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Phrygien

Phrygien, historische Landschaft in Kleinasien (heute westliches Anatolien, Türkei).

Sie wurde im 12. Jahrhundert v. Chr. von Stämmen aus Makedonien und Thrakien besiedelt, die wohl nach dem Zusammenbruch des Hethiterreiches aus dem Balkangebiet vordrangen und im 8. Jahrhundert ein Großreich gründeten. Vom 10. bis zum 8. Jahrhundert v. Chr. nahm es wahrscheinlich einen großen Teil der anatolischen Halbinsel ein, grenzte im Süden an Kilikien und im Westen an Lydien und reichte im Osten bis über den Halys hinaus. Zu Beginn des 7. Jahrhunderts v. Chr. wurde es von Norden her von den Kimmeriern zerstört.

Im 3. Jahrhundert v. Chr. besetzten die keltischen Galater den nordöstlichen Teil Großphrygiens. Der westliche Teil kam 188 v. Chr. unter pergameische Herrschaft und wurde 133 v. Chr. zusammen mit Pergamon Teil der römischen Provinz Asia. Galatien wurde 25 v. Chr., nachdem die Galater schon im frühen 2. Jahrhundert v. Chr. von den Römern geschlagen worden waren, formell in die römische Provinz Galatia umgewandelt. Kaiser Diokletian unterteilte Phrygien schließlich aus verwaltungstechnischen Gründen in die Provinzen Phrygia I und Phrygia II.

Großphrygien bestand überwiegend aus einer dürren Hochebene mit einem fruchtbaren Gebiet im Tal des Sangarius. Man betrieb ausgedehnten Anbau von Trauben und baute phrygischen Marmor ab, der in der Antike berühmt war. Im Zentrum der Religion standen Naturgötter, darunter besonders Rhea und Kybele, die Große Mutter aller Götter, und die männliche Gottheit Sabazius. Die orgiastischen Riten dieser Religion beeinflussten gleichermaßen Griechen und Römer.

Die Phrygier sollen ein indogermanisches Volk gewesen sein, das 1200 v. Chr. von Thrakien nach Kleinasien einwanderte und die Herrschaft über die gesamte zentrale Hochebene erlangte. Es bestehen Aufzeichnungen über zahlreiche Könige, die abwechselnd die Namen Gordius und Midas trugen. Ihre Macht ging anscheinend mit den Einfällen der Kimmerier im 7. Jahrhundert v. Chr. zu Ende. Im 6. Jahrhundert v. Chr. eroberte der lydische Krösus die Überreste Phrygiens, das später nacheinander von Persien, Makedonien, Pergamon und Rom beherrscht wurde.

Die phrygische Kunst hatte zwischen dem 8. und dem 6. Jahrhundert eigenständige Bedeutung. Heute noch sind riesige Stadtmauern, Kieselmosaiken, bemalte Reliefs, kunsthandwerkliche Erzeugnisse und großartige Felsenarchitektur erhalten.

Die phrygische Mütze, eine Kopfbedeckung aus Stoff, die die Phrygier trugen, wurde zur Zeit der Römer von befreiten Sklaven getragen und wurde so zu einem Symbol der Freiheit und Vorbild für die Jakobinermütze der Französischen Revolution.