Chile
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Chile
2. Land

Chile hat eine sehr schmale, lang gestreckte Form und reicht über 39 Breitengrade und mehrere Klimazonen hinweg. Geprägt wird das Land durch zwei Gebirgszüge, die es in Längsrichtung durchziehen, von denen die Anden den markanteren bilden.

1. Physische Geographie

Chile lässt sich der Länge nach in drei topographische Zonen einteilen: die Anden (Cordillera de los Andes) im Osten; die niedrigere Küstenkordillere (Cordillera de la Costa), die im Westen am Pazifischen Ozean entlang verläuft, und das dazwischen liegende Große Längstal (Valle Longitudinal). Von Nord nach Süd lassen sich drei wesentliche geographische und klimatologische Regionen unterscheiden: die nördliche, trockene Wüstenzone in Nordchile, auch „Großer Norden” genannt; in Mittelchile eine Beckenregion mit Mittelmeerklima, als „Kleiner Süden” bekannt, und in Südchile eine niederschlagsreiche Region, der „Große Süden”, für den die inselartig aufgelösten Ausläufer der hohen Gebirgszüge prägend sind.

Die Anden sind im Norden am breitesten und verschmälern sich nach Süden zu. Im Norden bestehen sie aus mehreren Hochplateaus, die von zahlreichen Bergen mit Höhen bis zu 6 100 Metern umgeben sind. Hier befindet sich auch der mit 6 880 Metern höchste Gipfel Chiles, der Ojos del Salado. Das Plateaugebiet wird von der großen Wüste Atacama durchzogen, die ausgedehnte Salpeterfelder und reiche Vorkommen anderer Minerale (Kupfer, Borat, Iod, Sulfat, Kochsalz) enthält.

Mittelchile ist durch das Große Längstal geprägt, das eine Länge von 965 Kilometern aufweist. Das Tal mit einer Breite von 40 bis 80 Kilometern ist der am dichtesten besiedelte Teil Chiles, und die fruchtbare Region zwischen den Flüssen Aconcagua und Bío-Bío bildet sein landwirtschaftliches Herzstück. Die zentralen Anden haben hier eine geringere Breite und sind niedriger als im Norden. Die meisten wichtigen Pässe über die Anden finden sich hier ebenso wie die besten natürlichen Häfen des Landes. Nach Süden zu löst sich das Längstal in einzelne Becken auf.

Im südlichen Chile läuft das Große Längstal bei Puerto Montt im Meer aus. Die langen Inselketten vor der Küste bilden die Gipfel der nunmehr unter dem Meeresspiegel liegenden, südlichen Fortsetzung der Küstenkordillere, während die Anden im östlichen Küstenteil von zahlreichen Fjorden tief zerteilt und eingeschnitten sind. Sie übersteigen hier selten eine Höhe von 1 800 Metern. Chile liegt in einer Zone geologischer Instabilität, weshalb Erdbeben häufig vorkommen und die vulkanische Aktivität mit noch aktiven Vulkanen in Nord- und Mittelchile recht ausgeprägt ist.

2. Flüsse und Seen

Die meisten Flüsse in Chile sind relativ kurz, entspringen in den Anden und fließen von dort aus nach Westen in den Pazifischen Ozean. In Nord- und Mittelchile werden die Flüsse überwiegend vom ewigen Schnee in den Anden gespeist. Nach Süden zu nimmt die Wasserführung aufgrund der erhöhten Niederschläge zu. Die wichtigsten Flüsse des Landes sind (von Norden nach Süden) Loa, Elqui, Aconcagua, Maipo, Maule, Bío-Bío und Imperial. Obwohl die Flüsse wegen der Wasserfälle für die Schifffahrt von geringer Bedeutung sind, spielen sie für die Bewässerung und die Erzeugung von elektrischem Strom eine große Rolle. Viele der großen Seen Chiles, einschließlich des Llanquihue, konzentrieren sich auf den landschaftlich sehr schönen Seenbezirk in Südchile. Im Nordosten liegt der 2 270 Quadratkilometer große Salar de Atacama, eine ausgedehnte Salztonebene.

3. Klima

Wegen der enormen Längenausdehnung finden sich in Chile die verschiedensten Klimate. Im Allgemeinen sind die Temperaturen – abgesehen von den Hochgebirgsregionen – wegen der ozeanischen Einflüsse gemäßigt.

Der Norden besteht fast ausschließlich aus Wüste; diese Region zählt zu den trockensten der Welt, in den hoch gelegenen Becken im Inneren fällt oft über Jahre hinweg überhaupt kein Regen. Durch den kalten Humboldtstrom vor der Küste kommt es in Küstennähe jedoch zu häufiger Nebelbildung, die eine spärliche Vegetation ermöglicht. Das Klima hier ist gemäßigt, die jährliche Niederschlagsmenge beträgt in Antofagasta 12,7 Millimeter. Die durchschnittlichen Januartemperaturen liegen in Antofagasta bei 20,6 °C und in Santiago bei 19,5 °C, die Julitemperaturen bei 14 °C (Antofagasta) bzw. 8 °C (Santiago). Pro 150 Meter Höhenanstieg nehmen in den Anden die Temperaturen um etwa 1 °C ab. Die Niederschläge nehmen nach Süden immer stärker zu. In Mittelchile herrscht im nördlichen Teil ein mediterranes Klima. Hier konzentrieren sich die Regenfälle auf die Wintermonate (Mai bis Juli), sie betragen in Santiago jährlich 375 Millimeter. Die Winter sind hier allgemein mild, die Sommer relativ kühl. Die südliche Region ist kühler; hier regnet es das gesamte Jahr über. Die Niederschläge erreichen in der Nähe der Magellanstraße eine maximale Höhe von 5 800 Millimetern. Bei Punta Arenas im Süden des Landes liegt die jährliche Durchschnittstemperatur bei 6,1 °C. Starke Winde sind für die südliche Region charakteristisch.

4. Flora und Fauna

Entsprechend seiner großen Längenausdehnung hat Chile Anteil an sehr verschiedenen Vegetationsformen mit einer jeweils sehr eigenen Pflanzenwelt und vielen Endemiten (nur in diesem Gebiet vorkommenden Arten). Im Norden finden sich Wüsten und Dornstrauchsteppen, in denen nur wenige Kakteen und Sukkulenten, Dornbüsche und andere Pflanzen gedeihen. Weiter im Süden finden sich in Küstennähe Wälder mit üppigerer Vegetation, die ihren Wasserbedarf teilweise durch die Feuchtigkeit aus dem häufig auftretenden Nebel decken. Im feuchteren Großen Längstal wächst eine strauchreiche Steppenvegetation mit u. a. verschiedenen Kakteen, Espino (einem Dornstrauch) und zahlreichen Gräsern. In größerer Höhe (etwa 500 bis 1 800 Meter) gegen die Anden hin herrschen Nadelwälder vor, in denen Araukarien mit ihren essbaren Nüssen oder Chilenische Flusszedern dominieren. Südlich von Valdivia finden sich Reste des so genannten Valdivianischen Regenwaldes, eines temperierten Regenwaldes, der durch die hohen Niederschläge und ganzjährige Frostfreiheit begünstigt ist. Hier wachsen zahlreiche Lorbeergewächse, Magnolien und bunt blühende Lianen ebenso wie üppige Krautpflanzen. Außerhalb dieses eng begrenzten Gebiets sind für Mittelchile laubwerfende Wälder charakteristisch, in denen Südbuchen dominieren; weiter nach Süden zu werden sie von immergrünen Nadelwäldern abgelöst. Im äußersten Süden herrschen wiederum Grassteppen vor. Die Höhenlagen der Anden sind durch eine eigentümliche, artenreiche Hochgebirgsvegetation gekennzeichnet.

Die Artenvielfalt der Fauna ist in Chile geringer als in anderen Teilen Südamerikas, da die Anden eine beträchtliche Barriere für Tierwanderungen darstellen. Zu den bekannteren einheimischen Säugetieren zählen Lamas, Alpakas, Vikunjas, Pumas, Andenschakale, Magellanfüchse, Pudus, Chinchillas sowie der sehr seltene, in großer Höhe lebende Huemul oder Andenhirsch (das Wappentier Chiles). Das Vogelleben ist recht vielfältig, die meisten größeren südamerikanischen Formen sind jedoch nicht anzutreffen; zur Avifauna gehören u. a. Chilenische Flamingos, Guanokormorane, Spottdrosseln und Chile-Pfeifenten. Neben der Forelle, die aus Nordamerika eingeführt wurde, bevölkern nur wenige Süßwasserfische die chilenischen Flüsse und Seen. In den Küstengewässern gibt es jedoch einen großen Reichtum an verschiedenen Fischen und anderen Meerestieren.