Suchansicht Landwirtschaft

Wenn Sie nach einem bestimmten Wort, Namen bzw. Thema in diesem Artikel suchen möchten, wählen Sie in Ihrem Browser die entsprechende Option für Suche innerhalb der Seite. Im Internet Explorer finden Sie diese Option im Menü Bearbeiten.

Bei der Suche wird genau das Wort bzw. die Phrase berücksichtigt, das (die) Sie eingegeben haben. Sollte die Suche keine Ergebnisse zeitigen, versuchen Sie, nach einem Schlüsselwort in Ihrem Thema zu suchen bzw. die Schreibung des betreffenden Wortes oder Namens zu überprüfen.

Landwirtschaft
1. Einleitung

Landwirtschaft, Pflanzenanbau und Viehhaltung, insbesondere für Zwecke der menschlichen Ernährung und Versorgung. Wichtige Bereiche der modernen Landwirtschaft sind die Bodenbewirtschaftung einschließlich des Einsatzes von Düngern und Pestiziden und der Bewässerung sowie das Mästen von Vieh bzw. die Haltung von Milchvieh und Geflügel.

2. Landwirtschaft der Welt

Wichtige Nahrungsquellen aus landwirtschaftlicher Produktion sind: Getreide wie Weizen, Reis, Mais, Gerste, Mohrenhirse und Roggen sowie Zuckerrohr und Zuckerrübe; das Fleisch von Säugetieren wie Schafen, Rindern, Ziegen und Schweinen sowie die Milch von vor allem Milchvieh, Schafen und Ziegen; Geflügel wie Hühner, Enten und Truthühner sowie deren Eier; außerdem Gemüse, Früchte, Öle und Nüsse. Als Tierfutter werden vor allem Sojabohnen, Mais und Mohrenhirse produziert. Nicht alle landwirtschaftlichen Produkte sind Nahrungsmittel: Auch Kautschuk, Fasern, Tabak und Ölsaaten für synthetische chemische Komponenten zählen zu den landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Welche Pflanzen landwirtschaftlich angebaut werden können, hängt in erster Linie von Klima, Wasserversorgung und Bodenbeschaffenheit ab. Von der eisfreien Festlandfläche der Erde werden 35 bis 40 Prozent mehr oder weniger intensiv landwirtschaftlich genutzt.

Der Anteil der Beschäftigten in der Landwirtschaft nimmt kontinuierlich ab; 2006 wurden weltweit 36 Prozent aller Arbeitskräfte in der Landwirtschaft eingesetzt. Der Anteil schwankt stark zwischen den Regionen der Erde: In Afrika südlich der Sahara umfasste er 2006 durchschnittlich 66 Prozent der in der Wirtschaft Tätigen, während er in den Industrieländern nur 4 Prozent ausmachte. Auch die mittlere Größe der landwirtschaftlichen Betriebe unterscheidet sich stark von Region zu Region: Für kanadische Farmen beträgt sie beispielsweise etwa 270 Hektar, auf den Philippinen etwa zwei Hektar und in Bangladesch einen halben Hektar. In Deutschland gab es 2003 rund 472 000 Betriebe mit einer Größe von durchschnittlich 36 Hektar.

Die Größe eines Betriebs hängt oft von seiner Struktur ab. Die Latifundien Lateinamerikas sind große Privatgüter, die mit Tagelöhnern arbeiten; vor allem Tee, Kaffee und Kakao werden dabei meist in Monokulturplantagen produziert. Weizenfarmen arbeiten am ökonomischsten, wenn sie einige Tausend Hektar groß sind. Australische Schaffarmen benötigen riesige Weideflächen. Landwirtschaftliche Kolchosen in China und auch die Kooperativen in Peru sind weitere Beispiele für Formen der Landwirtschaft, die große Flächen benötigen. Die Zahl der Kleinbetriebe ist in den entwickelten Ländern stark zurückgegangen, in den Entwicklungsländern Afrikas und Asiens, wo zu großen Teilen Subsistenzwirtschaft betrieben wird, jedoch weiterhin sehr hoch. Große Flächen südlich der Sahara sowie in Afghanistan und Lappland werden von Nomadenstämmen mit ihren Herden durchstreift. In der Mongolei bildet das Nomadentum einen wichtigen Teil der Landwirtschaft.

Ein großer Teil der Devisen eines Landes wird oft durch ein einziges landwirtschaftliches Exportgut erwirtschaftet. Sri Lanka beispielsweise ist auf den Export von Tee spezialisiert, Dänemark auf Milchprodukte, Australien auf Wolle sowie Neuseeland und Argentinien auf Fleischprodukte. Eine große Gefahr für die betreffende Volkswirtschaft liegt jedoch in einer einseitigen Abhängigkeit von den Weltmarktpreisen für ein solches Produkt. Abgesehen davon verhindert in manchen Fällen eine unzureichende technische Ausstattung, dass das Produkt in der erforderlichen Menge und Qualität bereitgestellt werden kann. Auf der anderen Seite stehen außerordentlich gut entwickelte Länder wie die USA, Kanada und einige europäische Länder, die aus ihren Überproduktionen alles das exportieren können, was von der eigenen Bevölkerung nicht benötigt wird.

Landwirtschaft ist für einen Staat nicht nur hinsichtlich der Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln von Bedeutung, sondern auch – über Devisen – für den Einkauf von Rohstoffen für die Industrie. Daher ist Landwirtschaft ein wichtiger Faktor der internationalen Politik vieler Länder. Import und Export von landwirtschaftlichen Produkten sind Gegenstand internationaler Vereinbarungen wie des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (General Agreement on Tariffs and Trade, GATT) bzw. der Welthandelsorganisation, und die Schaffung und Gewährleistung eines gemeinsamen Agrarmarktes in den Ländern der Europäischen Union (EU) ist eine der Hauptaufgaben der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Die Agrarmesse Internationale Grüne Woche in Berlin ist die weltgrößte Messe der Land-, Ernährungs- und Forstwirtschaft.

1. Landwirtschaft und Umwelt

Die moderne Landwirtschaft kann seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf bemerkenswerte Erfolge verweisen: Verheerende Hungersnöte, bei denen früher in den Ländern der Dritten Welt die Menschen zu Hunderttausenden starben, sind heute dank der „Grünen Revolution” seltener geworden; vor allem in den westlichen Industrieländern wird zum Teil weit über den eigenen Bedarf hinaus produziert. Allgemein versorgen immer weniger Landwirte immer mehr Verbraucher mit preiswerten Lebensmitteln. 1980 ernährte ein deutscher Landwirt 47 Bundesbürger, zu Beginn des 21. Jahrhunderts waren es rund drei Mal so viele Bürger.

Die Weltbevölkerung wächst schneller als die Nahrungsmittelproduktion – im Vergleich zur gesamten Getreideernte, dem wichtigsten Maßstab der Ernährungslage, beispielsweise etwa dreimal schneller. Längst sind die Weltgetreidevorräte unter die Sicherheitsschwelle gesunken; viele der ärmsten Länder sind auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen, weil die Erzeugung im eigenen Land stagniert oder sogar zurückgeht. Die Ursachen liegen zum Teil darin, dass die Erschließung neuer Agrarflächen vielerorts an ihre natürlichen Grenzen stößt und die einstmals erzielten Ertragssteigerungen, etwa durch Züchtung neuer Hochleistungssorten oder den verstärkten Einsatz von synthetischen Düngemitteln, heute nicht mehr erreicht werden.

Noch wichtiger ist allerdings, dass der Landwirtschaft weltweit jährlich fünf bis sieben Millionen Hektar Acker- und Dauergrünland, ein Gebiet fast so groß wie Bayern, als Produktionsfläche verloren gehen. Das Land wird mit Verkehrswegen und Siedlungen überbaut, verliert seinen Wert jedoch vor allem dadurch, dass der fruchtbare Boden wegen Fehlern und Versäumnissen bei der agrarischen Nutzung rasch degradiert und immer schneller erodiert wird. Die durch die Landwirtschaft verursachten Umweltschäden betreffen zudem nicht nur den Boden unter den Agrarflächen, sondern reichen über zum Teil sehr verwickelte Kausalketten bis in alle Sphären des Planeten Erde: die Hydrosphäre, die Atmosphäre und nicht zuletzt die gesamte Biosphäre.

Als Ansatz zur Lösung der Frage, wie die Ernährung und Versorgung der Menschheit nachhaltig gesichert werden kann, haben vor allem in den letzten Jahren die Prinzipien einer ökologischen Landwirtschaft fast weltweit an Anerkennung gewonnen. Ziel dieser Methode, die auch als ökologischer oder biologischer Landbau bezeichnet wird, ist es, landwirtschaftliche Nutztiere und Nutzpflanzen so in ein Agrarökosystem einzubinden, dass die ökologische Rolle der betreffenden Arten und die Selbstregulierungsfähigkeit des Ökosystems stärker berücksichtigt werden. Auf diese Weise wird meist nicht nur eine gesteigerte Resistenz gegen Schädlinge – mit der Konsequenz stabilerer Ernteerträge – erreicht. Zugleich bleibt die genetische Vielfalt erhalten, und die Umwelt wird deutlich geringer belastet. Der biologische Landbau gleicht in dieser Hinsicht manchen traditionellen Agrarökosystemen vor allem in der Dritten Welt, in denen Kulturpflanzen und Nutzvieh mit wild lebenden Arten gemischt sind.

3. Geschichte

Im Lauf der mehr als 10 000 Jahre, in denen es Landwirtschaft gibt (siehe Ursprünge der Landwirtschaft), begannen Menschen fast überall, Pflanzen und Tiere zu züchten. Die Geschichte der Landwirtschaft lässt sich grob in vier Zeitabschnitte unterschiedlicher Dauer einteilen: (1) prähistorisches Zeitalter, (2) historisches Zeitalter bis einschließlich der Römerzeit, (3) feudales Zeitalter und (4) Neuzeit.

1. Prähistorische Landwirtschaft

Frühe Formen der Landwirtschaft finden sich in der neolithischen Kultur (Jungsteinzeit). Spuren davon gibt es in Südwestasien, in den Gebieten des heutigen Iran, Irak, Israel, Jordanien und der Türkei, in Südostasien, z. B. in Thailand und in China in der Gegend am Huang He, längs des Indus in Indien und Pakistan, im südlichen Afrika und in Ägypten längs des Nil, in Europa an der Donau, in Makedonien und im griechischen Thessalien sowie im Oaxaca- und Tehuacán-Tal in Mexiko.

Die Anfänge von Ackerbau und Viehhaltung unterscheiden sich in den verschiedenen Regionen der Welt erheblich. Erste Hinweise lassen sich mehr als 10 000 Jahre zurückdatieren. Wissenschaftler konnten mit der C-14-Methode (siehe Verfahren zur Altersbestimmung) das ungefähre Alter von Pflanzenresten und Tierknochen bestimmen; danach wurden folgende Tierfunde zeitlich eingeordnet: Schafe um 9000 v. Chr. im Nordirak, Ziegen um 7500 v. Chr. im zentralen Iran, Schweine um 7000 v. Chr. in Südostasien und in Eurasien, Esel 7000 v. Chr. in Jarmo (Irak), Rinder im 6. Jahrtausend v. Chr. im Nordosten des Iran und in Kleinasien sowie Pferde etwa 4000 v. Chr. in der Ukraine und in Babylonien. Lamas und Alpakas wurden in den Anden Südamerikas bereits im 6. Jahrtausend v. Chr. gehalten.

Ebenfalls mit der Radiokarbonmethode konnte nachgewiesen werden, dass Weizen, Roggen und Gerste im Nahen Osten bereits im 11. Jahrtausend v. Chr. angebaut wurden. Kürbiskerne aus Mexiko wurden auf 8000 v. Chr. datiert, Hülsenfrüchtler aus Thessalien und Makedonien auf etwa 6000 v. Chr. In China und Südostasien wurde Reis nach neuesten Erkenntnissen schon um 9000 v. Chr. sowie Hirse um 5500 v. Chr. kultiviert, etwa zur selben Zeit im Mittelmeerraum auch die ersten Ölbäume. Der ursprünglich aus Asien stammende Lauch wird seit der ausgehenden Steinzeit vielerorts für die Gewinnung von Küchenzwiebeln gezüchtet. Auch Lein wurde offenbar bereits im Neolithikum angebaut und zu Textilien verarbeitet.

Höchstwahrscheinlich bestanden die Anfänge der Landwirtschaft darin, dass Menschen lernten, die Samen wild vorkommender Pflanzen zu gewinnen und in gerodetes Erdreich zu pflanzen. Schaf- und Ziegenherden wurden aus jungen Tieren aufgebaut, die man Wildherden entnahm. Diejenigen Wildtiere mit den besten Eigenschaften, wie z. B. hohem Milchertrag oder kräftiger Konstitution, wurden weitergezüchtet. Der Übergang vom Sammeln und Jagen zu Ackerbau und Viehzucht war fließend und ist in einigen entlegenen Gebieten der Erde bis heute nicht vollzogen. Die Versorgung mit selbst produziertem Gemüse und Fleisch wurde fast immer durch Fisch und Wild aus der Natur ergänzt.

Die Bauern des Neolithikums lebten in einfachen Behausungen, entweder in Höhlen oder in kleinen Hütten aus sonnengebrannten Lehmziegeln oder Schilf und Holz. Diese Hütten standen in Gruppen als kleine Dörfer oder einzeln, umgeben von Feldern. Mensch und Tier waren entweder im selben Haus oder in Unterkünften untergebracht, die in Stall und Haus getrennt waren. Funde weisen darauf hin, dass die übliche jungsteinzeitliche Lebensform der Bauernhof mit Mischkulturen und Viehhaltung war. Nomadismus mit Herdenhaltung war vermutlich keine Übergangsform zwischen den Lebensweisen von Sammlern und Jägern und Sesshaften, sondern kam erst später auf und etablierte sich vor allem in den Steppen Asiens und Europas.

Die ersten Geräte für den Ackerbau wurden aus Holz und Stein gefertigt. Hierzu gehören: die Hacke aus Stein, die Steinsichel zum Schneiden von Getreide, der Grabstock zum Einsäen und Pflanzen sowie ein primitiver Pflug, der aus einer bearbeiteten Astgabel bestand und dazu benutzt wurde, Furchen in die Erde zu ziehen. Später wurde der Pflug so abgewandelt, dass er von Ochsen gezogen werden konnte.

In Ägypten stellten im Gegensatz zu den regenreichen Hügelregionen Südwestasiens und der europäischen Wälder die regelmäßigen Hochwasser des Nil mit Anschwemmungen fruchtbaren Schlammes die einzige Grundlage für die Landwirtschaft dar. Dasselbe galt für die Regionen entlang der Flüsse Euphrat und Tigris. Entwässerungssysteme waren bald nötig, um die Erosion größerer Landmengen durch die Überflutungen zu vermeiden. So entwickelten beispielsweise die Bauern am Huang He ein ausgeklügeltes System zur Bewässerung und Entwässerung ihrer Felder entlang des Flusses.

Die jungsteinzeitlichen Siedlungen wurden von Zeit zu Zeit aufgegeben und verlegt, da die Böden allmählich durch den Ackerbau auslaugten. Dies galt besonders für die Siedlungen in Nordeuropa, wo neues Ackerland durch Brandrodung gewonnen wurde. Am Nil hingegen konnten sich stabile Siedlungen halten, da der Fluss alljährlich neues, fruchtbares Land anschwemmte. Durch Überproduktion an Nahrung wurde das Wachstum früher Städte wie Jericho (Gründung etwa 9000 v. Chr.) gefördert.

2. Landwirtschaft zur Zeit der Antike

Mit der Verwendung von Metallen ab dem Zeitalter der Antike (etwa 2500 v. Chr. bis 500 n. Chr.) wurden die vorhandenen Techniken und Geräte ausgebaut und verbessert. Über diese Zeit berichten zahlreiche schriftliche und bebilderte Quellen, wie z. B. die Bibel, Aufzeichnungen und Monumente aus dem Nahen Osten sowie die chinesische, griechische und römische Literatur. Einige weitere Pflanzen gewannen an Bedeutung: So werden Weinreben und Wein bereits in alten ägyptischen Schriften aus der Zeit um 2900 v. Chr. erwähnt, im Nahen Osten waren Datteln und Feigen wichtige Zuckerproduzenten. Anbau und Verarbeitung von Baumwolle ist aus Indien und Peru um 2000 v. Chr. bekannt. Im gleichen Zeitraum war die Herstellung von Leinen und Seide in China verbreitet. Filz wurde in Zentralasien und den russischen Steppengebieten aus Schafswolle gefertigt. Auch die Gurke kam etwa zu dieser Zeit nach Europa. Roggen und Hafer werden in Nordeuropa seit etwa 1000 v. Chr. angebaut. Im Mittelmeerraum wurden zu dieser Zeit Äpfel, Granatäpfel, Pfirsiche, Melonen und Maulbeerbäume kultiviert; der Handel mit Wein und Olivenöl war dort bereits im 1. Jahrtausend v. Chr. verbreitet.

Wichtig waren auch die Verbesserungen der Gerätschaften. Geräte aus Metall waren nicht nur effizienter, sie hielten auch länger. Eine enorme Verbesserung brachte der von Ochsen gezogene Pflug mit metallverstärkter Spitze, so wie er aus dem 10. Jahrhundert v. Chr. aus Palästina bekannt ist. Eine trichterähnliche Vorrichtung am Pflug, die beim Einsäen half, ist aus Mesopotamien aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. bekannt. Aus China sind weitere Sävorrichtungen bekannt. In Palästina und Mesopotamien wurden Tiere zum Dreschen eingesetzt; Mähen, Aufbinden und Sieben machte man aber noch von Hand. Bereits im 2. Jahrtausend v. Chr. waren der vierräderige Ochsenkarren sowie einachsige Karren, die von Pferden gezogen wurden, in Nordindien bekannt. Das Pferd wurde schon vor seiner Einführung in Ägypten um 1600 v. Chr. in Mesopotamien und Kleinasien domestiziert.

Bewässerungssysteme, die zusätzliches Ackerland erschlossen, sind aus China, Ägypten und dem Nahen Osten bekannt. Eine zentrale Planung und Kontrolle der Bewässerung sowie Zwangsarbeit der Bauern ermöglichten wahrscheinlich die Errichtung von Stadtstaaten wie denen der Sumerer, in denen bald auch Getreidespeicher, Trockensilos sowie verschiedene Arten von Behältern der Verbesserung der Versorgung dienten. Ohne hoch entwickelte Techniken der Lagerung, vor allem für Öl und Körner, und den Handel mit Nahrungsmitteln wären die Kulturen Mesopotamiens, Nordindiens, Ägyptens und Roms nicht möglich gewesen. Besonders im Römischen Reich entwickelte sich die Landwirtschaft zu einer wichtigen Geldquelle.

Im 1. Jahrhundert n. Chr. beschreibt der römische Geschichtsschreiber Cornelius Tacitus die Germanen als freie Bauernkrieger, die „ihr eigenes Land bewirtschafteten, wenn sie nicht gerade in Kämpfe verwickelt waren”. In den folgenden Jahrhunderten bestand ein typisches europäisches Dorf aus mehreren eng beieinander stehenden Häusern, die von einfach bestellten Feldern umgeben waren. Die darumliegenden Wiesen, Wälder und Brachflächen wurden von allen Bauern gemeinsam genutzt, genauso wie Ochsen und Pflüge. Auch die Ernte war eine Tätigkeit, die alle Dorfbewohner vereinte. Der Einsatz von organischem Dünger und die Einführung von Brachzeiten für die Felder steigerten die Produktivität.

3. Feudale Landwirtschaft

In Europa etablierte sich der Feudalismus schon bald nach dem Fall Roms und erreichte seine Blütezeit um 1100. Eine Grundherrschaft, die sich aus dem römischen System der Verpachtung von Parzellen großer Latifundien an Kolonen (Kleinbauern) ableiten lässt, bestimmte von nun an die Landwirtschaft. Die vorherrschende Gesellschaftsform dieser Epoche ließ sich in Europa u. a. deswegen besonders gut auf die Landwirtschaft übertragen, weil der Pflanzenanbau – und damit der Landbesitz – dort viel größere Bedeutung hatte als die Viehhaltung. Lediglich in den Bergregionen sowie in den Sumpfgebieten des slawischen Europa konnte sich das Feudalsystem nicht durchsetzen. Viehhaltung und Wein- bzw. Olivenanbau passten normalerweise nicht in das System. Auch in Skandinavien und Ostdeutschland blieben die kleinen Bauernhöfe und Dörfer größtenteils bestehen.

Während dieser Zeit, die stark vom Einfluss der sich ausbreitenden arabischen Kultur geprägt war, wurde die künstliche Bewässerung sowohl in Spanien als auch in Ägypten eingeführt. Unfruchtbares Land wurde somit nutzbar gemacht. Die Getreideproduktion Ägyptens war so reichlich, dass Getreide auf den internationalen Märkten angeboten werden konnte. In Spanien wurden Weingärten angelegt und mit Wasser aus den umliegenden Bergen versorgt. Aus Krokussen wurde Safran gewonnen. Wasser- und Windmühlen etablierten sich im Orient und in Europa. Ebenfalls im Nahen Osten und im Mittelmeergebiet wurden Pfirsiche, Orangen, Zitronen und Aprikosen kultiviert wie auch neue Gemüsearten, z. B. Artischocken und Spinat. Reis-, Zuckerrohr- und Baumwollanbau breiteten sich aus. Zunehmend wurden Maulbeerbäume angepflanzt, deren Blätter den bereits damals gezüchteten Seidenraupen als Nahrung dienten.

Ein typisches Feudalgut im christlichen Mittel- oder Nordeuropa hatte zwischen 350 und 800 Hektar Ackerland und etwa dieselbe Fläche an Teichen, Gehölzen und Weideland. Größere Sitze verfügten über eine Getreidemühle, ein Backhaus, Fischteiche, Obsthaine, manchmal auch eine Ölpresse sowie einen Kräuter- und Gemüsegarten. Bienen wurden zur Produktion von Honig gehalten. Schafe erzeugten Wolle, die gesponnen und zu Kleidung verarbeitet wurde. Aus Flachs wurde Leinen hergestellt und Öl gewonnen. Leder wurde aus der Haut der Rinder gefertigt, Ochsen und Pferde wurden als Zugtiere genutzt. Mit der Weiterentwicklung des Pferdegeschirrs wurden Pferde vermehrt für Lastenarbeiten eingesetzt. Schmiede, Wagner und Zimmermänner fertigten Gerätschaften für die Landwirtschaft. Als Brennmaterial wurden Holz und Torf aus den gemeinsamen Wäldern bzw. Mooren verwendet, und das Vieh weidete auf gemeinsamen Weiden des Dorfes (Allmende). Überschüsse an Getreide, Fellen und Wolle wurden auf dem Markt verkauft.

Oftmals umfasste das Feudalgut eine ganze Kirchengemeinde, nicht selten ein oder mehrere Dörfer. Die Bauern dieser Dörfer arbeiteten für den Feudalherrn. Einige Feudalherren hatten ein System von Feldabschnitten, die etwa 200 Meter lang und zwischen 1,2 und 5 Meter breit waren. Dabei verliefen die Abschnitte des Herrn wie die der Bauern über gleiches Ackerland, gutes wie schlechtes. Der Pfarrer hatte möglicherweise eigenes Land, das er entweder selbst bestellte, oder Bauern übernahmen die Arbeit. Es bestand in der Regel eine Selbstversorgergemeinschaft. Im späteren Mittelalter mussten die meisten Bauern als Leibeigene Abgaben zahlen, häufig auch für andere Güter arbeiten oder wurden zum Militärdienst herangezogen.

Die Bestellung der Äcker war im Feudalsystem genau geregelt: Als erste Weiterentwicklung wurde das Ackerland in drei Bereiche unterteilt (Dreifelderwirtschaft): Ein Teil wurde im Herbst mit Winterweizen oder -roggen eingesät; der zweite Teil wurde im Frühjahr mit Gerste, Roggen, Hafer, Bohnen oder Erbsen bestellt, und der dritte Teil blieb brachliegend. Dieses System, das in Asien entwickelt wurde, erlaubte eine flächendeckende Bewirtschaftung des Landes, ohne dabei den Boden auszulaugen. Alle Felder wurden wiederum in Streifen unterteilt, von denen jeder Bauer einen gewissen Anteil zur Bearbeitung bekam.

Um das 8. Jahrhundert wurde der Vierjahreszyklus eingeführt: Durch einen gezielten Fruchtwechsel, bei dem im jeweiligen Feld aufeinander folgende Pflanzen aufgrund ihrer Nährstoffbedürfnisse ausgewählt wurden, erhöhte man die Produktivität deutlich. Je nach Wetter waren so häufig auch zwei Ernten pro Jahr möglich. Nach der Ernte wurden die Felder den Tieren zur Futtersuche überlassen.

Im 12. Jahrhundert stagnierte die Landwirtschaft in Kleinasien. Vor allem Mesopotamien verlor seine Stellung in der Landwirtschaft, da die Mongolen das Bewässerungssystem zerstört hatten. Die Kreuzzüge intensivierten zur gleichen Zeit in West- und Mitteleuropa den Wissensaustausch und den Handel mit den muslimisch beeinflussten Gebieten im Südosten Europas. Auf diesem Weg kamen z. B. Zitrusfrüchte, Seide und Baumwollkleidung nach Westeuropa.

Um 1300 ging man dazu über, Weiden einzuzäunen und die Schafhaltung zu intensivieren. Textilien aus Wolle wurden besonders in England, Flandern, der Champagne, der Toskana, der Lombardei und in der Region um Augsburg hergestellt. Gleichzeitig spezialisierten sich die Dörfer in der Nähe größerer Städte auf die Produktion von Nahrungsmitteln. Die europäischen Kriege des 14. und 15. Jahrhunderts sowie die Pest führten wegen ihrer großen Zahl an Opfern vielerorts zu einem Umdenken in der Landwirtschaft. Aufgrund des Mangels an Arbeitskräften konzentrierte man sich auf die intensive Bewirtschaftung der besseren Ackerzonen. In Süditalien führte z. B. die Bewässerung des fruchtbaren Bodens zu einer Ertragssteigerung. Der Produktionsschwerpunkt verlagerte sich vom Getreide zu Produkten wie Wein, Olivenöl, Käse, Butter und Gemüse.

4. Landwirtschaft in der Neuzeit

Im 16. Jahrhundert nahm die Bevölkerungszahl in Europa wieder stärker zu, und damit musste auch die landwirtschaftliche Produktion ansteigen. Das Wesen der Landwirtschaft veränderte sich in dieser Region wie auch in anderen Teilen der Welt, die durch die von Europa aus einsetzende Globalisierung beeinflusst wurden, in den kommenden Jahrhunderten erheblich. Diese Entwicklung hatte mehrere Gründe: Durch die Erweiterung der Türkenherrschaft war Europa von Asien und Kleinasien abgeschnitten. Neue ökonomische Theorien, etwa der Merkantilismus, kamen auf und beeinflussten die Landwirtschaft direkt. Die europäischen Großmächte dehnten ihren wirtschaftlichen Einfluss auf ihre Kolonien in Übersee aus.

Die spanischen Eroberer fanden in der Neuen Welt bei manchen Ureinwohnern (vor allem Inka und Maya) hoch entwickelte landwirtschaftliche Systeme vor, allerdings keine Zug- oder Reittiere und auch keine Radfahrzeuge. Mais, Kartoffeln, Kürbisse, Bohnen, Erbsen, Tomaten, Paprika, Avocados und Maniok wurden dort bereits seit langem angebaut. Die Landwirtschaft in den überwiegend tropischen Kolonien versorgte nicht nur die Kolonialherren, sondern produzierte auch eine Vielzahl Lebens- und Genussmittel, die für den Verkauf in Europa bestimmt waren. Dazu gehörten Tee, Tabak, Kakao, Baumwolle und Zucker ebenso wie Wolle und Felle.

Vom 15. bis weit ins 19. Jahrhundert hinein kamen viele landwirtschaftliche Arbeitskräfte in den Kolonien aus dem Sklavenhandel oder waren zwangsverpflichtete Angehörige der indigenen Bevölkerung. Die vielerorts übliche Subsistenzwirtschaft wurde zugunsten von Plantagen zurückgedrängt, auf denen Lebensmittel für den europäischen Markt meist in Monokultur erzeugt wurden. Afrikanische Sklaven arbeiteten z. B. in der Karibik auf Zuckerplantagen und in Nordamerika auf Indigo- und Baumwollfeldern. Auch europäische Sträflinge, vor allem aus England, wurden zu Zwangsarbeiten in den amerikanischen Kolonien verpflichtet. Im 19. Jahrhundert wurden Sklavenarbeit und Zwangsarbeit weitgehend unterbunden (siehe Encomienda; Peonage).

Im 17. Jahrhundert entwickelte sich eine Tendenz zur Einfriedung der Felder. Dadurch konnte der Bauer nach seinem eigenen System arbeiten, was früher wegen der gemeinsamen Nutzung der Felder nicht möglich war. Die Eingrenzung der Felder brachte gerade in England, wo die wissenschaftlich betriebene Landwirtschaft am intensivsten war, eine grundlegende Umstrukturierung des Landbesitzes mit sich. Etwa ab 1660 schlossen sich mehr und mehr Großgrundbesitzer zusammen. Vor allem zur Viktorianischen Zeit war die Landwirtschaft geprägt durch Landeigentümer, welche die Pacht eintrieben, Bauern, welche die Ernte einbrachten, und Landlose, die sich als Arbeiter auf den Höfen verdingten. Durch Entwässerung wurde mehr Ackerland erschlossen, und die Einführung von Maschinen in der Landwirtschaft war eine unmittelbare Folge der industriellen Revolution.

Die aus der Renaissance und Aufklärung in Europa herrührende wissenschaftliche Revolution förderte Innovationen auch in der Landwirtschaft. Zu den wichtigen Neuerungen gehörten die planvolle Züchtung und Selektion bei der Viehzucht Anfang des 17. Jahrhunderts und die Einführung der Kalkdüngung gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts wurden die primitiven Enden der Holzpflüge durch kleine Kappen aus Eisen verstärkt, welche mit Lederriemen befestigt wurden.

Eine landwirtschaftliche Revolution begann mit der Einführung neuer Technologien: Charles Newbold, ein Schmied aus Burlington, erfand 1797 den Pflug mit der eisernen Pflugschar, welche die Erde beim Pflügen zur Seite wendete. Diese Art Pflug ist bis heute in Gebrauch. John Deere, ein amerikanischer Schmied, verbesserte um 1830 den Pflug, indem er ihn aus Stahl fertigte. Andere bedeutende Fortschritte waren z. B. die Erfindung der Sämaschine durch den englischen Landwirt Jethro Tull zu Beginn des 18. Jahrhunderts, die in den folgenden hundert Jahren immer weiter entwickelt wurde, und die Erfindung der Mähmaschine durch den amerikanischen Erfinder Cyrus McCormick 1831. Hinzu kamen zahlreiche von Pferden angetriebene Maschinen wie Dreschmaschine, Kultivator, Mähmaschinen für Gras und Getreide, Eggen und Maiserntemaschinen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Pferde vielfach durch dampfgetriebene Maschinen ersetzt, z. B. beim Pflügen oder Dreschen.

Der ständig steigende Bedarf an Nahrung für die Arbeiter in den Städten wie auch an Rohstoffen für die industrielle Fertigung brachte eine Umstrukturierung des Welthandels mit sich. Errungenschaften der Wissenschaft und Technik fanden Anwendungen in der Landwirtschaft und führten zur modernen Agrarwirtschaft des 20. Jahrhunderts.

Die ersten systematischen Versuche, Pflanzenkrankheiten zu bekämpfen, stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Bis dahin waren Handverlesen und Sprühen die gängigen Methoden der Schädlingsbekämpfung. Im 19. Jahrhundert entwickelte man Gifte, die der Sprühflüssigkeit zugesetzt wurden. Neben dem Einsatz biologischer Nützlinge (Insekten oder andere Tiere, die Schädlinge fressen) wurden auch resistente Pflanzen gezüchtet. Ein eindrucksvolles Beispiel hierfür war die Bekämpfung der Reblaus beim Wein: Diese wurde versehentlich in Frankreich aus Amerika eingeführt und bedrohte den gesamten europäischen Weinbau. Durch Pfropfung der europäischen Weinsorten auf resistente amerikanische Sorten konnte diese Zwerglaus weitgehend zurückgedrängt werden.

Auch die Entwicklung öffentlicher Transportmittel wie Eisenbahn, Wasser- und Straßenverkehr verbesserte die Lage der Landwirte, indem einerseits der Zugang zu Saatgut und Material erleichtert und andererseits der Absatz durch die Vergrößerung der Märkte gefördert wurde. Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts konnten Lebensmittel besser aufbereitet und haltbar gemacht und auf diese Weise über weitere Entfernungen per Bahn, Schiff oder Straße transportiert werden. Diese Entwicklung führte zu einer Spezialisierung vieler Betriebe und zog Verschiebungen der Produktionsorte nach sich. So verdrängten beispielsweise die Getreideproduzenten Nordamerikas und Australiens gegen Ende des 19. Jahrhunderts die europäischen Produzenten vom europäischen Getreidemarkt. Für viele europäische Landwirte bedeutete dies eine Umstellung auf die Produktion anderer Nahrungsmittel wie Milch oder Käse.

Die steigenden Anforderungen an die Produktion der Landwirtschaft nach dem 2. Weltkrieg waren durch eine neuerliche Bevölkerungsexplosion bedingt. Die so genannte Grüne Revolution beinhaltete die selektive Züchtung traditioneller Sorten (siehe Varietät) auf höheren Ertrag, neue Hybriden sowie intensive, an das jeweilige Klima und die kulturellen Gegebenheiten der bevölkerungsreichen Länder wie Indien angepasste Anbaumethoden. In den Industrieländern gingen viele Bauern verstärkt zum Mästen und zur Massentierhaltung über, bei der mit relativ geringem Aufwand eine große Zahl an Tieren pro Betrieb eingesetzt werden.

Die weltweite Verknappung von Erdöl in der Mitte der siebziger Jahre führte jedoch zu einem Mangel an Stickstoffdünger, der für die neuen Sorten besonders wichtig ist. Gleichzeitig verminderten häufigere Naturkatastrophen wie Dürren und Überschwemmungen weltweit die Ernteerträge. Die vor allem in Entwicklungsländern auftretende galoppierende Inflation und eine zunehmende Instabilität der Weltmarktpreise für viele landwirtschaftliche Produkte trafen sowohl Produzenten als auch Abnehmer hart.

Heute liegt ein Großteil der weltweiten Produktion von Nahrungsmitteln in der Hand weniger multinationaler Konzerne, die Preise kontrollieren und so in der globalen Marktwirtschaft die meisten Alternativanbieter verdrängen. Im Zuge einer Konzentration und Nivellierung landwirtschaftlicher Anbaumethoden tritt u. a. eine drastische Verarmung in der Variabilität vieler Pflanzensorten auf, und der Anteil der ökologisch bedenklichen Monokulturen nimmt weiter zu. Vor allem mit den Methoden der Gentechnik versucht man, die Produktion der Landwirtschaft weiter zu steigern. Ein mögliches künftiges Ziel liegt in der Erschließung mehrerer Tausend essbarer Pflanzenarten, die noch nicht im größeren Stil kultiviert wurden, aber auch in der Bewahrung der natürlichen genetischen Vielfalt aller Kulturpflanzen. Als Alternative zur konventionellen Landwirtschaft gelangt der ökologische Landbau mit dem Schwerpunkt einer nachhaltigen und besser ausgeglichenen Versorgung der Menschheit zunehmend in den Blickpunkt des Interesses.