Niederlande
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Niederlande
2. Land

Das Wort Niederlande (niederländisch Nederlanden) bedeutet tief liegendes Land; ein großer Teil des Nordens und des Westens des Landes liegt unterhalb des Meeresspiegels. Diese Region, die als Niedere Niederlande bezeichnet wird, ist von Kanälen, Flüssen und kleinen Buchten geprägt. Im Osten und Süden liegen die Hohen Niederlande, deren Oberfläche leicht über dem Meeresspiegel liegt und deren Landschaft flach bis leicht hügelig ist. Das Gebiet in den Hohen Niederlanden ist selten höher als 50 Meter. Nur im äußersten Südosten gibt es mehrere Erhebungen über 100 Meter.

„Gott erschuf die Welt, aber die Holländer erschufen Holland”, so lautet ein altes niederländisches Sprichwort. Die Deiche, Kanäle, Staudämme, Schleusen und Windmühlen, die die Landschaft der Niederlande prägen, sind alle Teil des Entwässerungssystems, das bereits im Mittelalter existierte. Dieses System hat es den Bewohnern des Landes ermöglicht, dessen Fläche um fast ein Fünftel zu vergrößern. Ohne die ständige Dränage und den Schutz der Stranddünen wäre etwa die Hälfte der Niederlande von Wasser bedeckt.

Am 1. Februar 1953 führten eine Springflut und schwerer Wellengang dazu, dass die Deiche und Dünen an der Küste der nördlichen Provinz Zeeland brachen. Etwa 162 000 Hektar wurden überflutet, und mehr als 100 Menschen starben. 42 Jahre später wurden mehr als 250 000 Menschen aus dem Osten und dem Inneren des Landes evakuiert. Infolge schwerer Regenfälle in Frankreich und Deutschland waren der Rhein und die Maas über die Ufer getreten, und man befürchtete, dass die Deiche an den Flüssen Lek, Maas und Waal, Mündungsarme und Zuflüsse des Rheins in den Niederlanden, durch den Druck der hereinbrechenden Fluten aus den überschwemmten Gebieten brechen könnten. Die Deiche hielten dem Druck stand; zum Schutz vor weiteren Katastrophen wurde aber ein kostenaufwendiges Programm in Angriff genommen, um die Arbeit an mehr als 800 Kilometern Flussdeich zu beschleunigen.

1. Physische Geographie

An der Nordseeküste der Niederlande gibt es zahlreiche, zum Teil lang gestreckte Sanddünen. Im Südwesten werden die Dünen von Flussmündungen unterbrochen, die Deltas mit kleinen Inseln bilden. Im Norden drang das Meer durch die Dünen in das Festland vor; dadurch kam es zur Bildung der Westfriesischen Inseln, die eine Fortsetzung der festländischen Dünengürtel darstellen. Hinter diesen Inseln entstand ein Gezeitenmeer, die Waddenzee. Das Hinterland der Dünen liegt überwiegend unterhalb des Meeresspiegels; es wird durch Deiche geschützt und durch ständige Maßnahmen der Entwässerung trocken gehalten. Die frühere Zuiderzee, eine ehemalige Flussmündung des Rheins und später ein Binnenmeer, wird allmählich trockengelegt. Der so genannte Abschlussdeich, der die Zuiderzee von der Waddenzee und der Nordsee trennt, wurde 1932 fertig gestellt. Zu jener Zeit wurde damit begonnen, ein Gebiet von 225 000 Hektar trockenzulegen; das Ergebnis dieser Landgewinnung waren Polder, wie der Süd- und der Ost-Flevoland-Polder sowie der Nord-Ost-Polder. Ein großer Teil der ehemaligen Zuiderzee ist seit Beginn der achtziger Jahre trockengelegt worden. 1986 wurde die zwölfte niederländische Provinz, Flevoland, aus den zwei Flevoland-Poldern und dem Nord-Ost-Polder geschaffen. Der Rest der Zuiderzee wurde in einen Süßwassersee umgewandelt, das IJsselmeer.

Die Inseln der südwestlichen Deltaregion durchlaufen ebenfalls einen Prozess der Veränderung. Nach der verheerenden Flut von 1953 wurde mit der Realisierung des Delta-Planes begonnen, um die Region durch den Bau einer Reihe von massiven Dämmen und Deichen zu schützen und einige Meeresbuchten von der Nordsee abzuschneiden. Im Zuge des Projekts, das 1986 fertig gestellt wurde, wurden mehrere Süßwasserseen geschaffen.

Der Großteil der östlichen Hälfte der Niederlande besteht aus tief liegendem, von sandigem Schwemmland bedeckten Gebiet, dessen Material von den Gletschern des Pleistozäns und den nacheiszeitlichen Flüssen abgelagert wurde. Während in den küstennäheren Gebieten das Gewässernetz vorwiegend künstlich gestaltet ist, sind in den östlichen Landesteilen noch natürliche Flussläufe vorhanden. Der Vaalserberg (321 Meter), die höchste Erhebung der Niederlande, liegt als Ausläufer des Rheinischen Schiefergebirges im äußersten Südosten des Landes.

2. Flüsse und Seen

Die größten Flüsse der Niederlande sind der Rhein (niederländischer Anteil etwa 200 Kilometer) und seine zahlreichen Nebenflüsse und Mündungsarme, darunter Waal und Lek; ferner die Maas und die Schelde, die beide aus Belgien zufließen. Diese Flüsse und ihre Nebenflüsse strömen durch das Landesinnere von Osten nach Westen; an der Küste bilden sie Deltas mit vielen kleinen Inseln.

In den nördlichen und westlichen Landesteilen gibt es viele kleine Seen. Fast alle der größeren natürlichen Seen sind trockengelegt worden; im Zuge eines Programms zur Neuentwicklung des Deltas und die Trockenlegung der Zuiderzee wurden jedoch zahlreiche Süßwasserseen geschaffen.

3. Klima

In den Niederlanden herrscht aufgrund der Lage an der Nordsee ausgesprochen maritimes Klima mit relativ geringen Temperaturunterschieden im Jahresverlauf. Die Winter sind mild, die Sommer vergleichsweise kühl. Die durchschnittlichen Temperaturen liegen im Januar zwischen 2 und 3 °C, die mittleren Julitemperaturen betragen 16 bis 18 °C. Die mittleren jährlichen Niederschlagsmengen belaufen sich auf 760 Millimeter. Niederschlag fällt zu allen Jahreszeiten; regenärmster Monat ist in den meisten Teilen des Landes der März. Die Häfen des Landes bleiben im Winter eisfrei. Da in den Niederlanden kaum die Luftströmungen behindernde natürliche Hindernisse vorhanden sind, gibt es zwischen den einzelnen Regionen kaum Klimaunterschiede.

4. Flora und Fauna

Über die Jahrhunderte hinweg ist die natürliche Landschaft der Niederlande vom Menschen stark verändert worden. Es gibt nur wenige Flächen, die in ihrem natürlichen Zustand belassen wurden. Hierzu zählen verschiedene Moorgebiete sowie die Dünengebiete an den Küsten. Der ursprüngliche Birken-Eichen-Wald ist nur noch in kleinen Resten vorhanden, er wurde in (oft mit Kiefern aufgeforsteten) Heideflächen umgewandelt. Diese Kiefernforste machen weitgehend den Waldanteil von etwa 8,8 Prozent aus (2005); im Utrechter Hügelland gibt es zudem Buchen-Eichen-Bestände.

Auch die natürliche Fauna wurde nachhaltig verändert. Vielen Tierarten wurde durch die Eingriffe des Menschen die Lebensgrundlage entzogen, andere wurden in ihrem Bestand stark dezimiert. Die Säugetierfauna ist hinsichtlich der Raubtiere durch typische mitteleuropäische Arten wie Rotfuchs und verschiedene Marderspezies (einschließlich Fischotter) repräsentiert, im Wattenmeer leben Seehunde. Zu den Paarhufern gehören Rehe, Rot- und Damhirsche. Ein exotisches Faunenelement sind aus Farmkäfigen freigelassene südamerikanische Nutrias.

Hinsichtlich der Avifauna (Vogelwelt) sind Brutpopulationen von Löfflern und Purpurreihern bemerkenswert. Durch Landgewinnungsprojekte entstanden neue Lebensräume für Zugvögel. Das niederländische Wattenmeer ist Rast- und Überwinterungsgebiet für zahlreiche Vogelarten wie Austernfischer, Säbelschnäbler, Brachvögel sowie Gänse- und Entenarten. Ein großes ökologisches Problem der Küstengebiete ist die zunehmende Verschmutzung der Nordsee, aber auch die intensive Muschelfischerei.