sowie die verstärkte Unterdrückung der Katholiken in Irland.
| 5.6. | Die letzten Stuartkönige |
Durch Wilhelm wurde England auch in Wilhelms Krieg mit Frankreich, den Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) und den Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1713) verwickelt. Zeit seines Lebens kämpfte Wilhelm gegen den Eroberungsehrgeiz des französischen Königs Ludwig XIV. Der erste Krieg hatte wenig Auswirkungen. Ludwig erkannte Wilhelm lediglich als Wilhelm III., König von England, an. Im zweiten Krieg bewies der Sieg von John Churchill (später 1. Herzog von Marlborough) in der Schlacht bei Höchstädt 1704, dass England wieder eine Macht war, mit der man in Europa rechnen musste.
| 6. | Union mit Schottland |
Bevor Anna Stuart, die jüngere Tochter Jakobs II., 1702 den Thron bestieg, waren alle ihre Kinder gestorben. Um eine Rückkehr der katholischen Stuarts an die Macht zu verhindern, erließ das Parlament 1701 den Act of Settlement. Darin wurde festgelegt, dass der Thron an die protestantische Kurfürstin Sophie aus dem Haus Hannover, einer Urenkelin Jakobs I., und ihrer Nachfolger gehen sollte. Schottland war über seinen Ausschluss vom Handel mit dem englischen Empire verärgert. Es zögerte, anders als bei der Bill of Rights 1689, mit der Übernahme des Gesetzes. Die einzige Lösung war, die beiden Königreiche zusammenzuschließen. Dies geschah durch den Act of Union 1707, mit dem das Königreich Großbritannien gegründet wurde.
Zur weiteren Geschichte Englands siehe Großbritannien.