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Krebserkrankungen
1. Einleitung

Krebserkrankungen, Wachstum entarteten Gewebes infolge fortschreitender Wucherung abnormer Zellen, welche die Fähigkeit besitzen, in anderes Gewebe einzudringen und es zu zerstören.

Krebs kann aus jeder Zellart und in jedem Körpergewebe entstehen. Es handelt sich dabei nicht um eine einzelne Krankheit, sondern um eine Vielzahl von Erkrankungen, die nach Gewebe- und Zellart, in der sie ihren Ursprung nehmen, klassifiziert werden. Es bestehen mehrere Hundert solcher Krebsklassen, die sich in drei Hauptgruppen einordnen lassen:

2. Wesen der Erkrankung

Krebsartiges (karzinogenes) Gewebewachstum, auch Neoplasmen genannt, ist klonal, d. h., alle entstehenden Zellen sind Abkömmlinge einer einzigen Zelle. Diese Zellen sind der Kontrolle der normalen Mechanismen zur Regulierung des Zellwachstums entgangen. Sie entsprechen embryonalen, unentwickelten Zellen, die nicht fähig sind, sich zu differenzierten Zellen oder einem reifen, funktionsfähigen Zustand weiterzuentwickeln. Wenn sich diese Zellen vermehren, können sie eine Gewebsmasse bilden, die man als Geschwulst oder Tumor bezeichnet. Ein solcher Tumor wächst weiter und vergrößert sich ohne Rücksicht auf die Funktion des Ursprungsgewebes. Offenbar können bereits wenige Hundert Krebszellen die Bildung neuer Blutgefäße veranlassen, die dann den wachsenden Tumor mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen.

1. Tumoren

Fast alle Krebsarten bilden Tumoren, aber nicht alle Tumoren sind krebsartig oder bösartig (maligne). Die meisten Geschwüre sind gutartig (benigne). Gutartige Tumoren sind durch ein örtlich begrenztes Wachstum gekennzeichnet und meist vom umliegenden Gewebe durch Einkapselung getrennt. Sie wachsen im Allgemeinen langsam und weisen eine ähnliche Struktur auf wie ihr Ursprungsgewebe. In einigen Fällen können sie den Patienten durch Verlegung, Einengung oder Verschiebung benachbarter Körperstrukturen gefährden, so z. B. im Gehirn (siehe Gehirntumor). Einige gutartige Geschwüre, beispielsweise Dickdarmpolypen, können Krebsvorstufen darstellen.

2. Ausbreitung

Die schwerwiegendste Eigenschaft bösartiger Tumoren ist ihre Fähigkeit, sich über den ursprünglichen Krankheitsherd hinaus auszubreiten. Krebs kann in benachbarte Körpergewebe durch direkte Ausbreitung oder durch Infiltrierung eindringen oder zu anderen Stellen verschleppt werden und dort Tochtergeschwülste bilden, so genannte Metastasen. Welchen Weg die Ausbreitung nimmt und an welchen Stellen Metastasen entstehen, ist je nach Art des Primärtumors unterschiedlich:

(1) Wenn sich Krebs durch die Oberfläche eines Ursprungsorgans in eine Körperhöhle ausbreitet, können einzelne Zellen vom Zellverband abfallen und sich auf der Oberfläche anliegender Organe ansiedeln.

(2) Tumorzellen können in die Lymphbahn wandern und zu den Lymphknoten transportiert werden oder in Blutgefäße eindringen. Sobald die Krebszellen in den Blutkreislauf gelangt sind, werden sie so weit befördert, bis die Gefäße zu klein sind, um für die Tumorzellen durchgängig zu sein. Aus dem Magen-Darm-Trakt stammende Krebszellen werden beispielsweise in der Leber aufgehalten. Später können sie weiter in die Lunge wandern. Die Zellen aller anderen Tumoren gelangen zuerst in die Lunge, bevor sie in andere Organe ausstreuen. In Lunge und Leber kommt es daher am häufigsten zur Metastasierung.

(3) Bei vielen Krebserkrankungen werden schon im Frühstadium Zellen in die Blutbahn ausgestreut. Die meisten solcher Zellen sterben dort ab, einige lagern sich jedoch an der Oberfläche der Blutgefäße an, durchdringen die Gefäßwand und gelangen so in Körpergewebe, wo sie überleben und einen Tumor bilden können, eine Metastase. Andere teilen sich vielleicht nur einige Male, bilden einen kleinen Zellverband und bleiben als Mikrometastasen vorerst inaktiv. Sie können so jahrelang ruhen, bis sie schließlich (aus unbekannten Gründen) erneut zu wachsen beginnen und Tumoren bilden.

Selbst weit verstreute Krebszellen können die physikalischen und biologischen Eigenschaften ihres Ursprungsgewebes beibehalten. Daher ist es Pathologen oft möglich, durch mikroskopische Untersuchung von Metastasengewebe dessen primären Krankheitsherd zu erkennen. Die Bestimmung von Tumoren der endokrinen Drüsen wird dadurch erleichtert, dass diese übermäßige Mengen der Hormone bilden, die auch vom Ausgangsgewebe produziert werden.

Allgemein lässt sich sagen: Je weniger ein Krebsgeschwür dem Ursprungsgewebe ähnelt, desto bösartiger ist es und desto aggressiver breitet es sich aus. Doch die Wachstumsrate eines Tumors hängt nicht nur von der Zellart und dem Grad ihrer Differenzierung ab, sondern auch von einigen patientenbezogenen Faktoren. Ein Charakteristikum der Bösartigkeit ist die Tumor-Zell-Heterogenität. Aufgrund der abnormen Wucherung von Tumorzellen neigen diese stärker zu Mutationen. Im Lauf der Zeit werden Tumorzellen immer weniger differenziert und wachsen schneller. Sie können auch vermehrte Widerstandskraft (Resistenz) gegen Chemotherapie und Bestrahlung entwickeln.

3. Krebsursachen

Eine Reihe von Faktoren kann zur Krebsentstehung beitragen. Zu diesen Faktoren zählen Vererbung, Viren, ionisierende Strahlung, Chemikalien und Beeinträchtigungen des Immunsystems. Heute wird erforscht, wie diese Faktoren möglicherweise in bestimmten Abfolgen zusammenspielen und schließlich zu Krebs führen. Grundsätzlich handelt es sich bei der Krebsbildung um einen genetischen Vorgang. Genabnormitäten können vererbt oder durch Viren oder äußere Schädigungen in einer Körperzelle verursacht werden. Wahrscheinlich entsteht nach einer Reihe aufeinander folgender Genmutationen eine einzelne bösartige Zelle, die sich als Klon vermehrt. Ursprünglich nahm man an, dass ein bösartiger Klon völlig abnorm ist und die einzige Möglichkeit, Krebserkrankungen zu heilen, daher in der vollständigen Beseitigung aller abnormen Zellen besteht. Heute weist vieles darauf hin, dass das Problem in der Unfähigkeit der Zelle liegt, sich bis zum endgültigen, funktionsfähigen Reifestadium weiterzuentwickeln und zu differenzieren (möglicherweise weil eine dazu nötige Komponente nicht produziert werden kann).

1. Erbfaktoren

Einige Krebsarten treten familiär gehäuft auf, vor allem Prostatakrebs, Darmkrebs und Brustkrebs. Grundsätzlich kann jedoch für die weitaus meisten Krebsarten eine genetische Prädisposition bestehen (International Journal of Cancer, 2004). Dickdarmkrebs kommt bei Familien, deren Angehörige zur Bildung von Dickdarmpolypen neigen, häufiger vor. Das Zusammenwirken zweier Gene (APC und c-MYC) ist in fast allen Fällen die Ursache von Dickdarmkrebs. Auch Gebärmutterhalskrebs (Cervixkrebs) hat teilweise eine genetische Ursache. Frauen, die eine bestimmte Variante des Gens p53 tragen, haben ein siebenfach erhöhtes Risiko, an Cervixkrebs zu erkranken. Dem Ausbruch des Krebses geht jedoch in neun von zehn Fällen eine Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV) voraus: Die Viren hinterlassen ein Protein, das mit dem zelleigenen p53-Protein eine Verbindung eingeht und dieses inaktiviert; Letzteres ist jedoch für das korrekte Kopieren der Erbsubstanz von Bedeutung.

Zudem wurde nachgewiesen, dass eine Art von Retinoblastom (bösartige Netzhautgeschwulst im Säuglings- und Kleinkindalter) nur auftritt, wenn ein bestimmtes Gen fehlt oder ausgeschaltet wird. Solche Gene werden Tumorsuppressor-Gene oder Antionkogene genannt. Normalerweise verhindern diese eine unkontrollierte Zellvermehrung. Fehlen sie, entfällt die Kontrolle abnormen Zellwachstums, es werden sozusagen „die Bremsen gelöst”. Bei der Entstehung von Krebs der Bauchspeicheldrüse spielt das Fehlen des Gens DPC4 eine wichtige Rolle. Dieses Gen kontrolliert die normale Neubildung von Blutgefäßen, ohne das Gen können Tumorzellen neue Blutgefäße wachsen lassen und sich dadurch mit Nährstoffen versorgen. Bei einigen Erbschäden weisen die Chromosomen häufig Bruchstellen auf; dies birgt ein hohes Krebsrisiko, da die betroffene Zelle aufgrund einer gestörten Transkription entarten kann. Das Krebsrisiko vergrößert sich bei Menschen, deren Telomere (Schutzkappen an den Chromosomenenden) bereits abgenutzt sind (Journal of the National Cancer Institute, 2003; siehe Altern).

2. Viren und Bakterien

Viren sind die Ursache vieler Krebserkrankungen bei Tieren. Beim Menschen wird das Epstein-Barr-Virus für das Burkitt-Lymphom und Lymphoepitheliome verantwortlich gemacht. Das Hepatitisvirus kann Hepatoblastome verursachen und Papillomaviren Gebärmutterhalskrebs sowie Mund- und Rachenkrebs. Diese beim Menschen Krebs erzeugenden Viren sind DNA-Viren (siehe Nucleinsäuren). Das HTLV, das T-Zellen-Leukämie verursacht, ist ein RNA-Virus (auch Retrovirus genannt), ebenso wie die meisten bei Tieren Krebs erzeugenden Viren. Mit Hilfe des Enzyms Reverse Transkriptase werden in der infizierten Zelle DNA-Kopien der Virusgene angefertigt, die dann unter Umständen in das Genom (die vollständige Erbinformation) dieser Zelle übernommen werden. Solche Viren können ein so genanntes virales Onkogen enthalten, das normale Zellen in bösartige umwandelt. Forschungen deuten darauf hin, dass jedes virale Onkogen eine Entsprechung in normalen Körperzellen hat, ein so genanntes Proto-Onkogen. Es wurde festgestellt, dass die Produkte, für die solche Onkogene codieren (Proteine), Wachstumsfaktoren zur Anregung der Tumorzellvermehrung darstellen (oder Proteine, die für die Wirkung von Wachstumsfaktoren benötigt werden). Magenkrebs kann durch eine Infektion der Magenschleimhaut mit dem Bakterium Helicobacter pylori verursacht werden. Das Bakterium schädigt die Magenschleimhaut und erzeugt Substanzen, die das Zellwachstum fördern. Bei Prostatakrebs nimmt das Erkrankungsrisiko mit der Zahl der Sexualpartnerinnen zu; deshalb scheinen bei dieser Krebserkrankung ebenfalls infektiöse Ursachen eine Rolle zu spielen (American Journal of Epidemiology, 2001).

3. Strahlung

Ionisierende Strahlung ist eine wesentliche Ursache für Krebserkrankungen. Strahlung bewirkt DNA-Veränderungen wie Chromosomenbrüche und Transpositionen, d. h., abgespaltene Chromosomenenden werden ausgetauscht. Strahlung ist ein Auslöser der Karzinogenese (Krebsbildung). Sie ruft Veränderungen hervor, die nach einer Latenzperiode von einigen Jahren zu Krebs führen. Diese Verzögerung ermöglicht weiteren Faktoren, zu diesem Prozess beizutragen. Eine Strahlenbelastung geht z. B. von Röntgenuntersuchungen und insbesondere von Computertomographien aus.

2007 wurden die Ergebnisse einer im Auftrag des deutschen Bundesamtes für Strahlenschutz erstellten Studie veröffentlicht, der zufolge in den Jahren 1980 bis 2003 deutlich mehr Kleinkinder, die im Umkreis von fünf Kilometern um Kernkraftwerke wohnten, an Krebs erkrankt waren, als aufgrund der statistischen Wahrscheinlichkeit zu erwarten war. In den betreffenden Gebieten erkrankten 77 Kinder an Krebs, darunter 37 an Leukämie. Von der statistischen Wahrscheinlichkeit her waren jedoch nur 48 Krebserkrankungen einschließlich 17 Fällen von Leukämie zu erwarten. Da die von Kernkraftwerken ausgehende Strahlenbelastung ungleich geringer ist als die natürliche Strahlenbelastung, ist das Ergebnis medizinisch allerdings nicht erklärbar.

4. Chemische Faktoren

Vorgänge, durch die chemische Substanzen Krebs verursachen, wurden eingehend untersucht. Einige Chemikalien wirken Krebs auslösend. Dabei ist eine einmalige Einwirkung ausreichend, doch die Krebserkrankung tritt erst nach einer langen Latenzperiode zutage, nachdem ein weiterer Krebs fördernder Faktor hinzugekommen ist. Krebsauslöser (Initiatoren) bewirken irreversible (nicht umkehrbare) Veränderungen an der DNA. Krebs fördernde Faktoren lassen die DNA unverändert, aber sie fördern die Genexpression (Bildung der Proteine, für die diese Gene codieren). Sie haben keine Auswirkungen, wenn sie vor einem Initiator in Aktion treten. Wirken sie jedoch nach einem Krebsauslöser über einen längeren Zeitraum wiederholt ein, fördern sie die Tumorbildung. Tabakrauch enthält beispielsweise viele chemische Krebsauslöser und -förderer. Die Krebs fördernde Wirkung von Zigaretten ist äußerst bedeutend. Wird das Rauchen aufgegeben, sinkt rasch das Lungenkrebsrisiko. Ebenfalls Lungenkrebs auslösen kann das Edelgas Radon, das als radioaktives Zerfallsprodukt des Urans in Böden und Baumaterialien vorkommt. Alkohol ist eine weitere bedeutende Krebs fördernde Substanz. Chronischer Alkoholmissbrauch erhöht deutlich das Risiko für Krebserkrankungen, die durch andere Stoffe ausgelöst werden, z. B. Lungenkrebs bei Rauchern. Karzinogene (Krebs erzeugende) Stoffe verursachen ebenfalls Chromosomenbrüche und Translokationen. Die weltweit größte Studie zur Hormonsubstitutionstherapie (Hormonersatztherapie) musste abgebrochen werden, weil bei den mit Hormonen behandelten Frauen u. a. häufiger Brustkrebs diagnostiziert wurde (Journal of the American Medical Association, 2002). Einer Schätzung zufolge traten in Großbritannien im Lauf von zehn Jahren aufgrund der Hormonersatztherapie zusätzlich 20 000 Brustkrebsfälle auf (The Lancet, 2003); einer anderen Publikation entsprechend verursacht eine Hormonersatztherapie dagegen keinen Brustkrebs, sondern beschleunigt das Wachstum bereits vorhandener Tumore (Human Reproduction, 2005). Britische Forscher fanden in Tierversuchen heraus, dass Tumore in manchen Phasen des weiblichen Zyklus möglicherweise stärker zur Metastasierung neigen: Bei hohen Progesteronwerten entwickelte ein Drittel der untersuchten Mäuse Metastasen, praktisch keine Metastasen dagegen bei hohem Östrogenspiegel (Nature, 2003).

Auch in gut durchgebratenem Fleisch gibt es Krebs auslösende Substanzen. Eines dieser Karzinogene beeinträchtigt die reguläre Verteilung der Chromosomen bei der Zellteilung, so dass einige Zellen zu viele und andere zu wenige Chromosomen erhalten. Der zweite, insbesondere für den Verdauungstrakt gefährliche Stoff löst Mutationen bei Reparaturgenen aus, die normalerweise fehlerhafte Stellen der DNA ausmerzen (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2001).

5. Immunsystem

Das Immunsystem erkennt offenbar einige, aber keineswegs alle Formen bösartiger Zellen und regt im Fall einer Immunreaktion zum Zweck der Zerstörung von Krebszellen die Bildung von Fresszellen an. Ein wichtiger Faktor für die Entwicklung von Krebs kann eine Krankheit oder andere Schädigung sein, die zu einer Beeinträchtigung des Immunsystems führt. Eine Immunsystemstörung kann beispielsweise infolge von AIDS, vererbten Immunschwächekrankheiten oder der Verabreichung so genannter Immunsuppressiva (das Immunsystem schwächender Mittel) auftreten.

6. Umwelteinflüsse

Man schätzt, dass etwa 80 Prozent aller Krebserkrankungen durch Umwelteinflüsse verursacht werden. Die am besten erforschte umweltbedingte Ursache ist aktiv oder passiv eingeatmeter Tabakrauch, der für ungefähr 30 Prozent aller Krebstodesfälle verantwortlich ist. Ernährungsbedingte Ursachen sind möglicherweise für etwa 40 Prozent verantwortlich, doch der ursächliche Zusammenhang ist hier nicht so deutlich, und die verantwortlichen Nahrungsbestandteile sind nicht genau bestimmt. Fettleibigkeit (Body-Mass-Index ab 30; siehe Adipositas) ist ein Risikofaktor für eine Reihe von Krebserkrankungen wie Brust-, Gebärmutter- und Prostatakrebs. Das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, wird offenbar zudem durch die regelmäßige Einnahme hoch dosierter Multivitaminpräparate erhöht (Journal of the National Cancer Institute, 2007). Fettleibigkeit und fettreiche Ernährung werden außerdem mit der hohen Häufigkeit von Dickdarmkrebs in Zusammenhang gebracht. Bei Frauen erhöht Fettleibigkeit zudem das Risiko für Nierenkrebs und Brustkrebs (International Journal of Cancer, 2005; Cancer, 2006). Fettreiche Ernährung und Fettleibigkeit wirken ebenso krebsfördernd wie Alkohol.

Mund- und Rachenkrebs, an denen Männer drei Mal häufiger erkranken als Frauen, werden durch Alkohol- und Tabakkonsum ausgelöst (insbesondere bei der Kombination von beidem), in noch höherem Maß allerdings durch humane Papillomviren, die vor allem durch oralen Geschlechtsverkehr übertragen werden (New England Journal of Medicine, 2007). Das Bundesamt für Strahlenschutz stellte 1998 die Ergebnisse der Auswertung von etwa 120 Veröffentlichungen vor, die den Zusammenhang zwischen Krebs und Elektrosmog zum Gegenstand haben. Die Existenz eines Krebsrisikos durch Elektrosmog ließ sich danach nicht bestätigen; allerdings sei die Frage ungeklärt, ob Elektrosmog das Leukämierisiko bei Kindern erhöhe. Regelmäßige Nachtschichten erhöhen offensichtlich das Krebsrisiko, weil die Melatoninproduktion bei nächtlichem Lichteinfluss sinkt; das Epiphysenhormon Melatonin scheint jedoch einen krebshemmenden Effekt zu haben (British Journal of Cancer, 2004).

7. Onkogene

Als gemeinsame Komponente, die scheinbar unvereinbare Mechanismen wie Tumorviren, Strahlung oder chemische Faktoren verbindet, treten möglicherweise Onkogene in Aktion. Viren, die Onkogene tragen, können diese an vielen Stellen des tierischen oder menschlichen Genoms einschleusen. Die Wirkung des entsprechenden Proto-Onkogens führt zur Expression jenes eingebauten viralen Onkogens und löst somit Krebs aus. Strahlung und Krebs erregende Chemikalien führen DNA-Schäden, Mutationen und chromosomale Veränderungen herbei. Onkogene sitzen häufig auf solchen geschädigten Chromosomen, nahe der Bruchstelle oder der Schädigung.

Eine Krebswucherung ist offensichtlich das Ergebnis einer Reihe von Fehlentwicklungen, angefangen bei einem oder wahrscheinlich mehreren abnormen Genen oder somatischen Mutationen (Mutationen normaler Körperzellen), gefolgt von Krebs fördernden Vorgängen, welche die Expression eines oder mehrerer Onkogene anregen oder Antionkogene hemmen und die Freisetzung von Tumor-Wachstumsfaktoren bewirken. Genetische Schäden führen möglicherweise dazu, dass bestimmte Stoffwechselprodukte, die für die normale Entwicklung und Differenzierung der Zelle erforderlich sind, nicht produziert werden. Die Wachstumsfaktoren sorgen dann für die Vermehrung undifferenzierter Zellen. Bei geschwächter Immunabwehr entgehen solche abnormen Zellen der Zerstörung durch das normale Überwachungssystem. Ein Karlsruher Krebsforscher berichtete über das Protein CD44, das aufgrund seines molekularen Aufbaus durch die Zellmembran reicht und durch Kontakt mit dem Bindegewebe anderer Zellen registriert, ob in der Zellnachbarschaft weitere Zellen liegen. Es aktiviert in diesem Fall ein weiteres, Merlin genanntes Molekül, das Zellteilungen verhindert. Merlin lässt sich nach den Erkenntnissen des Forschers über CD44 von außen künstlich aktivieren, wodurch das Krebswachstum gestoppt werden kann (Genes and Development, 2001).

Das Gen PLK, das in Tumorgewebe in weit höherer Konzentration vorkommt als in gesunden Geweben, eröffnet die Möglichkeit, Lungenkrebs frühzeitig zu diagnostizieren und die Aggressivität von Tumoren einzuschätzen. Ein PCaP genanntes Gen geht mit einer Veranlagung zu Prostatakrebs einher. Ein Gen auf dem X-Chromosom (TGCT, testicular germ cell tumours) erhöht die Wahrscheinlichkeit, an Hodenkrebs zu erkranken (Nature Genetics, 2000).

4. Häufigkeit

Krebs steht als Todesursache bei Erwachsenen in der westlichen Welt an zweiter Stelle, im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts wird Krebs voraussichtlich zur Haupttodesursache werden. Bei Kindern im Alter zwischen 1 und 14 Jahren ist Krebs heute bereits die Todesursache Nummer eins. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 2006 erkranken weltweit jährlich mehr als elf Millionen Menschen an Krebs und sieben Millionen sterben daran. In Deutschland gab es 2002 (nach einer 2006 veröffentlichten Schätzung des Robert-Koch-Instituts) etwa 425 000 Neuerkrankungen, rund 9 Prozent mehr Männer als Frauen waren betroffen. 110 000 Männer und 100 000 Frauen starben in diesem Jahr an Krebs. International schwankt die Krebshäufigkeit stark je nach geographischem Gebiet. Studien an Untersuchungsgruppen, die von einer geographischen Gegend in eine andere umgezogen sind, legen den Schluss nahe, dass geographische Unterschiede eher auf verschiedene Lebensweisen zurückzuführen sind als auf ethnische Unterschiede. Dies wird auch durch die Beobachtung bestätigt, dass die meisten Krebserkrankungen vornehmlich umweltbedingt und nicht so sehr erblich bedingt sind. Allerdings wirken beide Faktoren zusammen.

Die Krebserkrankungen, die in Europa und den USA am häufigsten tödlich verlaufen, sind Lungenkrebs (bei Männern an erster Stelle), Dickdarmkrebs (an erster Stelle in der Gesamtbewertung beider Geschlechter), Brust- und Gebärmutterkrebs bei Frauen und Prostatakrebs bei Männern. Zusammen machen sie 55 Prozent aller Krebstodesfälle aus. Die häufigste Form von Krebs stellen mit über 500 000 Fällen pro Jahr Hautkrebserkrankungen dar, die mit Ausnahme von malignen Melanomen in der Statistik nicht mitgerechnet werden; 6 Prozent der Deutschen zählen zur Hautkrebsrisikogruppe, weil sie hellhäutig sind und zahlreiche Muttermale aufweisen. An Brustkrebs erkrankten 2002 in Deutschland etwa 55 000 Frauen, und etwa 18 000 starben daran; an Gebärmutterhalskrebs erkrankten hier 6 500 Frauen. Seit den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts gibt es eine deutliche Zunahme von Leberkrebs (41 Prozent in den USA); als Ursache gelten Infektionen mit Hepatitis-B- und -C-Viren in den sechziger und siebziger Jahren. Eine bestimmte Form von Speiseröhrenkrebs, das distale Adenokarzinom oder Barrettkarzinom, ist diejenige bösartige Erkrankung mit der stärksten Zunahme. Nach Angaben von 2002 nahmen die Erkrankungsfälle in der westlichen Welt innerhalb von zehn Jahren um das Vierfache zu; in Deutschland erkranken jährlich etwa 1 000 Menschen daran. Ein Barrettkarzinom entwickelt sich vor allem als Folge der mit Sodbrennen einhergehenden Refluxkrankheit. An Magenkrebs erkrankten 2002 in Deutschland rund 19 400 Menschen. Bei Kindern ist Leukämie mit etwa 600 Fällen pro Jahr die häufigste Krebsform, gefolgt von bösartigen Hirntumoren, an denen in Deutschland jährlich etwa 380 Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre erkranken.

5. Erkennung und Diagnose

Je früher eine Krebserkrankung erkannt und behandelt wird, desto größer sind die Chancen der Heilung. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind äußerst wichtig, da so eine Früherkennung möglich ist, noch bevor Krankheitszeichen auftreten. Im Frühstadium lässt sich Krebs am besten heilen. Die Krebserkrankungen, für die es gute bis ausgezeichnete Früherkennungstests gibt, gehören mit zu denen, die am häufigsten tödlich verlaufen: Brust-, Dickdarm-, Enddarm-, Cervix- und Prostatakrebs.

Eine Prädisposition für Prostatakrebs lässt sich mit einem Test erkennen, der das Protein IGF-I (englische Abkürzung für: insulinähnlicher Wachstumsfaktor I) aufspürt. Das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, steigt mit einem hohen IGF-I-Wert; dieser lässt sich jedoch medikamentös senken.

Ein als Fluoreszenz-Bronchoskopie bezeichnetes Verfahren ermöglicht die Diagnose von Lungenkrebs. Dazu führt der Arzt ein Endoskop durch die Luftröhre in die Lunge ein und beleuchtet das Gewebe mit intensivem blauem Licht: Geschädigtes Gewebe fluoresziert, so dass Veränderungen erkannt werden, die zu Lungenkrebs führen können. Mit Hilfe von Licht lassen sich auch Krebsvorstufen in Mundhöhle, Blase und Darm identifizieren (Science, 2000). Durch einen Speicheltest lassen sich Krebserkrankungen (zumindest bei bestimmten Krebsformen) durch Veränderungen der DNA in Mitochondrien (Zellorganellen) nachweisen; dies könnte künftig eine frühzeitige und einfache Krebsdiagnose ermöglichen (Science, 2000).

Die Magnetresonanzmammographie (siehe Kernspintomographie) gilt als zuverlässigste Methode zur Diagnose von Brustkrebs (Breast Cancer Research, 2001). Mit diesem Verfahren werden ohne Einsatz von Röntgenstrahlen Energieveränderungen im Gewebe gemessen, die bei Anlegen eines elektromagnetischen Feldes entstehen. Die auf diese Weise empfangenen Signale werden mit Computerhilfe in ein Bild umgewandelt. Bei Untersuchungen an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena wurde die Effektivität von Röntgenmammographie und Ultraschalluntersuchung (Sonographie) mit der Magnetresonanzmammographie verglichen. Das letztere Verfahren erwies sich als das genaueste zur Diagnose bösartiger Tumore.

Die Früherkennung von Krebsarten, für die keine geeigneten Vorsorgeuntersuchungen bestehen, hängt vom Erkennen früher Krankheitsanzeichen durch den Patienten ab. Im folgenden eine Liste klassischer Warnsignale für Krebs:

Eine diagnostische Untersuchung auf Krebs beginnt mit einer gründlichen Anamnese (Aufnahme der bisherigen Krankengeschichte) und körperlichen Untersuchung, d. h. Betrachten und Abtasten aller zugänglichen Stellen, insbesondere Haut, Hals, Brust, Bauch, Hoden und Lymphknoten. Insbesondere schließt dies auch die Untersuchung von Körperöffnungen ein, vor allem die rektale Untersuchung auf Enddarm- und Prostatakrebs sowie die gynäkologische Untersuchung auf Cervix- und Gebärmutterkrebs.

1. Biopsie

Die Biopsie liefert als einzige Krebsuntersuchungsmethode eindeutige Ergebnisse. Dabei wird eine Gewebeprobe des Tumors oder einer Metastase entnommen. Die moderne Technologie hat die Notwendigkeit der offenen chirurgischen Biopsie weitgehend reduziert. Durch Ertasten oder mit Hilfe der Computertomographie oder computergesteuerten Axialtomographie kann durch eine dünne Spezialkanüle mit Schneidvorrichtung eine Gewebeprobe von Geschwüren aus jedem beliebigen Körperteil entnommen werden. Dies ermöglicht eine Diagnose vor einem größeren operativen Eingriff, so dass Arzt und Patient nötigenfalls Behandlung und Operation besser planen können.

2. Krebsstadien

Nach einer Krebsdiagnose müssen Ausmaß und Stadium der Erkrankung bestimmt werden, weil davon die Prognose (die Vorhersage über wahrscheinlichen Verlauf und Ausgang der Krankheit) und die Wahl einer geeigneten Behandlung abhängen. Für jede Art von Tumor wird das Stadium (I, II, III oder IV) je nach Ausbreitung definiert: kleiner, örtlich begrenzter Tumor, örtlich weiter ausgedehnter Tumor, Befall der regionalen Lymphknoten und Fernmetastasen. Anhand von Informationen, die vor einem operativen Eingriff gewonnen werden, bestimmt man das klinische Stadium der Erkrankung und wählt danach die geeignete Erstbehandlung. Im chirurgischen Stadium, das sich vom klinischen unterscheiden kann, werden die Befunde einer operativen Untersuchung als Grundlage für weitere Behandlung und Prognose herangezogen. Dies dient auch zur Bewertung des Erfolgs anderer Behandlungen.

6. Behandlung

Die herkömmlichen Methoden zur Behandlung von Krebserkrankungen sind Operation, Strahlen- und Chemotherapie. Auch der Nutzen der Immuntherapie und biologischer Immunmodulatoren wird geprüft.

1. Chirurgie

Der erste Ansatz zur Heilung von Krebs ist die Beseitigung aller bösartigen Zellen durch einen chirurgischen Eingriff. In der Vergangenheit bedeutete dies die Entfernung des gesamten bösartigen Gewebes und soviel des möglicherweise befallenen Gewebes wie möglich, einschließlich der anliegenden Gewebe und Lymphknoten. Bei einigen Tumoren, vor allem bei Brustkrebs, ist eine solch radikale Operation (Mastektomie) mittlerweile nicht immer erforderlich. Man setzt heute vor allem auf kleine Eingriffe, neue tumorhemmende Medikamente und Strahlentherapie.

Verbesserte chirurgische Techniken, erweiterte physiologische Kenntnisse, Fortschritte in der Anästhesiologie (Lehre der Schmerzausschaltung), gute Verfügbarkeit von Blutprodukten und wirksame Antibiotika ermöglichen kleinere chirurgische Eingriffe, von denen sich der Patient schneller erholt und die geringere Behinderungen mit sich bringen. Viele Krebserkrankungen sind jedoch zum Zeitpunkt der Diagnose bereits zu weit fortgeschritten, um noch operativ geheilt zu werden. Wenn sich der Tumor schon auf benachbartes Gewebe ausgebreitet hat, das nicht entfernt werden kann, oder sich bereits Fernmetastasen gebildet haben, ist der Krebs nicht mehr mit den Mitteln der Chirurgie zu heilen. Doch auch in solchen Fällen kann eine Operation, beispielsweise bei Organverschluss, zur Linderung der Symptome beitragen oder die Größe der Geschwulst verringern, um die Erfolgsaussicht nachfolgender Strahlen- oder Chemotherapie zu verbessern. Andererseits spielt für die Entscheidung, ob eine Operation sinnvoll ist, auch das Lebensalter eine Rolle. So erhöht die häufig mit Komplikationen wie Impotenz und Harninkontinenz verbundene chirurgische Entfernung der Prostata bei Prostatakrebs nur für Männer unter 65 Jahre das Überlebensrisiko (New England Journal of Medicine, 2005).

2. Strahlentherapie

Ionisierende Strahlung, in Form von elektromagnetischer Wellen- oder Teilchenstrahlung, wirkt gewebezerstörend. Zu elektromagnetischen Strahlungen zählen Gammastrahlen, die beim radioaktiven Zerfall freigesetzt werden, und Röntgenstrahlen, die entstehen, wenn ein gebündelter Elektronenstrahl auf Schwermetall trifft. Teilchenstrahlen sind Elektronen-, Protonen-, Neutronen-, Alpha- (Heliumkerne) und negative Pionenstrahlen (siehe Mesonen).

Tumoren reagieren unterschiedlich empfindlich auf Strahlung. Ein strahlenempfindlicher Tumor reagiert stärker auf Bestrahlung als das umgebende normale Gewebe. Ist ein solcher Tumor leicht zugänglich, etwa ein oberflächlicher Tumor oder z. B. eine Geschwulst in einem Organ wie der Gebärmutter, in das man eine Strahlenquelle einführen kann, so lässt er sich möglicherweise durch Bestrahlung heilen. Wegen der vergleichsweise akzeptablen Wirkung auf das normale Körpergewebe ist die Strahlentherapie hilfreich bei Tumoren, die aufgrund ihrer unzugänglichen Lage nicht operativ entfernt werden können, da dadurch lebenswichtiges Gewebe zerstört würde, oder weil bereits angrenzende Strukturen befallen sind, die nicht geopfert werden können. Auch zur Krankheitslinderung eignet sich die Strahlentherapie, insbesondere zur Behandlung von Metastasen.

Strahlentherapie lässt sich auch als so genanntes Adjuvans, d. h. als unterstützendes Hilfsmittel, zusätzlich zu einem chirurgischen Eingriff einsetzen. Vor einer Operation angewandt, kann sie die Tumorzellen rasch inaktivieren und so eine Streuung während des Eingriffs verhindern. Durch vorherige Bestrahlung lassen sich auch Tumoren verkleinern, so dass sie leichter zu operieren sind oder eine zunächst inoperable Geschwulst operierbar wird. Bei anderen Tumoren kommt die Strahlentherapie postoperativ, also nach dem chirurgischen Eingriff, zur Anwendung. Bei einem Kombinationsverfahren zur Behandlung von Prostatakrebs wird der Tumor auf über 42 °C erwärmt und dann mit einer Hohlnadel von innen bestrahlt, denn erwärmte Krebszellen reagieren empfindlicher auf die Strahlentherapie. Ein anderes Verfahren besteht darin, kleine Stifte (so genannte Seeds) in die Prostata einzuführen, die für bestimmte Zeit Radioaktivität abgeben.

3. Chemotherapie

Chemotherapie bezeichnet den Einsatz von Arzneimitteln zur Krebsbehandlung. Da ein Medikament über den Blutkreislauf im gesamten Körper verteilt wird, eignet sich die Chemotherapie für Tumoren, die sich so weit ausgebreitet haben, dass sie für Chirurgie oder Strahlentherapie nicht zugänglich sind. Es werden eine Reihe verschiedener Arten von Antikrebsmitteln verwendet – nahezu alle wirken, indem sie in die DNA-Synthese oder -funktion eingreifen. Zellen, die sich rasch teilen, sind daher anfälliger für die Chemotherapie. Krebsgeschwüre haben einen größeren Anteil an sich teilenden Zellen als die Mehrzahl gesunder Gewebsarten. Diese verfügen über ruhende Stammzellen, die gegen die Arzneiwirkung resistent sind. Allerdings vermehren sich die Zellen des Knochenmarkes und der Schleimhaut des Magen-Darm-Traktes am schnellsten. Dieses normale Gewebe reagiert daher auch am stärksten auf die toxische (giftige) Wirkung der Chemotherapie. Seine Reaktion ist ausschlaggebend für die Bestimmung der tolerierbaren Dosierung der meisten Antikrebsmittel. Als neue Hoffnung in der Krebstherapie gilt die Wirkstoffgruppe der Epothilone, die ebenfalls das Wachstum von Zellen bremsen, die sich schnell teilen. Man hofft, dass Epothilone weniger Nebenwirkungen aufweisen als andere Krebsmittel.

Eine Behandlung kann nur dann wirksam sein, wenn der Tumor empfindlicher auf das Medikament reagiert als das empfindlichste normale Körpergewebe. Einige Tumoren sind um ein Vielfaches, viele jedoch nur etwas empfindlicher als das gesunde Gewebe. Glücklicherweise sind gesunde Knochenmarkszellen in der Lage, sich schneller zu teilen und sich daher rascher von der Medikamentenwirkung zu erholen als bösartige Zellen. Dies ermöglicht einen erneuten Behandlungszyklus, bevor der Tumor wesentlich nachgewachsen ist. Solche wiederholten Behandlungen können einen Tumor allmählich zerstören, bevor er resistent wird. Manche Tumoren reagieren so empfindlich auf Chemotherapie, dass sich damit zu einem hohen Prozentsatz eine Heilung erreichen lässt: etwa bei Gebärmutterkrebs, akuter Leukämie, besonders bei Kindern, Hodgkin-Krankheit, diffusen, großzelligen Lymphomen, Hoden- und Eierstockkrebs, kleinzelligen Karzinomen der Lunge und einigen Krebserkrankungen bei Kindern. Diese Krebserkrankungen haben sich oft zum Zeitpunkt ihrer Diagnose bereits ausgebreitet und können mit anderen Mitteln nicht mehr therapiert werden. Auch andere fortgeschrittene Krebserkrankungen reagieren gut auf Chemotherapie und können damit lange in Schach gehalten werden. Daher wird die Chemotherapie häufig krankheitslindernd eingesetzt.

Zwei Hauptprobleme, die den Nutzen der Chemotherapie relativieren, sind Toxizität (schädliche Nebenwirkungen) und Resistenz. Methoden, welche die Toxizität beschränken und das Risiko der Resistenzbildung senken, werden laufend verbessert. Es ist wichtig, die Behandlung so früh wie möglich zu beginnen, die optimale Medikamentendosis zu wählen und die Behandlungszyklen so schnell wie möglich zu wiederholen, jedoch dabei dem Patienten die Möglichkeit zu geben, sich etwas von den toxischen Nebenwirkungen zu erholen.

Die gleichzeitige Anwendung mehrerer Medikamente ist wirkungsvoll. Bei kombinierter Chemotherapie werden mehrere Arzneimittel (häufig gleichzeitig drei bis sechs) eingesetzt, von denen jedes auch einzeln wirksam ist. Die verwendeten Mittel haben unterschiedliche Wirkmechanismen, wodurch die Entwicklung von Kreuzresistenzen unwahrscheinlicher wird. Die Medikamente weisen auch unterschiedliche Toxizität auf, so dass jedes optimal dosiert werden kann, ohne dass sich die Toxizität lebensbedrohlich summiert.

Chemotherapie lässt sich zusammen mit Chirurgie und Bestrahlung als Kombinationstherapie einsetzen. Häufig wird sie als Adjuvans unterstützend zur chirurgischen Erstbehandlung angewendet. Als solches kommt sie meist postoperativ zum Einsatz. Diese Art der Behandlung hat die Heilungsrate bei Brustkrebs erheblich gesteigert. Zur Brustkrebsbehandlung werden heute auch neu entwickelte Antihormone und Zytostatika (tumorhemmende Substanzen) eingesetzt. Ein neues Medikament (Herceptin) gegen bestimmte Fälle von Brustkrebs enthält den gentechnisch hergestellten monoklonalen Antikörper Trastuzumab. Dieser bindet an einen bestimmten Rezeptor (HER2, Humaner Epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor 2), der an der Oberfläche mancher Krebszellen viel häufiger vorkommt als auf gesunden Zellen, und hindert die Krebszellen dadurch an der Vermehrung. Etwa 20 bis 30 Prozent der Brustkrebsfälle – häufig besonders aggressive Erkrankungen – werden durch das Gen verursacht, das diesem Rezeptor zugrunde liegt. 2005 vorgestellte Auswertungen mehrerer Studien zeigten, dass sich die Überlebenschance von Brustkrebspatientinnen, die das betreffende Gen haben, durch Trastuzumab deutlich verbessern ließ.

Neuere Forschungen richten sich u. a. darauf, die Bildung von neuen Blutgefäßen in den Tumoren zu verlangsamen (Antiangiogenese) und dadurch das Tumorwachstum zu begrenzen. So gelang es bei Mäusen, Krebstumore mit einer Kombination der Proteine Angiostatin und Endostatin zu bekämpfen. Eine aus der Rinde einer afrikanischen Weide (Combretum caffrum) isolierte Substanz (Combretastatin) verödete im Tierversuch Blutgefäße, die einen Tumor versorgten, weil es auf sich schnell teilendes Gewebe reagierte. Ebenfalls die Neubildung von Blutgefäßen verhinderte im Tierversuch das Protein Troponin, das somit als weiterer Angiogenese-Inhibitor gilt. Über einen Erfolg beim Öffnen der Blut-Hirn-Schranke, welche die medikamentöse Behandlung von Hirntumoren erschwert, berichteten 2001 Wissenschaftler der Georg-August-Universität Göttingen. Sie verabreichten im Tierversuch Alkylglycerine, kleinmolekulare fett- und wasserlösliche Substanzen, und zugleich Zytostatika, wie sie zur Behandlung eines Tumors eingesetzt werden. Während die Blut-Hirn-Schranke durch die Alkylglycerine geöffnet wurde, reicherten sich die Zytostatika im Gehirn an.

Hauptzweck der Chemotherapie als Adjuvans ist die Zerstörung von Mikrometastasen, die sich möglicherweise vor der Operation gebildet haben. In letzter Zeit wurde Chemotherapie auch vor Operationen angewendet. Dies hat dieselbe Wirkung wie ein postoperativer Einsatz. Zusätzlich kann dabei der Tumor auch verkleinert und somit leichter operiert werden.

4. Immuntherapie

Ein viel versprechender Therapieansatz besteht darin, das Immunsystem gegen Krebszellen so zu aktivieren, dass es die Tumorzellen abtötet. Eigentlich sollte das Immunsystem von sich aus in der Lage sein, Tumorzellen anhand bestimmter, als Antigen wirkender Oberflächenstrukturen zu identifizieren und anzugreifen. Aufgrund einer als Anergie bezeichneten Unempfindlichkeit gegen Antigene von Krebszellen oder aufgrund einer Störung des Immunsystems ist es dazu jedoch in vielen Fällen nicht in der Lage. Es gibt verschiedene Wege einer Aktivierung des Immunsystems. Eine Antikörpertherapie beruht auf dem Einsatz monoklonaler Antikörper. Dies sind im Labor erzeugte Antikörper, die spezifisch ein ganz bestimmtes Antigen erkennen. Monoklonale Antikörper basieren auf der Antikörperproduktion eines geklonten B-Lymphozyten (siehe Leukozyten); sie werden gegen Brustkrebs und maligne Lymphome eingesetzt.

Bei der zellulären Immuntherapie werden statt Antikörpern Immunzellen verwendet; dieses Verfahren wird bei Leukämie eingesetzt sowie beim malignen Melanom, der gefährlichsten Form von Hautkrebs. Das maligne Melanom ist eine vor allem durch UV-Strahlung (Sonnenbrand) verursachte Form des Hautkrebses, an der nach Angaben von 2000 in Deutschland jährlich etwa 6 900 Menschen erkranken (die meisten Melanome werden heute bereits im Frühstadium diagnostiziert). Im Rahmen einer zellulären Immuntherapie werden u. a. so genannte dendritische Antigen-präsentierende Zellen verwendet, die aus dem Blut der Patienten gewonnen und mit Proteinmolekülen gemischt werden. Ein weiteres Verfahren ist die Impfung mit Tumorantigenen, wodurch ähnlich der Immunisierung gegen Infektionskrankheiten die körpereigene Bildung von Antikörpern durch so genannte Tumorpeptide ausgelöst werden soll. Tumorvakzine werden u. a. eingesetzt, um beim malignen Melanom das Wiederauftreten von Tumoren nach einer chirurgischen oder chemischen Therapie zu verhindern; zudem wurden sie bei Lungenkrebs verwendet.

Bei einer weiteren Methode regen biologische Wirkstoffe die Aktivität von Zellen des Immunsystems an, die dann bösartige Zellen angreifen. Ein Beispiel hierfür ist die Verwendung von Interleukin-2 (siehe Zytokine), das Makrophagen (Fresszellen) anregt. Es wird zudem weiterhin intensiv nach tumorspezifischen Antigenen geforscht, gegen die Antikörper entwickelt werden könnten. Antikörper können nicht nur zur direkten Krebsbekämpfung eingesetzt, sondern auch mit einem chemischen Antikrebsmittel gepaart werden. Solche Antikörper erkennen bösartige Zellen, heften sich an sie und führen das Medikament damit direkt zum Zielobjekt.

5. Hormontherapie

Viele Krebsarten nehmen ihren Ursprung in hormonabhängigen Geweben, wie Brust, Prostata, Gebärmutterschleimhaut und Schilddrüse, und reagieren daher auf Hormonbehandlungen. Dabei wird entweder die Quelle der anregenden Hormone entfernt, oder es werden verschiedene Hormone und Antihormone verabreicht.

6. Andere Behandlungsansätze

Es gibt weitere viel versprechende neue Ansätze zur Behandlung von Krebs. So kann Prostatakrebs durch so genannte Kryo-Systeme vereist werden. Ein derartiges System besteht aus fünf Kältesonden von drei Millimeter Durchmesser, die an das Krebsgewebe herangeführt werden und dieses durch Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt zum Absterben bringen. Ein weiteres Verfahren besteht darin, das kranke Prostatagewebe ohne chirurgischen Eingriff durch fokussierten Ultraschall auf etwa 80 °C zu erhitzen und dadurch zu zerstören. Die Ultraschallsonde wird durch den Enddarm in die Nähe der Prostata gebracht.

Würzburger Wissenschaftler berichteten 2000 über eine neue Therapie für die Vorstufe des Barrettkarzinoms (Speiseröhrenkrebs): Mit Hilfe des Edelgases Argon wurden dabei die oberen, krankhaft veränderten Schleimhautschichten der Speiseröhre zerstört; nach der Regeneration wurden keine Abnormitäten mehr festgestellt. Die Berliner Charité erforschte die Möglichkeit, mit Zucker umhüllte Eisenoxidpartikel von wenigen millionstel Millimeter Größe in Tumore zu spritzen und diese dann durch ein elektromagnetisches Feld auf 45 bis 47 °C zu erhitzen; im Tierversuch wurden Tumore auf diese Weise in kurzer Zeit abgebaut. Zudem behandelte die Charité Hautkrebspatienten mit einem Impfstoff, der das körpereigene Immunsystem aktiviert: Bei 5 von 16 Patienten schritt die Krebserkrankung nicht weiter fort, zwei weitere wurden ganz bzw. teilweise geheilt.

Ein geheilter Krebspatient kann unter Umständen schwere Behinderungen davontragen. Mit Hilfe medizinischer Rehabilitationsmethoden, einschließlich rekonstruktiver (wiederaufbauender) Chirurgie, muss jede Anstrengung unternommen werden, um die bestmögliche Lebensqualität zu gewährleisten. Bei unheilbar kranken Patienten kann eine lindernde (palliative) Therapie das Wohlbefinden verbessern und beeinträchtigte Organfunktionen möglicherweise für Monate oder Jahre wiederherstellen. Schmerzen stellen ein ernstes Problem dar. Sie können heute jedoch schon wesentlich besser gelindert werden als früher.

7. Heilungschancen bei Krebs

Seit Jahrzehnten steigt die absolute Anzahl der Todesfälle infolge von Krebserkrankungen. Diese Entwicklung spiegelt allerdings insbesondere die gestiegenen Bevölkerungszahlen wider sowie den erhöhten Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung, die häufiger an Krebs erkranken. Mit Ausnahme von Lungenkrebs ist die Sterberate durch Krebs in allen Altersgruppen unter 55 Jahren gesunken. Der in neuerer Zeit sinkende Tabakkonsum dürfte in Zukunft auch weniger Lungenkrebstote zur Folge haben. Zudem wurde die Krebsbehandlung bedeutend verbessert. Der Anteil von Krebspatienten, die als geheilt anzusehen sind, ist im Laufe der letzten Jahrzehnte erheblich gestiegen. Eine Auswertung von Daten aus dem US-amerikanischen Krebsregister (Lancet, 2002) ergab Folgendes: Patienten haben in den ersten 20 Jahren nach der Diagnose „Krebs” durchschnittlich eine mehr als 50-prozentige Überlebenschance. Bei Hoden- und Schilddrüsenkrebs beträgt die Überlebenschance in diesem Zeitraum sogar 90 Prozent, bei einem Melanom oder Prostatakrebs 80 Prozent, bei Blasenkrebs knapp 70 Prozent. Von Hodenkrebstumoren an anderen Körperstellen gebildete Metastasen lassen sich offensichtlich deshalb leicht mit Chemo- und Strahlentherapie bekämpfen, weil Hodenkrebszellen an die niedrigen Temperaturen im Hoden angepasst sind und aufgrund der höheren Temperaturen im Körperinneren dort ohnehin kein günstiges Milieu finden (Journal of the American Medical Association, 2006). Von einer Krebserkrankung geheilt zu sein, bedeutet nicht zwangsläufig, dass keine Krebszellen mehr im Körper sind: Bei gut einem Drittel daraufhin untersuchter ehemaliger Brustkrebspatientinnen, die seit mindestens sieben Jahren als geheilt galten, wurden dennoch Krebszellen nachgewiesen. In diesen Fällen war es dem Körper offensichtlich gelungen, winzige noch vorhandene Tumoren so weit unter Kontrolle zu bringen, dass keine Symptome auftraten (Cancer Research, 2004).

Die geringere Sterberate durch Krebserkrankungen liegt wahrscheinlich auch an einer gesünderen Lebensweise und der dadurch geringeren Einwirkung von Krebserregern sowie an der Krebsfrüherkennung. Man erwartet, dass sich diese Entwicklung später auch in den höheren Altersgruppen fortsetzen wird. Keine wissenschaftlich fundierten Hinweise gibt es darauf, dass die seelische Verfassung oder die Persönlichkeit eines Menschen Einfluss auf die Heilungsaussichten haben könnten (Cancer, 2007).

Das Lungenkrebsrisiko nimmt innerhalb weniger Jahre dramatisch ab, wenn das Rauchen aufgegeben wird. Die Bemühungen der Früherkennung von Lungenkrebs hatten bisher jedoch kaum Einfluss auf die Heilungsrate. Hautkrebserkrankungen, von denen die meisten leicht heilbar sind, verursachen in der Bundesrepublik etwas mehr als 2 Prozent der Krebstodesfälle. Da Hautkrebs insbesondere durch intensive Sonneneinstrahlung hervorgerufen wird, ist diese Krebsform in vielen Fällen vermeidbar.

8. Krebskontrolle

Die wichtigste Krebsvorsorgemaßnahme ist der Verzicht auf Tabakkonsum, der für mehr als 30 Prozent aller Krebstodesfälle verantwortlich ist. Senken lässt sich das Krebsrisiko auch durch bewusstere Ernährung: optimale Kalorienzufuhr zur Vermeidung von Fettleibigkeit und Senkung des Fettkalorienanteils auf 20 Prozent, weniger Fleisch und mehr Obst und Gemüse. Auch deutliche Beschränkungen im Konsum von gepökelten, geräucherten und nitratbehandelten Lebensmitteln sowie von Alkohol werden empfohlen.

Die Vermeidung von Sonnenbrand und regelmäßige Verwendung von Sonnenschutzmitteln beim Sonnenbad sind zur Vorbeugung von Hautkrebs wichtig. Andererseits hat mäßige Sonneneinstrahlung durchaus einen positiven Effekt hinsichtlich der Verhütung anderer Krebsarten wie Brust-, Blasen- oder Darmkrebs (Cancer, 2002). Die berufliche und private Umwelt kann durch die Beseitigung Krebs erregender Chemikalien sowie durch das Entfernen von Asbest und die Reduzierung übermäßiger Radonkonzentrationen gesünder gestaltet werden.

Wirksame Vorsorgeuntersuchungen sind für Brust-, Cervix-, Dickdarm-, Enddarm- und Prostatakrebs möglich. Personen ab 45 Jahren sollten jährlich zur Krebsvorsorgeuntersuchung gehen; darüber hinaus sollten Frauen bereits vom 20. Lebensjahr an die Genitalorgane sowie ab dem 30. Lebensjahr Brust und Haut untersuchen lassen. Zudem wird Frauen über 20 Jahren empfohlen, ihre Brust jeden Monat selbst abzutasten. Brustkrebs ist ein bedeutendes Gesundheitsproblem: In Deutschland entfallen über 17 Prozent aller Krebssterbefälle auf Brustkrebs. Ob Frauen unter 40 Jahren regelmäßig eine Mammographie (Röntgenuntersuchung der Brust) durchführen lassen sollten, ist aufgrund der damit verbundenen Strahlenbelastung umstritten. Zur Früherkennung von Brustkrebs hat sich das Verfahren der Mamma-Sonographie (Brust-Ultraschall) bewährt. Mit dieser Methode lassen sich bereits millimetergroße Tumore nachweisen.

Um Gebärmutterhalskrebs rechtzeitig diagnostizieren zu können, wird ein Cervix-Abstrich durchgeführt. Dabei werden Zellen vorsichtig abgeschabt und auf so genannte präkanzeröse Veränderungen untersucht. Ein neuer Cervix-Krebstest, der so genannte Campaigntest, wurde 1998 vorgestellt. Dabei wird ein neues Diagnoseverfahren für die Analyse verdächtiger Zellabstriche vom Gebärmuttermund genutzt, wobei Antikörper verwendet werden, die sich an abnorme Zellen im Abstrich anlagern. Ein aufgebrachter fluoreszierender Farbstoff identifiziert die abnormen Zellen. Damit erhält man eine geringere Fehlerquote als bei den bisher weltweit eingesetzten Abstrichanalyseverfahren (Pap-Tests), die in 10 bis 30 Prozent der Fälle kranke Zellen nicht kenntlich machen. Ein HC2 genannter Test zum Erkennen von Cervixzellen, die mit Papillomaviren (HPV) infiziert sind, hat sich nach einer 2003 publizierten Mitteilung der Medizinischen Hochschule Hannover für Frauen über 30 bewährt: Mit diesem Test ließen sich alle dauerhaften HPV-Infektionen nachweisen. Da HPV frühestens nach einer siebenjährigen Infektion Krebs erzeugen, gibt andererseits ein negativer Testbefund einer Frau für mehrere Jahre weitestgehende Sicherheit, nicht an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken.

Zur Früherkennung von Dickdarmkrebs sollte ab dem 45. Lebensjahr jährlich eine rektale Untersuchung durchgeführt werden. Männer sollten jeden Monat ihre Hoden selbst auf Veränderungen untersuchen. Teilweise aufgrund der vermehrten Reisen in (sub)tropische Länder ist Hautkrebs eine der am schnellsten an Häufigkeit zunehmenden Krebserkrankungen in den Industrieländern. Es wird geraten, bei intensiver Sonneneinstrahlung Vorsorgemaßnahmen zu treffen, wie die Verwendung von Sonnenschutzmitteln, welche die schädlichen UVB- und UVA-Strahlen von der Haut abhalten. Allerdings werden bis zu 90 Prozent des vom Körper benötigten Vitamins D unter Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet: Die Sonne vollständig zu meiden, ist also nicht zu empfehlen. Neuere Untersuchungen sprechen dafür, dass Vitamin-D-Mangel Dickdarm-, Prostata- und Brustkrebs fördert – Erkrankungen, die in höheren Breitenlagen (mit geringer Sonneneinstrahlung) relativ häufig sind. Durch eine verbreitete Akzeptanz der angebotenen Früherkennungsmaßnahmen könnte die Häufigkeit von Brust- und Dickdarmkrebs reduziert sowie eine hohe Heilungsrate bei Brust-, Dickdarm-, Enddarm-, Cervix- und Prostatakrebs erzielt werden.