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| 1. | Einleitung |
Chiang Kai-shek, auch Tschiang Kai-schek, offiziell Chiang Chung-cheng, (1887-1975), chinesischer Politiker und General.
Chiang wurde am 31. Oktober 1887 im Distrikt Fenghua Xianin der Provinz Zhejiang geboren. Nach seiner Ausbildung an der nationalen Militärakademie in Baoding ging er 1907 nach Tokyo, besuchte dort die Kadettenschule und lernte Sun Yatsen kennen. Er schloss sich Sun Yatsens Revolutionärer Liga (Tongmeng hui) an, einer Geheimorganisation und Vorläuferin der chinesischen Nationalpartei Kuomintang (KMT), und wurde enger Mitarbeiter von Sun Yatsen. Bei Ausbruch der Revolution von 1911 kehrte Chiang nach Shanghai zurück; 1912 war er am Sturz der kaiserlichen Regierung und an der Errichtung der Republik China beteiligt. 1913 nahm er an der zweiten Revolution teil und 1915/16 am Feldzug gegen den Kriegsherrn Yuan Shikai. 1923/24 hielt sich Chiang Kai-shek im Auftrag Sun Yatsens in Moskau auf, sowohl um von der Sowjetregierung Unterstützung für China zu erhalten als auch um Militär- und Gesellschaftsystem der Sowjetunion zu studieren. 1924 wurde Chiang Kai-shek Leiter der mit sowjetischer Hilfe errichteten Militärakademie in Whampoa, dem Ausbildungslager der Armee der KMT.
| 2. | Führer von Nationalchina |
Nach Sun Yatsens Tod 1925 übernahm Chiang Kai-shek die Führung der KMT; als Oberbefehlshaber der Nationalrevolutionären Armee war er der mächtigste Mann in der Partei. Nachdem er mit sowjetischer Unterstützung beinahe ganz Südchina unter seine Gewalt gebracht hatte, kündigte er die Zusammenarbeit mit der UdSSR auf und schaltete die Kommunisten und andere „Linke” in den Reihen der KMT zum Teil durch regelrechte Massaker aus. Zwischen 1926 und 1928 unterwarf er auf seinem Nordfeldzug die Militärmachthaber im Norden und bezog ihre Gebiete in den Herrschaftsbereich seiner 1927 in Nanking errichteten Nationalregierung ein. 1928 nahm er Peking ein und ließ sich zum Präsidenten der „Chinesischen Republik” wählen.
Bis Mitte der dreißiger Jahre setzte Chiang Kai-shek seinen Kampf gegen die chinesischen Kommunisten unter Mao Tse-tung und Zhou Enlai fort, auch mit deutscher Hilfe, u. a. des Generalobersts Hans von Seeckt. Zugleich suchte er den Japanern Widerstand zu leisten, die 1931 die Mandschurei besetzt hatten. 1934 trieb er die Kommunisten auf ihren Langen Marsch; aber 1936 wurde er von seinem General Zhang Xueliang gefangen genommen („Zwischenfall von Xi’an”) und gezwungen, einen „Burgfrieden” mit den Kommunisten zu schließen und mit ihnen eine Einheitsfront gegen die Japaner zu bilden.
Im Japanisch-Chinesischen Krieg (1937-1945) fand Chiang Kai-shek national und international Anerkennung als Führungspersönlichkeit. In einem Kraftakt mobilisierte er Chinas Bevölkerung zur Abwehr der japanischen Invasion und versuchte zugleich weiterhin, die Kommunisten in allen Bereichen zurückzudrängen. 1942 wurde er Oberbefehlshaber der alliierten Truppen in China, und es gelang ihm in der Folge, vor allem dank seiner guten Beziehung zu den USA, für China ein Mitspracherecht bei den großen Weltkriegskonferenzen sowie einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der UNO zu erwirken.
| 3. | In Taiwan |
Nach der japanischen Kapitulation 1945 brach der Bürgerkrieg in China erneut aus; Vermittlungsversuche der USA scheiterten. 1947 begannen die Kommunisten, die sich während des Japanisch-Chinesischen Krieges in Nordchina festgesetzt hatten, eine Generaloffensive und hatten bis 1949 das gesamte Festland erobert; Chiang Kai-shek floh auf die Insel Taiwan. Dort bestand er, seit 1948 auf der Grundlage einer neuen Verfassung, weiterhin auf seinem Anspruch, ganz China als Staatschef zu vertreten.
Mit Militär- und Wirtschaftshilfe vor allem seitens der USA war Chiang Kai-shek in der Lage, sich als Staatspräsident der von ihm selbst ausgerufenen „Republik China” auf Taiwan zu behaupten und ein groß angelegtes Wirtschaftsentwicklungsprogramm durchzuführen. Er stabilisierte seine Machtbasis, indem er die KMT reorganisierte und einheimische taiwanesische Führungskräfte in die Regierung aufnahm – seine Herrschaft blieb allerdings autoritär und diktatorisch. Wirtschaftlich wurde Taiwan unter Chiang Kai-sheks Führung international konkurrenzfähig.
Anfang der siebziger Jahre erlitt Chiang Kai-sheks Regierung auf der internationalen Bühne herbe Rückschläge, als Japan und die USA unter Präsident Richard Nixon ihre Beziehungen zu der kommunistischen Regierung in China ausbauten. Chiang starb am 5. April 1975; zu seinem Nachfolger hatte er seinen Sohn Chiang Ching-kuo bestimmt.